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Ein paar Geister-Schnappschüsse der Hobby-Fotografin Ada Emma Deane, die am Ende als Betrügerin entlarvt werden konnte.  Bild: allmystery

Keine Angst, das ist nur ein Bettlaken: So wurde den Menschen vor 100 Jahren das Geld aus der Tasche gezogen

Der Glaube an Geister ist so alt wie die Menschheit selbst. Schliesslich wissen wir bis heute nicht, was mit unseren Seelen nach dem Tod geschieht – geschweige denn, ob wir überhaupt eine haben. Aber wenigstens fallen heute nur noch die Wenigsten auf (schlecht gemachte) Geisterfotografien herein. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sah das noch ganz anders aus. 

Publiziert: 16.05.15, 14:27 Aktualisiert: 16.05.15, 14:41

Ausgerechnet Sir Arthur Conan Doyle, der mit seinen «Sherlock Holmes»-Romanen der Überlegenheit kühler Logik ein literarisches Denkmal gesetzt hatte, war ein feuriger Verfechter des Spiritismus. Er glaubte an Geister und an Geisterfotografie und an Menschen mit speziellen Verbindungen zum Jenseits. Diese «Medien» mochten ihn dann auch glauben machen, dass sein im ersten Weltkrieg gefallener Sohn sich als Geist zurück in seine Welt geschlichen hätte. Und so hockte er – von der Existenz übersinnlicher Phänomene restlos überzeugt – bis zu seinem Tod im Jahr 1930 im «Psychic Bookstore», seiner okkultistischen Bibliothek. 

Die falschen Grüsse aus dem Jenseits 

Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1889: Die beiden Herren fürchten sich auf sehr theatrale Weise vor dem Phantom.  Bild: cultureandcommunication via spiegel

Die Fotografie war Mitte des 19. Jahrhunderts noch immer ein zauberhaftes Medium, behaftet mit dem Nimbus des Übernatürlichen. An den Vernunftglauben gefesselt, hofften die Menschen, die fotografische Linse sehe und speichere vielleicht mehr von der Welt. Mache vielleicht sogar das sichtbar, was man mit dem blossen Auge nicht erschauen kann: die Seelen der Verstorbenen, Geister und übernatürliche Wesen. Die Spiritisten beschwörten also eifrig alle Arten von Gespenstern, und die Geisterfotografen lichteten ab, was da anscheinend aus dem Jenseits herauf gekrabbelt kam. 

Der Markt war günstig, man konnte viel Geld mit einfachen Methoden machen: Ein bisschen Mehrfachbelichtung hier, ein bisschen Nachbearbeitung da – oder man warf dem Foto-Assistenten einfach ein Laken über den Kopf. 

Der Bostoner Hobby-Fotograf William H. Mumler schoss 1871 das erste «Geisterfoto». Und er hatte Erfolg damit. Bald fingen Fotografen auf der ganzen Welt an, seine Idee zu kopieren, um damit die gutgläubigen Menschen abzuzocken. Die unheimlichen Bilder wurden alle während der Séancen gemacht, also da, wo man die Geister der Verstorbenen kontaktierte. bild: cultureandcommunication via spiegel
Die Sympathisanten des Spiritismus waren der Überzeugung, dass sich die Geister der Verstorbenen über ein Medium mitteilten. Und das Medium war in diesem Falle der Fotograf. Er – so glaubten sie – konnte den Kontakt zu den Verblichenen herstellen. Und natürlich liess er sich dafür gut bezahlen. Die Frau auf dem Bild sieht sich gleich mit mehreren Geistern konfrontiert. bild: cultureandcommunication via spiegel
Diese nachkolorierte Postkarte stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das gespenstische Wesen rutschte durch einen sehr einfachen Trick ins Foto: Die sitzende Frau musste während der Belichtungszeit unbeweglich sitzen bleiben, während der Geist etwas später ins Bild kam – und es dafür auch früher wieder verliess. bild: cultureandcommunication via spiegel
Meist arbeiteten die Geisterknipser mit vorbehandelten Foto-Platten, auf denen bereits vor der Séance ein Phantom aufbelichtet worden war. Die neblige Durchsichtigkeit erhielt das mysteriöse Wesen durch eine sehr kurze Belichtungszeit und ein Stück Gaze, das der Fotograf vor sein Objektiv hängte. bild: cultureandcommunication via spiegel
Ausgerechnet Sir Arthur Conan Doyle, der Erfinder der «Sherlock Holmes»-Romane, ist auf die Tricks der Geisterfotografen hereingefallen. Er liess sich mehrfach von William Hope ablichten. Den Geist, der sich auf dieser Aufnahme von rechts ins Bild drängt, identifizierte er als seinen im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Kingsley. bild: cultureandcommunication via spiegel
Die Britin Ada Emma Deane erstellte diese Aufnahme 1923. Sie wurde während der Schweigeminuten des britischen Armistice Day geschossen und zeigt angeblich eine Gruppe toter Soldaten. Als Deane 1924 ein ähnliches Foto veröffentlichte, identifizierte die britische Zeitung «Daily Sketch» die vermeintlichen Toten als sehr lebendige Sportler – und der Ruf der selbsternannten Geisterfotografin war dahin. bild: cultureandcommunication via spiegel
Eine weitere Geisterfotografie-Perle: Allerdings ist bei dieser Aufnahme nicht bekannt, ob jemand an die Echtheit dieses wallenden Frauenwesens geglaubt hat. bild: cultureandcommunication via spiegel
Auch diese Aufnahme ist eher lustig als erschreckend ... bild: cultureandcommunication via spiegel

