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Eine verletzte Person wird von Rettungskräften versorgt. Bild: EPA/SNPA

50 Tote, ein Manifest und grosse Trauer – was wir vom Terroranschlag in Neuseeland wissen

Während der Freitagsgebete stürmte ein Terrorist zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland und tötete 50 Menschen. Was bislang bekannt ist:

Publiziert: 15.03.19, 09:37 Aktualisiert: 16.03.19, 22:49
Bei einem Terrorangriff auf zwei Moscheen in Christchurch hat es am Freitag, 15. März 2019, mindestens 50 Tote gegeben. Mit einer Schnellfeuerwaffe schoss ein Tatverdächtiger auf Muslime. EPA/SNPA / Martin Hunter
Mehr als 20 Menschen seien schwer verletzt worden, sagt Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern am Freitag. AP/AP / Mark Baker
Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann zunächst in einer Moschee in der Innenstadt um sich geschossen, wo sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt hatten. AP/AP / Mark Baker
Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Die Lage war auch Stunden nach den ersten Schüssen noch unklar. AP/AP / Mark Baker
Ein Polizeisprecher berichtete von einer Festnahme. Unklar blieb zunächst, ob es sich dabei um den mutmasslichen Täter handelte und auch, ob es Komplizen gab. EPA/SNPA / Martin Hunter
Den Zeugen zufolge handelte es sich bei dem Täter um einen weissen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Mit seiner automatischen Waffe soll er immer wieder in die Menschenmenge geschossen haben. AP/Alleged Shooter's video
Online kursierte ein Video, das angeblich von der Helmkamera des Täters stammt. Auf dem Video in Ego-Shooter-Manier sind zahlreiche Verletzte und am Boden liegende Personen zu sehen. AP/Alleged Shooter's Video
Die Polizei sprach in einer Video-Nachricht, die über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, von einer «sehr ernsten und tragischen Serie an Ereignissen». AP/AP / Mark Baker
Zur Festnahme hiess es: «Wir haben eine Person in Gewahrsam. Aber wir sind nicht sicher, ob es da noch andere Leute gibt.» Später wurden drei Festnahmen gemeldet. Diese Personen sind inzwischen wieder auf freiem Fuss. AP/AP / Mark Baker
Die Stadt riegelte wegen der unklaren Lage alle staatlichen Gebäude ab. AP/AP / Mark Baker
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verurteilte den Angriff aufs Schärfste. In einer kurzen Stellungnahme sprach die sozialdemokratische Politikerin von einem der «dunkelsten Tage» in der Geschichte ihres Landes. AP/AP / Mark Baker
Es soll sich um einen faschistischen Terroristen namens Brenton Tarrant handeln, einen 28-jährigen Australier, der aus fremdenfeindlichen Motiven handelte. AP/AP / Mark Baker
Auf weiteren Waffen, die der Mann im Kofferraum mitführte, sei «Kebab Remover» (Kebab-Entferner) zu lesen gewesen und der Name eines Mädchens, das 2017 bei einem Terrorangriff in Schweden starb. EPA/SNPA / Martin Hunter
Im Netz kursiert zudem ein 74-seitiges «Manifest», in dem sich mutmaßlich der Täter zu seinen Beweggründen für die Tat äusserte. Darin finden sich laut Medienberichten auch rechtsextreme Parolen und der Verfasser betont, eine «Atmosphäre der Angst» schaffen zu wollen. EPA/SNPA / Martin Hunter

Der Tathergang

Der genaue Tathergang ist noch unklar. Klar ist aber: Die ersten Schüsse fielen nach Augenzeugenberichten gegen 13.45 Uhr Ortszeit (01.45 Uhr MEZ) in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch. Später fielen Schüsse in einer Moschee im Vorort Linwood. Die Angriffe fanden während des Nachmittagsgebet statt und seien gemäss Premierministerin «gut vorbereitet» gewesen.

