Hat das Coronavirus: Olympiakos-Besitzer Evangelos Marinakis.
Bild: AP
Arsenal-Spieler in Quarantäne nach Kontakt mit infiziertem Klub-Boss
Gerät da gerade eine Lawine ins Rollen? Das Premier-League-Spiel zwischen Manchester City und Arsenal muss wegen möglicherweise vom Coronavirus infizierten Spielern abgesagt werden.
Das Coronavirus erreicht nun auch die Premier League. Als erste Partie musste das für heute Abend angesetzte Spiel Manchester City – Arsenal verschoben werden. Mehrere Arsenal-Spieler befinden sich in Quarantäne. Gemäss den Verantwortlichen der Premier League handelt es sich bei der Absage um eine Vorsichtsmassnahme. Die Verschiebung ist eine Reaktion auf den Nachweis des Virus beim Besitzer des Traditionsvereins Olympiakos Piräus, Evangelos Marinakis. Dieser gab seine Erkrankung gestern bekannt und schrieb zugleich, es gehe ihm gut.
Vor zwei Wochen war Olympiakos bei Arsenal zum Sechzehntelfinal-Rückspiel in der Europa League angetreten – und hatte die Engländer dank eines 2:1-Siegs in der Verlängerung eliminiert. Offenbar hatten einige Arsenal-Spieler nach dem Spiel Kontakt mit Marinakis. Sie wurden für 14 Tage in häusliche Quarantäne geschickt.
Das Abschlusstraining für ein Spiel, das nicht stattfindet.
Um welche Akteure es sich handelt, gab die Vereinsführung nicht bekannt. Der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka ist eher nicht davon betroffen. Arsenal veröffentlichte gestern ein Bild des Trainings, auf dem er zu sehen ist. Die Gefahr, dass sich die Spieler mit dem Virus infiziert haben, ist nach einer ersten Einschätzung «sehr gering». Die Quarantäne gilt auch für vier Staff-Mitglieder, die während der Partie in der Nähe von Marinakis sassen.
Arsenal am Samstag in Brighton
Weil Marinakis auch der Championship-Klub Nottingham Forest gehört und er sich zuletzt auch dort zeigte, könnte der Fall bald weitere Dimensionen annehmen. Am Freitag habe er sich nach dem 3:0-Sieg im City Ground gegen Millwall mit Spielern und Betreuern getroffen, heisst es aus Nottingham. Der Klub befindet sich nun im Kontakt mit der Liga. Millwall bestätigte gegenüber Medien, dass Klubvertreter, die Marinakis getroffen hatten, sich in Selbstisolation begeben hätten.
Arsenals nächste Partie soll indes wie geplant über die Bühne gehen. Am Samstag müssen die «Gunners» in den Süden zu Brighton & Hove Albion. Der Klub teilte mit, da die Selbstisolation der betroffenen Arsenal-Spieler morgen ende, werde am Spieltermin festgehalten.
«Wolves» müssen nach Griechenland
Die Mannschaft und der Betreuerstab von Olympiakos wurde umgehend auf eine Infizierung mit dem Coronavirus untersucht. Heute Morgen teilte der Klub mit, dass sämtliche Tests negativ ausgefallen seien. Die Griechen stehen – Stand jetzt – schon morgen wieder im Einsatz. In der Europa League geht es wieder gegen ein Team aus England, gegen die Wolverhampton Wanderers. Diese hatte sich um eine Verschiebung bemüht, was von der UEFA abgewiesen wurde. Stattdessen findet die Partie als Geisterspiel statt.
