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Weist den anderen roten Teufeln den Weg: Wilfried van Moer.
bild: getty images

22.06.1980: Der 35-jährige Beizer Wilfried van Moer führt Belgien beinahe zum EM-Titel

22. Juni 1980: Ihn hatte keiner auf dem Zettel. Der belgische Nationaltrainer zaubert vor der EM den Mittelfeldspieler Wilfried van Moer aus dem Hut. Nach mehr als vier Jahren ohne Länderspiel und als Teilzeit-Wirt spielt der 35-Jährige ein überragendes Turnier.

Publiziert: 22.06.16, 00:01 Aktualisiert: 21.06.16, 16:41

Karl-Heinz Rummenigge, Bernd Schuster, Michel Platini – die ersten drei Fussballer bei der Wahl zum Ballon d'Or 1980 sind heute noch jedem Fan ein Begriff. Aber der viertklassierte Wilfried van Moer? Ausserhalb seiner Heimat Belgien dürfte es nur wenige geben, die den «kleinen General» kennen. Dabei könnte seine Geschichte gut für einen Hollywood-Film herhalten.

Der spätere Mittelfeldspieler kommt 1945 kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs auf die Welt. Vielleicht will er später deshalb nicht in der Bundesliga spielen, weil die Deutschen seine Schwester getötet haben. An Angeboten aus dem Nachbarland soll es jedenfalls nicht gemangelt haben.

Van Moer arbeitet nach der Schule als Elektriker, als sein Talent den Spähern von Royal Antwerp auffällt. In Antwerpen spielt er nach seinem Wechsel so stark, dass er gleich in seiner ersten Saison in der höchsten Liga als 21-Jähriger zum Spieler des Jahres gekürt wird. Und es dauert nicht lange, bis Wilfried van Moer im Herbst 1966 beim 1:0-Sieg gegen die Schweiz zu seinem ersten Länderspiel kommt.

So sahen Schweizer Fussballfans im letzten Jahrhundert aus

«Hooligans» mit Krawatte. Und die Vollmontur des Polizisten sieht auch ganz zivilisiert aus. 1955, Lausanne: Schweiz – Ungarn 4:5. (Bild: Comet Photo)
1958, Zürich: Schweiz – Belgien 0:2. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1939 im Berner Wankdorf: Suchtprävention war damals noch kein Thema. (Bild: Keystone)
1972, Wankdorfstadion Bern: Cupfinal FC Zürich – Basel 1:0. (KEYSTONE/Walter Rutishauser) KEYSTONE / WALTER RUTISHAUSER
1972, Wankdorfstadion Bern: Cupfinal FC Zürich – Basel 1:0. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1962, frieren im Hardturmstadion Zürich. (KEYSTONE/Str) KEYSTONE / STR
1956, Lausanne: Schweiz – Holland 2:3. (Bild: Björn Eric Lindroos, Jack Metzger)
1967, Cupfinal in Bern, Basel – Lausanne 2:1. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1961, Bern: Schweiz – Schweden 3:2. (Bild: Comet Photo)
1953, Zürich: Schweiz – Belgien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1953, Zürich: Schweiz – Belgien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1967, Bern: Schweiz – Italien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1967, Bern: Schweiz – Italien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1967, Bern: Schweiz – Italien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1967, Bern: Schweiz – Italien 2:2. (Bild: Comet Photo)
1965, Bern: Schweiz – Holland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1965, Bern: Schweiz – Holland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1965, Bern: Schweiz – Holland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1965, Bern: Schweiz – Holland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1955, Lausanne: Schweiz – Ungarn 4:5. (Bild: Comet Photo)
1964, Lausanne: Schweiz – Nordirland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1964, Lausanne: Schweiz – Nordirland 2:1. (Bild: Comet Photo)
1967, Cupfinal in Bern: Basel – Lausanne 2:1. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1967, Cupfinal in Bern: Basel – Lausanne 2:1. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1967, Cupfinal in Bern: Basel – Lausanne 2:1. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1967, Cupfinal in Bern: Basel – Lausanne 2:1. (Bild: Wolfgang Lindroos)
1974, Cupfinal in Bern: FC Sion – Neuchatel Xamax 3:2. (KEYSTONE/Str) KEYSTONE / STR
1958, Zürich: Schweiz – Belgien 0:2. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1958, Basel: Deutschland – Schweiz 2:1. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1958, Basel: Deutschland – Schweiz 2:1. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1958, Basel: Deutschland – Schweiz 2:1. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1958, Basel: Deutschland – Schweiz 2:1. (Bild: Björn Eric Lindroos)
1967, Zürich: Schweiz -– Rumänien 7:1, das war der höchste Sieg, den die Schweiz je erzielte. (Bild: Comet Photo)
1967, Zürich: Schweiz -– Rumänien 7:1. (Bild: Comet Photo)
1967, Zürich: Schweiz -– Rumänien 7:1. (Bild: Comet Photo)
1967, Zürich: Schweiz -– Rumänien 7:1. (Bild: Comet Photo)
1961, Lausanne: Schweiz – Belgien 2:1. (Bild: Comet Photo)
1961, Lausanne: Schweiz – Belgien 2:1. (Bild: Comet Photo)
1956, Lausanne: Schweiz – Holland 2:3. (Bild: Björn Lindroos, Jack Metzger)
1976, Zürich: FC Zürich – Glasgow 2:1. (Bild: Hans Krebs)
1977, Zürich: FC Zürich – Liverpool 1:3. (Bild: Comet Photo)
1956, Lausanne: Schweiz - Holland 2:3. (Bild: Björn Eric Lindroos, Jack Metzger)
1965, Genf: Schweiz – Albanien 1:0. (Bild: Hans Gerber, Jack Metzger)
1964, Lausanne: Schweiz – Italien 1:3. (Bild: Comet Photo)
1963, Bern: Schweiz – Holland 1:1. (Bild: Comet Photo)

