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Angst vor Inhaftierung: Erst 800 Migranten im neuen Zeltlager auf Lesbos

Publiziert: 15.09.20, 08:41

Die Aufnahme von Migranten in einem provisorischen Zeltlager auf der griechischen Insel Lesbos kommt nur mühsam voran. Bis Dienstagmorgen sind nur rund 800 Menschen in das Camp Kara Tepe wenige Kilometer nördlich der Hauptortschaft der Insel Mytilini gegangen, wie der staatliche Rundfunk (ERT) unter Berufung auf das Migrationsministerium berichtete.

Ein Zelt im neuen Lager Kara Tepe. Bild: keystone

21 Migranten seien positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Sie seien isoliert worden.

Im ehemaligen Camp Moria, das am vergangenen Mittwoch bei einem Grossbrand zerstört worden war, hatten sich mehr als 12'000 Migranten gelebt.

Mit Flugblättern in sieben Sprachen werden die Migranten jetzt informiert, dass es keinen anderen Weg für sie gibt, die Insel zu verlassen, als Asyl zu bekommen. Den Asylprozess könne man aber nur im neuen Lager durchlaufen.

Chaotische Zustände als letzte Chance

Nach wie vor machen unter Migranten Gerüchte die Runde, wer ins Lager gehe, werde eingesperrt wie in einem Gefängnis. Einige Migranten, in ihrer Mehrheit Afghanen, deren Asylanträge abgelehnt worden seien, sähen dagegen in diesen chaotischen Zuständen die letzte Möglichkeit, doch noch zum Festland Griechenlands und danach nach Westeuropa gebracht zu werden, sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Viele dieser Migranten drohten ihren Landsleuten, nicht ins Lager zu gehen, anderenfalls könne ihnen Schlimmes zustossen, hiess es. «Wir wissen genau, wer sie sind», sagte der griechische Bürgerschutzminister Michalis Chryssohoidis am Montagabend im Staatsfernsehen (ERT). Sollten radikale Migranten ihre Taktik fortsetzen, werde es harte Strafen für diese Menschen geben, hiess es. (sda/dpa)

Brand im Flüchtlingslager Moria

Flüchtende bringen sich vor den Flammen im Flüchtlingscamp Moria in Schutz. keystone / Panagiotis Balaskas
Der Grossbrand brach am 9. September aus. keystone / STRATIS BALASKAS
Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis geht davon aus, dass Migranten den Brand gelegt haben. sda / Francisco Seco
Im Lager Moria wurde anfangs September der erste Corona-Fall festgestellt, Stand Dienstag gab es 35 bekannte Infizierte. keystone / STRATIS BALASKAS
Der griechischen Feuerwehr zufolge sind weite Teile des Camps durch das Feuer zerstört worden. keystone / Panagiotis Balaskas
Moria war das grösste Flüchtlingslager Griechenlands und Europas. Es ist seit Jahren heillos überfüllt. keystone / Petros Giannakouris
Rund 12'600 Personen müssen nun eine neue Bleibe suchen. keystone / Panagiotis Balaskas
Bereits zuvor war die Lage auf Lesbos prekär: Die Kapazität des Lagers betrug gerade Mal 2'800 Plätze, es lebten aber 12'600 Menschen dort. keystone / Petros Giannakouris
Wie es nach den Bränden weitergeht, bleibt unklar. keystone / STRATIS BALASKAS

300 Menschen fordern in Bern Evakuierung von Flüchtlingslagern

Video: sda / SDA

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