Für Roman Josi sind die Playoffs schon wieder vorbei, bevor sie so richtig begonnen haben.
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Enttäuschung für Josi, Fiala und Co. – 5 Erkenntnisse aus den Pre-Playoffs der NHL
Die Play-In-Runde vor den eigentlichen NHL-Playoffs ging mit einer weiteren Überraschung zu Ende. Die Columbus Blue Jackets warfen die Toronto Maple Leafs raus. Auch sonst gab es durchaus einige erstaunliche Ergebnisse. Wir sagen dir, was uns besonders aufgefallen ist, und blicken voraus auf die erste Playoff-Runde.
Bevor wir loslegen, schauen wir doch noch einmal auf unsere meine Prognosen vor dem Start der Qualifikations-Runde. Spoiler: Es wird schmerzhaft (für mich).
watson-Prognose: Maple Leafs – Blue Jackets 3:1
Natürlich versagen die Leafs wieder einmal, sobald die Regular Season vorbei war. Hätte man eigentlich ahnen können. Columbus gewann in fünf Spielen.
Hurricanes – Rangers 2:3
Wow, falscher konnte ich gar nicht liegen. In der Realität setzten sich die Hurricanes in drei Spielen durch.
Penguins – Canadiens 3:1
Daneben! Es gab zwar tatsächlich einen Sieger nach vier Spielen, doch es war zur Überraschung vieler Montreal und nicht Pittsburgh.
Islanders – Panthers 3:1
Ha, Volltreffer! Waren die Tipps also doch nicht so schlecht? Abwarten, es folgt die Western Conference.
Predators – Coyotes 3:2
Ein hartes Stück Arbeit sagte ich Nashville voraus. Es war zu hart. Arizona gewann in vier Spielen.
Canucks – Wild 2:3
Nach dem ersten Spiel fühlte ich mich bestätigt, doch dann fiel Minnesota auseinander. Vancouver siegte in vier Spielen.
Oilers – Blackhawks 3:1
«McDavid und Draisaitl sind zu gut für die Blackhawks-Verteidigung», schrieb ich. Nun, McDavid und Draisaitl haben in vier Spielen gemeinsam 15 Skorerpunkte gesammelt. Dennoch verlor Edmonton in vier Spielen.
Flames – Jets 1:3
Autsch! Da habe ich den Einfluss von Jets-Goalie Hellebuyck krass überbewertet. Calgary gewann in vier Spielen.
Der Zufall regierte
Was die Resultate und meine äusserst durchzogene Tippbilanz zeigen: Nach einer so langen Pause haben die Resultate der Regular Season kaum mehr Bedeutung. Teams mit kaum mehr realistischen Playoff-Chancen wie Chicago und Montreal warfen vermeintliche Schwergewichte wie Edmonton und Pittsburgh raus.
Hand aufs Herz: Wie viele von euch haben gedacht, dass Chicago die Oilers rauswirft?
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Oder Vancouver, das vor dem Unterbruch nicht mehr gut spielte, schlug Minnesota, das sich vor Corona seinerseits in guter Form befand.
Gerade in einer kurzen Serie über fünf Spiele, wie es die Play-In-Runde war, schien es viel wichtiger, dass wichtige Einzelspieler sofort gut in Form waren – insbesondere die Torhüter. Und natürlich, dass man auch eine Portion Glück hat. Weil die Teams nach einer derart langen Pause noch nicht wieder in Bestform waren, spielten individuelle Fehler und glückliche Puck-Hüpfer eine viel grössere Rolle als sonst in den Playoffs.
Lafrenière geht zu einem guten Team
- Toronto Maple Leafs
- New York Rangers
- Pittsburgh Penguins
- Florida Panthers
- Nashville Predators
- Minnesota Wild
- Edmonton Oilers
- Winnipeg Jets
Eines dieser acht Teams wird heute Abend jubeln. Zwar sind die Playoffs bereits vorbei, doch die Mannschaft darf sich mit dem First-Overall-Pick im NHL-Draft vom 9. Oktober trösten und dann Supertalent Alexis Lafrenière draften.
