Die Partie vom 5. März 2004 zwischen Philadelphia und Ottawa geht als «Die Schlägerei» in die Geschichtsbücher ein. Warum? Wegen Raufereien wie hier.
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05.03.2004: 419 Strafminuten! Dieses Spiel geht als «Die Schlägerei» in die Geschichte ein
5. März 2004: In der NHL wird ein neuer Rekord an Strafminuten in einem Spiel aufgestellt. Etliche Schlägereien und Spielunterbrüche, vor allem in den Schlussminuten, führen zu insgesamt über 400 Strafminuten. Die Partie ist seither bekannt unter dem Namen «The Brawl» – die Schlägerei.
Die Philadelphia Flyers und die Ottawa Senators trafen in den letzten beiden Jahren jeweils im Play-off aufeinander. Immer setzte sich Ottawa durch. Die Rivalität stieg und als sich die beiden Teams eine Woche vor diesem 5. März 2004 trafen, kam es kurz vor Schluss zu einer unschönen Aktion: Mark Recchi (Flyers) und Martin Havlat (Senators) lösten alles aus. Nach einem Haken des Flyers-Spielers antwortet Havlat mit einem üblen Stockschlag ins Gesicht. Der Täter kassierte eine Fünf-Minuten-Strafe, eine Sperre von zwei Spielen und musste 36'000 Dollar bezahlen.
Nach der Partie kündigte Flyers-Trainer Kan Hitchcock gegenüber CBC an: «Eines Tages wird einer kommen und ihm (Havlat) den Arsch versohlen. Meiner Meinung nach sollte sich dieser Spieler davor in Acht nehmen.» Auch Recchi kündigte die Revanche an: «Es überrascht mich nicht, dass Havlat sowas gemacht hat. Er ist so ein Spieler und hat das schon früher gezeigt. Aber er sollte aufpassen.»
Alle Strafen der Partie auf einen Blick.
screenshot: Wikipedia
Böses Blut fliesst also logischerweise auch eine Woche später am 5. März durch die Adern der Spieler. Doch obwohl alle ahnen, dass beim zweiten Aufeinandertreffen innert einer Woche «etwas» geschehen wird, halten sich die Akteure vor 19'539 Zuschauern im Wachovia Center lange zurück. Die Partie verläuft praktisch «normal».
Alles eskaliert 105 Sekunden vor Schluss
Im ersten Abschnitt wird eine kleine Zwei-Minuten-Strafe ausgesprochen, im zweiten Drittel werden deren vier verteilt. Doch als Alexei Zhamnov früh im dritten Abschnitt das 5:2 für die Flyers gelingt, kochen die aggressiven Emotionen langsam hoch – und sie explodieren 1:45 Minuten vor Schluss.
Flyers-Rüpel Donald Brashear attackiert Senators Bösewicht Rob Ray von hinten. Natürlich kommt es zur Prügelei, welche Ray blutend verlässt. Warum Brashear so austickte? «Hast du das letzte Spiel gesehen?», wird nach der Partie seine simple Erklärung sein.
Vor dem Tor geraten Brashear und Ray aneinander. Es ist der Startschuss zum Prügel-Finish.
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Was nach der Prügelei geschieht, ist noch immer – und dürfte es für immer bleiben – Rekord in der NHL-Geschichte: Insgesamt werden 419 Strafminuten ausgesprochen! Zuvor stand die «Bestmarke» seit 1981 bei 406 Minuten zwischen den Boston Bruins und den Minnesota North Stars. Einer nach dem anderen wird mit einer Spieldisziplinarstrafe vorzeitig unter die Dusche geschickt. Selbst die beiden Keeper geben sich Saures und müssen ersetzt werden. 213 Strafminuten in einem Drittel – auch dieser Rekord wird geknackt und gehört seither den Flyers.
Minutenlang herrscht auf dem Feld nur Kampf. Kaum werden Spieler in die Kabine geschickt, geben sich schon wieder andere auf die Rübe. Immer wieder gibt es Szenen wie diese:
Faustkämpfe so weit das Auge reicht.
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Die Zuschauer in der Arena sorgen zusätzlich für eine richtig geladene Stimmung auf den Rängen. Sie johlen wie üblich lautstark bei Prügeleien. Nach den ersten beiden Versuchen, die Partie mit Bullys wieder aufzunehmen, folgen sofort wieder Schlägereien. Als es beim dritten Versuch wenigstens kurz mit etwas Eishockey klappt, buhen die Fans die Spieler aus.
Bully – Puck-Einwurf – Schlägerei.
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Leere Spielerbänke zum Schluss
Am Ende sind von beiden Teams nur noch je sechs Spieler übrig. Die Ersatzbank sieht auf beiden Seiten ziemlich verwaist aus.
Die Spielerbänke beider Teams sehen am Schluss ziemlich leer aus.
