Die Schumi-Fans geben die Hoffnung nicht auf.
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Jahrestag des Skiunfalls
«Keep Fighting Schumi» – ein Jahr Hoffen und Bangen um den Rekordweltmeister
Es ist still geworden um Michael Schumacher: Ein Jahr nach seinem schweren Ski-Unfall wird der Formel-1-Rekordweltmeister zu Hause in der Westschweiz gepflegt. Seine Familie gibt nur wenig über seinen Gesundheitszustand bekannt, seit der 45-Jährige im Frühjahr aus dem Koma erwachte.
Bei der Rehabilitation nach einem Schädel-Hirn-Trauma müsse man geduldig sein, mahnte vor einigen Wochen Chefarzt Jean-François Payen, der im französischen Grenoble tagelang um das Leben des Rennfahrers gekämpft hatte. «Es geht um einen Zeitraum von einem bis drei Jahren.»
In dieser Abfahrt verunglückte Michael Schumacher.
Bild: DAVID EBENER/EPA/KEYSTONE
Es war Sonntag, der 29. Dezember 2013, als die Nachricht vom Sturz des siebenfachen Weltmeisters beim Skifahren in den französischen Alpen weltweit aufgeschreckt hat. Rasch war klar, wie folgenschwer der Unfall war: «Schweres Schädeltrauma», «Lebensgefahr», «künstliches Koma», berichteten die Ärzte. Schumacher musste mehrfach in der Klinik in Grenoble operiert werden, in die er per Rettungshelikopter gebracht worden war. Erst Tage später war klar, dass er überleben wird.
Weltweit bangten die Fans. Es drängte sich die Frage auf, ob Schumacher auf der Skipiste zu rasant unterwegs war. Doch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Schumacher war zwar abseits der markierten Piste im Skigebiet von Méribel gefahren, aber nicht mit überhöhter Geschwindigkeit. Er stürzte und prallte mit voller Wucht mit dem Kopf auf einen Felsen. Sein Ski-Helm rettete ihm das Leben.
Die Formel-1-Welt hat Michael Schumacher nicht vergessen.
Bild: Getty Images Europe
Für Schumachers Ehefrau Corinna, seine Kinder und weitere Familienangehörige folgte eine schwere Zeit am Krankenbett der Formel-1-Legende. «Wir wissen alle, Michael ist ein Kämpfer und wird nicht aufgeben», schrieb die Familie kurz vor seinem 45. Geburtstag am 3. Januar 2014 in einer Erklärung.
«Schumi»-Fans aus aller Welt versammelten sich an diesem Tag vor der Klinik. Schumachers Familie setzte der anfängliche Medienrummel schwer zu: Scharen von Journalisten belagerten die Klinik in Grenoble – einer versuchte sogar, als Priester verkleidet in das Krankenzimmer vorzudringen.
Ein langer und harter Weg
Erst einen Monat nach dem Unfall sollte das Sportidol langsam aus dem künstlichen Koma geholt werden. Seine Managerin Sabine Kehm, die für die Familie die Medienarbeit organisiert, mahnte in einem Communiqué aber zur Vorsicht: «Michaels Narkosemittel werden seit kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann.»
Tatsächlich folgte erst Anfang April die Meldung von Kehm, dass der 45-Jährige «Momente des Bewusstseins und des Erwachens» zeige. Noch einmal zwei Monate später, am 16. Juni, dann die befreiende Nachricht: «Er ist nicht mehr im Koma.» Der siebenfache Formel-1-Weltmeister wurde nun von Grenoble ins Unispital von Lausanne zur Rehabilitation verlegt.
Mittlerweile wird Schumacher in seiner Villa am Genfersee in Gland VD gepflegt.
Bild: EPA/KEYSTONE
Erst Anfang September konnte Schumacher in sein Haus in Gland VD am Lac Léman zurückkehren. Es liege jedoch noch ein langer und harter Weg vor ihm, teilte seine Managerin mit. Genauere Angaben zum Gesundheitszustand Schumachers machte sie nicht.
Zu Weihnachten und kurz vor dem Jahrestag seines tragischen Unfalls schickten viele Fans ihre besten Wünsche. Die Familie ist dankbar für diese Unterstützung und schreibt auf Schumachers Homepage: «Eure Kraft hilft uns dabei, ihn weiterhin in seinem Kampf zu unterstützen.» (si/apa/afp)
Die schlimmsten Formel-1-Unfälle seit 1994
Mai 1994: Nur wenige Tage nach dem Tod von Ayrton Senna verunglückt Karl Wendlinger beim GP von Mont Carlo. Der Österreicher prallt im Qualifying mit 170 Stundenkilometer seitlich in die aus Plastiktanks bestehenden Barrieren. Der Pilot schwebt für einige Tage in Lebensgefahr. Getty Images North America / Ben Radford
November 1995: Mika Häkkinen kommt im australischen Adelaide von der Strecke ab und fährt im McLaren-Mercedes ungebremst mit Tempo 200 in eine Mauer, die nur durch einen Reifenstapel gesichert war. Ein Luftröhrenschnitt, der noch am Unfallort durchgeführt wird, rettet dem Finnen das Leben. Anschliessend liegt Häkkinen mehrere Tage im Koma.
