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Pascal Schmitz wird nach Fischer-Skandal dem Volk zum Frass vorgeworfen

Pascal Schmitz SRF
Auch ein Verlierer im «Fall Fischer»: SRF-Mann Pascal Schmitz.Bild: SRF/Gian Vaitl
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Wie SRF Pascal Schmitz dem Volk zum Frass vorwirft – und er über seine Eitelkeit stolpert

Nach der Entlassung von Patrick Fischer gerät der SRF-Journalist Pascal Schmitz selber ins Visier. Der Fall offenbart, wie der TV-Sender die Kontrolle über die eigene Geschichte verlor.
23.04.2026, 17:5123.04.2026, 20:13
Simon Häring
Simon Häring

Die Posse um den entlassenen Schweizer Eishockey-Nationaltrainer kennt nur Verlierer: Patrick Fischer, der einen Monat vor der Heim-WM seinen Job verlor, weil er vor vier Jahren ein Corona-Impfzertifikat gefälscht hatte, um an die Olympischen Spiele 2022 zu reisen. Fischer wurde später wegen Urkundenfälschung verurteilt und musste 40'000 Franken Busse bezahlen.

Verlierer ist auch der Verband, der die Tragweite von Fischers Verfehlung unterschätzt hatte, zunächst an seinem Trainer festhalten wollte und ihn 48 Stunden später doch via Telefon entliess – nach zehn Jahren Amtszeit. Dass mit Roman Josi ein Schlüsselspieler in einem Brief die Absetzung kritisierte – und dieser an die Öffentlichkeit gelangte –, passt ins Bild.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, looks disappointed as they leave his bench after the second period, during the men's group A preliminary round game between Ca ...
Patrick Fischer an den Olympischen Spielen 2022, an die er mit gefälschtem Impfzertifikat reiste.Bild: keystone

Und nun stolpert auch noch der SRF-Journalist Pascal Schmitz über seine früheren Verfehlungen. Fischer hatte sich dem 41-Jährigen im Rahmen von Dreharbeiten für ein Porträt während der Mittagspause anvertraut. Offenbar in der naiven Annahme, das Vergehen von vor über vier Jahren sei nicht mehr von Belang und die Information vertraulich.

Doch in der Öffentlichkeit war er nicht nur der Überbringer der schlechten Nachricht, sondern wurde damit für gewisse Kreise auch zum Feindbild. Mit fatalen Folgen: Am Mittwoch teilte Schmitz den Rapperswil-Jona Lakers mit, er stehe dem Verein per sofort nicht mehr als Stadionsprecher zur Verfügung. Er hatte dieses Amt seit 14 Jahren ausgefüllt. Er wolle damit «Schaden vom Verein abwenden», der eine «Herzensangelegenheit» sei.

Rassistisch, sexistisch und primitiv

Auslöser ist ein Artikel des früheren SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli in der «Weltwoche». Demnach habe Schmitz vor 15 Jahren beleidigende, rassistische, sexistische und primitive Facebook-Posts abgesetzt. Diese sind zum Teil so vulgär, dass sie nicht zitierfähig sind. Die Rapperswil-Jona Lakers verurteilen diese und begrüssen den Entscheid zum Rücktritt.

Das Schweizer Fernsehen teilte mit, die zitierten Äusserungen entsprächen nicht den publizistischen Leitlinien und man distanziere sich von ihnen.

Wobei auch SRF Verlierer in der Geschichte ist. Weil der Sender nun bei einem nicht kleinen Teil der Schweizer Eishockeyfans als Nestbeschmutzer gilt, aber auch weil sich selbst Expertinnen und Journalisten nicht restlos einig sind, ob es richtig war, Fischers Verurteilung öffentlich zu machen.

Pascal Schmitz SRF Moderator
Schmitz wird vorderhand nicht mehr am Bildschirm zu sehen sein.Bild: SRF/Oscar Alessio

Ein Mix aus Eitelkeit und Naivität

Sowohl Pascal Schmitz als auch das Schweizer Fernsehen haben nach Bekanntwerden der Geschichte Fehler begangen und damit die Situation weiter eskalieren lassen – offenbar getrieben von Eitelkeit und Naivität.

Schmitz, indem er in der Sendung «10vor10» Auskunft gab (siehe Video unten). Er machte sich damit zum Akteur der Geschichte. Er gab danach dem «Blick» und dem Tages-Anzeiger Interviews, in denen er sagte, er habe nur seinen Job gemacht und nicht mit einer solchen Dynamik rechnen können. Wobei die in Teilen geschmacklosen Anfeindungen gegen ihn in den Kommentarspalten zu antizipieren gewesen wären.