Beinbruch stoppt Höhenflug

Der Regisseur wechselt zu Standard Lüttich, das er zwischen 1969 und 1971 zu drei Meistertiteln führt. Van Moer wird dabei zwei weitere Mal zu Belgiens Fussballer des Jahres gekürt. Doch sein Höhenflug wird am 13. Mai 1972 brutal gestoppt. In der EM-Qualifikation bricht ihm der Italiener Mario Bertini das Bein; die Teilnahme am Finalturnier im eigenen Land ist futsch.

Schütteres Haar: Das Panini-Bild im Album zur EM 1980. bild: panini

Van Moer wird danach nie mehr der alte, bestreitet 1975 sein letztes Länderspiel. Er wird in der Provinz Limburg sesshaft, lässt dort beim kleinen KFC Beringen die Karriere ausklingen und betreibt nebenbei eine Kneipe, das «Wembley».

Dem TV-Moderator sei Dank

Doch als niemand mehr mit ihm rechnet, taucht Wilfried van Moer doch noch einmal auf der grossen Bühne auf – und wie! In der Qualifikation für die EM 1980 kommt Belgien nicht richtig auf Touren. Der TV-Moderator Rik de Saedeleer bringt Nationaltrainer Guy Thys auf die Idee, den alten Kämpen van Moer auszugraben. «Ihr Team braucht einen Leader. Sie brauchen einen wie Wilfried», sagt der Moderator und Thys fragt den 34-Jährigen tatsächlich an.

Van Moer überlegt sich das Comeback gut. «Wenn wir verlieren, sagen die Leute, ich sei alt und müde. Ich war mir nicht sicher, ob es clever war, zurückzukehren», erinnert er sich. «Aber ich hatte talentierte, junge Spieler um mich und wir starteten gut.»

Revanche gegen Italien

In seinem ersten Länderspiel gelingen dem Rückkehrer beim 2:0 gegen Portugal ein Tor und ein Assist. Schliesslich schaffen die «Roten Teufel» die Qualifikation für die EM 1980. Und in Italien trumpft Wilfried van Moer gross auf. Belgien holt ein 1:1 gegen England und siegt dann gegen Spanien 2:1. Ein Unentschieden im letzten Gruppenspiel und Belgien stünde im EM-Final.

Und nun schlägt die grosse Stunde der Revanche. Denn der Gegner ist mit Italien der Gegner, der van Moer acht Jahre zuvor an einer noch grösseren Karriere gehindert hat. Die Rache gelingt. Van Moer – der allerdings kurz nach der Pause ausgewechselt wird – und seine Belgier holen gegen die Azzurri ein 0:0 und ziehen damit ins Endspiel ein. Dort verliert Belgien gegen Deutschland, weil Doppeltorschütze Horst Hrubesch in der 88. Minute der 2:1-Siegtreffer gelingt.

Das Telegramm

Deutschland – Belgien 2:1
Rom, Olympiastadion, 47'864 Zuschauer. SR: Rainea (Rum).

Tore: 10. Hrubesch 1:0. 75. Vandereycken (Penalty) 1:1. 88. Hrubesch 2:1.

Deutschland: Schumacher; Stielike; Förster, Dietz; Kaltz, Schuster, Briegel (55. Cullmann), H. Müller; Rummenigge, Hrubesch, Allofs. Trainer: Derwall.

