Schweiz

Eine F35B von Lockheed Martin. Die Rüstungsfirma, von der die Schweizerische Nationalbank Aktien im Wert von 37 Millionen Franken besitzt, stellt auch Personenminen und Streumunition her.
Bild: US AIR FORCE/REUTERS

Investitionen in umstrittene Rüstungsfirmen: Schweizerische Nationalbank immer noch dick im Geschäft – obwohl der Ausstieg versprochen wurde

Per Ende Juli besass die SNB Aktien im Wert von rund 37 Millionen Franken von Lockheed Martin, ein Konzern, der auch Minen und Streumunition herstellt. Damit verstösst die Nationalbank gegen ihre eigenen Regeln.

06.09.15, 07:05 06.09.15, 10:50

Das Portfolio der Schweizerischen Nationalbank (SNB) enthält nach wie vor Aktien von Konzernen, die international geächtete Waffen herstellen. Dabei hat sich die SNB-Führung Ende 2013 dazu bekannt, künftig auf Investitionen in solche Unternehmen zu verzichten.

Gut eineinhalb Jahre später hat die SNB aber allein in den USA immer noch rund 550 Millionen Franken in umstrittenen Rüstungskonzernen angelegt. Dennoch sagt SNB-Kommunikationschef Walter Meier der «NZZ am Sonntag», Ausschlussgründe für Beteiligungen seien gemäss der internen Politik etwa die Herstellung von Streumunition und Personenminen.

Doch die SNB besass per Ende Juli zum Beispiel Aktien im Wert von rund 37 Millionen Franken von Lockheed Martin. Der weltweit grösste Rüstungskonzern stellt auch Personenminen und Streumunition her. Diese Tatsache erklärt Meier mit unterschiedlichen Interpretationen: Die Überprüfungen aufgrund der festgelegten Kriterien führe die SNB nicht selbst durch, sondern sie stütze sich auf die Beurteilung von spezialisierten Institutionen.

«Die SNB verstösst gegen ihre eigenen Richtlinien.»

Evi Allemann

«Ein Vergleich zeigt, dass die Analysen stets auch Ermessenskomponenten enthalten und deshalb nicht in jedem Fall zu identischen Ergebnissen führen.»

Linke Politiker und Pazifisten ärgern sich über die Anlagepolitik der SNB: «Sie verstösst gegen ihre eigenen Richtlinien», sagt die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann. Trotz gegenteiliger Ankündigung habe die SNB seit Anfang 2014 faktisch nichts an ihrer Investitionspraxis geändert, kritisiert Meret Schneider von der Gruppe Schweiz ohne Armee.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pokus 07.09.2015 07:03
    Highlight Ganz einfach, Regeln anpassen! Lasst uns freudig Menschen töten.
    1 0 Melden
  • Rodolfo 07.09.2015 00:33
    Highlight Angenommen: Die Schweiz würde kein Kriegsmaterial mehr ausführen:
    Wieviele Arbeitsplätze gehen verloren?
    Klare Frage - wer gibt darauf eine klare Antwort?
    1 2 Melden
    • Pokus 07.09.2015 07:08
      Highlight Angenommen das Auto wird erfunden, wieviele Arbeitsplätze (Kutscher, Reiter, Stallknecht) gehen verloren?
      Buchdruck, Telefonie, Informatik, Eisenbahn, Warenhäuser, Förderbänder, ... hoffe es klickt 😉
      1 0 Melden
    • arpa 07.09.2015 07:55
      Highlight Wie viel Geld wäre vorhanden wenn man kein Kriegsmaterial herstellen? Somit müsste man nicht mehr 40h/Woche arbeiten und es gäbe viel mehr Jobs mit weniger Arbeit zum gleichen Lohn...
      3 0 Melden
  • arpa 06.09.2015 22:28
    Highlight Die Schweiz soll wieder neutral werden. Waffenexporte... ich könnte kotzen. Und sogar die SNB verdient damit, traurig.
    Man erntet was man säht!
    8 0 Melden
  • Nick Name 06.09.2015 13:42
    Highlight Es ist immer wieder deprim-/faszinierend, wie unbeachtet und unkommentiert solche Meldungen bleiben, während bei Flüchtlingen im Schiff/am Bahnhof die Wellen wogen. (Das ist nicht abschätzig gemeint. Aber solche Situation sollten doch eigentlich, theoretisch, im Grunde genommen ENDLICH mal ein paar Augen öffnen. Oder?)

    Symptombekämpfung befriedigt uns Menschlein eben – in allen Bereichen ... – kurzfristig mehr, als die Ursachen zu eruieren und auch noch anzugehen.

    Ob wir uns einfach dreinschicken müssen?...
    Ich finde nicht.
    12 3 Melden
  • Crisyscon N. Trueb 06.09.2015 09:48
    Highlight To Big to fail? To Big for jail.
    11 1 Melden
  • Schneider Alex 06.09.2015 08:36
    Highlight Stoppt die Kriegsmaterialausfuhr!

    Waffen liefern und dann erstaunt sein, dass sie in falsche Hände geraten, ist eine verlogene Haltung, die einmal bös bestraft werden wird, wie beim Bankgeheimnis! Die Flüchtlingsströme sind die sichtbarsten Zeichen dieses unheilvollen Geschäfts. Die Kriegsmaterialausfuhr ist eine Schande für das Rotkreuz-Ursprungsland Schweiz!
    19 6 Melden

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