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Die neue Realität in der Bundesliga: abgesperrte Trainingsgelände und Spieler mit Masken. Bild: EPA

Warum die Welt ab morgen gespannt auf die Bundesliga blickt

Als erste grosse Liga – nein, als erster grosser Sport-Wettbewerb überhaupt – nimmt die Bundesliga am Samstag den Betrieb nach dem Corona-Unterbruch wieder auf. Sie spielt die Rolle einer Vorreiterin. Doch der Re-Start mit Geisterspielen wird begleitet von Skepsis.

Publiziert: 15.05.20, 05:47

Karl-Heinz Rummenigge denkt und spricht als Vorstandschef von Rekordmeister Bayern München oft in Superlativen. Wenige Tage vor dem Wiederbeginn sprach er gegenüber der «Sport Bild» grosse Worte für einmal im Namen der gesamten Liga. «Wenn die Bundesliga als einzige grosse Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir ein Milliardenpublikum haben werden.»

Wenn am Samstag ab 15.30 Uhr der Ball in Deutschland wieder rollt, schauen aber nicht nur die seit über zwei Monaten nach Live-Sport lechzenden Fans in allen Erdteilen genau hin.

«Der Re-Start der Bundesliga zeigt, dass ‹made in Germany› wieder ein absolutes Gütesiegel ist.»

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef Bayern München

Deutschland und die Bundesliga übernehmen eine Vorreiterrolle für andere Verbände und Ligen – und nicht nur im Fussball. Politiker, Funktionäre und Virologen werden beobachten, wie die Schutzkonzepte umgesetzt werden, ob der aufgenommene Spielbetrieb die Gesundheit der Athleten gefährdet, oder wie sich die spezielle Situation mit beeinträchtigten Trainings sowie kurzer Vorbereitung auf den Wettbewerb auswirkt.

Rummenigge appellierte an die Verantwortung der Vereine, Trainer und Spieler. «Wir müssen unter Beweis stellen, dass wir mit dem Vertrauensbeweis der Politik super diszipliniert umgehen.» Er ist sich aber auch sicher: «Der Re-Start der Bundesliga zeigt, dass »made in Germany« wieder ein absolutes Gütesiegel ist.»

Spielen auf Bewährung

Mit der Wiederaufnahme der Meisterschaft hat die Bundesliga in den nächsten Wochen eine der wichtigsten und grössten Sportbühnen – der internationale Fussball – für sich ganz alleine. Dies lässt die Liga-Spitze um Geschäftsführer Christian Seifert allerdings nicht abheben. In einem Interview mit dem TV-Sender ZDF sagte er: «Wir haben einen Notbetrieb aufgestellt, und jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung.»

«Das Konzept steht auf tönernen Füssen.»

Max Eberl, Sportchef Borussia Mönchengladbach

Damit deutete Seifert an, dass die Bundesliga zwar wieder beginnt, dass aber der Abschluss der Saison, geplant für den 27. Juni, längst nicht gesichert ist. Die Angst vor einem Abbruch bei neuen Corona-Fällen innerhalb eines Teams begleitet die anstehenden neun Runden.

Ob bei Neuinfizierungen gleich die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, entscheiden die Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesländer. Wenn sich zwei oder drei Teams in eine zweiwöchigen Quarantäne begeben müssen, ist die Beendigung der Saison nicht mehr realistisch. Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl sagte daher: «Das Konzept steht auf tönernen Füssen.»

Der leere Borussiapark, die Heimstätte von Yann Sommer und Co. Bild: DPA

Noch sind sich die Klubs nicht einig, ob bei einem Abbruch die aktuelle Tabelle als Schlussrangliste gewertet werden soll. Knackpunkt in der Diskussion ist vor allem die Frage nach den Absteigern und den Aufsteigern aus der 2. Liga. Selbst wenn sich die Bundesligisten einig werden sollten, drohen juristische Nachspiele, wie sie in Frankreich und in den Niederlanden seit dem Saisonabbruch dort bereits im Gange sind.

Schon in 10 Tagen: Dortmund – Bayern

Wäre nicht die Debatte über die Wertung der Saison im Falle eines Abbruchs aufgekommen, die sportliche Ausgangslage vor dem Wiederbeginn wäre gänzlich marginal geblieben.

Deshalb sei hier daran erinnert: Rekordmeister und Titelverteidiger Bayern München nimmt die Saison mit vier Punkten Vorsprung vor Lucien Favres Borussia Dortmund wieder auf. Borussia Mönchengladbach mit den vier Schweizer Internationalen Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Breel Embolo ist als Vierter auf einem Champions-League-Platz klassiert. Der Schweizer Trainer Urs Fischer liegt mit Aufsteiger Union Berlin (11.) im ziemlich sicheren Tabellen-Mittelfeld, und Stephan Lichtsteiner kämpft mit Augsburg (14.) gegen den Abstieg.

Dieser droht Werder Bremen, das seit 40 Jahren in der Bundesliga spielt. Die Hanseaten sind Zweitletzte und haben auf den Barrage-Platz ein Handicap von vier Punkten.

