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Wilfried van Moer macht Belgien fast zum Fussball-Europameister 1980

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Wilfried Van Moer (Belgium) Jean Marie Pfaff (left) . European Championship Final 1980. 22/06/1980 West Germany v Belgium. PUBLICATIONxNOTxINxUK
Weist den anderen roten Teufeln den Weg: Wilfried van Moer (hinter ihm Goalie Jean-Marie Pfaff).Bild: imago
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Der 35-jährige Beizer Wilfried van Moer führt Belgien beinahe zum EM-Titel

22. Juni 1980: Ihn hatte keiner auf dem Zettel. Der belgische Nationaltrainer zaubert vor der EM den Mittelfeldspieler Wilfried van Moer aus dem Hut. Nach mehr als vier Jahren ohne Länderspiel und als Teilzeit-Wirt spielt der 35-Jährige ein überragendes Turnier.
22.06.2022, 00:0122.06.2022, 10:07
Ralf Meile
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Karl-Heinz Rummenigge, Bernd Schuster, Michel Platini – die ersten drei Fussballer bei der Wahl zum Ballon d'Or 1980 sind heute noch fast jedem Fan ein Begriff. Aber der viertklassierte Wilfried van Moer?

Ausserhalb seiner Heimat Belgien dürfte es nur wenige geben, die den «kleinen General» kennen. Dabei könnte seine Geschichte gut für einen Hollywood-Film herhalten.

Aus dem Nichts zum Star

Der spätere Mittelfeldspieler kommt 1945 kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs auf die Welt. Vielleicht will er später deshalb nicht in der Bundesliga spielen, weil die Deutschen seine Schwester getötet haben. An Angeboten aus dem Nachbarland soll es jedenfalls nicht gemangelt haben.

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LIEGE, BELGIUM - SEPTEMBER 19 : illustration picture of tifo - tribute to Wilfried Van Moer during the Jupiler Pro League match between Standard and Anderlecht on Sept ...
Im Herbst 2021 nehmen die Fans von Standard Lüttich vom kurz zuvor verstorbenen «kleinen General» Abschied.Bild: imago

Van Moer arbeitet nach der Schule als Elektriker, als sein Talent den Spähern von Royal Antwerp auffällt. Dort spielt er so stark, dass er gleich in seiner ersten Saison in der höchsten Liga als 21-Jähriger zum Spieler des Jahres gekürt wird. Und es dauert nicht lange, bis Wilfried van Moer im Herbst 1966 beim 1:0-Sieg gegen die Schweiz zu seinem ersten Länderspiel kommt.

Beinbruch stoppt Höhenflug

Der Regisseur wechselt zu Standard Lüttich, das er zwischen 1969 und 1971 zu drei Meistertiteln führt. Van Moer wird dabei zwei weitere Male zu Belgiens Fussballer des Jahres gekürt. Doch sein Höhenflug wird am 13. Mai 1972 brutal gestoppt. In der EM-Qualifikation bricht ihm der Italiener Mario Bertini das Bein; die Teilnahme am Finalturnier im eigenen Land ist futsch.

Schütteres Haar: Das Panini-Bild im Album zur EM 1980.
Schütteres Haar: Das Panini-Bild im Album zur EM 1980.bild: panini

Van Moer wird danach nie mehr der alte, bestreitet 1975 sein vermeintlich letztes Länderspiel. Er wird in der Provinz Limburg sesshaft, lässt dort beim kleinen KFC Beringen die Karriere ausklingen und betreibt nebenbei eine Kneipe, das «Wembley».

Dem TV-Moderator sei Dank

Doch als niemand mehr mit ihm rechnet, taucht Wilfried van Moer doch noch einmal auf der grossen Bühne auf – und wie! In der Qualifikation für die EM 1980 kommt Belgien nicht richtig auf Touren. Der TV-Moderator Rik de Saedeleer bringt Nationaltrainer Guy Thys auf die Idee, den alten Kämpen van Moer auszugraben. «Ihr Team braucht einen Leader. Sie brauchen einen wie Wilfried», sagt der Moderator und Thys fragt den 34-Jährigen tatsächlich an.

