Aktuelle Themen:

Yakin vor der ersten grossen Herausforderung: «Ich sehe nur Lösungen, keine Probleme»

Am Sonntag um 20:45 Uhr empfängt die Schweiz in der WM-Qualifikation Europameister Italien. Das Stadion in Basel wird wohl ausverkauft sein. Trotz vieler Absenzen ist das Spiel für die Nati eine grosse Chance.

Publiziert: 04.09.21, 12:42
Etienne Wuillemin / ch media

Murat Yakin bei der Medienkonferenz am Tag vor seiner ersten grossen Herausforderung als Schweizer Nationaltrainer, dem Spiel Schweiz-Italien. Bild: keystone

Ein bisschen mehr als zwei ­Monate sind vergangen, seit die Schweizer Fussballer im EM-Viertelfinal gegen Spanien nach einem aufwühlenden Spiel im Elfmeterschiessen scheiterten. Es war das Ende einer wunderbaren Reise, emotional aufgeladen. Zwischen totaler Ernüchterung (0:3 gegen Italien) und überschwänglicher Freude ­(Penaltysieg gegen Frankreich) war alles dabei.

Haften geblieben ist der letzte Eindruck. Vladimir Petkovic und seine Spieler, wie sie am Flughafen empfangen wurden. Petkovic, wie er davon schwärmt, den Stolz der Leute zu spüren. Und hofft, dass es fortan immer so sein möge. «Ein Land hat sich verliebt», schrieb die «Sonntagszeitung» am Tag danach. «Überflieger», titelte die «NZZ am Sonntag». Und der «Sonntagsblick» konstatierte: «Als Fussballer gegangen – als Helden gekommen.»

Viele Ausfälle im Schweizer Team – aber Yakin sagt: «Man muss den Gegner nicht noch stärker machen, als er ist»

Am Sonntagabend um 20:45 Uhr nun treten diese Helden in der WM-Qualifikation gegen Italien an. Und doch fühlt es sich so an, als wäre nichts mehr so wie an der EM. Trainer Petkovic ist längst in Bordeaux. Von den Spielern fehlen mit Xhaka, Freuler, Shaqiri, Embolo, Mbabu und Gavranovic doch ziemlich viele, die an der EM bedeutende Rollen einnahmen.

Auch darum ist Murat Yakin bei seiner ersten grossen Aufgabe als neuer Nationaltrainer besonders gefordert. Ein Satz von ihm ist nach der geglückten Premiere am Mittwoch gegen Griechenland (2:1) in Erinnerung geblieben: «Ich sehe nur Lösungen, keine Probleme», hat er gesagt. Am Tag seines ersten Auftritts erfuhr er, dass nun auch sein Captain Xhaka wegen Corona fehlen wird.

Es war schon immer eine der grossen Qualitäten Yakins, eine Situation so anzunehmen, wie sie ist - und daraus das Beste zu machen. Nun sitzt dieser Yakin am Samstagmorgen auf dem Podium im St.Jakob Park und sagt:

«Ja, wir spielen gegen den Europameister, der seit langem ungeschlagen ist. Aber wir haben auch unsere Stärken, die wir zeigen können. Und man muss den Gegner nicht noch stärker machen, als er ist.»

Die Ausgangslage für die Schweizer Startformation ist so spannend wie schon lange nicht mehr. Die Abwehr scheint mit Torhüter Sommer, Widmer, Elvedi, Akanji und ­Rodriguez gegeben, falls Yakin auf die Viererkette setzt. Im Mittelfeld sind Aebischer, Zakaria und Sow denkbar, vielleicht ist als Sechser auch Schär ein Thema, oder sogar der nachnominierte Routinier Frei, welcher der Defensive und dem Mittelfeld Stabilität geben könnte. In der Offensive dürften die Hoffnungen und die Last auf ­Zuber, Seferovic und dem in der Bundesliga gut in die Saison gestarteten Steffen liegen.

Italiens Fehltritt vor dem Schlüsselspiel

Das 1:1 von Rivale Italien gegen Bulgarien vom letzten Donnerstag verleiht dem Spitzenspiel vom Sonntag noch einmal mehr Brisanz. Seit Italien im November 2017 die WM-Barrage gegen Schweden verloren hat, ist die Furcht vor einer erneuten Barrage im Land des Europameisters durchaus gross. Man darf das Spiel am Sonntag darum – allen Problemen zum Trotz, welche die Nati in dieser Woche umwehten – auch als grosse Chance für die Schweiz betrachten. Yakin indes ist bemüht, noch nicht allzu weit vorauszudenken. Er sagt:

«Unser Ziel ist es zunächst einmal, ein gutes Spiel zu zeigen. Dass wir als Mannschaft noch mehr zusammenrücken. Klar ist es eine grosse Chance, klar spielen wir zu Hause und jeder ist topmotiviert, endlich wieder vor grossem Publikum zu spielen. Aber die WM-Qualifikation können wir über zwei Wege erreichen, darum schauen wir jetzt mal, was nach dem Spiel rausschaut.»

Die Ausgangslage in der Gruppe C dieser WM-Qualifikation ist seit letztem Donnerstag aus Schweizer Sicht so: Gewinnt die Schweiz fünf der verbleibenden sechs Spiele (zweimal gegen Italien, zweimal gegen Nordirland, je einmal gegen Bulgarien und Litauen), ist sie garantiert Gruppensieger und fährt an die WM 2022.

Der Gruppenzweite dagegen müsste die neue Barrage bestreiten. Der Modus ist neu, an die WM fährt nur, wer im März 2022 einen Halbfinal und einen Final gewinnt – ohne Rückspiele.