Juli 1999: Kurz nach dem Start des GP von Grossbritannien versagen die Bremsen von Michael Schumachers Ferrari. Er fährt mit 107 Kilometern pro Stunde in einen Reifenstapel und bricht sich dabei den rechten Unterschenkel. Schumacher muss für sechs Rennen aussetzen. Bongarts / Tobias Heyer
September 2000: Ein Feuerwehrmann stirbt beim GP von Italien in Monza, weil Jordan-Pilot Heinz-Harald Frentzen einen Massenunfall auslöst. Der Streckenposten wurde von umherfliegenden Teilen getroffen und erlag seinen Verletzungen.
März 2001: Nach einer Kollison zwischen Ralf Schumacher und Jacques Villeneuve beim GP von Australien stirbt ein Streckenposten. Er wurde von einem Reifen am Kopf getroffen. Getty Images AsiaPac / Robert Cianflone
Juni 2004: Aufgrund eines Schadens am linken Hinterreifen seines BMW-Williams fährt Ralf Schumacher beim GP der USA in Indianapolis mit Tempo 300 in eine Mauer. Er kommt mit leichten Verletzungen davon. Getty Images North America / Clive Mason
März 2007: Beim GP von Australien kollidiert Red-Bull-Fahrer David Coulthard nach einem Überholversuch mit Williams-Pilot Alexander Wurz. Coulthards Wagen hebt ab und fliegt nur wenige Zentimeter über den Helm von Wurz hinweg. Niemand wird bei dem Unfall verletzt.
Juni 2007: Der Pole Robert Kubica erlebt beim GP von Kanada einen Horror-Unfall. Mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde kommt er im BMW-Sauber von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und prallt gegen eine Betonwand. Die Ärzte stellen hinterher nur eine leichte Gehirnerschütterung und eine Knöchelverstauchung fest. AP CP / JACQUES BOISSINOT
April 2008: In der 22. Runde des GP von Spanien fährt Heikki Kovalainen im McLaren-Mercedes nahezu ungebremst in einen Reifenstapel. Vorher war die Felge seines linken Vorderrads gebrochen. Der Finne kommt mit leichten Blessuren davon und geht zwei Wochen später in Istanbul wieder an den Start. AP / Bernat Armangue
Juli 2009: Minutenlang gibt es Rätselraten, warum Felipe Massa beim GP von Ungarn ungebremst in einen Reifenstapel fährt. Erst die TV-Bilder zeigen, dass er von einer kleinen Feder, die vom BrawnGP seines Landsmannes Rubens Barrichello abgebrochen war, am Helm getroffen wurde. Der Brasilianer wird bewusstlos und rast mit fast 200 Stundenkilometern durchs Kiesbett. Er wird schwer verletzt und am selben Abend in einer Klinik in Budapest operiert. EPA / TAMAS KOVACS
Juni 2010: Beim GP von Europa in Valencia saugt sich Mark Webber mit seinem Red Bull auf einer Geraden an den Lotus von Heikki Kovalainen an. Beim Überholen fährt der Australier auf den Finnen auf und wird in die Luft katapultiert. Sein Red Bull überschlägt sich, Webber knallt mit nur geringem Geschwindigkeitsverlust in die Reifenstapel. ER bleibt unverletzt und sitzt zwei Wochen später in Silverstone schon wieder in seinem Boliden.
September 2012: Lotus-Pilot Romain Grosjean löst beim GP von Belgien eine Startkollision aus und lässt Erinnerungen an Melbourne 2007 wach werden. Der Franzose hebt mit seinem Boliden ab und verfehlt nur knapp den Kopf von Ferrari-Star Fernando Alonso, der aber so wie alle anderen Beteiligten unverletzt bleibt. Grosjean wird nach diesem Unfall für ein Rennen gesperrt und mit einer Strafe von 50'000 Euro belegt. AP / Luca Bruno
Juni 2013: Ein 38-jähriger Streckenposten erliegt wenige Stunden nach einem Bergungsunfall beim GP von Montreal seinen schweren Verletzungen. Er stürzt beim Versuch, sein Funkgerät aufzuheben und wird von einem Kranwagen überrollt. Das Fahrzeug will unmittelbar nach Rennende den Sauber-Boliden des ausgeschiedenen Esteban Gutierrez auf einen Lastwagen heben. AP / Tom Boland
Oktober 2014: Beim GP von Japan regnet es in Strömen, Adrian Sutil verliert in der 42. Runde die Kontrolle über seinen Sauber verliert und fährt in die Reifenstapel. Als Bergungskräfte mit einem Bergungskran versuchen, Sutils Wagen von der Strecke zu entfernen, rutscht Jules Bianchi mit seinem Marussia mit voller Wucht in das Bergungsfahrzeug, das Sutils Wagen gerade auf dem Haken hat. Der Franzose erleidet schwerste Kopfverletzungen und stirbt nach 286 Tagen im künstlichen Koma. EPA/HIROSHI YAMAMURA / HIROSHI YAMAMURA
November 2020: Haas-Pilot Romain Grosjean kracht beim GP von Bahrain bei vollem Tempo frontal in die Leitplanke. Sein Bolide wird gespalten und geht in Flammen auf. Wie durch ein Wunder entkommt der Franzose dem Flammen-Inferno nach bangen Sekunden mit Verbrennungen an der Hand. www.imago-images.de / Mark Sutton
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