Wo landet Alexis Lafrenière?
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Denn heute Abend findet Teil 2 der NHL-Draft-Lottery statt. Und wie es der Zufall beim ersten Teil wollte, ging der Nummer-1-Pick an einen der Verlierer der Play-In-Runde. Deshalb haben alle oben erwähnten Mannschaften eine 12,5-prozentige Chance auf Lafrenière.
Das bedeutet wiederum, dass der beste Spieler des Drafts für einmal nicht an ein Team geht, das sich in einem Rebuild befindet und dringend Talent benötigt. Sondern an eines, das bereits über ein relativ gutes Kader verfügt. Man stelle sich vor, Lafrenière geht zu Edmonton. McDavid hätte plötzlich einen Flügel, der mit ihm mithalten kann. Oder Pittsburgh: Mit Crosby, Malkin, Guentzel und Lafrenière könnten die Penguins wohl weitere Jahre um den Titel mitspielen. Oder Lafrenière als Ergänzung in Toronto mit Tavares, Matthews, Marner und Nylander.
Minnesota hätte ein Talent wie Lafrenière wohl am ehesten nötig. Die Serie gegen Vancouver hat gezeigt, dass die Wild neben Kevin Fiala einen starken Mangel an Qualitätsstürmern haben.
Ein guter Torhüter war die halbe Miete
Noch nie schien ein guter Torhüter in einer Serie so wichtig wie in der Play-In-Runde. Gerade weil das Spiel aufgrund der langen Pause noch nicht so strukturiert war, wie es normalerweise in den Playoffs der Fall ist, kam den Männern zwischen den Pfosten eine noch grössere Bedeutung zu.
In fast allen Serien gewann das Team mit dem (oder den) besseren Torhüter. Nashville verzweifelte Spiel für Spiel am überragenden Darcy Kuemper (Fangquote 93,3%) von den Coyotes. Ohne Carey Price (94,7%) wäre Montreal wohl chancenlos geblieben gegen Pittsburgh. Jacob Markström (92,6%) führte Vancouver zum Sieg über Minnesota. Und Calgarys Cam Talbot (94,5%) spielte überraschend Winnipegs Connor Hellebuyck (90,4%) an die Wand.
Starke Schweizer Einzelleistungen
Aus Schweizer Sicht war die Qualifying-Runde enttäuschend: Roman Josi und Yannick Weber schieden mit Nashville genau so aus wie Kevin Fiala mit Minnesota und Gaëtan Haas mit Edmonton. Einzig Dean Kukan (Columbus) und Nino Niederreiter (Carolina) schafften den Sprung in die erste Playoff-Runde. Bereits fix dafür qualifiziert war Jonas Siegenthaler (Washington).
Mit ihren individuellen Leistungen können aber die meisten Schweizer eigentlich zufrieden sein. Fiala (3 Tore, 1 Assist) war der überragende Spieler der Minnesota Wild. Wenn er auf dem Eis stand, wurde es für Vancouver immer gefährlich. Ja, es wurde sogar praktisch nur dann gefährlich. Der Flügel überzeugte sogar mit für ihn untypisch solidem Defensivspiel. Doch er konnte nicht den ganzen Sturm seiner Mannschaft im Alleingang tragen.
Roman Josi war wie gewohnt der Dynamo im Spiel der Predators. Er, sein Verteidigungspartner Ryan Ellis sowie Filip Forsberg und Viktor Arvidsson waren die einzigen Spieler, die wirklich Torgefahr ausstrahlten. Defensiv war der Berner nicht immer sattelfest, doch offensiv war er eine Wucht. Zwar sammelte er in vier Spielen «nur» vier Assists und kein Tor. Doch Josi trieb das Offensivspiel Nashvilles Mal für Mal an. Im vierten Spiel der Serie gab er unfassbare 17 Schüsse auf den Kasten Arizonas ab.
