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Corona-Virus schickt Aktienkurse auf Talfahrt: Es war ein schwarzer Montag an den Börsen

Die Angst vor dem Coronavirus und einem Erdölpreis-Kampf führte zu panikartigen Verkäufen an den Finanzmärkten am Montag.

Publiziert: 10.03.20, 04:46 Aktualisiert: 10.03.20, 06:35
Niklaus Vontobel und Stefan Ehrbar / ch media

Rote Zahlen auch bei der Börse in Sao Paulo, Brasilien. Bild: EPA

Die Finanzmärkte machten am Montag dort weiter, wo sie am Freitag aufgehört hatten. Sie verkauften Aktien, und dies im grossen Stil. Der Schweizer Bluechip-Index hat bis Handelsschluss 5.6 Prozent verloren.

Der deutsche Dax stand am Schluss 7.9 Prozent tiefer. Zugleich flüchteten die Anleger in die Sicherheit. Der Franken stand den ganzen Tag unter Aufwertungsdruck. Anleihen von Staaten waren gefragt.

Die Marktbewegungen wurden ausgelöst durch die zunehmende Angst vor den Folgen des Coronavirus. Am Montag kam ein weiterer Schock dazu. Der Ölpreis brach um 20 Prozent ein. Hintergrund ist ein möglicher Preiskrieg.

Russland und Saudi-Arabien liefern sich Preiskrieg

Saudiarabien hatte versucht, andere Mitglieder des Erdölländervereins Opec sowie Russland von einer Produktionssenkung zu überzeugen. Russland lehnte dies ab. Saudiarabien konterte, indem es die Förderung erhöhte und die Preise senkte.

Das hat Folgen für den Westen. Zwar werden diese Länder entlastet, wenn sie weniger für Energie zahlen. Doch die Märkte sorgten sich am Montag mehr um Industriekonzerne, die ihr Geld im Geschäft mit Erdöl verdienen. So brach die Aktie von Sulzer ein. Der Winterthurer Konzern büsste 9.9 Prozent ein.

An den Börsen herrschte Panik. In New York musste vorübergehend der Handel ausgesetzt werden, weil die Kurse allzu schnell in den Keller sausten. Doch differenzieren die Börsianer noch. So gelten Aktien von Banken und Luftfahrtunternehmen als besonders toxisch.

Luftfahrt besonders betroffen

Dies erklärt sich im Fall der Luftfahrt mit den knappen Margen. Das zeigt sich exemplarisch an der Swiss, deren Margen von der Universität St.Gallen in einem Gutachten für den Bund berechnet wurden. An einem durchschnittlichen Kurzstreckenflug, durchgeführt mit einer Airbus A320, verdient die Airline nur 800 Franken.

Auch mit Langstreckenflügen mit A330 oder A340 sind die Margen mager: 7000 bis 8000 Franken. Die Zahlen zeigen: Bereits kleine Rückgänge bei den Buchungen treiben einen Kurzstreckenflug in die roten Zahlen. Auch auf Langstrecken genügen wenige leere Sitze in der Economyclass – schon ist der Flug zum Verlustgeschäft geworden.

Die Lufthansa-Aktie hat sein Jahresanfang bereits 31 Prozent an Wert eingebüsst. Air France-KLM wird um 42.5 Prozent geringer bewertet. Die Papiere des Billigfliegers Easyjet gaben um 30 Prozent nach.

