Patriot-Systeme: Die Schweiz erhält erneut schlechte Nachrichten aus den USA
Ein enger Kern der künftigen Schweizer Ausbildner für die fünf Patriot-Luftabwehrsysteme über lange Distanzen hielt sich bereits in den USA auf – und absolvierte dort Patriot-Kurse. Das bestätigt die Armee gegenüber CH Media.
Auch die Arbeiten auf dem Waffenplatz in Emmen sind in vollem Gang. Bis Ende 2026 soll dort ein neues Ausbildungs- und Trainingszentrum für die Patriot-Systeme stehen. Dafür wurden die Gebäude der Übermittlungstruppen auf dem Areal Tiergarten abgerissen. An ihrer Stelle entsteht das neue Zentrum. Es kostet 42,16 Millionen Franken.
Die Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz der fünf Patriot-Systeme, welche die Schweiz 2022 für zwei Milliarden Franken in den USA bestellt hat, laufen damit auf Hochtouren.
Sie haben allerdings einen grossen Haken. Zurzeit weiss niemand, ob und bis wann die USA der Schweiz die Systeme liefern. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass das zwischen 2026 und 2028 geschehen sollte. Damit hätten die Vorbereitungsarbeiten perfekt gelegen.
Heute wirken sie seltsam. Im Sommer 2025 informierten die USA die Schweiz darüber, dass sich die Lieferungen der Systeme verzögerten. Es würden Länder priorisiert, welche die Ukraine unterstützten. Damals sei von einer Verzögerung von «vier bis fünf Jahren» die Rede gewesen, sagte Rüstungschef Urs Loher Ende März im Interview bei CH Media. Das hätte bedeutet: Die ersten Patriot-Systeme werden ab 2031 oder 2032 geliefert.
Der Iran-Krieg verschärft die Situation massiv
Inzwischen hat sich die Ausgangslage für die Schweiz zusätzlich massiv verschlechtert. Am 28. Februar begannen die USA ihren Krieg gegen den Iran. Darin spielen Patriot-Luftabwehrsysteme eine zentrale Rolle.
Erstens militärisch: Der Iran griff Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und Bahrain mit ballistischen Raketen und Drohnen an. Sie alle suchten deshalb händeringend Patriot-Luftabwehrsysteme, die sich als zentral erwiesen.
Zweitens sind Patriot-Systeme auch strategisch zentral: Sie sind mit dem Iran-Krieg zum globalen Enpass-Produkt schlechthin geworden. Das wiederum beeinflusst Lieferketten und Militärplanungen.
Das bekommt auch die Schweiz zu spüren. Bis Ende März hat sie von den USA überhaupt keine Informationen mehr bekommen, wann sie Patriot-Lieferungen erhält. Das bestätigte Rüstungschef Loher. «Wir haben aktuell keine weiteren Informationen», sagte er damals im Interview.
In Schweizer Armeekreisen geht man inzwischen davon aus, dass sie frühestens ab 2034 eintreffen.
Eine Reuters-Recherche sorgt für Unruhe in Europa
Eine Reuters-Recherche vom 16. April hat die Situation noch weiter verschärft. Die internationale Nachrichtenagentur meldete, US-Beamte hätten verschiedenen europäischen Ländern bilateral mitgeteilt, vertraglich vereinbarte Waffenlieferungen würden sich wegen des Iran-Kriegs verzögern. Zu den betroffenen Ländern gehören auch skandinavische und baltische Staaten. Estland und Litauen bestätigten gegenüber Reuters, von den USA informiert worden zu sein.
Hinter vorgehaltener Hand beklagten sich europäische Regierungsvertreter gegenüber der Agentur, die Verzögerungen brächten ihre Länder in eine schwierige Lage. In Europas Hauptstädten sei Frustration zu spüren, schrieb Reuters. Immer mehr Politiker setzten deshalb auf Waffensysteme, die in Europa hergestellt würden.
Es fragt sich, ob auch die Schweiz zu den Ländern gehört, die von US-Beamten Anfang April informiert wurden. Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse bestätigt das. «Wir sind von den USA davon unterrichtet worden, dass es bei den PAC-2 GEM-T Lenkwaffen für Patriot Verzögerungen gibt», sagt Kommunikationschef Kaj-Gunnar Sievert. Bei den F-35 habe die Produktion einzelner Teile begonnen. Hier deute nichts auf Verspätungen hin. Klar sei aber, dass sich die Situation insgesamt «sicher nicht verbessert» habe.
Die Armee reagiert
Die schwierige Situation mit den USA führt dazu, dass die Schweizer Armee ihre Vorbereitungsarbeiten für die Patriot-Systeme den Realitäten anpasst. Wegen der Lieferverzögerungen verzichte die Armee zurzeit «auf eine intensive Weiterausbildung des designierten Ausbildungspersonals», schreibt die Medienstelle.
Zudem werde im Rahmen der laufenden Projektarbeiten geprüft, wie das fertig gestellte Ausbildungszentrum genutzt werden solle. Denkbar sei eine Zwischennutzung. Auch stehen aktuell noch keine Simulatoren im Zentrum. Es werde zurzeit analysiert, schreibt die Armee, wann der richtige Zeitpunkt sei, sie zu installieren. (aargauerzeitung.ch)
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