«Brav oder unartig»: USA bewerten Nato-Partner in Loyalitätsliste
Das Weisse Haus hat ein internes Bewertungssystem entwickelt, das Nato-Mitglieder in verschiedene Kategorien einteilt – eine Liste für «Brave und Unartige». Damit will die Trump-Regierung laut eines Berichts des US-Nachrichtenportals Politico jene Staaten belohnen, die sich den Forderungen Washingtons beugen. Unkooperative Partner hingegen müssen mit Konsequenzen rechnen. Politico beruft sich auf drei europäische Diplomaten und einen US-Verteidigungsmitarbeiter, die mit dem Plan vertraut sind.
Die «Muster-Alliierten»
Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete Länder, die sich besonders engagieren, bereits im Dezember 2025 als «Muster-Alliierte». Darunter waren Länder wie Israel, Südkorea, Polen, das Baltikum und «zunehmend auch» Deutschland. «Sie werden unsere besondere Gunst geniessen», so der frühere TV-Moderator des Senders «Fox».
Polen übernimmt einen Grossteil der Kosten für die 10'000 im Land stationierten US-Soldaten. Die baltischen Staaten und Deutschland erhöhten ihre Verteidigungsausgaben, wie von US-Präsident Donald Trump gefordert, von drei auf fünf Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts. Dafür stehen die Länder laut Pete Hegseth in der Gunst der USA und somit wohl auf der «Braven»-Liste.
Das Hauptkriterium für die Einstufung dürfte die Unterstützung der US-Militäroperationen im Iran sein. «Während die Vereinigten Staaten immer für unsere sogenannten Verbündeten da waren, waren Länder, die wir mit Tausenden von Soldaten schützen, während der ‹Operation Epic Fury› nicht für uns da», so die Sprecherin des Weissen Hauses, Anna Kelly.
«Mit Spott über Bündnisse sprechen»
Zu den Nato-Staaten, die den Forderungen nicht Folge leisteten, zählen laut Bericht unter anderem Spanien, Frankreich und Grossbritannien. Sie lehnten militärische Hilfe der USA entweder ab oder verzögerten sie.
Als mögliche Strafmassnahmen werden der Abzug von US-Truppen, die Streichung gemeinsamer Militärübungen oder Einschränkungen bei Waffenverkäufen genannt. Wie die Liste selbst wurden auch die Sanktionen von der US-Regierung bisher nicht offiziell bestätigt.
Für die geplante «Brav-und-Unartig»-Liste ernten Hegseth und Co. Kritik auch aus den eigenen Reihen. «Es ist nicht hilfreich, wenn amerikanische Führer mit Spott über unsere Bündnisse sprechen», warnt der republikanische Senator Roger Wicker. «Wir müssen uns über die zahlreichen politischen, strategischen und moralischen Vorteile im Klaren sein, die das Land durch seine Bündnisse erhält.»
Tatsächlich gilt eine Verlegung von Truppen innerhalb Europas als aufwendig und teuer. «Die US-Regierung dürfte kaum die Kapazitäten haben, parallel zum laufenden Krieg eine weitere Front gegenüber Europa zu eröffnen», ordnet der finnische Nato-Experte Joel Linnainmäki ein. Ein grösserer Abzug aus Westeuropa könnte die USA strategisch mehr schwächen als die betroffenen Gastländer.