Schon in der dritten Runde nach dem Re-Start steht das Spitzenspiel zwischen Verfolger Dortmund und Leader Bayern auf dem Programm. Für die Dortmunder fühlt sich der Wiederbeginn mit den Geisterspielen besonders speziell an. Die ersten beiden Heimspiele bestreiten sie gegen den Erzrivalen Schalke und gegen Bayern München.

«Als Kinder spielten wir vor fünf Zuschauern. Es geht wie damals um den Spass, darum, die Leidenschaft abzurufen.»

Roman Bürki, Goalie Borussia Dortmund

Auf die Unterstützung ihrer 80'000 Fans können sie dabei nicht zählen. Der Schweizer Borussia-Keeper Roman Bürki versuchte, das ungewohnte Szenario zu antizipieren und sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: «Als Kinder spielten wir vor fünf Zuschauern. Es geht wie damals um den Spass, darum, die Leidenschaft abzurufen. Vielleicht sollte man sich die Ursprünge wieder etwas vor Augen halten.»

Wenn die Bundesliga auch eine Vorreiter-Rolle spielen möchte für mehr Demut in der vor der Corona-Krise mehr und mehr abgehobenen Fussball-Szene, dann gibt es keine bessere Botschaft als diese Worte von Roman Bürki. (abu/sda)

Von Hitzfeld bis Djuricin – alle GC-Trainer seit 1988

28 Trainer hat GC seit 1988 verbraucht – die Liste in chronologischer Reihenfolge: João Carlos Pereira: Seit dem 6. August 2020
Zoltan Kadar (RUM): 15. Mai 2020 bis 6. August 2020. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Goran Djuricin (AUT): 10. Februar 2020 bis 15. Mai 2020. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Uli Forte (SUI): 9. April 2019 bis 9. Februar 2020. KEYSTONE / WALTER BIERI
Tomislav Stipic (GER/CRO): 6. März 2019 bis 9. April 2019 KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Thorsten Fink (GER): April 2018 bis März 2019. AP/AP / Ronald Zak
Mathias Walther* (SUI): April 2018. *Interimslösung KEYSTONE / WALTER BIERI
Murat Yakin (SUI): August 2017 bis April 2018 – kein Titel. KEYSTONE / WALTER BIERI
Carlos Bernegger (ARG/SUI): März 2017 bis August 2017 – kein Titel. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Pierluigi Tami (SUI): Januar 2015 bis März 2017 – kein Titel. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Michael Skibbe (GER): Juli 2013 bis Januar 2015 – kein Titel. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Uli Forte (SUI): April 2012 bis Juni 2013 – ein Cupsieg. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Ciriaco Sforza (SUI): Juni 2009 bis April 2012 – kein Titel. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Hanspeter Latour (SUI): Juli 2007 bis Juni 2009 – kein Titel. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Carlos Bernegger* (ARG/SUI): Mai 2007 bis Juni 2007 – kein Titel. KEYSTONE / EDDY RISCH
Krassimir Balakov (BUL): Januar 2006 bis Mai 2007 – kein Titel. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
Hanspeter Latour (SUI): Dezember 2004 bis Januar 2006 – kein Titel. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Carlos Bernegger* (ARG/SUI): Oktober 2004 bis Dezember 2004 – kein Titel. *Interimslösung KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Alain Geiger (SUI): Dezember 2003 bis Oktober 2004 – kein Titel. KEYSTONE / EDDY RISCH
Carlos Bernegger* (ARG/SUI): Oktober 2003 bis Dezember 2003 – kein Titel. *Interimslösung KEYSTONE / EDDY RISCH
Marcel Koller (SUI): Januar 2002 bis Oktober 2003 – ein Meistertitel. KEYSTONE / PAOLO FOSCHINI
Hans-Peter Zaugg (SUI): Juli 2000 bis März 2002 – ein Meistertitel. KEYSTONE / MARKUS STUECKLIN
Roy Hodgson (ENG): August 1999 bis Juni 2000 – kein Titel. KEYSTONE / MARKUS STUECKLIN
Roger Hegi (SUI): Januar 1999 bis August 1999 – kein Titel. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Rolf Fringer (AUT/SUI): Januar 1998 bis Januar 1999 – ein Meistertitel. BELGA EPA / OLIVIER MATTHYS
Hanspeter Latour* (SUI): November 1997 bis Januar 1998 – kein Titel. *Interimslösung KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
Christian Gross (SUI): Juli 1993 bis November 1997 – zwei Meistertitel, ein Cupsieg. KEYSTONE / PATRICK KRAEMER
Leo Beenhakker (NED): Juli 1992 bis Juni 1993 – kein Titel. AP / DUSAN VRANIC
Oldrich Svab (CZE): Juli 1991 bis Juni 1992 – kein Titel. KEYSTONE / STR
Ottmar Hitzfeld (GER): Juli 1988 bis Juni 1991 – zwei Meistertitel, zwei Cupsiege. KEYSTONE / STR

Chefsache: Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Video: watson / Nico Franzoni

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