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Der eingeschlagene Kurs von Präsident Hassan Ruhani kann weitergehen.
Bild: AP/Office of the Iranian Presidency

Amtliches Endergebnis: Gemässigte im Iran gewinnen deutlich hinzu

Publiziert: 29.02.16, 20:44

Nach der Parlamentswahl im Iran mit starken Zugewinnen für das gemässigte Lager kann Präsident Hassan Ruhani mit Rückenwind für seinen Reformkurs rechnen. Laut dem amtlichen Endergebnis vom Montag haben die Reformer und Gemässigten deutlich dazugewonnen, auch wenn es bisher keine klare Mehrheit für eines der Lager im Parlament gibt.

Viele Konservative, die ins Parlament gewählt wurden, sind selbst keine Radikalen und könnten die Regierung künftig unterstützen. Sie hatten Ruhani bereits beim Abschluss des innenpolitisch umstrittenen Atomabkommens mit den UNO-Vetomächten und Deutschland unterstützt.

Zu diesen Konservativen zählt Parlamentspräsident Ali Laridschani, der den Ausgang der Wahl als «ein neues Kapitel» für das Land bewertete. Die konservativen Hardliner verloren hingegen grösstenteils ihre Sitze.

Keine klare Mehrheit

Dem amtlichen Endergebnis zufolge sind die 290 Sitze im Parlament zwischen dem Ruhani-Lager, den Konservativen sowie unabhängigen Kandidaten aufgeteilt.

103 Sitze gingen demnach an Konservative oder ihnen nahestehende Politiker; Gemässigte und Reformer oder ihnen nahestehende Kandidaten errangen 95 Mandate. 14 Parlamentssitze gingen an Unabhängige, deren Positionierung gegenüber Konservativen und Gemässigten noch unklar war. Ausserdem gewannen vier gemässigte Konservative einen Sitz, die von den Reformern unterstützt wurden, sowie fünf Vertreter religiöser Minderheiten.

Wahlen im Iran: Diese Frauen heizen den Mullahs ein

Die Frauen im Iran sind zum Teil besser ausgebildet als die Männer, aber die politische Szene dominieren immer noch die Männer. Das wollen die Frauen nun ändern. AP/AP / Ebrahim Noroozi
Bei der ersten Wahlveranstaltung der Reformer in Teheran betreten die 30 chancenreichsten Kandidaten für die Parlamentswahl die Bühne. Unter ihnen sind nur zwei Mullahs, Geistliche, dafür aber gleich acht Frauen. Sie werden von den weiblichen Zuschauern auf den Rängen frenetisch gefeiert. AP/AP / Vahid Salemi
Die acht Frauen haben eine schwierige Mission, stellen sich ihr aber sehr selbstbewusst. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Schon nach der Registrierung der Kandidaten hat das Innenministerium der von islamischen Geistlichen beherrschten Republik mitgeteilt, dass 586 Frauen an der Parlamentswahl am 26. Februar teilnehmen. Diese Zahl ist einmalig in der jüngeren Geschichte. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Auslöser war die neue liberale Ära unter Präsident Hassan Ruhani. Der sagte auch, dass die Frauen 50 Prozent der Bevölkerung bilden und dementsprechend auch vertreten sein sollten. AP/AP / Ebrahim Noroozi
Der sagte auch, dass die Frauen 50 Prozent der Bevölkerung bilden und dementsprechend auch vertreten sein sollten. Das liessen sich viele nicht zweimal sagen. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Sicherlich kann auch Ruhani als islamischer Kleriker den Frauen nicht gleiche Rechte gewähren, aber an den Klischees von Frauen in der islamischen Welt will er auch nicht mehr festhalten. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
«Wir vertreten zwar keine feministischen Ansichten, aber auch keine aus der Steinzeit», sagte er kürzlich auf einer Frauenkonferenz. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Ausserdem habe er nicht vergessen, dass auch die Frauenstimmen ihm zu seinem überraschend klaren Wahlsieg 2013 verholfen haben. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Ruhani will den Iran weltoffener präsentieren. Aber solange die Frauen vom iranischen Gesetz weiterhin so diskriminiert werden, kann der Präsident diese Vision nicht umsetzen. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan. Nach Angaben von drei iranischen Anwältinnen habe sich besonders beim Scheidungs- und Sorgerecht, bei der Chancengleichheit bei der akademischen Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt vieles verbessert. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Der Weg zu mehr Gleichberechtigung ist zwar lang, aber für die Kandidatinnen der Reformer nicht aussichtslos. Aber alles sollte schrittweise umgesetzt werden. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH
Zunächst wollen sie mit einem Sieg der Reformer in der Parlamentswahl langfristig Ruhanis neue politische Ära absichern. Darüber hinaus hoffen sie – anstatt der derzeitigen 9 30 der 290 Sitze zu ergattern. AP/AP / Ebrahim Noroozi
Frauen könne man nicht mehr ignorieren. Das haben angeblich nicht nur die Reformer begriffen, sondern auch die Hardliner. EPA/EPA / AMEL PAIN
Auch auf ihrer Hardliner-Liste in Teheran stehen sechs Frauen und nur vier Mullahs. EPA/EPA / ABEDIN TAHERKENAREH

