Unvergessen
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Overall World Cup  winner Janne Ahonen of Finland is carried away after a bad landing during the World Cup Ski Jumping competition in Planica, Slovenia, Sunday, March 20, 2005. Ahonen jumped 240 meters, but crashed while landing. (AP Photo/Filip Horvat)

Janne Ahonen wird nach seinem 240-Meter-Flug mit dem Rettungsschlitten abtransportiert. Bild: AP

Mit ganz viel Alkohol im Blut fliegt Janne Ahonen weiter als jemals ein Mensch vor ihm

20. März 2005: Janne Ahonen segelt beim Skifliegen in Planica auf 240 Meter. Nach dem Sturz wehrt sich der Finne mit Händen und Füssen gegen eine Kontrolle im Spital. Er hat Angst, dass die Ärzte dort ein Geheimnis aufdecken, das er erst später in seiner Biografie lüftet.



Eurosport-Kultreporter Dirk Thiele fleht immer lauter werdend: «Janne. Janne! JANNE!» Der Flug des Finnen in Planica geht weit und weiter, erst nach 240 Metern ist für Ahonen Schluss. Doch seinen weiten Satz kann er nicht stehen, rücklings drückt es ihn nach der Landung in den Schnee. «Hoffentlich ist nichts passiert», wünscht sich Thiele, als die Kamera den am Boden liegenden Skispringer zeigt. «Janne, mach keinen Scheiss!»

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Der Adler und sein weitester Flug: Janne Ahonen in Planica. Video: YouTube/ShaxoLP

Im Rettungsschlitten wird Ahonen aus der Arena gebracht. Doch ins Spital will der Finne auf gar keinen Fall. Den Grund dafür nennt er erst Jahre später in seiner Biografie «Königsadler – mein Leben als Skispringer». Darin zerstört er das Bild vom schweigsamen, braven Familienvater und zeichnet ein Sportlerleben zwischen Alkoholexzessen und Hungerkuren.

A paramedic, background, rushes to the scene as overall World Cup  winner Janne Ahonen of Finland, on ground, is helped by his fellow countryman Risto Jussilainen, front, after a bad landing during the World Cup Ski Jumping competition in Planica, Slovenia, Sunday, March 20, 2005. Ahonen jumped 240 meters, but crashed while landing. (AP Photo/Filip Horvat)

Kollege Risto Jussilainen eilt nach dem Sturz als erster zu Hilfe – lange Zeit ist er der Einzige, der die Vorgeschichte kennt. Bild: AP

Mehr Mut angetrunken, als nötig war

Vor diesem letzten Springen der Saison 2004/05 hatte Ahonen im Hotelzimmer gemeinsam mit Teamkollege Risto Jussilainen 24 Dosen Bier gekippt. Wäre er ins Spital gekommen, so die Schlussfolgerung des wortkargen Finnen, hätten die Ärzte grosse Mengen Restalkohol im Blut festgestellt.

Wäre es Janne Ahonen gelungen, seinen Sprung zu stehen, wäre er neuer Weltrekordhalter geworden. So sichert sich im gleichen Wettkampf der Norweger Björn-Einar Romören mit einem gestandenen Satz auf 239 Meter den Weltrekord. Aktueller Rekordhalter ist seit zwei Tagen der Österreicher Stefan Kraft, der bei einem Sprung in Vikersund erst nach 253,5 Metern wieder landete.

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Krafts Flug in die Geschichtsbücher. Video: streamable

Abends Müsli, mittags überhaupt nichts

Der Weltrekord ist einer der wenigen Lücken in seinem Palmarès. Fünfmal wurde Ahonen in seiner bis heute andauernden Laufbahn mit zwei Rücktritten und zwei Comebacks Weltmeister, fünfmal gewann er die Vierschanzentournee, zweimal holte er den Gesamtweltcup. Nur bei Olympischen Spielen und Skiflugweltmeisterschaften stand er nie zuoberst auf dem Podest. 

Für seine Karriere musste Ahonen aber leiden. In seiner Biographie beschreibt er auch, wie er sich Wochen vor Saisonstart jeweils mit einer Diät jeweils auf Wettkampfgewicht brachte: morgens und abends Müsli mit fettarmem Joghurt, mittags überhaupt nichts. Dazu entwässerte er mit Kaffee. Auf diese Weise habe er sich einmal von 73 auf 65 Kilogramm heruntergehungert. Nicht einmal die Kraft, mit seinen Kindern zu spielen, brachte er in dieser Phase auf.

epa04104077 Janne Ahonen of Finland in action during the FIS Ski Jumping World Cup event Lahti, Finland, 28 February 2014.  EPA/MARKKU OJALA FINLAND OUT

Janne Ahonen wird am 21. Februar beim Weltcupspringen in Lahti 43. Bild: EPA/COMPIC

Auch nach seinem zweiten Comeback läuft das noch immer ähnlich. An einen Rücktritt denkt der stille Finne dennoch nicht, obwohl er mittlerweile 39 Jahre alt ist. Sein erklärtes Ziel ist es, einmal zusammen mit Sohn Mico (15) zu springen. Finnische Medien haben eine andere Erklärung für seine Ausdauer: Chronische Geldprobleme.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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