«Unsere Haltung ist es weiterhin, dass die Reise ein unnötiges Risiko für unsere Spieler, den Trainerstab und die Familien aller darstellt», halten die «Wolves» fest. Man trete die Reise nun zwar an, weil die UEFA das Spiel angesetzt habe. Aber: «Wir glauben, dass es wichtigeres als Fussball gibt und dass die Gesundheit von Spielern und Bevölkerung dazu gehört.» Wolverhamptons Statement schliesst mit einem Wunsch: «Wir hoffen, dass unsere Anfrage die UEFA dazu bewegt, sich Alternativen zu überlegen, denn es wird nicht die letzte vom Coronavirus betroffene Partie bleiben.» (ram/sda)
Als die Spanische Grippe wütete
25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia Im Gegensatz zu kriegsführenden Ländern war die Zensur im neutralen Spanien nicht so strikt, sodass über das Ausmass nicht geschwiegen wurde: Ende Mai 1918 waren im ganzen Land 8 Millionen Menschen infiziert – darunter auch der spanische König Alfons XIII. Allerdings verlief diese erste Welle noch relativ harmlos, sie wies keine merklich höhere Todesrate als eine normale Grippe auf. Hier sehen wir einen Schaffner, der Fahrgästen ohne Schutzmaske die Mitfahrt verweigert, Seattle, 1918. quelle: wikimedia Erst die zweite Welle im Herbst 1918 riss so viele Menschen in den Tod. In der Schweiz infizierte sich die Hälfte der Bevölkerung, rund 25'000 Menschen starben. Die ersten Schweizer, die sich ansteckten, waren wohl die Frontsoldaten in der Nähe des jurassischen Dorfes Bonfol, an der Grenze zu Frankreich. Sie wurden nach Hause geschickt – und brachten das Virus mit. Es holte sich besonders Männer zwischen 20 und 40 Jahren, wohl weil sie in Militärunterkünften und Bunkern in engerem Kontakt miteinander standen als Frauen. Zu sehen ist hier das Militärnotspital in der Aula eines Schulhauses im Jura. quelle: NEM, Biel via geschichte.redcross.ch Wer nicht wieder gesund wurde, den konnte der Tod innert Stunden ereilen. Auf der Insel Java pflegte man zu sagen: «Morgens krank, abends tot; abends krank, morgen tot.» Auf den Wangen von Infizierten begannen sich rötliche Flecken zu bilden, dann breiteten sie sich über das ganze Gesicht aus. Die Patienten spuckten Blut, ihre Körper verfärbten sich dunkelblau bis violett und schliesslich erstickten sie. Ihre Lungen – das ergab die Obduktion der Leichen – waren mit Blut vollgelaufen. Die meisten Todesfälle verursachte nicht das Virus selbst, sondern eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung. Und für beides gab es kein Gegenmittel. Im Bild ist das Walter Reed Hospital in Washington, D.C. zu sehen, 1918/1919. quelle: wikimedia Das Schweizerische Rote Kreuz mobilisierte die Helferinnen und lieferte Krankenbetten an die militärischen und zivilen Notspitäler, die in Schulhäusern und Kindergärten eingerichtet wurden. Im Bild sehen wir ein volles Krankenzimmer in einem umfunktionierten Oltner Schulhaus. Die Bevölkerung wurde ausserdem aufgefordert, Bettdecken und Matratzen zu spenden – und ihre Autos den Ärzten zur Verfügung zu stellen. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz Um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, machte die Schweiz dicht: Schulen, Kirchen und Märkte blieben geschlossen. Tanz-, Theater- und Konzertaufführungen wurden abgesagt. Neben Masken – im Bild zwei besonders modische Exemplare, von zwei Australierinnen getragen – wurden allerlei Wundermittel beworben: Seifen, Mundspülungen und Nasensalben sollten helfen, den Erreger loszuwerden. quelle: national museum of australia Aber auch Staubsauger sollten die Schweizer schützen – allerdings für satte 750 Franken, wie dieses
