Es gibt unerfreuliche Neuigkeiten zu den Standard-Tarifen ...
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Swisscom, Sunrise oder Salt? So schlimm sind die neusten Roaming-Tarife wirklich
Der Schweizer Telekomexperte Ralf Beyeler hat die Standard-Roaming-Tarife der drei grossen Provider unter die Lupe genommen. Fazit: Bei Sunrise sind Telefonate und SMS im europäischen Ausland rekordverdächtig teuer.
Die Roaming-Kosten für Schweizer Smartphone-User bleiben ein Reizthema. Gerade noch hat Sunrise-Chef Olaf Swantee gegen die Konkurrenz geschossen – und nun das: Sunrise habe die Standardtarife für Telefongespräche und SMS im Ausland massiv erhöht, schreibt Telekom-Experte Ralf Beyeler von moneyland.ch.
Für den Schweizer Vergleichsdienst hat er die Standardtarife für das Roaming unter die Lupe genommen und kommt zu einem harten Urteil: Das Vorgehen von Sunrise sei «besonders fies», denn:
«Die Telefonate und SMS vieler Ferienreisenden werden immer noch im Standardtarif abgerechnet, da sich viele Kunden vor ihren Ferien nicht mit dem Thema Roaming herumschlagen möchten und deshalb keine Optionen dazu buchen.»
Bei Twitter fallen die Reaktionen kritisch aus ...
Die Preiserhöhung dürfte viele Schweizer Konsumenten erstaunen, kommentiert Beyeler. Aufgrund der Werbebotschaften würden wohl die meisten davon ausgehen, dass die Roaming-Tarife der drei grossen Telekom-Anbietern immer günstiger werden. Doch das Gegenteil sei der Fall.
Die Roaming-Tariferhöhungen im Detail, geordnet nach Regionen und Ländern, folgen weiter unten.
Noch nie so teuer
Tatsache sei, dass die Standard-Roaming-Tarife von Sunrise in Europa seit 2003 noch nie so teuer gewesen seien wie heute. Zwischen Ende 2002 und Frühling 2015 habe Sunrise für das Sprach-Roaming in Europa pro angefangene Minute 1.70 Franken verlangt, ab Frühling 2015 seien es 1.30 Franken pro Minute gewesen, jetzt 1.75 Franken pro Minute.
Was tun?
Beyelers Rat: Vor Auslandreisen sollten sich Smartphone-User unbedingt informieren. Vergleichsdienste wie Moneyland und Dschungelkompass bieten auf ihren Webseiten entsprechende Tarif-Rechner für einzelne Länder an.
Als Alternative zu Optionen könnten Sunrise-Kunden auch kurzfristig auf ein Abo mit Inklusiv-Roaming wechseln und nach ihren Ferien wieder zu ihrem Standard-Angebot zurückwechseln, empfiehlt der Telekomexperte.
Auch Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass hat die neuen Tarife unter die Lupe genommen. Er gibt in diesem Beitrag Tipps, was Betroffene tun können. Sein Fazit: Die Preiserhöhungen lassen sich meistens mit Optionen umgehen.
Wie ist der Preisvergleich mit Swisscom und Salt?
Der Konkurrenz-Vergleich der Standard-Roaming-Tarife ohne Optionen unter den drei grossen Mobilfunkanbietern für das Roaming in Europa zeige deutliche Unterschiede.
Bei selbst getätigten Anrufen:
- Bei Swisscom kosten in der EU geführte Anrufe in die Schweiz sowie innerhalb des Reiselandes (bei fast allen Abos) mit 45 Rappen pro angefangene Minute am wenigsten.
- Fast viermal so teuer sei Sunrise mit neu 1.75 Franken pro angefangene Minute.
- Noch teurer sei Salt, wo diese Anrufe in den meisten EU-Ländern 1.99 Franken pro angefangene Minute kosten. In einigen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien verrechne Salt 1.79 Franken pro angefangene Minute.
Bei eingehenden Anrufen:
- Bei ankommenden Anrufen im EU-Ausland sei Swisscom unter den drei grossen Anbietern mit 27 Rappen pro angefangene Minute (bei fast allen Swisscom-Abos) der günstigste Anbieter,
- gefolgt von Salt mit 79 Rappen pro angefangene Minute.
- Schlusslicht sei Sunrise mit einem (1) Franken pro angefangene Minute.
Wo ist für Sunrise-Kunden das Roaming am teuersten?
1. Europa, USA und Kanada
Für Telefonate in fast allen europäischen Ländern, in den USA, Kanada und einigen weiteren Ländern erhöhe sich die Gebühr für ausgehende Anrufe von 1.30 Franken auf 1.75 Franken pro angefangene Minute. Das sei eine Preiserhöhung von 35 Prozent.
