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Heute startet in der Schweiz das erste selbstfahrende Auto – und so sieht es aus

Die Swisscom schickt zu Testzwecken ein Roboterauto auf Zürichs Strassen. Nach dem Siegeszug der Smartphones kündigt sich die nächste Tech-Revolution an.

Publiziert: 11.05.15, 18:21 Aktualisiert: 12.05.15, 17:31

Update 8.30 Uhr: Bei Twitter ist das erste Foto des selbstfahrenden Autos aufgetaucht. Demnach handelt es sich um einen silbergrauen VW Passat (siehe unten).

Der 12. Mai 2015 soll in die Schweizer Verkehrsgeschichte eingehen. An diesem Dienstag schickt das Telekommunikations-Unternehmen laut offizieller Ankündigung das erste selbstfahrende Auto zu Testzwecken auf die Strasse.

Die Testfahrten finden in der Stadt Zürich statt. Müssen sich Passanten und andere Verkehrsteilnehmer in Acht nehmen?

Zunächst einmal: Der Test muss gut abgesichert sein. Der Bund schreibt vor, das für das Pilotprojekt eine Haftpflicht-Versicherung besteht, die Schäden bis zu 100 Millionen Franken abdeckt.

Wobei bei den für Dienstag angekündigten Testfahrten überhaupt keine Schäden zu befürchten sind. Zu rechnen ist mit begeisterten Journalisten, die den Roboter-Autos eine rosige vielversprechende Zukunft vorhersagen.

Passanten und andere Verkehrsteilnehmer werden hingegen kaum etwas mitbekommen. Die Testfahrten werden mit einem für den Strassenverkehr zugelassenen Auto durchgeführt, das – wenn überhaupt – nur durch seinen Dachaufbau auffällt. Und vorne links wird ein menschlicher Pilot sitzen – der notfalls ins Steuer greift.

Wo genau sind die Autos unterwegs?

Laut Bewilligung des Bundes darf nur auf vorgegebenen Strecken autonom ohne Hände am Steuer gefahren werden. Zunächst sogar nur auf einer, vorab festgelegten, Strecke. Welche ist noch nicht bekannt.

Wie sieht das Gefährt aus?

Noch gibt es keine Fotos. Offiziell bestätigt ist, dass es sich um ein Fahrzeug der Freien Universität Berlin handelt.

Das «Autonomos Labs»-Team der deutschen Universität forscht seit Jahren an selbstfahrenden Autos und hat bereits zahlreiche Testfahrten durchgeführt. In Berlin und anderen Städten.

Lässt man das erste Pionierfahrzeug aussen vor, dann kommt für die Zürcher Testfahrten eines der folgenden Modelle infrage:

Ein modifizierter VW-Passat, der mit einem Street-View-Fahrzeug von Google verwechselt werden könnte

Der selbstfahrende VW war verschiedentlich in Berlin unterwegs. Auffällig ist die Dachkonstruktion mit rotierender Kamera. Bild: FU Berlin

Ein Elektroauto von Mitsubishi

Diese modifizierte Version des vollelektrischen Mitsubishi i-MiEV ist seit 2011 zu Testzwecken in Berlin unterwegs. bild: fu berlin

Gemäss User Andreas Pages scheint es ersterer zu sein:

12. Mai 2015<">

Es ist hoffentlich ein Elektroauto!

Der Verkehrsclub der Schweiz hat den Mitsubishi i-MiEV früher im Jahr zu einem der umweltfreundlichsten Autos gekürt. 

Die Swisscom besitzt bereits eine Mini-Flotte solcher Elektroautos. Die umweltschonenden Fahrzeuge werden Mitarbeitern vorübergehend für Dienstfahrten zur Verfügung gestellt.

Dank eines Pressebildes aus dem Jahr 2011 können wir darum auch zeigen, wie der Mitsubishi i-MiEV im Look des Schweizer Unternehmens aussieht. Man muss sich nur den Dachaufbau mit den Kameras hinzudenken.

Eines von drei Elektro-Mitsubishi der Swisscom. Bild: obs

Warum lanciert ausgerechnet die Swisscom das erste selbstfahrende Auto der Schweiz?

Der halbstaatliche Telekom-Konzern will Elektroautos hierzulande populärer machen. Im Februar wurde bekannt, dass sich das Unternehmen mit Alpiq, Siemens und Zurich zusammengetan hat. Gemeinsam will man ein schweizweites Elektro-Tankstellennetz entwickeln.

Konzern-Chef Urs Schäppi wurde bei der Ankündigung der Kooperation mit den Worten zitiert: «Swisscom sieht in der Elektromobilität Wachstumspotenzial und Chancen, sich in diesem Umfeld als Partner zu positionieren». Da liegt es eigentlich auf der Hand, dass auch bei einem zukunftsweisenden Projekt wie dem ersten selbstfahrenden Auto auf Elektroantrieb gesetzt wird.

Noch hält sich das Unternehmen bedeckt, offizielle Informationen gibt es am Dienstag. Unternehmenssprecher Carsten Roetz liess sich entlocken, dass es seinem Arbeitgeber nicht darum gehe, ein eigenes Auto zu entwickeln. Vielmehr wolle man «die Potenziale des autonomen Verkehrs abschätzen und die Vernetzung des Verkehrs vorantreiben».