Ektoplasma: Das Material, aus dem die Geister sind

Das Medium Mary Marshall während einer ihrer Séancen: Ektoplasma entströmt ihrem Mund.  bild: psychictruth

Den Begriff Ektoplasma kennt man aus den «Ghostbusters»-Filmen. Ursprünglich wurde er vom französischen Mediziner Charles Richet in die Parapsychologie eingeführt und sollte eine Substanz bezeichnen, die den Medien bei ihren Geister-Sitzungen aus den Körperöffnungen strömt. Ein grau-weisses Etwas, das mehrere Meter lang werden konnte und sich schliesslich zu einem ganzen, sich selbstständig bewegenden Wesen auswachsen konnte – einem Phantom. 

Margery Crandon war eine kanadisch-amerikanische Geisterbeschwörerin. Die Aufnahme (1924) zeigt, wie ihr Ektoplasma aus dem Ohr «fliesst». An dieses «Materialisations-Phänomen» glaubten zumindest die Spiritisten der 20er-Jahre. Margery galt als Medium und wurde auch von Sir Arthur Conan Doyle verehrt. Der Entfesslungskünstler Harry Houdini hingegen versuchte, sie als Betrügerin zu entlarven, was ihm auch gelang. Der Glaube an Margerys Fähigkeiten blieb bei den Spiritismus-Anhängern, vor allem den männlichen, dennoch ungebrochen. Manche munkeln, es habe an ihrem Kimono gelegen – das einzige Kleidungsstück, das die attraktive Frau an ihren Séancen trug.
Diese Aufnahme zeigt das englische Tieftrance- und Materialisationsmedium Jack Webber (1907 – 1940), wie es in Trance gefesselt auf seinem Stuhl sitzt. Seinem Mund entströmt ein breiter Ektoplasmaschleier, der angeblich fünf Meter lang wurde. Die Fesseln dienten dazu, ihn an Täuschungsversuchen zu hindern. Die Kritiker vermuteten, dieses Geister-Material bestünde aus ganz normalen Gazen, die die Medien entweder vorher verschluckt und später wieder ausgewürgt oder aber im After verborgen und dann während der Sitzung herausgezogen haben. Also wurden sie vor den Sitzungen rektal und oral kontrolliert. Harry Edwards beschrieb Webbers Séancen in seinem Buch «The Mediumship of Jack Webber» als echt. Das Buch wurde von der Kritik verrissen.
Das polnische Medium Stanislawa P.: Der Schleier wurde ihr von Kritikern angelegt, um Betrug zu verhindern. Die Aufnahme ist eine von drei angeblich gleichzeitigen Aufnahmen aus verschieden Richtungen, um zu beweisen, dass das Ektoplasma durch den Schleier hindurch dringt. Sie findet sich in Dr. A. v. Schrenck-Notzings «Materialitätsphänomene» aus dem Jahr 1913.
Einer Nielsen (1894 - 1965) auf einer Aufnahme von Dr. H. Gerloffs «Die Phantome von Kopenhagen», 1953. Seine Ektoplasma-Vorführung wurde als Fake entlarvt: Er hatte sein «Geister-Tüchlein» in seinem Rektum versteckt.

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