DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Insgesamt darf Rolf Järmann seine Wangen 28 Mal für den Siegerkuss hinhalten.
Insgesamt darf Rolf Järmann seine Wangen 28 Mal für den Siegerkuss hinhalten.
Bild: Keystone
Unvergessen

Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

24. April 1993: Er ist wohl der Velorennfahrer mit der markantesten Nase seit Ferdy Kübler. Rolf Järmann gelingt die grosse Überraschung, im Amstel Gold Race den italienischen Superstar Gianni Bugno zu bezwingen. Es ist einer seiner schönsten Siege.
24.04.2021, 00:0522.04.2021, 10:25

1993 ist Rolf Järmann mit seinen 27 Jahren im besten Rennfahrer-Alter. Der Thurgauer hat schon oft für Aufsehen gesorgt: Er gewann Etappen an der Tour de France, am Giro d'Italia und der Tour de Suisse. Doch an diesem Samstag schlägt er in Holland erstmals an einem grossen Eintages-Rennen zu – und wie.

Järmann im markanten Trikot der italienischen Ariostea-Equipe.
Järmann im markanten Trikot der italienischen Ariostea-Equipe.
Bild: KEYSTONE

Auf den 249 Kilometern zwischen Heerlen und Maastricht gehört Järmann zu den aktivsten Fahrern. Immer wieder reisst der Arboner aus. Und er ist auch massgeblich daran beteiligt, dass Fluchtgruppen ohne seine Beteiligung wieder gestellt werden.

Das gute Auge für die Strecke und den Gegner

18 Kilometer vor dem Ziel versucht der Italiener Gianni Bugno, sich von seinen Konkurrenten abzusetzen. Bugno ist kein Nobody, sondern als zweifacher Weltmeister einer der besten Fahrer seiner Generation. Nur ein Fahrer kann seinen Angriff kontern: Rolf Järmann.

Die Taktik des Thurgauers: Möglichst viel Kraft sparen, um im Sprint gegen den grossen Favoriten eine Chance zu haben. Also hält sich Järmann meist im Windschatten Bugnos auf, übernimmt kaum Führungsarbeit. In dieser Position sieht der Schweizer auch, dass sein Gegner eher grosse Übersetzungen tritt. Und weil er sich die Strecke gut eingeprägt hat, setzt Järmann alles auf eine Karte.

400 Meter vor dem Ziel, wo die Strasse leicht ansteigt, schaltet er einen Gang hinunter. Er setzt zum Sprint an – und ist weg. Bugno schafft es nicht mehr, Järmann einzuholen. Die Sensation ist perfekt.

Die Entscheidung ab 2:10 im Video: Järmann greift an, Bugno kann nicht mehr kontern.

Die Metamorphose ist abgeschlossen

«Ich wollte endlich einmal ein Eintagesrennen als Profi gewinnen», verrät Järmann, «ein kleineres hätte mir eigentlich schon genügt, jetzt wurde halt ein Weltcupsieg draus!» Järmann hatte sich vor der Saison eingestanden, dass er wohl nie eine grosse Rundfahrt gewinnen kann.

«Mir ist bewusst geworden, dass ich in den langen Aufstiegen einfach zu wenig stark bin. Meine Stärken liegen eindeutig in Rennen mit kürzeren Steigungen, wie beispielsweise dem Amstel Gold Race.» Von einer «Metamorphose des Radprofis Järmann» ist in der Presse die Rede.

Zwei der erfolgreichsten Schweizer Velorennfahrer aller Zeiten: Rolf Järmann und Alex Zülle.
Zwei der erfolgreichsten Schweizer Velorennfahrer aller Zeiten: Rolf Järmann und Alex Zülle.
Bild: KEYSTONE

Froh darüber, Dopingmissbrauch gestanden zu haben

Järmann gewinnt das Amstel Gold Race 1998 noch ein zweites Mal. Er holt sich die Gesamtsiege beim Tirreno–Adriatico, der Polen- und der Luxemburg-Rundfahrt, wird Zweiter bei der Tour de Suisse. «Aus meinen Möglichkeiten habe ich das Maximum herausgeholt», wird er am Ende seiner Profikarriere und mit 28 Profisiegen im Sack sagen.

Wie fast jeder andere Velorennfahrer seiner Zeit nimmt auch Järmann Doping. Nach seinem Rücktritt gesteht er dies zunächst anonym und weil Insidern klar ist, dass die Aussagen von Järmann sein müssen, outet er sich. Während viele Kontrahenten lieber schweigen, ist der Thurgauer froh darüber, dass die Wahrheit bekannt ist. «So muss ich nicht immer überlegen, was ich sagen darf und was nicht. Jetzt kann ich reden, wie mein Schnabel gewachsen ist», sagt er dazu. Das mache sein Leben bedeutend einfacher.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Hugo Koblet, der «Pedaleur de Charme»

1 / 14
Hugo Koblet, der «Pedaleur der Charme»
quelle: photopress-archiv / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Eine «bescheidene» Velo-Runde mit Turkmenistans Präsident

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Die magische Show des Floyd Landis, die ein einziger, grosser Schwindel ist

20. Juli 2006: Fans, Experten und Journalisten sind aus dem Häuschen. Wie sich Floyd Landis auf der Etappe nach Morzine das Leadertrikot zurück holt, das hat die Tour de France ewig nicht mehr gesehen. Doch der Zauber verfliegt schnell.

Es ist eine Etappe fürs Geschichtsbuch, welche die Fahrer der Tour de France an diesem 20. Juli 2006 von Saint-Jean-de-Maurienne nach Morzine führt. Denn was der Amerikaner Floyd Landis zeigt, ist nicht von dieser Welt. Was sich kurze Zeit später auch exakt so bestätigen wird …

Phonak-Chef Andy Rihs hat einen grossen Traum und den will er sich endlich erfüllen: Einer seiner Equipe soll die Tour de France gewinnen, das wichtigste Velorennen der Welt. Floyd Landis ist dafür bestimmt, der …

Artikel lesen
Link zum Artikel