Im April soll in einer Stichwahl über die Vergabe der übrigen 69 Sitze entschieden werden, für die kein Kandidat bei der Wahl am Freitag die notwendige Mehrheit erringen konnte. Im scheidenden Parlament hatten die Reformer nur etwa 30 Sitze. Ihnen standen rund 200 konservative Abgeordnete gegenüber.

An der Wahl hatten 62 Prozent der 55 Millionen Wahlberechtigten im Iran teilgenommen. Besonders stark war das Lager der Gemässigten und Reformer im Bezirk der Hauptstadt Teheran, wo es auf Anhieb alle 30 Sitze gewann.

Die Stichwahl ist nun vor allem in Gebieten notwendig, in denen Konservative stärker sind als Reformer oder Gemässigte. Dennoch kann Ruhani darauf setzen, dass auch unter den Konservativen die Botschaft der Wähler nach einer stärkeren Öffnung angekommen ist.

Expertenrat: Schmach für Hardliner

Auch bei der Wahl zum 88-köpfigen Expertenrat vom Freitag zeigte sich ein ähnlicher Trend. Dem Gremium aus hochrangigen Geistlichen kommt die Aufgabe zu, im Fall des Todes des 76-jährigen geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei einen Nachfolger zu wählen.

Klarer Sieger war in Teheran das Reformer-Duo aus Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani und dem jetzigen Präsidenten Ruhani. Im wichtigen Bezirk mit 16 Sitzen setzte sich auch die von den beiden angeführte Liste klar durch. Mit seinem Wahlsieg in Teheran wird Rafsandschani mit grosser Wahrscheinlichkeit die Leitung des Rats übernehmen.

Von den Hardlinern kam Ajatollah Ahmad Dschannati auf Platz 16 und somit knapp noch in den Rat. Der bisherige Ratsvorsitzende Ajatollah Mohammed Taghi Mesbah Jasdi wurde nicht mehr in das Gremium gewählt. Dschannati und Mesbah Jasdi gehören zu den ärgsten Kritikern des Reformkurses von Ruhani und dessen Mentor Rafsandschani. Insgesamt wird das Gremium aber weiter von Konservativen dominiert.

Das gute Abschneiden der Reformer bei den Wahlen vom Freitag kam überraschend, weil ein Grossteil ihrer Kandidaten vom Wächterrat vorab ausgeschlossen worden war. Die Reformer hatten vor vier Jahren die Parlamentswahl aus Protest gegen die umstrittene Wiederwahl des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 boykottiert. (jas/sda/afp/dpa)

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