Die Sensation ist perfekt: Die Schweizer Eishockey-Nati steht im WM-Final.
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Die Hockey-Nati putzt die USA weg und holt die erste WM-Medaille seit 60 Jahren
18. Mai 2013: Was ist das für eine rauschhafte WM. Die Schweiz pflügt sich mit lauter Siegen durch die Vorrunde, sie gewinnt ihre Gruppe und wird erst im Final von Gastgeber Schweden gestoppt. Da hat sie Edelmetall aber bereits auf sicher.
Das gab es noch nie: Ein Eishockey-Spiel ist im Jahr 2013 die Sportübertragung mit den meisten TV-Zuschauern. Fast 1,2 Millionen Schweizer drücken der Hockey-Nati im Final gegen Schweden die Daumen. Es nützt leider nichts. Das Spiel geht 1:5 verloren, obwohl Roman Josi die Nati in der fünften Minute in Führung bringt und obwohl es bis zur 47. Minute erst 1:2 steht.
Doch die Niederlage schmerzt nur kurz. Letztlich überwiegt die riesige Freude über das Erreichte: Erstmals nach 60 Jahren gewinnt die Schweiz an einer Eishockey-WM wieder eine Medaille. Silber glänzt beinahe wie Gold.
Heldenempfang am Flughafen: Trainer Simpson mit WM-Silber um den Hals.
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7 Spiele, 7 Siege in der Vorrunde
Mit viel Vorschusslorbeeren reist die Auswahl von Trainer Sean Simpson nicht zur WM. Das Ziel lautet, wie fast immer, in die Viertelfinals vorzustossen. Doch dann beginnt das Turnier mit einer ersten, positiven Überraschung. Die Schweiz schlägt Gastgeber Schweden mit 3:2. Danach muss mit Kanada ein weiterer Mitfavorit dran glauben, wieder siegt die Schweiz mit 3:2 – wenn auch erst im Penaltyschiessen.
Dank Suris Tor im Penaltyschiessen gewinnt die Schweiz gegen Kanada.
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In beiden Spielen schiesst Nino Niederreiter ein Tor, der NHL-Stürmer trifft auch in der dritten Partie. Die Schweiz schlägt Tschechien mit 5:2 und hat die Viertelfinal-Qualifikation schon fast im Sack. Die Nati lässt auch in den weiteren Partien nichts anbrennen: Sie bezwingt der Reihe nach Slowenien (7:1), Dänemark (4:1), Norwegen (3:1) und Weissrussland (4:1). Die Vorrunde schliesst die Schweiz mit 7 Siegen in 7 Spielen als Gruppensiegerin ab.
«Dieses Team will mehr»
In die Viertelfinals war die Schweiz in den Jahren zuvor an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen schon öfter vorgestossen. Aber stets war in der Runde der letzten Acht Schluss. Dieses Mal sollte alles anders werden. Die Mannschaft spürt, dass wirklich etwas drinliegt. Denn anders als bei früheren Exploits kann die Nati nun auch spielerisch überzeugen. Routinier Martin Plüss erinnert daran, dass man früher hinten reingestanden sei und dann gekontert habe, «aber in diesem Jahr waren es alles herausgespielte Siege.»
Die Schweiz geht also selbstbewusst in den Viertelfinal gegen die Tschechische Republik. Trainer Sean Simpson kündigt an: «Dieses Team ist noch nicht zufrieden mit dem, was es erreicht hat. Es will mehr.» Und es kriegt mehr. Die Schweiz spielt in den ersten beiden Dritteln sackstark, sie führt mit 2:0 und lässt im Schlussabschnitt nur einen Gegentreffer zu. Erstmals seit 1998 steht die Hockey-Nati im WM-Halbfinal.
Nun wartet ein happiger Brocken: Die Vereinigten Staaten. Gleich mit 8:3 fegen die US-Boys im Viertelfinal Russland vom Eis. Aber Simpson will lieber über das eigene Team sprechen als über den nächsten Gegner: «Jetzt werden wir gefährlich. Denn nun können wir ohne Druck aufs Eis gehen und um eine WM-Medaille spielen.»
Berra mit 29 Paraden zum Shutout
Im Halbfinal drückt die Schweiz von Beginn an aufs Gaspedal. Sie hat einige sehr gute Chancen, um früh in Führung zu gehen. Doch es klappt erst bei Spielmitte: Niederreiter erzielt nach Zuspiel von Plüss das 1:0.
Nun schlägt die grosse Stunde von Reto Berra. Mal für Mal stoppt der Goalie die amerikanischen Angriffe, er hält seinen Kasten rein. Und als Julian Walker in der 51. Minute einen Konter erfolgreich abschliesst, steht es 2:0. Nur noch sehr wenig fehlt zum historischen Einzug in den WM-Final – und damit zur ersten Medaille seit Bronze im Jahr 1953.
«Besser geht es nicht»
Die Schweiz übersteht auch die letzten Minuten, Reto Suri gelingt 19 Sekunden vor dem Ende gar noch das 3:0 ins leere Tor. «Das war das Spiel aller Spiele, besser geht es nicht», jubelt der «SonntagsBlick». Leider behält die Zeitung recht: Der WM-Final gegen Schweden geht dann 1:5 verloren. Erstmals seit 27 Jahren wird ein Gastgeber auch Weltmeister.
Sportminister Ueli Maurer (links) und René Fasel, der Präsident des internationalen Eishockey-Verbands, überreichen Nino Niederreiter und Morris Trachsler die Silbermedaillen.
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Die Schweiz verpasst eine Chance, wie sie sich ihr vielleicht lange nicht mehr bietet. Aber auch mit der Silbermedaille schreibt die Hockey-Nati Sportgeschichte und sorgt für Begeisterungsstürme. Das Tüpfli aufs i ist die Auszeichnung von Roman Josi zum wertvollsten Spieler der ganzen WM: Noch nie zuvor wurde ein ein Schweizer zum Turnier-MVP gekürt.
Eine Chance, die sich vielleicht lange nicht mehr bietet? Es dauert bloss fünf Jahre, da greift die Schweiz erneut nach dem WM-Titel. Doch wieder steht ihr Schweden im Weg. Im Final der WM 2018 in Kopenhagen geht die Nati durch Nino Niederreiter und Timo Meier zwei Mal in Führung – doch am Ende holen sich die «Tre Kronor» WM-Gold dank einem 3:2-Sieg im Penaltyschiessen.
Die grössten Sensationen der Sport-Geschichte
2016: Leicester City gewinnt die englische Premier League, nachdem der Klub im Vorjahr fast abgestiegen wäre. X01095 / Darren Staples
1980: Miracle on Ice – Das amerikanische Hockey-Nationalteam, das nur aus Amateuren besteht, schlägt bei den Olympischen Spielen 1980 die zu der Zeit als unschlagbar geltende Sowjetunion und holt Gold. AP/AP
1990: Der krasse Aussenseiter James «Buster» Douglas schlägt in Tokio den bis dato ungeschlagenen Weltmeister Mike Tyson k.o. AP/Kyodo / Mitsuru Sakai
2009: Die Schweizer U17-Nationalmannschaft wird in Nigeria Weltmeister. AP / SUNDAY ALAMBA
2004: Griechenlands Minimalisten marschieren an der Fussball-EM durch und holen mit Otto Rehhagel völlig unerwartet den Titel. AP / FRANK AUGSTEIN
1992: Eigentlich sind die Dänen ja schon in den Ferien, doch dann düfen sie als Ersatz für das kriegsgeplagte Jugoslawien doch an der EM in Schweden teilnehmen und holen gar den Pott. AP/Polfoto / Kim Agersteen
1998: Als Aufsteiger lässt der 1.FC Kaiserslautern die gesamte Konkurrenz hinter sich und wird deutscher Meister. MICHAEL PROBST
2005: Der kleine FC Thun rockt die Champions League und ärgert sogar den grossen FC Arsenal. Es setzt zwei knappe Niederlagen ab. KEYSTONE / EDI ENGELER
1994: Der Regionalligist TSV Vestenbergsgreuth schlägt in der ersten Runde des DFB-Pokals Meister Bayern München mit 1:0.
2002: Gleich mit 11:3 kantert der FC Wil den ungeliebten Kantonsrivalen St.Gallen in der Nationalliga A ab. Ein Jahr später holt der Kleinklub auch noch den Schweizer Cup. KEYSTONE / REGINA KUEHNE
1990: Die Färöer Inseln schlagen in der EM-Qualifikation Österreich mit 1:0 und feiern ihren bis dato grössten Sieg. In der EM-Qualifikation 2016 gewinnt der Kleinstaat zweimal gegen Griechenland 1:0.
2008: Nichts da mit Luxemburgerli vertilgen, in der WM-Qualifikation schlägt der Fussballzwerg die Schweiz 2:1.
1954: Das Wunder von Bern – Deutschland schlägt die übermächtigen Ungaren im Endspiel 3:2 und wird neun Jahre nach Kriegsende sensationell Weltmeister. EPA DPA / RICHARD KROLL
1950: England verliert gegen die USA an der WM sensationell 0:1. Da die englischen Journalisten zurück in der Heimat glauben, dass beim Fax ein Tippfehler unterlief und die Reporter 10:1 schreiben wollten, drucken sie fälschlicherweise erst dieses Resultat. AP
1985: Als 17-Jähriger gewinnt Boris Becker seinen ersten Titel in Wimbledon. dpa / RUEDIGER SCHRADER
2001: Roger Federer bezwingt im Wimbledon-Achtelfinal Seriensieger Pete Sampras in fünf Sätzen. AP / DAVE CAULKIN
2009: Robin Söderling bodigt im Achtelfinal des French Open den Sandkönig und mittlerweile neunfachen Paris-Sieger Rafael Nadal.
2002: Weil alle vor ihm stürzen, wird Steven Bradbury in Salt Lake City Shorttrack-Olympiasieger. Getty Images Europe / Stephen Munday
2007: Mit Startnummer 60 gewinnt Marc Berthod den Slalom in Adelboden. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
1989: Nobody Hansjörg Tauscher wird vor vier Schweizern Abfahrtsweltmeister. Weder davor noch danach gewinnt er ein Weltcuprennen.
2013: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft holt in Stockholm WM-Silber. EPA / FREDRIK SANDBERG
2006: Paul DiPietro schiesst die Hockey-Nati an den Olympischen Spielen von Turin zum ersten Sieg gegen ein mit NHL-Stars gespicktes Kanada. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
2002: Der 20-jährige Simon Ammann holt in Salt Lake City Gold von der Gross- und der Normalschanze, ohne zuvor ein Weltcupspringen gewonnen zu haben. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
1992: Dieter Baumann holt bei den Olympischen Spielen in Barcelona mit einem grandiosen Spurt Gold über 5000 Meter.
2015: Japan sorgt mit einem Sieg über den zweifachen Weltmeister Südafrika für die grösste WM-Sensation im Rugby aller Zeiten. Getty Images Europe / Gallo Images
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