Die Täter

Die Polizei hat bisher vier Personen festgenommen, darunter eine Frau. Unter den Verhafteten ist ein in Australien geborener Rechtsextremer. Der 28-Jährige soll bereits an diesem Samstag einem Richter vorgeführt werden. Er filmte sich während der Attacke und teilte das Video via Live-Stream im Internet. Der mutmassliche Angreifer befand sich laut Ardern nicht auf Terrorlisten.

Der Terrorist war mit mehreren Waffen ausgerüstet, unter anderem ein Sturmgewehr und eine Schrotflinte. Bild: AP/Alleged Shooter's video

Einer der Festgenommenen stehe vermutlich nicht mit dem Angriff in Verbindung, sagt Polizeichef Mike Bush. Bei den übrigen zwei Verdächtigen müsse noch genau geklärt werden, was sie mit dem Vorfall zu tun hätten. Sie seien im Besitz von Schusswaffen gewesen.

Ein Video soll die Verhaftung zeigen:

Das Manifest

Der 28-jährige mutmassliche Haupttäter kündigte seine Tat zuvor im Internet an, unter anderem auf seiner mittlerweile gesperrten Facebook-Seite. In einem Manifest beschreibt er seine Motive: Der Hauptgrund seien die abnehmenden Geburtsraten von Weissen in westlichen Ländern und die gleichzeitige «demographische Übernahme der Muslime». Er wolle die Immigration stoppen und die «Invasoren» von europäischem Boden vertreiben. Ausserdem wolle er Rache nehmen für islamistische Terrorangriffe.

Die Opfer

Die Premierministerin von Neuseeland sprach in einer TV-Ansprache von 49 Toten, später wurde ein weiteres Opfer entdeckt, so dass die Zahl der Toten auf 50 stieg. Ausserdem seien mindestens 48 Menschen verletzt worden. Unter den Opfern seien viele Migranten und Flüchtlinge.

Bislang gibt es keine Hinweise auf Schweizer Staatsangehörige unter den Opfern, wie das Aussendepartement EDA auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die Schweizer Vertretung in Wellington stehe in Kontakt mit den zuständigen lokalen Behörden.

Angespannte Sicherheitslage

Einsatzkräfte entschärften mehrere Sprengsätze an Fahrzeugen in der Innenstadt von Christchurch. Am Bahnhof von Auckland wurden ausserdem zwei verdächtige Rucksäcke kontrolliert gesprengt. Landesweit wurde die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen.

Glück für Cricket-Team

Bangladeschs Cricket-Team, das für ein Spiel gegen Neuseeland in Christchurch war, entkam offenbar nur knapp einem der Angriffe. Ein Sprecher berichtete, einige der Spieler hatten gerade den Team-Bus verlassen und wollten in die Moschee gehen, als der Angriff begann. Sie seien alle sicher, stünden allerdings unter Schock. Das Match wurde abgesagt.

Wie reagiert das Ausland?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die mutmasslichen Terror-Angriffe scharf verurteilt. Für ihn seien diese «das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islam-Phobie». Erdogan bekundete in seinem Tweet «der islamischen Welt und den Menschen von Neuseeland» sein Beileid.

Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel drückte ihre Trauer über den mutmasslichen Terrorangriff aus. «Tief erschüttert verfolge ich die Nachrichten aus #Christchurch», teilte ihr Sprecher Steffen Seibert in ihrem Namen auf Twitter mit. «Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden», hiess es weiter.

Russland verurteilte den mutmasslichen Terrorangriff scharf. «Der Angriff auf friedliche Bürger, die sich zum Gebet versammelt haben, erschüttert in seiner Grausamkeit und in seinem Zynismus», erklärte Präsident Wladimir Putin laut einer Mitteilung des Kremls. Er habe Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern in einem Schreiben sein tiefstes Beileid ausgedrückt.

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) und Ständeratspräsident Jean-René Fournier (CVP/VS) zeigten sich «entsetzt» nach dem Attentat in Neuseeland. «Kein Platz für Hass und Gewalt gegen Religionen», schrieben sie in einem Tweet. (jaw/sda)

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