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Kevin Keegan (England, Mitte) gegen Wilfried van Moer (Belgien, re.) Fußball Länderspiel Herren EM 1980, Nationalmannschaft, Nationaltrikot, Gruppe B, Belgien - England 1:1 Gruppe Turin ...
An der EM versucht van Moer, den englischen Star Kevin Keegan zu stoppen.Bild: imago

Van Moer überlegt sich das Comeback gut. «Wenn wir verlieren, sagen die Leute, ich sei alt und müde. Ich war mir nicht sicher, ob es clever war, zurückzukehren», erinnert er sich. «Aber ich hatte talentierte, junge Spieler um mich und wir starteten gut.»

Revanche gegen Italien

In seinem ersten Länderspiel gelingen dem Rückkehrer beim 2:0 gegen Portugal ein Tor und ein Assist. Schliesslich schaffen die «Roten Teufel» die Qualifikation für die EM 1980. Und in Italien trumpft Wilfried van Moer gross auf. Belgien holt ein 1:1 gegen England und siegt dann gegen Spanien 2:1. Ein Unentschieden im letzten Gruppenspiel und Belgien stünde im EM-Final.

Und nun schlägt die grosse Stunde der Revanche. Denn der Gegner ist mit Italien der Gegner, der van Moer acht Jahre zuvor an einer noch grösseren Karriere gehindert hat. Die Rache gelingt. Van Moer – der allerdings kurz nach der Pause ausgewechselt wird – und seine Belgier holen gegen die Azzurri ein 0:0 und ziehen damit ins Endspiel ein. Dort verliert Belgien gegen Deutschland, weil Doppeltorschütze Horst Hrubesch in der 88. Minute der 2:1-Siegtreffer gelingt.

Das Telegramm
Deutschland – Belgien 2:1
Rom, Olympiastadion, 47'864 Zuschauer. SR: Rainea (Rum).
Tore: 10. Hrubesch 1:0. 75. Vandereycken (Penalty) 1:1. 88. Hrubesch 2:1.
Deutschland: Schumacher; Stielike; Förster, Dietz; Kaltz, Schuster, Briegel (55. Cullmann), H. Müller; Rummenigge, Hrubesch, Allofs. Trainer: Derwall.
Belgien: Pfaff; Gerets, Meeuws, Millecamps, Renquin; Cools, Vandereycken, Van Moer, Mommens; Van der Elst, Ceulemans. Trainer: Thys.
Die drei Tore im EM-Final 1980.Video: YouTube/UEFA

Kurzes Intermezzo als Nationaltrainer

Wilfried van Moers überragende Leistungen in der Nationalmannschaft sorgen dafür, dass er auch nochmals bei einem Spitzenklub engagiert wird. Er wechselt zu Beveren, dem Meister von 1979, und er bestreitet 1982 mit der WM in Spanien noch einmal ein grosses Turnier.

Als Trainer ist van Moer später weniger erfolgreich. 1996 übernimmt der bisherige Co-Trainer die Nationalmannschaft, doch seine Regentschaft dauert bloss fünf Spiele. Trotz der Bilanz von je zwei Siegen und Unentschieden und nur einer Niederlage muss Wilfried van Moer bald wieder abtreten. Verband und Medien ärgern sich über kommunikative Mängel und letztere freuen sich deshalb über seine rasche Absetzung.

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Georges Leekens (li.) und Wilfried van Moer (beide Belgien) - PUBLICATIONxINxGERxAUTxHUNxONLY Fußball Herren 2002, Jubiläumsspiel, Jubiläum Gruppe Genk Fußball Herren 2002, Jubiläum ...
Van Moer (rechts) an der Seite von Georges Leekens.Bild: imago

In seinen letzten Jahren genoss van Moer das Leben als Pensionär. Er blieb beim Rasen, spielte aber nicht mehr Fussball, sondern widmete sich dem Golfspiel und der Gartenpflege. Im August 2021 starb er 76-jährig. Die «Brasserie Wembley» in Hasselt gibt es nicht mehr.

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