Belarus-Protest: Fast 900 Festnahmen am Wochenende
Belarus neue Proteste 13. September
Bei den Massenprotesten in Belarus (Weissrussland) gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko sind am Wochenende fast 900 Menschen festgenommen worden. Das Innenministerium in Minsk gab am Montag die Zahl der bei der grossen Sonntagsdemonstration festgenommenen Menschen mit 774 an.
Am Samstag waren zudem bei einem Protestmarsch von Frauen gegen Lukaschenko mehr als 100 Teilnehmerinnen festgenommen worden. Die maskierten Uniformierten gingen am Wochenende nach Einschätzung von Beobachtern besonders rabiat gegen die Demokratiebewegung vor. Die Behörden des Strafvollzugs sprachen von vollen Gefängnissen.
Die Sicherheitskräfte begründeten ihr Vorgehen damit, dass die Aktionen nicht genehmigt gewesen seien. Allein in Minsk waren nach Schätzungen von Beobachtern mehr als 150 000 Menschen auf den Strassen. Auch in vielen anderen Städten gab es Proteste gegen Lukaschenko. Erlaubt werden nur Demonstrationen seiner Unterstützer, die aber wegen ihrer geringen Zahl kaum auffallen.
Gewalt gegen Protester in Belarus
Video: watson/een
Der 66-jährige Machthaber landete am Montag in der russischen Stadt Sotschi am Schwarzen Meer, um sich mit Präsident Wladimir Putin über einen Ausweg aus der schwersten politischen Krise des Landes auszutauschen. Lukaschenko ist seit 26 Jahren an der Macht und hofft vor allem auf Rückenwind von Putin für eine sechste Amtszeit. Nach der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August hatte sich Lukaschenko zum Sieger erklären lassen – mit 80.1 Prozent der Stimmen.
Die Demokratiebewegung sieht hingegen die 38-jährige Swetlana Tichanowskaja als Siegerin der Wahl. Putin hatte dies nicht anerkannt und Lukaschenko zum Sieg gratuliert. Gleichwohl forderte Russland Lukaschenko angesichts der Proteste zum Dialog mit der Gesellschaft auf. Moskau unterstützt zudem den Vorschlag des Staatschefs, die Verfassung zu erneuern und danach Neuwahlen anzusetzen.
Das Treffen in Sotschi ist bereits das dritte der beiden Politiker in den vergangenen vier Monaten. Geplant waren diesmal aber Gespräche unter vier Augen. Es waren nach Kremlangaben keine Journalisten zugelassen. Lukaschenko verliess erstmals seit der Wahl Belarus. Er will mit Putin auch über einen neuen Gaspreis sowie Schulden verhandeln. Belarus hängt wirtschaftlich am Tropf von Russland. (aeg/sda/dpa)
Proteste in Belarus gehen weiter
Belarus kommt nicht zur Ruhe. Seit dem Präsidentschaftswahlen am 9. August wird im Land protestiert. keystone / Dmitri Lovetsky
Amtsinhaber Alexander Lukaschenko gewann die Wahlen von Belarus nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen. Von Oppositionellen wird dieses Ergebnis in Frage gestellt. Ihm wird Wahlbetrug vorgeworfen. keystone / Dmitri Lovetsky
Swetlana Tichanowskaja kandidierte gegen den amtierenden Präsidenten. Gemäss offiziellen Zahlen verlor sie die Wahl mit nur 10 Prozent Stimmanteil. Sie verliess das Land unter unklaren Umständen und flüchtete nach Litauen. keystone / Sergei Grits
Dieses angebliche Wahlergebnis löste in Belarus viele Proteste aus. Täglich wird in vielen weissrussischen Städten demonstriert. keystone / Dmitri Lovetsky
Lukaschenko schickte Polizisten los, um die Demonstrationen unter Kontrolle zu bringen. keystone
Die Sicherheitskräfte gingen mit grosser Härte gegen die Protestierenden vor, was noch mehr Demonstrationen auslöste. Tausende Protestierende wurden verhaftet. keystone
Am 14. August lassen die Behörden mehr als 2000 Gefangene frei. Viele zeigten danach schwere Verletzungen: Blutergüsse, blutigen Striemen auf dem Rücken, Platzwunden am Kopf und Verbrennungen von Blendgranaten. keystone / Sergei Grits
In diesem Bild hält eine belarussische Frau ein Bild eines Mannes hoch, der Berichten zufolge in Polizeihaft übel zugerichtet wurde. keystone / TATYANA ZENKOVICH
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sah auch Hinweise auf Folter. Die Behörden wiesen ungeachtet unzähliger Foto- und Videobeweise die Vorwürfe von Misshandlungen zurück. In diesem Bild zeigt der Demonstrant Artem Pronin seine Blutergüsse, die er nach eigenen Angaben zufolge in Polizeihaft erlitten hatte. keystone / TATYANA ZENKOVICH
Diese Gedenkstätte in Minsk wurde für Aleksandra Viktor und Aleksandar Trajkovski errichtet. Die beiden starben während Demonstrationen. keystone / STR
Nach Darstellung der Opposition befinden sich noch immer 4000 Menschen in Haft. Medien zufolge werden rund 80 Menschen noch vermisst. keystone / MARTIN DIVISEK
Bei den grössten Protesten bisher überhaupt waren im ganzen Land nach Schätzungen von Aktivisten mehr als eine halbe Million Menschen auf den Beinen. Allein in der Hauptstadt Minsk waren es Hunderttausende. Proteste in dieser Grössenordnung in Belarus gelten als historisch. Sie verliefen friedlich. keystone / Sergei Grits
Die Polizei schritt Anfangs letzter Woche nicht mehr ein. Die Lage ist gespannt, weil die Behörden die Proteste für illegal erklärt haben. Es stehen auch Militärfahrzeuge bereit, wie auf Fotos im Nachrichtenkanal Telegram zu sehen ist. keystone / YAUHEN YERCHAK
Die Sonderpolizei OMON ist während den Protesten stark präsent. Gegen Ende letzter Woche wurden wieder vermehrt Menschen festgenommen, darunter auch Dutzende Journalisten. keystone / Dmitri Lovetsky
Im Machtkampf in Belarus ist Russland bereit, seinem Nachbarn und Verbündeten bei einer weiteren Zuspitzung der Lage mit Einsatzkräften zu helfen. Es sei eine eigene Reserve für den Fall eines Eingreifens gebildet worden, sagte Kremlchef Wladimir Putin. keystone / Tatyana Zenkovich
In Minsk sind letzten Sonntag trotz dem erhöhten Aufgebot von Sicherheitskräften und Putins Drohung erneut Zehntausende auf die Strasse gegangen. keystone
Zwar erreichen die Bürger diesmal nicht den Unabhängigkeitsplatz in Minsk. Er ist mit Metallgittern abgesperrt. keystone / STRINGER
Aber an vielen Stellen der Stadt versammeln sich Tausende Menschen – und stellen sich mutig den Uniformierten entgegen. «Uchodi!» – «Hau ab!» – skandiert die Menge. Und «Lukaschenko w Awtosak» – «Lukaschenko in den Gefangenentransporter». keystone
Polizei in Belarus hat keine Chance gegen diese protestierenden Frauen
Video: watson / leb
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