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Nach Präsidentenmord in Haiti: Premierminister soll angeklagt werden

Publiziert: 14.09.21, 21:23

Nach der Ermordung des Staatspräsidenten Jovenel Moïse hat die Staatsanwaltschaft eine Anklage des Interims-Premierministers Ariel Henry beantragt. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den zuständigen Richter hervor, aus dem am Dienstag Medien übereinstimmend berichteten. Henry wurde demnach zudem in einem weiteren Brief an die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates die Ausreise untersagt.

Präsident Moïse an einer Pressekonferenz im Oktober 2019. Am 7. Juli 2021 wurde er ermordet. Bild: keystone

In letzterem Schreiben – das in sozialen Medien verbreitet wurde, dessen Echtheit sich zunächst jedoch nicht bestätigen liess – heisst es, es gebe schwerwiegende Anschuldigungen gegen Henry wegen Moïses Ermordung. Was ihm genau vorgeworfen wird, war zunächst unklar.

Der 53 Jahre alte Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Seine Ehefrau Martine wurde dabei angeschossen, überlebte aber. Nach Polizeiangaben führten kolumbianische Söldner den Mord aus. Zu den Hintermännern sollen ein haitianischer Arzt, der in den USA wohnte, und ein Ex-Funktionär des haitianischen Justizministeriums gehören. Es gab zahlreiche Festnahmen, aufgeklärt wurde der Fall bisher nicht.

Interim-Premierminister soll in der Nacht der Attentats mit einem der mutmasslichen Hintermänner telefoniert haben. Bild: keystone

Vor wenigen Tagen hatten örtliche Medien berichtet, die Ermittler hätten Henry eingeladen, sich zu Telefonaten in der Nacht des Attentats zu äussern, die er mit einem der mutmasslichen Hintermänner geführt haben soll. Henry prangerte am Samstag, ohne die Vorwürfe direkt anzusprechen, auf Twitter Ablenkungsmanöver an, die ihm zufolge Verwirrung stiften und die Justiz behindern sollten.

Moïse hatte Henry keine 36 Stunden vor seinem Tod zum bereits siebten Regierungschef seiner Amtszeit ernannt. Henry und sein Kabinett wurden allerdings nach einem Machtkampf um das Amt erst mehrere Wochen später am 20. Juli vereidigt. Da Haiti seit Anfang 2020 kein beschlussfähiges Parlament hat, konnte der 71 Jahre alte Ex-Innenminister und Neurochirurg nicht verfassungsgemäss im Amt bestätigt werden. Am 26. September waren Präsidenten- und Parlamentswahlen in dem ärmsten Land Amerikas geplant. Medienberichten zufolge werden diese auf den November verschoben.

Einige Ermittler im Fall Moïse haben angegeben, Todesdrohungen erhalten zu haben und sich deshalb versteckt zu halten. Der ursprünglich zuständige Richter trat zudem vor einem Monat zurück – er gab persönliche Gründe an. Örtliche Medien berichteten zuletzt auch über Machtkämpfe in der Regierung – vor allem zwischen Henry und dem Justizminister Rockfeller Vincent. (saw/sda/dpa)