Bild: PHOTOPRESS
Als grösster Rüpel kassiert Jason Spezza 35 Strafminuten. Dieser Spezza wird acht Jahre später während des NHL-Lock-outs der Saison 2012/13 für die Rapperswil-Jona Lakers in der Schweizer National League A spielen. Doch hier zeigt er heute den Abschlusskampf – oder vielleicht passender «Main Event» – gegen Patrick Sharp:
Als das turbulente Spiel irgendwann doch noch zu Ende gebracht werden kann, beginnt für die Schiedsrichter die grosse Arbeit. 90 Minuten benötigen sie angeblich, um alle Strafen und Vorkommnisse zu dokumentieren. Die Partie erhält schnell seinen passenden Übernamen: The Brawl – die Schlägerei. Der in Philadelphia beheimatete TV-Sender CSN zeigt die Partie kurz darauf in der Wiederholung, was die NHL überhaupt nicht goutiert, weil sie um den Ruf der Liga fürchtet.
Im Verlauf der weiteren Saison treffen die beiden Teams nochmals aufeinander. Obwohl im Vorfeld von einer weiteren Revanche die Rede ist, beenden die Teams den Vergleich mit nur sechs Zwei-Minuten-Strafen. Ottawas Verteidiger Zdeno Chara hat dafür eine einfache Erklärung: «Beide Teams waren auf die Punkte fokussiert. Wir wollten diese Mission wegen einer Schlägerei nicht riskieren.» Die Senators siegen 3:1.
Obwohl beide Teams die Play-offs erreichen, kommt es erstmals nach zwei Jahren nicht zum Direktduell. Die Toronto Maple Leafs schalten die Senators aus und scheitern danach an den Flyers. Wer weiss, was passiert wäre, wären sich die zwei Teams in der entscheidenden Phase nochmals begegnet.
Das sind die grössten Sport-Rivalitäten aller Zeiten
Es ist im Fussball wohl die grösste Rivalität aller Zeiten – Cristiano Ronaldo gegen Lionel Messi Die beiden teilen sich fast alle Rekorde untereinander auf, nur in Sachen Weltfussballer hat der Argentinier mit sechs Auszeichnungen (fünf für Ronaldo) die Nase vorn. X90031 / STRINGER/SPAIN
Im Eishockey duellieren sich Washingtons Alex Owetschkin (l.) und Pittsburghs Sidney Crosby. Der Russe und der Kanadier gehören regelmässig zu den besten Skorern der Liga. Crosby hat sich bereits dreimal den Stanley Cup gesichert, «Ovi» hat seinen Fluch auch besiegt und den Cup einmal gewonnen. AP POOL Getty Images / Bruce Bennett
Nur zweimal zwischen 1985 und Sennas Tod 1994 heisst der Weltmeister nicht Alain Prost oder Ayrton Senna. Ihren Höhepunkt erreicht die Rivalität, als Senna 1988 zu McLaren wechselt, wo Prost bereits seit 1984 im Cockpit sitzt. Auf der Rennstrecke schaukeln sich die beiden gegenseitig zu Manövern hoch, welche die Grenze des Erlaubten regelmässig sprengen. AP NY / TSUGUFUMI MATSUMOTO
Michael Schumacher war in den 1990er-Jahren in der Formel 1 das Mass aller Dinge, doch der Brite Damon Hill machte ihm das Leben mehr als schwer. Immer wieder musste «Schumi» zu umstrittenen Mitteln greifen, um seinen Rivalen hinter sich zu lassen. www.imago-images.de / Motorsport Images
Auch das Duell von Marc Girardelli (links) und Pirmin Zurbriggen (rechts) in den 80er-Jahren war stets heiss und von grosser Klasse. Der Luxemburger entschied den Gesamtweltcup fünfmal für sich, blieb aber ohne Olympiasieg. Diesen holte sich der Schweizer 1988 mit der Abfahrt in Nagano, dafür gab's nur viermal die grosse Kristallkugel. KEYSTONE / STR
Fallen die Namen Alberto Tomba und Paul Accola, kommt einem sofort die Saison 1991/92 in den Sinn. Der Kampf der beiden um die grosse Kristallkugel war riesig, mit dem besseren Ende für den Schweizer. KEYSTONE / STR
Stephan Eberharter (rechts) haftete im Zweikampf mit Hermann Maier lange das Label des «ewigen Zweiten» an – bis zu Maiers Motorradunfall im Sommer 2001. In dieser Zeit genoss Eberharter seinen Platz an der Sonne, ehe Maier zurückkehrte und erneut zuschlug. Insgesamt gewann er den Gesamtweltcup vier mal, Eberharter war zweimal erfolgreich. KEYSTONE / EDDY RISCH
Sie verehren sich, sie respektieren sich und sie liefern sich seit Jahren knallharte Duelle: Roger Federer macht Novak Djokovic besser und umgekehrt. Noch hat der Schweizer in Sachen Grand Slams die Nase vorne. X90003 / ISSEI KATO