Ankommende Anrufe kosten neu 1 Franken pro angefangene Gesprächsminute statt bisher 80 Rappen. Das sei eine Preiserhöhung von 25 Prozent. Auch im Ausland verschickte SMS kosten laut Beyeler mehr: Statt 50 Rappen verrechne Sunrise neu 60 Rappen. Das seien 20 Prozent mehr als bisher.
2. Australien, Albanien und weitere Länder der Region 2
Für Telefonate in Ländern der «Region 2» – bei Sunrise gehören Länder wie Australien, Albanien, Mazedonien und Thailand dazu – bezahlen Sunrise-Kunden bis zu 81 Prozent mehr als bisher.
Konkret kosten die innerhalb desselben Landes geführten Gespräche neu 2.90 Franken pro angefangene Gesprächsminute statt bisher 1.60 Franken. Das sei eine Preiserhöhung von 81 Prozent. Ein in der «Region 2» verschicktes SMS koste neu 70 Rappen statt bisher 50 Rappen. Das sei eine Preiserhöhung von 40 Prozent. Die Minutenpreise für ankommende Anrufe sowie für Anrufe in die Schweiz blieben unverändert.
3. Argentinien, Kuba oder Ukraine («Region 3»)
Für Telefonate in Ländern der «Region 3» – bei Sunrise gehören Länder wie Argentinien, Kuba, Ukraine oder Südkorea dazu – bezahlen Kunden bis zu 116 Prozent mehr.
Mehr als doppelt so teuer werden innerhalb des Landes geführte Gespräche, wie moneyland.ch schreibt: Pro angefangene Gesprächsminute verrechne Sunrise neu 4.75 Franken statt bisher 2.20 Franken. Der Preis für ein in der «Region 3» verschicktes SMS erhöhe sich von 50 Rappen auf 80 Rappen. Das sei eine Preiserhöhung von 60 Prozent.
Und zum Schluss eine gute Nachricht für Sunrise-Kunden:
(dsc)
Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks
«Wo biiisch!?» watson präsentiert Meilensteine der Schweizer Mobilfunk-Geschichte. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1978 geht in der Schweiz das erste öffentliche Mobilfunknetz in Betrieb: NATEL A. Das ist die Abkürzung für Nationales Autotelefon ... und wird zum Synonym für Mobiltelefon. KEYSTONE / STR
Der Begriff «Handy» setzt sich in der Schweiz erst viel später durch, weil er seit den 1960ern durch das Geschirrspülmittel der Migros belegt ist. PS: Die Romands sagen «Mobile» und die Tessiner «Telefonino».
Alleiniger Netzbetreiber ist lange Zeit der Bund, oder besser die schweizerische PTT, die Behörde für Post, Telefon und Telefax. KEYSTONE / STR
1983 lancieren die PTT mit NATEL B ein zweites zusätzliches Mobilfunknetz, um die grosse Nachfrage zu befriedigen. (Und in Zürich startet das «Nonstop»-Sexkino Cinebref) KEYSTONE / STR
1984 stellen die PTT das schnurlose Funktelefon «Radiotel» vor. Es ist für eine monatliche Gebühr von 26 Franken erhältlich, eignet sich jedoch ausschliesslich für den hausinternen Gebrauch. KEYSTONE / STR
1987 ist das Jahr, in dem der Mobilfunk technische Fortschritte macht ... KEYSTONE / STR
Im September 1987 geht in der Region Zürich das erste NATEL-C-Netz in Betrieb. Nun werden die Mobiltelefone kompakter und auch langsam günstiger. KEYSTONE / STR
1991: Mit NATEL D lancieren die PTT das erste digitale Mobilfunknetz, das zudem mit ausländischen Netzen verbunden werden kann. Das Foto zeigt ein Mobiltelefon des Schweizer Herstellers Ascom. KEYSTONE / PATRICK AVIOLAT
April 1996: SBB, UBS und Migros gründen die Newtelco AG, die 1997 – nach Einstieg von British Telecom und Tele Danmark – den Markennamen «Sunrise» lanciert. KEYSTONE
1992 bis 1998: Der Schweizer Telekommunikationsmarkt wird liberalisiert, die PTT verlieren ihr Monopol. Der Fernmeldebereich wird 1993 zur Telecom PTT und 1997 zur selbständigen Swisscom. KEYSTONE / STR
Juni 1994: Das Bundesgericht verbietet in einem Grundsatzurteil das Telefonieren während dem Autofahren. Wer von der Polizei erwischt wird, bezahlt 40 Franken. Per September 1996 wird die Busse auf 100 Franken erhöht. APA FILES / GEORGES SCHNEIDER
1997: Miss-World-Finalistin Tanja Gutmann posiert am Strand mit Handy und die «Sonntagszeitung» bringt einen der ersten kritischen Artikel zum Thema Roaming-Gebühren. Titel: «Tarif-Chaos im weltweiten Handy-Netz». Die Swisscom versucht zu beschwichtigen. AP / ADIL BRADLOW