SRF: Erst nachträgliche Rückendeckung

Mit seinen medialen Auftritten gab Schmitz der Geschichte sein Gesicht. Offenbar aus Eitelkeit. Denn intern soll es einige Stimmen gegeben haben, die dem Newsjournalisten davon abrieten, im «10vor10» aufzutreten.

Gregor Meier, der stellvertretende Chefredaktor von SRF, schreibt in einem Beitrag auf Linkedin, Schmitz sei weder ein Verräter noch ein Denunziant, «sondern einer, der seinen Job richtig macht». Dass der Journalist nun zum Sündenbock gemacht werde, sei inakzeptabel. Die Entscheidung, Fischers Verfehlungen öffentlich zu machen, habe man gemeinsam getroffen.

Die nachträgliche Rückendeckung in Ehren, sie kommt wohl zu spät. Denn die mutmassliche Eitelkeit von Pascal Schmitz ist das eine, das Verhalten der SRG als dessen Arbeitgeberin das andere. Indem man den Journalisten dazu ermutigt, oder zumindest toleriert hat, dass er sich im «10vor10» und in anderen Medien äussert, hat man ihn dem Volkszorn ausgeliefert.

Schmitz moderiert nicht mehr «Schweiz aktuell»

Vernünftiger wäre es gewesen, wenn die Chefredaktion Schmitz aus der Schusslinie genommen hätte, statt ihn noch zum Akteur zu machen. Nur so kamen seine Äusserungen von vor 15 Jahren ans Licht und gipfelten nun darin, dass Pascal Schmitz einen erheblichen Imageschaden in seinem Job erlitten hat und von der «Weltwoche» als «Petzer der Nation» bezeichnet wird.

Das macht Schmitz in dieser Angelegenheit nicht automatisch zum Opfer. Er hat sich in einer Art und Weise öffentlich geäussert, die nicht mit den publizistischen Leitlinien von SRF zu vereinbaren sind, wie der Sender selber mitteilt. Das ist deshalb von Belang, weil es genau dieses interne Papier ist, mit dem man die Veröffentlichung des Beitrags begründet.

SRF legte bei Patrick Fischer einen strengen Massstab an – und scheitert nun im Fall Pascal Schmitz an den eigenen Prinzipien. Am Donnerstag gab der Sender bekannt, dass Schmitz vorerst nicht mehr bei «Schweiz aktuell» vor der Kamera stehen wird. Weitere Massnahmen werden geprüft.

Am Ende gibt es in dieser Geschichte nur Verlierer: Patrick Fischer, den Verband, das Schweizer Eishockey, SRF und Pascal Schmitz.

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213 Kommentare
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jyperion
23.04.2026 18:10registriert März 2015
Naja, die beiden Fälle von Schmitz und Fischer sind sich sehr ähnlich. Beiden taten in der Vergangenheit unrühmliche, (potenziell) strafbare Dinge (auch für tassistische Tweets kann man bestraft werden), was von einem Medium dann gezielt geleakt wurde, möglicherweise um Konsequenzen zu erzeugen.
Wenn man so gegen andere vorgeht, oder das bei andern als gerechtfertigt ansieht, dann kann man bei sich selber nicht wirklich einen anderen Umgang verlangen. Wenn man öffentlich austeilt, muss man mit Gegenwehr rechnen, auch als Journalist.
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Master_Blaster
23.04.2026 18:44registriert März 2021
Pascal Schmitz hatte eine Wahl und entschied sich für das Spektakel. Spätestens als klar war, dass Fischer rechtskräftig verurteilt war und kein überwiegendes öffentliches Interesse mehr bestand, hätte er auf die Veröffentlichung verzichten können. Genau dafür gibt es in den Standesregeln des Schweizer Presserats die Richtlinie 7.4. Nach Abschluss eines Strafverfahrens kann das Recht auf Vergessen schwerer wiegen als das Informationsinteresse. Schmitz wollte es trotzdem publizieren. Das Interesse von Fischer war ihm offenbar gleichgültig. Am Ende bleiben nur Verlierer zurück.
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Luna Merlin
23.04.2026 18:36registriert Dezember 2021
Ganz ehrlich: Wenn man bei mir, bei dir, bei uns allen tief in der Vergangenheit JEDEN Stein umdrehen würde - käme dann nicht bei fast allen von uns irgend etwas Suboptimales hervor?
Diesen Stil - grundsätzlich - finde ich verwerflich.
Medien dürfen, nein, MÜSSEN, echte Ungereimtheiten aufdecken!
Aber das… das riecht irgendwie eher nach Rache. Von wem und an wen adressiert auch immer.
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