Inserat vom 13. August 1918 im «Schaffhauser Intelligenzblatt» informiert. quelle: via Schaffhauser Nachrichten In New York wiederum stellte man das Spucken auf der Strasse unter Strafe. Etwa 500 Personen wurden verhaftet, weil sie dagegen verstiessen. quelle: via orderofthegooddeath In vielen Städten wurde auch das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht: Hier zu sehen ein Strassenkehrer in New York, Oktober 1918. quelle: influenzaarchive.org Das Schweizer Militär berief zahlreiche zusätzliche Krankenschwestern ein, die dann im zivilen Bereich fehlten. So war man auf Freiwillige angewiesen. Den behandelnden Ärzten war es in dieser verzweifelten Situation vollkommen gleichgültig, wer bei der Pflege half, «wenn es überhaupt nur ein Mensch sei». Hier zu sehen sind Krankenschwestern der Pflegeschule La Source, die mit einer militärischen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden, November 1919. quelle: Archiv Stiftung La Source, Lausanne Bis heute gilt die Spanische Grippe als eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte. Ihr fielen auch zahlreiche prominente Personen zum Opfer, so zum Beispiel Frederick Trump, der Grossvater des amerikanischen Präsidenten. quelle: wikimedia Da keine wirkungsvollen Heilmittel zur Verfügung standen, versuchten die Ärzte wenigstens das Fieber samt Schüttelfrost, die starken Kopf- und Gliederschmerzen, den Husten und die Atemnot der Patienten zu lindern. In schweren Fällen griffen sie auf Opium, Morphium, Heroin oder Kokain zurück. Viel mehr konnten sie nicht tun. Sie wussten zwar, dass Viren existierten, hatten aber wegen deren Winzigkeit noch nie welche gesehen – es gab noch keine Elektronenmikroskope und das genetische Material von Viren war noch nicht entdeckt worden. Im Bild: das Notspital Münchhalden in Zürich, 1918. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz Heute wissen die Forscher jedoch nicht nur, wie man ein Virus isoliert, sondern sie können auch seine genetische Sequenz analysieren und so einen Impfstoff entwickeln. Genau dies geschieht aktuell im Falle des Coronavirus.
Doch nicht nur in den viel besseren Heil-Möglichkeiten unterscheidet sich die heutige Pandemie von der damals wütenden Spanischen Grippe. quelle: wikimedia Die massiv höhere Sterberate lag 1918 bei mindestens 2,5 Prozent. Zudem war die Spanische Grippe besonders gefährlich für Menschen zwischen 20 und 40 Jahren (99 % der Opfer waren unter 65). Um die Eigenart dieser Krankheit zu erklären, geht eine Theorie davon aus, dass Jahrzehnte zuvor eine weniger tödliche Version des Spanischen-Grippe-Virus grassiert habe, die sich wie eine gewöhnliche Grippe verbreitete. Dadurch hätten die 1918 lebenden älteren Menschen bereits Antikörper entwickelt und seien so partiell immun gewesen. quelle: wikimedia Eine andere Vermutung ist, dass die Spanische Grippe das besonders bei jungen Leuten starke Immunsystem überreagieren liess, sodass sich ihre Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richteten und unter anderem das Lungengewebe zerstört wurde. Nachgewiesen werden konnte dies an Menschenaffen mit dem nachkonstruierten Virus von 1918. quelle: via pinterest Das Coronavirus dagegen tötet vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, während Kinder und junge Leute kaum gefährdet scheinen. Verdachtsfälle mit leichten Symptomen können heute sofort getestet und bei einem positiven Befund in Quarantäne geschickt werden, während dazu 1918 keinerlei Möglichkeit bestand. quelle: influenzaarchive Auch die Kontakte einer infizierten Person konnten nicht zurückverfolgt werden, die Spanische Grippe schien ganze Städte auf einmal heimzusuchen. Hinzu kam die mangelnde Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal. Von den 742 Krankenschwestern des Schweizerischen Roten Kreuzes, die sich in den Kampf gegen das Virus begaben, starben 69. quelle: pinterest
Eine von Gordon Brewster in der «Irish Weekly Independent» erschienene Karikatur, 1918. quelle: orderofthegooddeath Der zweiten Infektions-Welle fielen damals so viele Menschen in so kurzer Zeit zum Opfer, dass es in Europa und den USA zu Engpässen bei der Sargproduktion kam. Weil sich die Toten in den Leichenkammern stauten, wurden viele von ihnen schliesslich in anonymen Massengräbern beigesetzt. Im Bild ist die Beerdigung von Grippeopfern im kanadischen Labrador zu sehen. quelle: wikimedia
Mit Big Brother gegen das Coronavirus
Video: SRF / SDA SRF
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