1998: Der Mobilfunk boomt, in der Schweiz gibt es 1,3 Millionen Handy-Besitzer. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
April 1998: Der Bund vergibt die zwei neuen Mobilfunklizenzen an die Unternehmen Diax und Orange Communications. Die drei Mitbewerber Sunrise, Fortel SA und Unlimitel gehen leer aus. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
August 1998: Obwohl sich die Mehrheit der Bündner Jäger für die Zulassung von Mobiltelefonen auf der Jagd ausgesprochen hat, lehnt die Kantonsregierung das Begehren ab. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Dezember 1998: Das Swisscom-Monopol fällt. An Heiligabend schaltet Diax sein Mobilfunknetz auf, das allerdings nur Teile der Schweiz abdeckt. Bild: Hans Rudolf Wittmer, Diax-Chef. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1999: Natel-Antennen sorgen vermehrt wegen Gesundheitsrisiken und Klagen von Anwohnern für Schlagzeilen. Die Fachleute sind sich uneins, was die Auswirkungen des Elektrosmogs betrifft, und die Strahlungs-Grenzwerte sind umstritten. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Februar 2000: Die EU-Kommission nimmt die Roaming-Tarife der europäischen Mobilfunk-Anbieter ins Visier. Die Preisunterschiede bei internationalen Anrufen mit und ohne Roaming betragen laut Untersuchungen bis zu 500 Prozent. AP / EDGAR R.SCHOEPAL
2001: Die Schweizer Telekom-Firmen Diax und Sunrise fusionieren, der Markenname «diAx» verschwindet. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
2002: Sunrise lanciert das Multimedia Messaging-System MMS. Und über die Weihnachtstage werden mehrere Millionen von SMS-Botschaften verschickt, so viel wie noch nie. KEYSTONE / WALTER BIERI
Ende 2012: Die Swisscom lanciert als erster Schweizer Provider ein LTE-Netz, das ist praktisch der Schweizer Startschuss ins 4G-Zeitalter. KEYSTONE / GAETAN BALLY
2015: Orange (Schweiz) ändert den Namen und heisst neu Salt. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Juni 2017: In der EU werden die Roaming-Gebühren abgeschafft. AP/AP / Francois Mori
Schweizer Mobilfunkanbieter dürfen von ihren Kunden weiterhin happige Zuschläge verlangen, wenn diese im Ausland telefonieren und mobil surfen – das Parlament sträubt sich bislang gegen eine Einschränkung. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Die Parlamentarier dürfen im Ausland täglich pauschal 50 Franken fürs Roaming abrechnen – unabhängig davon, ob sie diesen Betrag effektiv benötigen. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
April 2019: Swisscom gibt die Inbetriebnahme des ersten 5G-Netzes in der Schweiz bekannt – in vorerst 54 Ortschaften, darunter Chur, Davos, Genf, Lausanne und Zürich. Gleichzeitig nimmt der politische Widerstand gegen den Bau neuer Antennen in einzelnen Kantonen zu. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
April 2019: Während die Provider den neuen Mobilfunk-Standard propagieren, legt der Jura den Antennenbau auf Eis: Und auch die Kantonsregierungen von Genf und Waadt haben wegen Gesundheitsbedenken ein provisorisches 5G-Moratorium beschlossen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
März 2020: Die Swisscom stellt dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Standortdaten aus ihrem Mobilfunknetz zur Verfügung, um die Mobilität der Bevölkerung in der Corona-Krise zu überwachen. Bild: Ein geschlossener Spielplatz auf einer Autobahn-Raststätte in Maienfeld GR. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
November 2020: Die Schweizer Teleko-Anbieter UPC und Sunrise sind keine Konkurrenten mehr, sondern Tochterunternehmen der Muttergesellschaft Liberty Global. Erklärtes Ziel ist es, der Marktführerin Swisscom beim ultraschnellen Internet (Glasfaser und 5G-Mobilfunk) Kundinnen und Kunden abzujagen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2021: Das 2G-Netz von Swisscom wird Anfang Jahr endgültig abgeschaltet. Seit diesem Zeitpunkt kann kein Gerät mehr darauf zugreifen. Im Bild: Urs Schaeppi, CEO von Swisscom. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
So macht Pendeln Spass
Video: srf