Beim Bund erhofft man sich von den Testfahrten praktische Erkenntnisse im Hinblick auf Zulassungsgesuche, wenn autonome Fahrzeuge in den nächsten Jahren serienmässig hergestellt werden. Das Pilotprojekt soll laut Bundesamt für Strassen dazu beitragen, Probleme und Risiken und deren Lösung aufzuzeigen.

Wie funktioniert das?

Die Forscher der Freien Universität Berlin haben bereits 2011 eine Testfahrt mit dem VW-Passat gefilmt. Im folgenden YouTube-Video ist unter anderem zu sehen, wie der Computer Ampeln und andere «Verkehrshindernisse» erkennt.

Warum gehört Roboter-Autos die Zukunft?

Blumenwiesen anstelle von Betonwüsten Parkplätzen, weniger Lärm und viel mehr frische Luft in der Innenstadt: Das sind nur einige Vorteile, wenn wir in Zukunft auf umweltschonende, selbstfahrende Fahrzeuge setzen – und diese auch mit unseren Mitmenschen teilen. 

Im «Sharing» von Elektroauto-Flotten und der Nutzung von fahrerlosen Taxis liegt ein gewaltiges Potenzial. Dank der selbstfahrenden Autos wird laut Wissenschaftlern die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Verkehr aufgehoben. Das International Transport Forum (ITF) zeigt die Verkehrs-Revolution am Beispiel der portugiesischen Hauptstadt Lissabon auf. Dort würden unglaubliche 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche «autofrei», respektive neu nutzbar.

Im Video erklärt ein Englisch sprechender Experte, wie die Roboterautos das Stadtbild verändern werden.  YouTube/IntTransportForum

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Selbstfahrende Autos

Das erste selbstfahrende Auto in der Schweiz: Seit Mai 2015 fährt ein VW Passat der Swisscom und der Freien Universität Berlin zu Testzwecken durch Zürich.
Das Auto bei der Präsentation für die Medien am 12. Mai in Zürich. Auf dem Dach sind der Laser-Scanner (so erkennt das Auto seine Umwelt) und die GPS-Antenne zu sehen.
Beim Fahrzeug handelt es sich um einen Prototypen. Die Satelliten-Navigation via GPS ermöglicht, den Standort des Autos auf wenige Zentimeter genau zu bestimmen.
Das Fahrzeug ist mit diversen Sensoren ausgerüstet, um auf den Verkehr zu reagieren.
Das gleiche Auto fährt seit mehreren Jahren im dichten Berliner Stadtverkehr – und nun auch in Zürich.
Auch Mercedes tüftelt am autonomen Auto der Zukunft: Der Mercedes F 015 hat noch ein Lenkrad und Fusspedale, fährt aber vollkommen autonom im Strassenverkehr.
Der Vorbote der S-Klasse von übermorgen bietet vier Einzelsitze.
Die Einzelsitze sind drehbar. Sobald das Auto selbstständig fährt, können sich die Passagiere einander zuwenden. X00642 / STEVE MARCUS
Der Wagen fährt mit zwei zusammen 272 PS starken Elektromotoren. Daimler AG - Global Communicatio
«Luxury in Motion» nennt Mercedes sein selbstfahrendes Zukunftsauto.
Der Andrang um das Mercedes-Forschungsfahrzeug nach dessen Weltpremiere Anfang 2015 war immens. X00642 / STEVE MARCUS
Die Ausmasse des Forschungsautos sind riesig. Und es rollte auf spektakulären 26-Zoll-Felgen auf die Bühne. GETTY IMAGES NORTH AMERICA / David Becker
Der Mercedes bei einer Testfahrt in San Francisco.
Es geht noch futuristischer: General Motors hat im April 2015 in Shanghai das selbstfahrende Elektroauto Chevrolet FNR vorgestellt. AP/AP / Ng Han Guan
Der Chevrolet FNR verfügt über einen Elektroantrieb und nabenlose Räder.
Rivale Audi liess Anfang 2015 einen mit Laser-Scannern und 3D-Videokamera aufgerüsteten A7 die 900 Kilometer vom Silicon Valley nach Las Vegas selbständig zurücklegen.
Auf dem Fahrersitz des autonom fahrenden Audi A7 sassen auf den einzelnen Etappen Journalisten. Sie brauchten allerdings weder Gas- noch Bremspedal noch das Lenkrad zu bedienen.
Jack ist der Name des autonom fahrenden Audi A7, der die Testfahrt nach Las Vegas problemlos zurücklegte.
Das aktuell sportlichste autonom fahrende Fahrzeug ist der Audi RS7.
Das Concept Car drehte seine Runden bereits auf dem Hockenheimring in Deutschland ohne Fahrer.
Der Kofferraum des Konzeptautos ist vollgepackt mit Technik.
Googles Prototyp seines selbstfahrenden Autos sollte schon 2015 in den USA auf den Strassen herumkurven.
So sieht ein autonom fahrendes Auto seine Umgebung: Die Kamera erkennt Strassenschilder und Stopplichter.
Freightliner, eine Marke von Daimler, präsentierte im Mai 2015 den ersten selbstfahrenden Lastwagen.
Der Freightliner ist der weltweit erste autonom fahrende Lkw mit einer Strassenzulassung.
Wenn der Autopilot steuert, kann der Fahrer ausspannen.

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