Die Erinnerung an das letzte echte Heimspiel

Aber eben: Das alles ist für Yakin noch Zukunftsmusik. Vorerst zählt nur die Gegenwart. Und die heisst: Italien. Zumindest der Rahmen wird stimmen. Der St.Jakob Park in Basel dürfte ausverkauft sein, von den 31'000 Tickets sind nur noch ganz wenige erhältlich. Die Schweizer Nati darf sich darum auf das erste echte Heimspiel seit dem 15. November 2019 freuen. Damals qualifizierte sich die Nati mit einem 1:0 gegen Georgien vor 16'400 Zuschauern in St.Gallen für die EM 2020. (bzbasel.ch)

Die Nati-Noten zum Testspiel gegen Griechenland

Gregor Kobel (Torhüter): Note 4 – Kobels erster Auftritt im A-Nationalteam. Kann sich einmal auszeichnen. Agiert beim Gegentor (34.) nicht optimal, als er das Tor verlässt. Hat Glück bei einem Pfostenschuss (62.) des Europameisters aus dem Jahr 2004. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Eray Cömert (Innenverteidiger): Note 3 – Nicht sein Abend. Immer wieder Unsicherheiten. Kapitaler Fehler vor einer Grosschance der Griechen in der ersten Halbzeit. Scheidet vor der Pause mit Verdacht auf Hirnerschütterung aus. keystone / GEORGIOS KEFALAS
Cédric Zesiger (Innenverteidiger): Note 4 – Ist nicht so schlecht. Der zweite Debütant auf Schweizer Seite sieht beim 1:1 ebenfalls nicht gut aus, weil er zu schnell herausrückt. Zu wenig wachsam vor dem Pfostenschuss der Gäste. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Fabian Schär (Innenverteidiger): Note 4 – Soll die Verteidigung im Zentrum zusammenhalten. Das gelingt bedingt. Versucht dann und wann seine weiten Zuspiele an den Schweizer zu bringen. Kreiert damit eine Zuber-Chance. keystone / GEORGIOS KEFALAS
Ricardo Rodriguez (linker Aussenläufer): Note 4,5 – Weil Xhaka coronapositiv fehlt, ist sein Kumpel Rodriguez Captain. Agiert gewohnt ballsicher. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Silvan Widmer (rechter Aussenläufer): Note 4,5 – Assist zum 1:0 und auch sonst zu Beginn gefällig auf der rechten Seite. Vergibt in der 21. Minute eine gute Möglichkeit zum 2:0. Beim Gegentor etwas weit weg vom Gegenspieler, danach nicht mehr im Rhythmus. keystone / GEORGIOS KEFALAS
Remo Freuler (zentrales Mittelfeld): Note 4,5 – Mit Licht und Schatten. Kann sich nicht wirklich von Xhaka emanzipieren. Mit seinem Befreiungsschlag am Ursprung der zweiten Schweizer Führung. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Djibril Sow (zentrales Mittelfeld): Note 3,5 – Besser als auch schon, aber der Reisser im Mittelfeld ist Sow auch bei seinem 19. Länderspiel nicht. Bietet sich zu selten an. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Denis Zakaria (zentrales Mittelfeld): Note 4 – Der Massstab ist bei ihm ein anderer geworden. Eine durchzogene Leistung, aber eine, auf der er im Prinzip aufbauen kann nach der schwachen EM. Das sagt eigentlich alles. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Steven Zuber (Stürmer): Note 5,5 – Der neue Arbeitgeber AEK Athen wird an diesem Zuber Freude haben. Der Assistkönig der EM ist auch ohne Spielpraxis in Topform. Erzielt in der 7. Minute nach einem Doppelpass und schöner Ballannahme das 1:0. Die Hereingabe auf Vargas zum 2:1 ist eine Augenweide, besser gehts nicht. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Haris Seferovic (Stürmer): Note 3,5 – Kein einziger Abschluss aufs Griechen-Tor, das sagt viel über die Schweizer Sturmhoffnung. Nicht der Seferovic, den wir von der EM her kennen. Macht in der zweiten Halbzeit den Captain. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Jordan Lotomba (zentrales Mittelfeld): Note 4,5 – Eingewechselt, rettet Lotomba vor dem Schlusspfiff den Sieg mit einem Absatztrick vor einem heranstürmenden Griechen. keystone / GEORGIOS KEFALAS
Ulisses Garcia (linker Verteidiger): Note 4 – Kommt ebenfalls nach der Pause zu seinem Debüt – es gibt nun also den YB-Block. Solide. keystone / GEORGIOS KEFALAS
Ruben Vargas (offensives Mittelfeld): Note 5 – Kommt für die zweite Halbzeit und erzielt mit der ersten Ballberührung die neuerliche Führung. Danach hat er kaum Aktionen. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Michel Aebischer (zentrales Mittelfeld): Note 4 – Ersetzt nach der Pause Sow, bleibt aber grundsätzlich mit wenig Einfluss auf das Spiel. Beileibe nicht so präsent wie im Klub bei den Young Boys. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Christian Fassnacht (Stürmer): Note 4 – Für Zuber in der 65. Minute eingewechselt. In dieser Phase läuft im Schweizer Angriff längst nichts mehr. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Andi Zeqiri (Stürmer): Note 4 – Löst Seferovic 20 Minuten vor Schluss ab – vierter ­Debütant an diesem Abend in Basel. Der Weg in den Sturmhimmel ist noch weit, trotzdem fast Torschütze. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Schweiz haut Frankreich raus – und diese Kommentatoren drehen völlig durch

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben