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Theresa May hat genug. Sie schmeisst den Verteidigungsminister Gavin Williamson raus. Bild: EPA/UK PARLIAMENTARY RECORDING UNIT

May schmeisst Verteidigungsminister raus – weil er geheime Informationen an Presse leakte

Der Fall dreht sich um Huawei und 5G.

Publiziert: 02.05.19, 05:25 Aktualisiert: 02.05.19, 06:20

Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson soll geheime Informationen an die Presse weitergegeben haben – nun muss er seinen Posten räumen. Premierministerin Theresa May habe das Vertrauen in den 42-Jährigen verloren und ihn entlassen, hiess es in der Regierungsmitteilung am Mittwochabend.

May wirft Williamson vor, Medienvertretern geheime Informationen aus einem Treffen des nationalen Sicherheitsrats gesteckt zu haben. Die bisherige Entwicklungshilfeministerin Penny Mordaunt soll nun Williamsons Posten einnehmen. Für Mordaunt wiederum rückt der bisherige Staatssekretär Rory Stewart ins Kabinett auf.

Eigentlich hätten Minister üblicherweise «eine Lizenz zum Leaken», schrieb der «Daily Telegraph» am Donnerstag. Doch dieses Mal sei übertrieben worden – wenn durch Indiskretionen die Premierministerin Schaden nehme oder wenn es um nationale Sicherheit gehe.

In dem Entlassungsschreiben, das der Regierungssitz Downing Street veröffentlichte, warf May Williamson vor, er selbst sei für den Bruch der Vertraulichkeit verantwortlich gewesen. «Es wurde keine andere glaubhafte Version der Ereignisse identifiziert, um diese undichte Stelle zu erklären», erklärte May.

Im Kern geht es dabei um einen Medienbericht über die Entscheidung der britischen Regierung, den chinesischen Telekom-Riesen Huawei teilweise am Ausbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes zu beteiligen. Die Zeitung «Telegraph» hatte darüber berichtet.

Vorwurf bestritten

Schon lange gelten die Minister in London als disziplinlos – Informationen aus Kabinettssitzungen dringen regelmässig in kurzer Zeit an die Öffentlichkeit. Dass nun auch Details aus Treffen des wichtigsten nationalen Sicherheitsgremiums an die Presse gingen, schockte viele Briten allerdings. Die Regierung leitete daraufhin eine Untersuchung ein.

In einem öffentlichen Brief an die Premierministerin bestritt Williamson die Vorwürfe. Ein Angebot, sein Amt selbst niederzulegen, habe er ablehnen müssen: «Zurückzutreten hätte bedeutet, zu akzeptieren, dass ich, meine Beamten, Militärberater oder Mitarbeiter verantwortlich waren. Das war nicht der Fall.» Im Gespräch mit einer Reihe britischer Medien bekräftigte Williamson anschliessend, dass er unschuldig sei.

Vor allem die USA hatten die Europäer zuletzt dazu aufgerufen, den chinesischen Telekom-Riesen Huawei nicht am Ausbau ihrer Mobilfunknetze zu beteiligen. Die Vereinigten Staaten werfen dem Unternehmen vor, über seine Telekom-Produkte spionieren oder sabotieren zu können. Beweise dafür liegen aber bislang nicht vor. Huawei hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Wahlen als Stimmungstest

5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration, die Weiterentwicklung des bereits bestehenden Standards 4G, die auch LTE genannt wird. 5G gilt als grosser Satz nach vorn im Internetzeitalter.

Am Donnerstag sind in grossen Teilen Englands und Nordirlands Kommunalwahlen – die Urnengänge gelten als Stimmungsbarometer angesichts des Brexit-Frusts in Grossbritannien. Für Mays Konservative Partei wird mit grossen Verlusten gerechnet - die Wahlen könnten die Krise der Regierungschefin und ihres Kabinetts weiter verschärfen. «Die Tories stehen vor einem Wipe-Out», titelte der «Express» dazu am Donnerstag.

(sda/dpa)

Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks

«Wo biiisch!?» watson präsentiert Meilensteine der Schweizer Mobilfunk-Geschichte. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1978 geht in der Schweiz das erste öffentliche Mobilfunknetz in Betrieb: NATEL A. Das ist die Abkürzung für Nationales Autotelefon ... und wird zum Synonym für Mobiltelefon. KEYSTONE / STR
Der Begriff «Handy» setzt sich in der Schweiz erst viel später durch, weil er seit den 1960ern durch das Geschirrspülmittel der Migros belegt ist. PS: Die Romands sagen «Mobile» und die Tessiner «Telefonino».
Alleiniger Netzbetreiber ist lange Zeit der Bund, oder besser die schweizerische PTT, die Behörde für Post, Telefon und Telefax. KEYSTONE / STR
1983 lancieren die PTT mit NATEL B ein zweites zusätzliches Mobilfunknetz, um die grosse Nachfrage zu befriedigen. (Und in Zürich startet das «Nonstop»-Sexkino Cinebref) KEYSTONE / STR
1984 stellen die PTT das schnurlose Funktelefon «Radiotel» vor. Es ist für eine monatliche Gebühr von 26 Franken erhältlich, eignet sich jedoch ausschliesslich für den hausinternen Gebrauch. KEYSTONE / STR
1987 ist das Jahr, in dem der Mobilfunk technische Fortschritte macht ... KEYSTONE / STR
Im September 1987 geht in der Region Zürich das erste NATEL-C-Netz in Betrieb. Nun werden die Mobiltelefone kompakter und auch langsam günstiger. KEYSTONE / STR
1991: Mit NATEL D lancieren die PTT das erste digitale Mobilfunknetz, das zudem mit ausländischen Netzen verbunden werden kann. Das Foto zeigt ein Mobiltelefon des Schweizer Herstellers Ascom. KEYSTONE / PATRICK AVIOLAT
April 1996: SBB, UBS und Migros gründen die Newtelco AG, die 1997 – nach Einstieg von British Telecom und Tele Danmark – den Markennamen «Sunrise» lanciert. KEYSTONE
1992 bis 1998: Der Schweizer Telekommunikationsmarkt wird liberalisiert, die PTT verlieren ihr Monopol. Der Fernmeldebereich wird 1993 zur Telecom PTT und 1997 zur selbständigen Swisscom. KEYSTONE / STR
Juni 1994: Das Bundesgericht verbietet in einem Grundsatzurteil das Telefonieren während dem Autofahren. Wer von der Polizei erwischt wird, bezahlt 40 Franken. Per September 1996 wird die Busse auf 100 Franken erhöht. APA FILES / GEORGES SCHNEIDER
1997: Miss-World-Finalistin Tanja Gutmann posiert am Strand mit Handy und die «Sonntagszeitung» bringt einen der ersten kritischen Artikel zum Thema Roaming-Gebühren. Titel: «Tarif-Chaos im weltweiten Handy-Netz». Die Swisscom versucht zu beschwichtigen. AP / ADIL BRADLOW
1998: Der Mobilfunk boomt, in der Schweiz gibt es 1,3 Millionen Handy-Besitzer. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
April 1998: Der Bund vergibt die zwei neuen Mobilfunklizenzen an die Unternehmen Diax und Orange Communications. Die drei Mitbewerber Sunrise, Fortel SA und Unlimitel gehen leer aus. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
August 1998: Obwohl sich die Mehrheit der Bündner Jäger für die Zulassung von Mobiltelefonen auf der Jagd ausgesprochen hat, lehnt die Kantonsregierung das Begehren ab. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Dezember 1998: Das Swisscom-Monopol fällt. An Heiligabend schaltet Diax sein Mobilfunknetz auf, das allerdings nur Teile der Schweiz abdeckt. Bild: Hans Rudolf Wittmer, Diax-Chef. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1999: Natel-Antennen sorgen vermehrt wegen Gesundheitsrisiken und Klagen von Anwohnern für Schlagzeilen. Die Fachleute sind sich uneins, was die Auswirkungen des Elektrosmogs betrifft, und die Strahlungs-Grenzwerte sind umstritten. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Februar 2000: Die EU-Kommission nimmt die Roaming-Tarife der europäischen Mobilfunk-Anbieter ins Visier. Die Preisunterschiede bei internationalen Anrufen mit und ohne Roaming betragen laut Untersuchungen bis zu 500 Prozent. AP / EDGAR R.SCHOEPAL
2001: Die Schweizer Telekom-Firmen Diax und Sunrise fusionieren, der Markenname «diAx» verschwindet. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
2002: Sunrise lanciert das Multimedia Messaging-System MMS. Und über die Weihnachtstage werden mehrere Millionen von SMS-Botschaften verschickt, so viel wie noch nie. KEYSTONE / WALTER BIERI
Ende 2012: Die Swisscom lanciert als erster Schweizer Provider ein LTE-Netz, das ist praktisch der Schweizer Startschuss ins 4G-Zeitalter. KEYSTONE / GAETAN BALLY
2015: Orange (Schweiz) ändert den Namen und heisst neu Salt. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Juni 2017: In der EU werden die Roaming-Gebühren abgeschafft. AP/AP / Francois Mori
Schweizer Mobilfunkanbieter dürfen von ihren Kunden weiterhin happige Zuschläge verlangen, wenn diese im Ausland telefonieren und mobil surfen – das Parlament sträubt sich bislang gegen eine Einschränkung. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Die Parlamentarier dürfen im Ausland täglich pauschal 50 Franken fürs Roaming abrechnen – unabhängig davon, ob sie diesen Betrag effektiv benötigen. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
April 2019: Swisscom gibt die Inbetriebnahme des ersten 5G-Netzes in der Schweiz bekannt – in vorerst 54 Ortschaften, darunter Chur, Davos, Genf, Lausanne und Zürich. Gleichzeitig nimmt der politische Widerstand gegen den Bau neuer Antennen in einzelnen Kantonen zu. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
April 2019: Während die Provider den neuen Mobilfunk-Standard propagieren, legt der Jura den Antennenbau auf Eis: Und auch die Kantonsregierungen von Genf und Waadt haben wegen Gesundheitsbedenken ein provisorisches 5G-Moratorium beschlossen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
März 2020: Die Swisscom stellt dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Standortdaten aus ihrem Mobilfunknetz zur Verfügung, um die Mobilität der Bevölkerung in der Corona-Krise zu überwachen. Bild: Ein geschlossener Spielplatz auf einer Autobahn-Raststätte in Maienfeld GR. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
November 2020: Die Schweizer Teleko-Anbieter UPC und Sunrise sind keine Konkurrenten mehr, sondern Tochterunternehmen der Muttergesellschaft Liberty Global. Erklärtes Ziel ist es, der Marktführerin Swisscom beim ultraschnellen Internet (Glasfaser und 5G-Mobilfunk) Kundinnen und Kunden abzujagen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2021: Das 2G-Netz von Swisscom wird Anfang Jahr endgültig abgeschaltet. Seit diesem Zeitpunkt kann kein Gerät mehr darauf zugreifen. Im Bild: Urs Schaeppi, CEO von Swisscom. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Hier stehen die ersten 5G-Antennen der Schweiz

Video: SRF / SDA SRF

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