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Botschaften gegen den Hass, beim Botanischen Garten in Christchurch, Neuseeland. Bild: EPA

Zahl der Toten bei Christchurch-Anschlag steigt auf 50 – Welle der Solidarität

Publiziert: 16.03.19, 16:10 Aktualisiert: 16.03.19, 22:38

Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mindestens 50 Menschen getötet worden.

Was wir wissen

DIE OPFER: Insgesamt fielen dem Anschlag 50 Menschen zum Opfer, die meisten in den beiden Moscheen, einige auch davor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Verletzte. Am Samstag wurden noch 39 Menschen mit Schusswunden in verschiedenen Spitälern behandelt. Vermutet wird, dass alle Opfer muslimischen Glaubens sind. Unter den Toten sind auch Kinder.

DIE FESTNAHMEN: Als mutmasslicher Täter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen. Der Mann sitzt nun unter dem Vorwurf des vielfachen Mordes in Haft. Ihm droht lebenslange Haft. Vermutet wird, dass er alleine schoss.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem «Akt des Terrors».

Ein Polizeisprecher gab zudem bekannt, dass zwei am Freitag festgenommene Männer keine direkte Verbindung zu dem Anschlag und dem Attentäter hätten. Sie seien an einer Polizeisperre festgenommen worden und hätten Schusswaffen bei sich gehabt, sagte der Sprecher.

DIE SOLIDARITÄT: Im ganzen Land löste die Tat eine riesige Welle der Solidarität mit der muslimischen Minderheit aus. Den ganzen Samstag über legten Menschen Blumen vor der Hauptmoschee in Christchurch nieder. Andere spendeten per Crowdfunding Millionen von Dollar oder boten verängstigten Muslimen ihre Begleitung an.

DAS VIDEO: Der Täter zeigte den Angriff live auf Facebook aus der Ich-Perspektive in einem 17-minütigen Video. Dabei trug er einen Tarnanzug. Im Video ist auch zu sehen, dass mehrere Waffen und Magazine mit Namen und Schriftzügen versehen sind. Nach der Tat sagt der Angreifer, er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben.

Facebook teilte mit, das Video entfernt und die Profile des Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. Die Ermittler forderten die Öffentlichkeit dazu auf, die Aufnahmen nicht im Internet zu verbreiten.

DAS LIED: Im Video ist vor der Tat im Auto des Angreifers ein serbisch-nationalistisches Kampflied zu hören. Das bestätigte der bosnische Botschafter in Neuseeland, Mirza Hajrić. Das Lied «Karadzic, führe deine Serben» kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme. Als Memes werden Bilder und Videos bezeichnet, die im Internet vielfach verbreitet werden.

Was wir nicht wissen

DIE HINTERGRÜNDE: Dazu äusserte sich die Polizei bislang nicht genauer. Begründet wird dies mit laufenden Ermittlungen.

DAS MANIFEST: Im Internet kursiert ein 74-seitiges Schreiben, das der Australier kurz vor der Tat veröffentlicht haben soll. Darin wird eine Tat in Christchurch angekündigt und seine rechtsextreme und fremdenfeindliche Motivation dargelegt. Das Schreiben nimmt auch auf den norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik Bezug.

Die neuseeländische Polizei sagt bislang nicht, ob sie das «Manifest» für echt hält. Darin heisst es auch, der Attentäter habe kurz Kontakt mit Breivik gehabt. Dazu erklärten sowohl das Gefängnis im norwegischen Skien als auch Breiviks Anwalt, dies sei nahezu unmöglich.

(dsc/sda/dpa)

Attacke auf zwei Moscheen in Neuseeland

Bei einem Terrorangriff auf zwei Moscheen in Christchurch hat es am Freitag, 15. März 2019, mindestens 50 Tote gegeben. Mit einer Schnellfeuerwaffe schoss ein Tatverdächtiger auf Muslime. EPA/SNPA / Martin Hunter
Mehr als 20 Menschen seien schwer verletzt worden, sagt Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern am Freitag. AP/AP / Mark Baker
Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann zunächst in einer Moschee in der Innenstadt um sich geschossen, wo sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt hatten. AP/AP / Mark Baker
Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Die Lage war auch Stunden nach den ersten Schüssen noch unklar. AP/AP / Mark Baker
Ein Polizeisprecher berichtete von einer Festnahme. Unklar blieb zunächst, ob es sich dabei um den mutmasslichen Täter handelte und auch, ob es Komplizen gab. EPA/SNPA / Martin Hunter
Den Zeugen zufolge handelte es sich bei dem Täter um einen weissen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Mit seiner automatischen Waffe soll er immer wieder in die Menschenmenge geschossen haben. AP/Alleged Shooter's video
Online kursierte ein Video, das angeblich von der Helmkamera des Täters stammt. Auf dem Video in Ego-Shooter-Manier sind zahlreiche Verletzte und am Boden liegende Personen zu sehen. AP/Alleged Shooter's Video
Die Polizei sprach in einer Video-Nachricht, die über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, von einer «sehr ernsten und tragischen Serie an Ereignissen». AP/AP / Mark Baker
Zur Festnahme hiess es: «Wir haben eine Person in Gewahrsam. Aber wir sind nicht sicher, ob es da noch andere Leute gibt.» Später wurden drei Festnahmen gemeldet. Diese Personen sind inzwischen wieder auf freiem Fuss. AP/AP / Mark Baker
Die Stadt riegelte wegen der unklaren Lage alle staatlichen Gebäude ab. AP/AP / Mark Baker
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verurteilte den Angriff aufs Schärfste. In einer kurzen Stellungnahme sprach die sozialdemokratische Politikerin von einem der «dunkelsten Tage» in der Geschichte ihres Landes. AP/AP / Mark Baker
Es soll sich um einen faschistischen Terroristen namens Brenton Tarrant handeln, einen 28-jährigen Australier, der aus fremdenfeindlichen Motiven handelte. AP/AP / Mark Baker
Auf weiteren Waffen, die der Mann im Kofferraum mitführte, sei «Kebab Remover» (Kebab-Entferner) zu lesen gewesen und der Name eines Mädchens, das 2017 bei einem Terrorangriff in Schweden starb. EPA/SNPA / Martin Hunter
Im Netz kursiert zudem ein 74-seitiges «Manifest», in dem sich mutmaßlich der Täter zu seinen Beweggründen für die Tat äusserte. Darin finden sich laut Medienberichten auch rechtsextreme Parolen und der Verfasser betont, eine «Atmosphäre der Angst» schaffen zu wollen. EPA/SNPA / Martin Hunter

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