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Sport
Unvergessen

24.4.1993: Järmann schlägt den Weltmeister Bugno im Sprint und gewinnt

I04 - 19980317 - CIVITANOVA MARCHE (MACERATA), ITALY : Swiss Rolf Jaermann, kissed by a local beauty, wears the yellow-red jersey of the leader of the overall standigs after the 7th stage of the Tirre ...
Insgesamt darf Rolf Järmann seine Wangen 28 Mal für den Siegerkuss hinhalten.Bild: Keystone
Unvergessen

Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

24. April 1993: Er ist wohl der Velorennfahrer mit der markantesten Nase seit Ferdy Kübler. Rolf Järmann gelingt die grosse Überraschung, im Amstel Gold Race den italienischen Superstar Gianni Bugno zu bezwingen. Es ist einer seiner schönsten Siege.
24.04.2021, 00:0522.04.2021, 10:25
Ralf Meile
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1993 ist Rolf Järmann mit seinen 27 Jahren im besten Rennfahrer-Alter. Der Thurgauer hat schon oft für Aufsehen gesorgt: Er gewann Etappen an der Tour de France, am Giro d'Italia und der Tour de Suisse. Doch an diesem Samstag schlägt er in Holland erstmals an einem grossen Eintages-Rennen zu – und wie.

Marco Saligari, links, gewinnt die Tour de Suisse, vor seinem Manschaftskollegen Rolf Jaermann, aufgenommen am 24. Juni 1993 in Zuerich. (KEYSTONE/Str)
Järmann im markanten Trikot der italienischen Ariostea-Equipe.Bild: KEYSTONE

Auf den 249 Kilometern zwischen Heerlen und Maastricht gehört Järmann zu den aktivsten Fahrern. Immer wieder reisst der Arboner aus. Und er ist auch massgeblich daran beteiligt, dass Fluchtgruppen ohne seine Beteiligung wieder gestellt werden.

Das gute Auge für die Strecke und den Gegner

18 Kilometer vor dem Ziel versucht der Italiener Gianni Bugno, sich von seinen Konkurrenten abzusetzen. Bugno ist kein Nobody, sondern als zweifacher Weltmeister einer der besten Fahrer seiner Generation. Nur ein Fahrer kann seinen Angriff kontern: Rolf Järmann.

Die Taktik des Thurgauers: Möglichst viel Kraft sparen, um im Sprint gegen den grossen Favoriten eine Chance zu haben. Also hält sich Järmann meist im Windschatten Bugnos auf, übernimmt kaum Führungsarbeit. In dieser Position sieht der Schweizer auch, dass sein Gegner eher grosse Übersetzungen tritt. Und weil er sich die Strecke gut eingeprägt hat, setzt Järmann alles auf eine Karte.

400 Meter vor dem Ziel, wo die Strasse leicht ansteigt, schaltet er einen Gang hinunter. Er setzt zum Sprint an – und ist weg. Bugno schafft es nicht mehr, Järmann einzuholen. Die Sensation ist perfekt.

Die Entscheidung ab 2:10 im Video: Järmann greift an, Bugno kann nicht mehr kontern.Video: YouTube/Cédric Congourdeau

Die Metamorphose ist abgeschlossen

«Ich wollte endlich einmal ein Eintagesrennen als Profi gewinnen», verrät Järmann, «ein kleineres hätte mir eigentlich schon genügt, jetzt wurde halt ein Weltcupsieg draus!» Järmann hatte sich vor der Saison eingestanden, dass er wohl nie eine grosse Rundfahrt gewinnen kann.

«Mir ist bewusst geworden, dass ich in den langen Aufstiegen einfach zu wenig stark bin. Meine Stärken liegen eindeutig in Rennen mit kürzeren Steigungen, wie beispielsweise dem Amstel Gold Race.» Von einer «Metamorphose des Radprofis Järmann» ist in der Presse die Rede.

Rolf Jaermann of Switzerland (left) showes his tongue to photographer in front of Swiss Alex Zuelle, prior to the start of the third stage Bulle to Moudon at the 53rd Tour de Romandie cycling race, in ...
Zwei der erfolgreichsten Schweizer Velorennfahrer aller Zeiten: Rolf Järmann und Alex Zülle.Bild: KEYSTONE

Froh darüber, Dopingmissbrauch gestanden zu haben

Järmann gewinnt das Amstel Gold Race 1998 noch ein zweites Mal. Er holt sich die Gesamtsiege beim Tirreno–Adriatico, der Polen- und der Luxemburg-Rundfahrt, wird Zweiter bei der Tour de Suisse. «Aus meinen Möglichkeiten habe ich das Maximum herausgeholt», wird er am Ende seiner Profikarriere und mit 28 Profisiegen im Sack sagen.

Wie fast jeder andere Velorennfahrer seiner Zeit nimmt auch Järmann Doping. Nach seinem Rücktritt gesteht er dies zunächst anonym und weil Insidern klar ist, dass die Aussagen von Järmann sein müssen, outet er sich. Während viele Kontrahenten lieber schweigen, ist der Thurgauer froh darüber, dass die Wahrheit bekannt ist. «So muss ich nicht immer überlegen, was ich sagen darf und was nicht. Jetzt kann ich reden, wie mein Schnabel gewachsen ist», sagt er dazu. Das mache sein Leben bedeutend einfacher.

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quelle: photopress-archiv / str
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