Zum Thema: Börsenschreck Promi

Kylies erster Tweet am 21. Februar 2018. Sie erkundigt sich, ob sie die Einzige sei, die die Snapchat-App nicht mehr öffne.
Noch am selben Tag gab sich die 20-Jährige versöhnlich und schrieb: «Liebe dich aber immer noch Snap... meine erste Liebe». Doch die Snap-Aktien schwächelten bereits massiv.
Des einen Leid ist übrigens des anderen Freud. Für Erzfeind Facebook ging es an der Börse nach dem Tweet steil nach oben, und zwar von 516,8 Milliarden Dollar Marktwert auf 532,7 Milliarden, wie «TMZ» berichtete. Rich Fury/Invision/AP/Invision / Rich Fury
Kylies grosse Schwester Kim Kardashian West kann sich auch damit brüsten, bereits die Börse beeinflusst zu haben. Ihr Tweet zu ihrem Blackberry-Smartphone sorgte 2016 hingegen für Freude bei den Investoren des kanadischen Unternehmens.
Das Reality-TV-Sternchen schrieb in der Kurznachricht erschüttert, ihr Blackbery Modell Bold habe den Geist aufgegeben – weinendes Selbstporträt inklusive. Dabei habe sie sich gut für den Ernstfall vorbereitet, und schon vor Jahren mehrere Exemplare eben genau diesen Modells en masse angehortet, so Kardashian West.
Ergebnis: Frau Kardashian West erhielt ein neues Blackbery Bold und die Blackberry-Aktien wurden an diesem deutlich Tag höher gehandelt.
Oprah Winfrey ist die einflussreichste Frau in der US-Unterhaltungsindustrie. Einflussreich ist sie auch an der Börse: Mit ihrer kämpferischen «Time's up»-Rede an den Golden Globes im Januar schossen die Aktien des Diätunternehmens Weight Watchers in die Höhe. AP/NBC / Paul Drinkwater
Winfrey ist seit 2015 Werbebotschafterin der Firma und besitzt ein Aktienpaket. Jordan Strauss/Invision/AP/Invision / Jordan Strauss
Die Moderatorin brachte dem Diätunternehmen Weight Watchers so hohe Kursgewinne ein. Auch bereits vor dem Speech an der Preisverleihung lohnte sich die Zusammenarbeit mit Winfrey für die Diät-Firma: Seit 2015 hat sich der Weight-Watchers-Börsenwert mehr als versechsfacht.
Der südkoreanische Sänger Psy feierte mit Gangnam Style einen Welthit. Doch auch sein Vater machte dank dem Song viel Geld. Die «DI Corporation», eine südkoreanische Softwarefirma, profitierte stark mit, als Psy bekannt machte, dass sein Vater grösster Anteilseigner ist. AP/AP / Lee Jin-man
In den darauffolgenden Tagen verfünffachte sich die Aktie des Unternehmens. AP/AP / Lee Jin-man
Im Dezember 2017 sorgte ein Tweet von IT-Millionär John McAfee für Tumult an der Börse. In der Kurznachricht ging es um eine aktuelle Einschätzung des Krypto-Marktes und welche Coins wohl die grössten Chancen haben, sich im allgemeinen Kampf der Kryptowährungen durchzusetzen. Afee erwähnte mehrere Währungen, darunter die Kryptowährung GTV. GTV wurde so innerhalb von Stunden von 30 Dollar auf 45 Dollar gepusht und es dauerte keine Woche, bis der Coin in die Top 20 der Kryptowährungen vorgerückt war. Doch: der Tweet war ein Fake.
Scheinbar handelt es sich um eine Masche von Cyberkriminellen um die Kurse von Digitalwährungen zu manipulieren. Vier Minuten nach dem Tweet war der Wechselkurs bereits rasant gestiegen, während Betrüger, die den gefälschten Tweet veröffentlicht hatten, wohl gutes Geld damit verdienten.
Der Fake-Tweet.
Bonus: US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen Tweets und Aussagen regelmässig für Aufsehen – auch an der Börse. Er attackiert auf Twitter auf Unternehmen und bringt deren Aktienkurse damit unter Druck. Im Dezember 2017 musste Flugzeug-Hersteller Boeing daran glauben. AP/AP / Evan Vucci
«Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind ausser Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Auftrag stornieren!», tippte er in sein Smartphone. Kurz darauf brachte die Boeing-Aktie so um fast zwei Dollar ein, ein zeitweiser Marktwertverlust von 1.2 Milliarden Dollar.
Einige Firmen sehen in den präsidentiellen Tweets ihre Chance. Das New Yorker Start-Up Trigger entwickelte einen «Trump Trigger», der die Nutzer informiert, wenn sich @realDonaldTrump zu einem börsennotierten Unternehmen äussert. Eine Art Warnung für Aktionäre also. AP/AP / J. David Ake

