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Nord- und Südkorea

Nordkoreas Machthaber schlägt Gipfeltreffen mit dem Süden vor

Publiziert: 01.01.15, 11:21 Aktualisiert: 01.01.15, 11:38

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Gespräche mit dem Süden auf «höchster Ebene» vorgeschlagen. Es sei Zeit, eine «neue Geschichte in den Nord-Süd-Beziehungen» zu schreiben, sagte Kim am Donnerstag in seiner Neujahrsansprache.

Ein Gipfeltreffen der beiden Staaten, die sich seit dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 im Kriegszustand befinden, hatte es zuletzt 2007 gegeben.

Bild: Ahn Young-joon/AP/KEYSTONE

Es gebe «keinen Grund» gegen «Gespräche auf höchster Ebene», sagte Kim in der Ansprache. Pjöngjang werde «jede Anstrengung unternehmen, um Dialog und Verhandlungen voranzubringen». Die «tragische» Teilung Koreas dürfe nicht hingenommen werden. Südkoreanische Medien werteten Kims Äusserungen als Angebot für ein Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye.

Erst am Montag war auch aus Südkorea ein Gesprächsangebot gekommen: Wiedervereinigungsminister Ryoo Kuhl Jae schlug für Januar neue Gespräche mit der kommunistischen Staatsführung in Pjöngjang vor. Dabei solle insbesondere über Treffen von durch den Krieg getrennten Familien gesprochen werden.

Park hat sich schon mehrfach zu einem Gipfeltreffen bereit erklärt. Die letzten hochrangigen Gespräche beider Länder hatten im Februar stattgefunden.

Kim Jong Un

Nordkorea hat am 6. Januar 2016 nach eigenen Angaben einen Atomtest durchgeführt. Es habe sich um eine «strategische Entscheidung» unter Leitung des Staatsführers Kim Jong Un gehandelt. X02538 / © KCNA KCNA / Reuters
Der «geliebte Führer» Kim Jong Un.. X02538 / © KCNA KCNA / Reuters
im U-Boot... X02538 / © KCNA KCNA / Reuters
...und während eines Manövers. X02538 / © KCNA KCNA / Reuters
Und dann das berühmte Mitschreiben der Generäle. X02538 / © KCNA KCNA / Reuters
Kim Jong Un und seine Generäle. X02538 / KCNA
Zu sehen bekommen hat ihn das Volk seit langem nicht mehr. AP/AP / Ahn Young-joon
Spekulationen über die Lage in Nordkorea gab es in den vergangenen Wochen reichlich. AP/AP / Wong Maye-E
Es wird über einen Putsch, also die Entmachtung von Kim gemutmasst. Möglicherweise ist der 30-Jährige aber auch ernsthaft erkrankt. X02538 / KCNA
Der Diktator in dritter Generation wurde das letzte Mal am 3. September bei einem Konzert in Pjöngjang in der Öffentlichkeit gesehen. AP/AP / Ahn Young-joon
Bereits im Sommer hatte das nordkoreanische Staats-TV Bilder ausgestrahlt, auf denen Kim hinkte. X02538 / KCNA
Aus Nordkorea geflohene Analysten der in Seoul ansässigen Organisation Solidarität der Intellektuellen mit Nordkorea spekulieren nun, Kim könne zumindest vorübergehend entmachtet worden sein. X02538 / KCNA
An seiner Stelle führe möglicherweise seine jüngere Schwester Kim Yo Jong die Geschäfte in Pjöngjang. X02538 / KCNA
Die lange Abwesenheit Kims könnte auch darauf hinweisen, dass er sich zurückgezogen habe, um seine Macht auszubauen und zu sichern. X02538 / KCNA
Zuletzt hatte es aus Nordkorea zudem Anzeichen für einen politischen Wandel gegeben. X02538 / KCNA
Vergangene Woche zum Beispiel reisten hochrangige Regimevertreter anlässlich des Abschlusses der Asienspiele nach Seoul. X02538 / KCNA
Kim Jong Un blieb indes unsichtbar. X02538 / KCNA
Auch im "Parlament" war er nicht aufgetaucht. X02538 / KCNA
Immerhin gibt es noch einiges an Bildmaterial des grossen Führers. X02538 / KCNA

