Die Polizeigewalt in den USA setzt im Juni neue Massstäbe
Video: watson/Lino Haltinner
«Du gehst ins Gefängnis!» – Polizisten verhaften in Florida einen 8-Jährigen
Der Fall sorgte bereits im Dezember 2018 für Furore, jetzt sind erstmals Videoaufnahmen der Verhaftung publik geworden. Ein 8-jähriger Junge wird in einer Primarschule im US-Bundesstaat Florida verhaftet.
«Mein Junge, weisst du, wohin du jetzt gehst? Du gehst ins Gefängnis», sagt ein Polizist, während er versucht, dem Jungen Handschellen anzulegen.
«Versucht», weil es nicht klappt. Die Handgelenke des Jungen sind zu schmal. Stattdessen soll er die Hände vor seinem Körper lassen. Während der Junge abgeführt wird, sagt der Polizist vor dem Ausgang: «Ich hasse es, dass du mich in diese Position bringst, aber ich muss das tun, verstanden? Die Sache ist: Du hast einen Fehler begangen, jetzt ist es an der Zeit, daraus zu lernen und daran zu wachsen, richtig?»
Was ist passiert?
Die Beamten verhafteten den Jungen wegen Körperverletzung. Er soll einer Lehrerin auf den Brustkorb geschlagen haben. Gemäss «Miami Herald», welchem der Polizeibericht vorliegt, eskalierte die Situation zwischen den beiden in der Schulmensa.
Die Lehrerin wies den Jungen an, sich richtig hinzusetzen, das klappte aber nicht wirklich. Der Junge weigerte sich, wurde verbal ausfällig und schlug die Lehrerin, die gemäss Polizeibericht keine «offensichtlichen» Verletzungen davon trug.
Wieso erscheint das Video jetzt öffentlich?
Die Mutter des Jungen klagt gegen die Polizeibeamten, den Schulbezirk und die Stadt Key West. Einer ihrer drei Anwälte veröffentlichte das Video auf Twitter.
Dieser gab auch gleich einen Grund für das Verhalten des Jungens: Er soll an Verhaltensstörungen leiden, von welchen die Schule zum Zeitpunkt der Verhaftung bereits Kenntnis hatte. Nicht aber die Lehrerin, die eine Stellvertretung sei. Sie habe die Situation unabsichtlich durch ihre Annäherung erst eskalieren lassen, schreibt der Anwalt auf Twitter.
Der Polizeichef indes verteidigte das Vorgehen der Beamten: «Gemäss dem Polizeibericht wurden die Abläufe standardmässig befolgt», zitiert ihn der «Miami Herald». Aufgrund des laufenden Verfahrens äusserten sich die Schule und städtischen Behörden nicht zum Fall. (jaw)
Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA
Miami, 1980: Ein nur mit Weissen besetztes Geschworenengericht spricht vier weisse Polizisten von der Anklage frei, sie hätten den Afroamerikaner Arthur McDuffie zu Tode geprügelt, der eine rote Ampel überfahren hatte. Tagelange Krawalle in Florida kosten 18 Menschen das Leben, Hunderte werden verletzt. Es sind die grössten Unruhen in den USA seit der Ermordung des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King 1968. AP/AP / KATHY WILLENS
Los Angeles, 1991: Ein Amateur-Video geht um die Welt: Es zeigt vier Polizisten, die den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammenschlagen. Ihr Freispruch führt zu Unruhen mit Dutzenden Toten. Zwei von ihnen werden in einem Revisionsverfahren 1993 zu Haftstrafen verurteilt. Das Opfer erhält eine millionenschwere Entschädigung. Im Bild: Demonstranten vor dem brennenden Los Angeles Polizeidepartement. keystone / Nick Ut
Los Angeles, 1992: Ein Polizist legt zwei Demonstranten Handschellen an, nachdem diese an einem Protest gegen Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaner Rodney King teilgenommen hatten. keystone / John Gaps III
Cincinnati, 2001: Tödliche Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Unruhen im US-Staat Ohio aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige Timothy Thomas war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wird freigesprochen. AP/AP / Al Behrman
Oakland, 2010: Nach einem milden Urteil gegen einen weissen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten und gefesselten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. (Symbolbild) AP / Jeff Roberson
Ferguson, 2014: Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown wird bei St. Louis (Missouri) von einem Polizisten erschossen. Schwere Unruhen sind die Folge. Später tritt der Polizeichef von Ferguson zurück. AP / David Goldman
Ferguson Missouri, 2014:Ein Restaurant gerät bei den Demonstrationen in in Brand. EPA/EPA / TANNEN MAURY
Baltimore, 2015: Der Afroamerikaner Freddie Gray stirbt an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Im US-Staat Maryland kommt es zu schweren Krawallen. EPA / MICHAEL REYNOLDS
Baltimore, 2015: Die Protestierenden verlangen, dass die sechs Polizisten, die bei der Verhaftung Freddie Grays anwesend waren, vor ein Gericht gestellt werden. Getty Images North America / Andrew Burton
Baltimore, 2015. Getty Images North America / Mark Makela
Charlotte, 2016: Der Tod des 43 Jahre alten Keith Lamont Scott löst tagelange Proteste in North Carolina aus. Er war auf einem Parkplatz von Polizisten erschossen worden, neben ihm wird eine Waffe gefunden. Der Schütze wird freigesprochen. EPA/CHARLOTTE POLICE DEPARTMENT / CHARLOTTE POLICE DEPARTMENT/ HANDOUT
Charlotte, 2016: Die Polizei konfrontiert einige Protestierende, die eine Strasse blockieren. AP/AP / Gerry Broome
Charlotte, 2016: Friedliche Proteste gegen Polizeigewalt in Charlotte, nach dem Tod des Afroamerikaners Keith Lamont. AP/AP / Gerry Broome
Sacramento, 2018: Polizisten töten einen unbewaffneten Schwarzen mit 20 Kugeln. Sie hatten sein Smartphone für eine Schusswaffe gehalten. Laut Polizei soll der 22-jährige Stephon Clark Autoscheiben eingeschlagen haben. Hunderte protestieren in Kalifornien gegen Polizeigewalt. AP/AP / Rich Pedroncelli
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