Von den Banken wissen die Investoren, dass sie in Rezessionen anfällig sind für Verluste auf ihren Krediten. Schuldner geraten in Schieflage, können die Zinsen nicht mehr zahlen, die Banken verlieren Geld. Zudem wirkt sich der Börsencrash direkt auf die Erträge der Banken aus. Ihre Gebühreneinnahmen hängen von den investierten Vermögen ab. Schwinden diese mit den Börsenkursen, sinken auch die Einnahmen.

Damit der Sorgen nicht genug. Sollten die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank es bald der US-Notenbank gleichtun, und ebenfalls ihre Leitzinsen senken, verlieren die Banken im Zinsdifferenzgeschäft nochmals weniger Geld.

Credit Suisse mit Minus von 37 Prozent seit SMI-Rekord

Darum werden die Banken von den Börsen abgestraft. Die Credit Suisse hatte gestern ein Tagesminus von 12.9 Prozent. Bei der UBS waren es 10.4 Prozent. Noch eindrücklicher sind die Verluste, wenn man als Ausgangspunkt den 19. Februar 2020 nimmt. Damals erreicht der SMI einen Rekordwert von 11270 Punkten. Danach gab die UBS-Aktie um 32 Prozent nach, jene der Credit Suisse 37 Prozent (siehe Tabelle).

An der Börse lassen sich die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus sekündlich an den Kursen ablesen. Die Folgen für die Realwirtschaft dagegen lassen sich erst mit Verzögerung erkennen. Welches Ausmass sie haben werden, hängt letztlich von der Verbreitung des Coronavirus ab. Und darüber rätseln derzeit noch alle Experten.

Klar ist: Die Schweizer Wirtschaft erleidet mehrere Schocks. In der Produktion, weil Mitarbeiter vielleicht bald zu Hause bleiben oder Vorprodukte aus dem Ausland fehlen. Tendenziell erhöhen sich so die Kosten. Und die Konsumenten könnten zu Hause bleiben. Kinos oder Hotels, Einkaufszentren oder Restaurants verlieren Kunden.

All dies schlägt auf die Umsätze. Ein weiterer Schock kommt mit der Aufwertung des Frankens. Immerhin konnte die Nationalbank den Euro gestern über der Marke von 1.06 Franken halten. (aargauerzeitung.ch)

Die grössten Flugzeuge der Welt

Antonow An-225: Die Maschine gilt als grösstes Flugzeug der Welt. Der Frachter wurde Ende der Achtzigerjahre in der Sowjetunion entwickelt. Wikipedia / Wikipedia
Antonow An-124: Bis zur Fertigstellung der Antonow An-225 war dieser Flieger der grösste Riese am Himmel. Die Maschine war in den Siebzigern für die Sowjetarmee entwickelt worden. Wikimedia / Wikimedia
Der A380 ist das grösste in Serienfertigung produzierte zivile Verkehrsflugzeug in der Geschichte der Luftfahrt. Wikimedia / Wikimedia
Die US-Maschine Hughes H-4 Hercules ist auf die Flügelspannweite bezogen das grösste bisher gebaute Flugzeug. Wikimedia / Wikimedia
Lockheed C-5 Galaxy ist ein Militärflugzeug, das seit den Sechzigern bei der US Air Force im Einsatz ist. Vor der Antonow An-124 Ruslan war es das grösste Flugzeug der Welt. Wikimedia / Wikimedia
Die Convair XC-99 wurde 1947 von den USA entwickelt. Es wurde nur ein Prototyp gebaut. Wikimedia / Wikimedia
Ein Vergleich verschiedener Grossflugzeuge.

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