Aktuelle Themen:

Grosse Trauer in Sri Lanka. Eine Angehörige am Grab eines Opfers in Nordcolombo. Bild: AP/AP

Dutzende neue Festnahmen in Sri Lanka – Von Reisen wird abgeraten

Publiziert: 29.04.19, 00:14

Nach den Anschlägen vom Ostersonntag sind am Wochenende in Sri Lanka erneut Dutzende Menschen festgenommen worden. Bei Hausdurchsuchungen wurden zudem Sprengstoff, Zünder, Schusswaffen, Schwerter und Funkgeräte sichergestellt. Das Aussendepartement (EDA) in Bern verschärfte nach neuer Gewalt am Freitagabend seine Reisehinweise für Sri Lanka.

Allein am Sonntag gab es nach Angaben der Polizei 48 Festnahmen. Darunter war auch ein Bruder von zwei der Selbstmordattentäter, bei dem zwei Schwerter gefunden wurden.

Terroranschläge in Sri Lanka

Die Anschlagsserie in Sri Lanka auf Kirchen und Hotels hat weltweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Religiöse Führer und Politiker verurteilten die Angriffe, bei denen am Ostersonntag mehr als 310 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt wurden. Unter den Todesopfern waren auch Ausländer. AP/AP / Rohan Karunarathne
Papst Franziskus reagierte mit grosser Trauer: Er sei mit «allen Opfern dieser brutalen Gewalt», die «ausgerechnet am Ostersonntag Trauer und Schmerz gebracht» hätten, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei der Erteilung des traditionellen Ostersegens «Urbi et Orbi». Er leide mit der christlichen Gemeinde auf Sri Lanka. AP/AP / Eranga Jayawardena
Bundespräsident Ueli Maurer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Im Namen des Bundesrats verurteile ich die schweren Angriffe auf religiöse Feiern in Colombo. Den Angehörigen der Opfer und den Behörden Sri Lankas spreche ich mein tief empfundenes Mitgefühl aus.» AP/AP / Eranga Jayawardena
Auch Aussenminister Ignazio Cassis sprach seine Anteilnahme aus. Nationalratspräsidentin Marina Carobbio und Ständeratspräsident Jean-René Fournier verurteilten Intoleranz und religiösen Hass, wie die Parlamentsdienste via Twitter mitteilten. Carobbio und Fournier. AP/AP / Eranga Jayawardena
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilten die Angriffe scharf. Es sei «schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren», erklärte Merkel. Steinmeier nannte die Anschläge «feige». AP/AP / Eranga Jayawardena
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich «geschockt und traurig». Die Aussenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, die Anschläge markierten einen «wahrhaft traurigen Tag für das Land und die ganze Welt». Gewalttaten an einem Feiertag wie Ostern seien Gewalttaten gegen alle, die Religionsfreiheit und die Freiheit schätzten, die Religion auszuüben. EPA/EPA / M.A. PUSHPA KUMARA
Grossbritanniens Premierministerin Theresa May nannte die Angriffe «wahrhaft abstossend». Sie rief dazu auf, nun zusammenzustehen. Niemand sollte Angst haben, sich zu seinem Glauben zu bekennen. Sri Lanka war von 1796 bis 1948 britische Kolonie. EPA/EPA / M.A. PUSHPA KUMARA
Der niederländische Regierungschef Mark Rutte sprach auf Twitter von «furchtbaren Nachrichten aus Sri Lanka über die blutigen Angriffe». Die Niederlande waren vor Grossbritannien Kolonialmacht in Sri Lanka. EPA/EPA / STR
«Alle unsere Solidarität mit dem Volk Sri Lankas» erklärte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Er sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus. Die Anschläge seien «niederträchtig». EPA/EPA / M.A. PUSHPA KUMARA
Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, die Verantwortlichen für ein solch «zynisches und boshaftes Verbrechen» würden «bestraft werden, so wie sie es verdient haben». Russland bleibe im Kampf gegen die «Bedrohung durch den internationalen Terrorismus» an der Seite Sri Lankas. EPA/EPA / STR
Eine solche «Barbarei» habe keinen Platz «in unserer Region», erklärte Indiens Premierminister Narendra Modi. Indien sei solidarisch mit dem Volk von Sri Lanka. EPA/EPA / STR
Auch Pakistans Premier Imran Khan erklärte die «vollkommene Solidarität» seines Landes mit Sri Lanka. Er verurteilte die «schreckliche terroristische Attacke», die zum Verlust «von wertvollen Leben» geführt habe. EPA/EPA / STR
Aussenminister Mohammad Dschawad Sarif erklärte, «der Terrorismus ist eine weltweite Bedrohung und hat keine Religion». EPA/EPA / STR
Präsident Donald Trump twitterte seine «tief empfundene Anteilnahme». Die USA seien bereit zu helfen, bot er an. AP/AP / Chamila Karunarathne
Beim sonntäglichen Fussballspiel zwischen Real Madrid und Athletic Bilbao im Stadion Santiago Bernabeu gab es eine Schweigeminute. AP/AP / Bernat Armangue

Die Polizei meldete ausserdem die Festnahme zweier Männer, die auf einer Liste der meistgesuchten Verdächtigen standen. Mohamed Saadik Abdul Haq und Mohamed Saahid Abdul Haq wurden demnach am Samstagabend in der Region Nawalapitiya gefasst, etwa 125 Kilometer östlich von Colombo. Die beiden Männer sollen im Dezember in der Stadt Mawanella mehrere Buddha-Statuen beschädigt haben.