Yannick Weber dagegen wurde Opfer von John Hynes' fragwürdigen Coaching-Entscheiden. Obwohl auch er solide spielte, erhielt er pro Spiel nie mehr als zehn Minuten Eiszeit. Gaëtan Haas musste bis im letzten Spiel auf einen Einsatz warten. Auch diese Entscheidung stellte sich nachträglich als Fehler heraus, zeigte der Romand doch ein gutes Spiel gegen Chicago. Seine defensive Stabilität hätte Edmonton schon früher gebrauchen können.
Obacht vor Philly und Colorado
Wenn ich jetzt einen Tipp auf den späteren Stanley-Cup-Sieger abgeben müsste, wären das wohl die Philadelphia Flyers oder die Colorado Avalanche. Die Flyers rollten mit drei Siegen, elf Toren und nur drei Gegentreffern durch die Round Robin. Philadelphia hat einen stark besetzten Sturm, eine solide Verteidigung und mit Carter Hart einen der besten jungen Torhüter.
Plötzlich sind die Flyers einer der heissen Favoriten auf den Stanley Cup.
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Colorado trifft auf Arizona, das schon Nashville ausgeschaltet hat. Im Gegensatz zu den Predators verfügen die Avalanche dank Nathan MacKinnon, Mikko Rantanen und Gabriel Landeskog aber über die Mittel, um Darcy Kuemper zu schlagen. Ebenfalls ein starker Vertreter aus dem Westen sind die Vegas Golden Knights. Falls es zu einem Direktduell käme, schätze ich die Chancen Colorados aber noch etwas besser ein.
Am anderen Ende des Formspektrums befinden sich die St. Louis Blues, die Boston Bruins und die Dallas Stars. Boston holte in der Round Robin keinen einzigen Sieg, erzielte in drei Spielen nur vier Tore und kassierte deren neun. Dallas und St. Louis zeigten gestern Abend zum Abschluss der Round Robin ein Spiel, das bestens als Schlafmittel geeignet gewesen wäre. Beide überzeugten in den Duellen gegen Colorado und Vegas überhaupt nicht. Wenn sie mit dieser Intensität gegen ein Team antreten, das bereits eine Ernstkampf-Serie hinter sich hat, dann sind die Playoffs für sie bald wieder vorbei.
Diese NHL-Spieler haben die 600-Tore-Marke geknackt
Wayne Gretzky, 894 Tore X02835 / Perry Nelson
Gordie Howe, 801 Tore AP/AP / Uncredited
Jaromir Jagr, 766 Tore AP/AP / Gene J. Puskar
Brett Hull, 741 Tore Getty Images North America / Dave Sandford
Alexander Owetschkin, 732 Tore AP/AP / Alex Brandon
Marcel Dionne, 731 Tore AP/AP / PAUL SANCYA
Phil Esposito, 717 Tore Boston Bruins / Boston Bruins
Mike Gartner, 708 Tore Washington Capitals / NHL / Washington Capitals / NHL
Mark Messier, 694 Tore AP / GRIMSHAW
Steve Yzerman, 692 Tore AP/AP / Tom Pidgeon
Mario Lemieux, 690 Tore AP / JIM MONE
Teemu Selänne, 684 Tore AP/AP / Jae C. Hong
Luc Robitaille, 668 Tore AP / BRANIMIR KVARTUC
Brendan Shanahan, 656 Tore AP/AP / David Zalubowski
Dave Andreychuck, 640 Tore AP CP / PAUL CHIASSON
Joe Sakic, 625 Tore AP / DAVID ZALUBOWSKI
Jarome Iginla, 625 Tore AP/AP / Mark J. Terrill
Bobby Hull, 610 Tore AP NY / STR
Dino Cicarelli, 608 Tore AP/AP / David Zalubowski
Jari Kurri (links), 601 Tore AP/CP / JOHN WOODS
Nico Hischier beantwortet unsere ungewöhnlichen Fragen
Video: watson / Emily Engkent, Sandro Zappella
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