Nordkorea hatte in der Folge ein seltenes Treffen zwischen Familienangehörigen organisiert, die seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 getrennt sind. Im Oktober hatte eine nordkoreanische Delegation die Asienspiele in Südkorea besucht und eine Wiederaufnahme der Gespräche vereinbart. Wegen einer Reihe kleinerer Zusammenstösse an der Grenze kam es bisher aber nicht dazu.

Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium, das für die Beziehungen zum Norden zuständig ist, begrüsste Kims Vorschlag. Wenn Nordkorea wirklich bereit sei, die Beziehungen durch Dialog zu verbessern, dann solle es «schnell» auf das Gesprächsangebot aus dem Süden reagieren, hiess es in einer Erklärung.

Kim forderte Südkorea in seiner Neujahrsansprache auf, seine gemeinsamen Militärmanöver mit den USA zu beenden. Ein «vertrauensvoller Dialog» sei in so einer «brutalen Atmosphäre nicht möglich». Die nordkoreanischen Atomwaffen bezeichnete er als Schutz für sein Land.

Harsche Vorwürfe gegen USA

Den USA warf der nordkoreanische Machthaber vor, eine «böse» Menschenrechtskampagne gegen sein Land zu führen. Kurz vor Weihnachten hatte der UNO-Sicherheitsrat erstmals über Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea beraten. Die USA und andere westliche Staaten sprachen sich dafür aus, Pjöngjang deswegen vor den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag zu bringen.

1. Januar 2015: Kim Jong Un gedenkt in einer gross angelegten Feier vergangenen Leadern von Nord Korea. Bild: KCNA/REUTERS

Zuletzt hatte der Streit über die Nordkorea-Filmsatire «The Interview» für zusätzliche Spannungen gesorgt. Sony Pictures hatte den für den ersten Weihnachtsfeiertag geplanten Kinostart des Films in den USA zunächst abgesagt, nachdem eine Hackergruppe vertrauliche Informationen veröffentlicht und ominöse Drohungen ausgesprochen hatte.

US-Präsident Barack Obama machte dafür Nordkorea verantwortlich. Nicht zuletzt auf Druck des US-Präsidenten lief der Film vor einer Woche dann doch an. Kim Jong Un reagierte darauf mit neuen Drohungen gegen die USA und beleidigte Obama rassistisch.

In einer Reaktion auf Kims Neujahrsansprache ging ein Vertreter des US-Aussenministeriums lediglich auf das Gesprächsangebot an den Süden ein. Die USA unterstützten eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea, sagte er. 

Kim Jong Il Todestag

Gedenkveranstaltung zum dritten Todestag von Kim Jong auf dem Kim Il Sung Platz in Pjöngjang. AP/AP / Jon Chol Jin
Nordkoreaner verbeugen sich vor den Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il in Pyöngjang. X01481 / KYODO
Blumenmeer vor dem Mausoleum in Pyöngjang. X01481 / KYODO
Blumen für den «ewigen Führer». X01481 / KYODO
Versammlung vor einem Portät von Staatsgründer Kim Il Sung und Kim Jong Il. AP/AP / Kim Kwang Hyon
Ein nordkoreanischer Junge trägt Blumen zur Statue des verstorbenen Kim Jong Il. AP/AP / Jon Chol Jin
Eine nordkoreanische Frau mit ihrem Kind vor den niedergelegten Blumen. AP/AP / Jon Chol Jin
Nordkoreaner versammeln sich auf dem Kim Il Sung Platz und verneigen sich vor den Portraits von Kim Jong Il und Kim Jong Un, um ihren Respekt auszudrücken. AP/AP / Jon Chol Jin

(sda/afp)

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