Damit stieg die Zahl der Festgenommenen auf über 100. Die Polizei fahndet nach 140 Verdächtigen, die Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterhalten haben sollen.

Vor einer der betroffenen Kirchen in der Hauptstadt Colombo wurde der Toten mit einem Gottesdienst gedacht. Obwohl die katholische Kirche des Landes wegen der anhaltenden Terrorgefahr bis auf weiteres alle Sonntagsmessen abgesagt hatte, versammelten sich am Sonntag mehrere Dutzend Gläubige auf der Strasse vor dem St.-Antonius-Schrein, um an die mehr als 250 Todesopfer zu erinnern. Die Trauernden wurden streng bewacht.

15 Leichen nach Razzia gefunden

Nach mindestens drei Explosionen in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus in der Küstenstadt Sainthamaruthu waren in der Nacht zum Samstag 15 Leichen entdeckt worden.

Das Haus sollte im Zuge einer Anti-Terror-Razzia von Polizisten und Soldaten gestürmt werden, als diese nach Aussagen eines Polizeisprechers aus dem Haus beschossen wurden. Kurz darauf sei es in dem Gebäude zu den Explosionen gekommen. Die Polizei vermutet, dass die Detonationen auf einen oder mehrere Selbstmordattentäter zurückgehen.

Unter den Toten waren demnach sechs Kinder und drei Frauen. Zwölf Leichen seien in dem Haus und drei davor gefunden worden. Ein vierjähriges Mädchen und eine Frau wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sie wurden nach Angaben der Polizei vom Sonntag als Tochter und Ehefrau des mutmasslichen Drahtziehers der Osteranschläge, des srilankischen Hasspredigers Mohammed Zaharan, identifiziert. Dessen Vater und zwei Brüder waren unter den Toten.

Einige Stunden zuvor waren in einem wenige Kilometer entfernten Wohnhaus unter anderem mehrere Sprengstoffwesten, eine Drohne und umfangreiches Material zur Herstellung von Bomben - darunter rund 100'000 Kugellager - sichergestellt worden, wie die Polizei mitteilte.

Zudem seien eine Flagge der sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) und Kleidung gefunden worden - sie könnten auf einem angeblichen Bekennervideo der Attentäter vom Ostersonntag zu sehen sein, das von einem IS-Sprachrohr verbreitet worden war. Der IS reklamierte die Gewalt in der Nacht zum Samstag, wie zuvor schon die Osteranschläge, für sich.

EDA warnt Schweizer vor Reisen

Neben Deutschland und den USA passte auch die Schweiz noch einmal ihre Reisehinweise an: «Meiden Sie grosse Menschenansammlungen und religiöse Stätten», heisst es in einer ab Samstag gültigen Mitteilung auf der Website des Eidg. Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Der Reiseveranstalter Hotelplan Suisse annullierte am Samstag - «ab sofort» - alle Reisen nach Sri Lanka mit Abreise bis und mit 31. Mai 2019.

Das US-Aussenministerium wie auch das Foreign and Commonwealth Office in London sowie Indien raten dazu, wegen Terrorismus Reisepläne nach Sri Lanka zu überdenken. Das US-Aussenministerium ordnete zudem an, dass Angehörige von US-Regierungsmitarbeitern, die im Schulalter sind, den Inselstaat verlassen müssen. Die Abreise aller Mitarbeiter, die nicht für Notfälle benötigt werden, und ihrer Angehörigen sei genehmigt worden, hiess es.

Zwei Islamistengruppen verboten

Zwei extremistische Organisationen, die für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht werden, wurden am Samstag in Sri Lanka verboten: die Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ) sowie die Organisation Jammiyathul Millathu Ibrahim. Beide Organisationen waren zuvor kaum bekannt und nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden. Die NTJ, die der Hassprediger Zaharan gründete, gilt als salafistisch.

In vielen Moscheen des Landes fielen auch die Freitagsgebete aus. Führer der religiösen Minderheit hatten dazu aufgerufen, aus Solidarität mit den Christen Sri Lankas, deren Kirchen geschlossen blieben, Moscheen fernzubleiben. Es hatte laut Polizei auch Anschlagspläne gegen Gotteshäuser der als tolerant geltenden islamischen Strömung des Sufismus gegeben. Einige Muslime waren zudem besorgt über mögliche Racheakte gegen sie.

Neun einheimische Selbstmordattentäter, unter ihnen eine Frau, hatten am Ostersonntag Anschläge unter anderem auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verübt. Unter den Todesopfern waren mindestens 40 Ausländer - darunter ein Berner Ehepaar - und laut Unicef 45 Kinder. (sda/dpa/afp/reu)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben