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So stark belastet die Schifffahrt die Umwelt

Publiziert: 01.09.21, 09:39

Der Schiffsverkehr in Europa verursacht rund ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen auf See. Ein Bericht bescheinigt dem maritimen Sektor zwar, erhebliche Massnahmen ergriffen zu haben, um seine Umweltauswirkungen zu mildern. Trotzdem sei noch viel zu tun.

Container über Container: der Hafen in Antwerpen. Bild: keystone

Nicht nur der Verkehr auf den Strassen ist eine grosse Belastung für die Umwelt, auch der Schiffsverkehr verursacht Treibhausgase, die die Erderwärmung vorantreiben. Wie gross die Umweltauswirkungen des Seeverkehrs in Europa tatsächlich sind, wurde nun erstmals in einem Bericht zusammengefasst, den die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) und die Europäische Umweltagentur (EEA) am (heutigen) Mittwoch in Lissabon vorstellen.

Luftemissionen, Öl, Abwasser

Die untersuchten Faktoren waren Luftemissionen, Luftverschmutzungen, Ölleckagen, das Ablassen von Abwasser, Plastik, Unterwasserlärm und der Transport lebender Organismen in andere Gewässer.

Laut Bericht waren Schiffe im Jahr 2018 für 13.5 Prozent aller Treibhausgasemissionen, die der Verkehr in der EU verursacht, verantwortlich. Der Strassenverkehr war mit 71 Prozent der grösste Verursacher, der Luftverkehr stand für 14.4 Prozent der Emissionen. Alle Verkehrsträger müssten nachhaltiger, intelligenter und widerstandsfähiger werden, sagte Adina Vălean, EU-Kommissarin für Verkehr, laut einer Mitteilung. Das schliesse auch die Schifffahrt mit ein.

Schiffe spielen als Transportmittel zwischen den EU-Ländern eine grosse Rolle, sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr. 77 Prozent des europäischen Aussenhandels und 35 Prozent des gesamten Handels am Wert gemessen zwischen EU-Mitgliedstaaten verlaufen auf dem Seeweg.

«Vor entscheidendem Jahrzehnt»

Und das wird in den kommenden Jahrzehnten noch mehr werden, schätzen die Experten. «Der Seeverkehr der EU steht vor einem entscheidenden Jahrzehnt für den Übergang zu einem wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigeren Sektor», heisst es im Bericht.

Eine Herausforderung sind die Emissionen: Insgesamt verursachten Schiffe, die im Jahr 2018 in Häfen der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums anlegten, rund 140 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Das waren etwa 18 Prozent aller CO2-Emissionen, die in diesem Jahr weltweit durch den Seeverkehr verursacht wurden. Der Ausstoss an Schwefeldioxid betrug 16 Prozent der weltweiten SO2-Emissionen der internationalen Schifffahrt.

«Obwohl der Seeverkehr in den letzten Jahren seine Umweltbilanz verbessert hat, steht er bei der Dekarbonisierung und Reduzierung der Umweltverschmutzung immer noch vor grossen Herausforderungen», so die EU-Kommissarin.

Eine mögliche Lösung sieht man in der Umstellung auf umweltfreundlichere Antriebsarten und Energieträger wie Biokraftstoffe, Batterien, Wasserstoff oder Ammoniak. Die Landstromversorgung, bei der Schiffe ihre Motoren abschalten und an eine Stromquelle anschliessen, könne auch in See- und Binnenschifffahrtshäfen eine saubere Energiequelle darstellen, so der Bericht.

Problem Unterwasserlärm

Eine andere Herausforderung sei der Unterwasserlärm, den die Schiffe erzeugen und der Meereslebewesen auf unterschiedliche Weise beeinträchtigen kann. Es wird geschätzt, dass der Seeverkehr dazu beigetragen hat, dass sich der Unterwasserlärmpegel in den EU-Gewässern zwischen 2014 und 2019 mehr als verdoppelt hat.

Ausserdem führt die internationale Schifffahrt dazu, dass Arten in Gewässer transportiert werden, in denen sie nicht heimisch sind, und die dortigen Ökosysteme beeinträchtigen können.

«Der Bericht zeigt deutlich, dass der Seeverkehr in Europa und die gesamte internationale Schifffahrtsgemeinschaft die dringende Verantwortung haben, ihre Bemühungen zur Verringerung des ökologischen Fussabdrucks dieses Sektors zu verstärken», sagte EEA-Chef Hans Bruyninckx. (sda/dpa)

Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker

Wir unterziehen 9 beliebte Aussagen von Klimaskeptikern dem Faktencheck. Ausführlichere Antworten und Quellen findest du hier. EPA / CHRISTOS BLETSOS
«Es gibt gar keinen Klimawandel»: Falsch. Anhand wissenschaftlicher Daten zeigt sich, dass sich die Temperaturen erhöhen, die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre dichter wird und der Meeresspiegel steigt. Alles deutliche Hinweise auf einen Klimawandel. EPA/NOAA / NOAA HANDOUT
«Es gab schon immer Schwankungen, das ist normal»: Halbwahr. Schwankungen gab es schon immer, richtig. In der Vergangenheit hat sich aber gezeigt, dass solche abrupte Schwankungen wie heute oft mit einem Massensterben einhergingen. «Normal» ist dies also nicht. EPA/EPA / KIMIMASA MAYAMA
«Der Klimawandel ist gar nicht so schlimm»: Falsch. Wegen des Temperaturanstiegs breiten sich bereits heute Wüsten aus, der steigende Meeresspiegel bedroht Küstenregionen und extreme Wetterlagen häufen sich auf der ganzen Welt. «Gar nicht so schlimm» trifft es also nicht. AP/AP / Richard Vogel
«Der Mensch hat gar keinen Einfluss auf den Klimawandel»: Falsch. Wer denkt, Vulkane würden den CO2-Ausstoss des Menschen um ein Vielfaches übertreffen, irrt. Menschen verursachen jährlich 175 Mal mehr CO2-Emissionen als Vulkane. EPA/EFE / HILDA RIOS
«Die Schweiz trägt gar nicht so viel zum Klimawandel bei»: Halbwahr. Die Schweiz hat im weltweiten Vergleich einen eher geringen CO2-Ausstoss pro Kopf. Doch sehr viele Geldanlagen, die in der Schweiz getätigt werden, fliessen in klimaunfreundliche Unternehmen. KEYSTONE / GAETAN BALLY
«CO2 ist gar nicht so schädlich»: Halbwahr. CO2 ist ein natürlich vorkommendes Molekül in der Luft und für viele Pflanzen überlebensnotwendig. Aber: Die höhere Konzentration in der Atmosphäre verstärkt den Treibhauseffekt. AP/AP / J. David Ake
«Nicht alle Forscher glauben an den menschengemachten Klimawandel»: Halbwahr. Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen, die der These des menschengemachten Klimawandels widersprechen. Diese sind aber mit 3 zu 97 Prozent stark in der Unterzahl. AP/AP / Francois Mori
«Die Klimaschützer schalten AKWs ab und setzen dafür auf Kohlestrom»: Falsch. 2011 entschloss sich Deutschland, alle seine Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz zu nehmen. Es zeigt sich bereits heute, dass Deutschland die wegfallende Kernkraft komplett durch erneuerbare Energiequellen ausgleichen konnte. AP/AP / Ross D. Franklin
«AKWs sind klimaneutral»: Falsch. Der Bau der Kraftwerke selber, die Gewinnung der Rohstoffe wie zum Beispiel Uran oder Plutonium, sowie der Rückbau der Anlagen verursachen CO2-Emissionen. Dies trifft aber in ähnlichem Masse auch auf erneuerbare Energiequellen zu. AP/AP / Robert Ray

Das sind die 7 wichtigsten Punkte aus dem Klimabericht

Video: watson / Aya Baalbaki

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