Krawalle nach Wahlverschiebung: Ein Wochenende der Gewalt in Haiti

Nach der Verschiebung der Stichwahl um das Präsidentenamt kam es am Wochenende in Haiti zu Demonstrationen gegen die Regierung. Offiziell wurde die Verschiebung mit der Befürchtung gewaltsamer Ausschreitungen begründet. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Für die Opposition ist jedoch klar: Die Regierung will die Stichwahl hinauszögern, um ihren Kandidaten Vorteile zu verschaffen. Auch eine unabhängige Prüfungskommission ist zum Schluss gekommen, dass massiv Wahlfälschung betrieben wurde. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Tausende Demonstranten forderten am Samstag den Rücktritt von Staatschef Michel Martelly und Ministerpräsident Evans Paul — Vodoo-Ritual in der Hauptstadt Port-au-Prince. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
«Wir wollen wählen» — Oppositionelle haben am Wochenende ihrem Unmut über die Verschiebung der Stichwahl Ausdruck gegeben. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Bis Anfang Februar müsse eine Übergangsregierung stehen, sagte Oppositionspolitiker Assad Volcy bei der Kundgebung in der Hauptstadt Port-au-Prince — Demonstranten halten ihre Identitätskarten in die Kamera. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Die Demonstranten fordern den sofortigen Rücktritt des Präsidenten Michel Martelly. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
«Nieder mit Martelly» lautet der Slogan an dieser Kundgebung. AP/AP / Dieu Nalio Chery
Als Sicherheitskräfte Warnschüsse abgaben, sei der Zorn der Menschen noch gestiegen, berichteten Augenzeugen. Aus der Menge wurden Steine auf die Polizei geworfen, die mit Wasserwerfern und Tränengas reagierte. AP/AP / Dieu Nalio Chery
Ein Polizist räumt eine Strasse in Port-au-Prince. Am Wochenende wurden in der haitianischen Hauptstadt drei Fahrzeuge in Brand gesteckt und die Scheiben mehrerer Geschäfte eingeschlagen. AP/AP / Dieu Nalio Chery
Tausende Demonstranten haben sich am Wochenende zusammengefunden, um gegen die Politik des amtierenden Regierungschefs zu protestieren. X03701 / ANDRES MARTINEZ CASARES
Demonstranten ziehen sich nach einem Tränengaseinsatz der Polizei zurück. Bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften vor dem Hauptquartier der Wahlkommission war am Freitag ein Demonstrant von einer Kugel getroffen worden. X03701 / ANDRES MARTINEZ CASARES
Anwohner beobachten die Demonstration aus der sicheren Entfernung. AP/AP / Dieu Nalio Chery
Die Proteste gegen die amtierende Regierung dauern schon seit Wochen an. Am Samstag wurde ein Markt nahe des Präsidentschaftspalastes von einer wütenden Menge angegriffen. X03701 / ANDRES MARTINEZ CASARES
AP/AP / Dieu Nalio Chery
EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfer auf die Demonstranten, ob auch scharfe Munition verwendet wurde, ist nicht bekannt — Polizist mit entsicherter Waffe. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
epa05121613 Demonstrators set tires on fire during protests demanding the resignations of Haitian President Michel Martelly, in Port au Prince, Haiti, 23 January 2016. Haitian election officials indefinitely postponed the presidential runoff elections scheduled for 24 January, but the move did not bring a halt to violent incidents in this capital and cities in the country's northeast involving thousands of demonstrators opposed to the vote. EPA/ORLANDO BARRIA EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Polizeisperre in Port-au-Prince. EPA/EFE / BAHARE KHODABANDE
Der Wunschkandidat der scheidenden Regierung, Jovanel Moise, während einer Rede in Port-au-Prince. EPA/EFE / Orlando Barria
Haiti ringt 30 Jahre nach dem Ende der Diktatur noch immer um Stabilität. Immer wieder wurde das Land durch politische Krisen zurückgeworfen — Demonstrant in Port-au-Prince. EPA/EFE / Bahare Khodabande
Der verarmte Karibikstaat leidet zudem weiter unter den Folgen des verheerenden Erdbebens im Jahr 2010, bei dem mehr als 250'000 Menschen ums Leben gekommen waren — Demonstrant mit Maske und Zigarette. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Als Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen Warnschüsse abgaben, sei der Zorn der Menschen noch gestiegen, berichteten Augenzeugen. Aus der Menge wurden Steine auf die Polizei geworfen, die mit Wasserwerfern und Tränengas reagierte. Überdies wurden Reifen angezündet. EPA/EFE / BAHARE KHODABANDE
Ein Polizist der Nationalgarde zielt mit einer Schrotflinte aus einem fahrenden Auto. Eine Person wurde bei den Protesten verwundet. X03701 / ANDRES MARTINEZ CASARES
Wachleute vor der kanadischen Botschaft in Port-au-Prince. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA
Demonstranten versuchen Chaoten in den eigenen Reihen zur Vernunft zu bringen. X03701 / ANDRES MARTINEZ CASARES
Ein Selfie für die Ewigkeit. Demonstrant mit einem Erinnerungsfoto neben einem ausgebrannten Wagen. EPA/EFE / ORLANDO BARRIA

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