Belgien: Pfaff; Gerets, Meeuws, Millecamps, Renquin; Cools, Vandereycken, Van Moer, Mommens; Van der Elst, Ceulemans. Trainer: Thys.

Die drei Tore im EM-Final 1980. streamable

Kurzes Intermezzo als Nationaltrainer

Wilfried van Moers überragende Leistungen in der Nationalmannschaft sorgen dafür, dass er auch nochmals bei einem Spitzenklub engagiert wird. Er wechselt zu Beveren, dem Meister von 1979, und bestreitet 1982 mit der WM in Spanien noch einmal ein grosses Turnier.

Noch schüttereres Haar: Das Panini-Bild im Album zur WM 1982. bild: panini

Als Trainer ist van Moers weniger erfolgreich. 1996 übernimmt der bisherige Co-Trainer die Nationalmannschaft, doch seine Regentschaft dauert bloss fünf Spiele. Trotz der Bilanz von je zwei Siegen und Unentschieden und nur einer Niederlage muss Wilfried van Moer bald wieder abtreten. Verband und Medien ärgern sich über kommunikative Mängel und letztere freuen sich deshalb über seine rasche Absetzung.

Die «Brasserie Wembley» in Hasselt existiert immer noch. Van Moer hat sich aber aus dem Betrieb zurückgezogen. Er geniesst das Leben als Pensionär auf dem Rasen: Nicht mehr beim Fussball, sondern auf dem Golfplatz und bei der Gartenpflege.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Sie haben die Haare schön: Schräge Fussballer-Frisuren

Antoine Griezmann (Frankreich). keystone / Joan Monfort
Kylian Mbappé (Frankreich). keystone / YOAN VALAT
Michael (Brasilien).
Manuel Akanji (Schweiz). AP/AP / Kerstin Joensson
Ricardo Quaresma (Portugal). X01095 / Kai Pfaffenbach
Ronaldo (Brasilien).
Mats Hummels (Deutschland). X90041 / MICHAEL DALDER
Ivan Perisic (Kroatien). X01095 / Carl Recine
Nochmals Ivan Perisic.
Und noch die andere Seite von Ivan Perisic. AP/AP / Martin Meissner
Marouane Fellaini (Belgien). X01164 / FRANCOIS LENOIR
Breel Embolo (Schweiz). EPA/KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Giovanni Simeone (Argentinien).
Roberto Firmino (Brasilien).
Mike Werner (Deutschland).
Gervinho (Elfenbeinküste).
Vágner Love (Brasilien).
Kingsley Coman (Frankreich). Pixathlon / Pixxmixx/Pixathlon
Rodrigo Palacio (Argentinien). AP/AP / Frank Augstein
Taribo West (Nigeria). Bongarts / Henri Szwarc
Miguel Herrera (Mexiko).
Abel Xavier (Portugal). EPA DPA / HOLGER HOLLEMANN
Carlos Valderrama (Kolumbien). EPA / ROBERTO ESCOBAR
Trifon Iwanow (Bulgarien).
Robert Kidiaba (DR Kongo). AP/AP / Themba Hadebe
Marek Hamsik (Slowakei). X01396 / GIAMPIERO SPOSITO
Aristide Bancé (Elfenbeinküste).
Fodé Mansaré (Guinea).
Leonardo Cuéllar (Mexiko).
Xherdan Shaqiri (Schweiz).
Pepe (Portugal).
Gareth Bale (Wales). X03075 / REBECCA NADEN
Raúl Meireles (Portugal). X01386 / ANDRES STAPFF
Kurt Russ (Österreich).
Bacary Sagna (Frankreich). X00926 / PHILIPPE LAURENSON
Jason Lee (England).
Stephan El Shaarawy (Italien). EPA/ANSA / LUCA ZENNARO
Radja Nainggolan (Belgien). AP/AP / Fabrizio Giovannozzi
Frank Rijkaard (Niederlande). KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Carles Puyol (Spanien). EPA/EFE / ANDREU DALMAU
David Luiz (Brasilien). AP/AP / Matt Dunham
Arthur Masuaku (Frankreich). X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
Rudi Völler (Deutschland). AP / HEINZ DUCKLAU
Djibril Cissé (Frankreich).
Henrik Larsson (Schweden). AP / PAUL WHITE
René Higuita (Kolumbien). EPA / RAFA SALAFRANCA
Mario Balotelli (Italien). AP/AP / Fabrizio Giovannozzi
Karim Benzema (Frankreich).
Daniel Alves (Brasilien). X01095 / Gustau Nacarino

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