Tausende bei Trauermarsch in Beirut – Kirchenglocken und Gesänge nach Explosion
Eine Woche nach der verheerenden Explosion in Beirut haben am Dienstag mehrere Tausend Menschen an einem Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer teilgenommen.
Trauermarsch und Anti-Regierung-Demonstrationen: Beirut eine Woche nach der Detonation., 11. August 2020.
Bild: keystone
Sie zogen in der libanesischen Hauptstadt schweigend in Richtung Hafen, wie Augenzeugen berichteten. Einige trugen weisse Rosen. Andere hatten Tränen in den Augen. Viele hüllten sich in rot-weisse Landesflaggen und riefen «Lang lebe der Libanon».
Kirchenglocken läuten im Takt zu den gelesenen Koranversen vor den Hafentrümmern in Beirut.
twitter@adlamassoud
Bei einer Gedenkveranstaltung wurden die Namen der Todesopfer verlesen. In der Umgebung läuteten Kirchenglocken. Von einer Moschee wurden Koranverse übertragen.
Eine Frau namens Randa, die durch die Katastrophe obdachlos wurde, sagte: «Ich bin sprachlos. Wir haben unser wunderschönes Beirut verloren.» Andere Teilnehmer riefen: «Wir sind Überlebende und werden aus den Trümmern wieder auferstehen.»
Durch die Explosion wurden mindestens 165 Menschen getötet und 6000 weitere verletzt. Bis zu 300'000 Menschen verloren ihr Zuhause. (sda/dpa)
Weitere Meldungen aus Beirut:
Schwere Explosion am Hafen von Beirut
Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut steht die Stadt am Mittelmeer unter Schock. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 100, wie das libanesische Rote Kreuz am Mittwoch erklärte.
EPA / @TAYYARAOUN1
Demnach wurden etwa 4000 Menschen verletzt. Rettungshelfer suchten in den Trümmern nach weiteren Opfern. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes, George Kattanah, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Opfer werde wahrscheinlich weiter steigen.
Aus Sicherheitskreisen hiess es, es würden noch mindestens 100 Menschen vermisst. «Es liegen noch immer viele Menschen unter den Trümmern», sagte ein Offizieller, der ungenannt bleiben wollte.
Die Ermittler suchen zudem weiter nach der Ursache für die gewaltige Detonation in der Hauptstadt des Landes an der Levante.
Möglicherweise wurde sie durch eine sehr grosse Menge Ammoniumnitrat ausgelöst, die im Hafen gelagert worden war. Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag der landesweiten Trauer in Gedenken an die Opfer. AP / BILAL HUSSEIN
Beim roten Punkt im Hafen von Beirut kam es zur Explosion.
Die Explosionen hatten am Dienstag Beirut und das Umland erschüttert. Grosse Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Aufnahmen zeigten ein Bild der Verwüstung. keystone / Hussein Malla
Auch die angrenzenden Wohngebiete wurden stark beschädigt. Auf den Strassen standen zahlreiche zerstörte Autos. «Das ist grauenhaft, das ist nicht normal», sagte ein Mann, der am Morgen Scherben vor seiner Wohnung zusammenfegte. EPA / WAEL HAMZEH
Betroffen von der Explosion sind neben dem Hafen vor allem die beliebtesten Ausgehviertel, für die Beirut bekannt ist. Sogar in Orten rund 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt gingen Scheiben zu Bruch. Beirut, in dessen Grossraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt. keystone
Der Leiter des Büros der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung im Libanon, Malte Gaier, sagte dem Deutschlandfunk, besonders beunruhigend seien «massive strukturelle Schäden». So sei das staatliche Elektrizitätswerk komplett zerstört. AP / HUSSEIN MALLA
Verwundete seine aufgrund des Ansturms auf Kliniken oft abgewiesen worden. «Wir haben die ganze Nacht hinweg, und ich vermute auch, dass das jetzt noch der Fall ist, wirklich chaotische, teils dramatische Szenen hier gesehen.» AP / HASSAN AMMAR
Gaier sprach von einem «Schockzustand» in der Stadt. «Das ist für uns vielleicht etwas vergleichbar mit dem Schockzustand, den wir am Morgen nach 9/11 in den USA hatten», erklärte er.
AP / HUSSEIN MALLA
Eine der Verletzten ist die Schweizer Botschafterin Monika Schmutz, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstagabend mitteilt. Die Botschafterin habe sich leicht verletzt und sich ins Spital begeben. Das übrige Botschaftspersonal sei wohlauf, eine Mitarbeiterin habe man aber bislang nicht erreichen können.
Videos zeigen das Ausmass der Katastrophe in Beirut
Video: watson / nfr
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