Noch vor Djokovic war Rafael Nadal der grösste Konkurrent Federers. Dieses Bild zeigt die beiden im April 2005, als der Schweizer Nadal im Final von Key Biscayne in fünf Sätzen geschlagen hat. EPA / DOMINIC EBENBICHLER
Es war eine von Respekt geprägte Rivalität, diejenige zwischen Andre Agassi (links) und Pete Sampras. Im Direktduell hat Sampras mit 20 Siegen in 32 Matches die Nase klar vorne, auch in Sachen Grand Slams liegt «Pistol Pete» in Front (14 zu acht). AP / FABIAN BIMMER
Anfang der 90er-Jahre bekommt die bis dahin alles beherrschende Steffi Graf plötzlich Konkurrenz. Mit ihrem lauten Gestöhne drängt Monica Seles an die Spitze. 1991 wird sie erstmals die Nummer 1, wo sie sich insgesamt 178 Wochen hält. 1993 wird Seles vom Steffi-Graf-Fan Günter Parche während eines Matches in den Rücken gestochen, doch sie kehrt zurück und wird erneut zur härtesten Graf-Konkurrentin. AP / RICHARD DREW
15 Jahre dauerte die Rivalität zwischen den Tennisspielerinnen Chris Evert (links) und Martina Navratilova. Die geborene Tschechin hat mit 43:37 Siegen im Head-to-Head die Nase ganz leicht vorne. AP / TSUGUFUMI MATSUMOTO
Jahrelang duellierten sich Lance Armstrong und Jan Ullrich um die Jahrtausend-Wende an der Tour de France. Der US-Amerikaner hatte meist das bessere Ende für sich, mittlerweile wurden beide des Dopings überführt. AP / PATRICK KOVARIK
Ben Johnson gegen Carl Lewis war Ende der 1980er-Jahre das Sprint-Duell schlechthin. Während Johnson als Betrüger entlarvt wurde, gehörte Lewis trotz Doping-Gerüchten zu den beliebtesten Sportlern des Planeten. keystone / Rick Wilking
Es ist eine unfassbare Geschichte, die 1994 sich zwischen Tonya Harding (links) und Nancy Kerrigan abgespielt hat. Ein Mann prügelte im Auftrag von Hardings Gatten nach einem Training mit einer Eisenstange auf ihre ärgste Konkurrentin Kerrigan ein, diese musste die Meisterschaften abbrechen, welche Harding gewann. Bei den Olympischen Spielen in Lillehammer holte sich dann aber Kerrigan Silber, die inzwischen von den Fans verhasste Harding erreichte nur Platz acht. AP / PHIL SANDLIN
Die Duelle zwischen «The Greatest» Muhammad Ali und «Smokin' Joe» Frazier waren legendär. Das grösste aller Zeiten, das zugleich als «Kampf des Jahrhunderts» in die Boxgeschichte einging, fand am 8. März 1971 im New Yorker Madison Square Garden statt. Der Fight der beiden bis dahin ungeschlagenen Boxer entschied Joe Frazier für sich. AP / JOHN LINDSAY
Es ist noch immer einer der legendärsten Boxkämpfe aller Zeiten: 1997 duellieren sich Mike Tyson und Evander Holyfield im MGM Grand von Las Vegas in einem Rückkampf. Als Tyson merkt, dass er verliert, tickt er komplett aus und beisst Holyfield ein Stück vom Ohr ab. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
Während Mario Lemieux (rechts) in seiner ganzen Karriere nur für die Pittsburgh Penguins spielte, stand Wayne Gretzky gleich bei vier verschiedenen NHL-Teams unter Vertrag (Edmonton, Los Angeles, St.Louis, New York Rangers). Zu einem Aufeinandertreffen der beiden Giganten ist es nie gekommen, das Duell um den NHL-Topscorer war zwischen Lemieux und Gretzky während fast 20 Jahren jedoch hart umkämpft. AP CP / FRANK GUNN
Ganze elf Jahre ist der Spanier Marc Marquez jünger als Valentino Rossi, dafür hat Rossi bereits neun WM-Titel auf dem Konto, bei Marquez sind es mittlerweile acht. Immer wieder gerieten die beiden Alphatiere aneinander – wer wird am Ende als «GOAT» in die Geschichte eingehen? X90039 / MAX ROSSI
Der Schein trügt. Im gemeinsamen Nati-Training haben sich Mario Cantaluppi (links) und Ricardo Cabanas (auf dem Rücken Kellers) vielleicht vertragen, sind sie im Klassiker zwischen Basel und GC aber aufeinandergetroffen, flogen die Fetzen regelmässig. Auch für den Boulevard waren die beiden Streithähne regelmässig gelungenes Fressen. KEYSTONE / EDDY RISCH
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