Die Wochen nach dem Genickbruch waren für Florence Schelling eine grosse Herausforderung: «Schon mit einer Treppe im Haus war ich überfordert.»
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Das 2. Leben der Hockey-Heldin – Schelling will als Expertin und Trainerin durchstarten
Florence Schelling war über Jahre das Gesicht des Schweizer Frauen-Eishockeys. Im Winter wäre sie bei einem Genickbruch fast ums Leben gekommen. Nun ist sie neue Nationaltrainerin der U18-Frauen und Eishockey-Expertin beim Schweizer Fernsehen.
Die Nervosität wird grösser. Jahrelang war Florence Schelling die Königin des Schweizer Eishockeys. Nun wechselt sie die Seiten. Heute Abend analysiert sie erstmals als Expertin beim Schweizer Fernsehen die Spiele der National League A. «Ich bin sicher, das wird eine grossartige Erfahrung», sagt sie vor dem Debüt, «im Moment bin ich aber vor allem aufgeregt.»
Schelling sitzt auf der Terrasse der Tennisanlage ihres Heimatdorfes Oberengstringen. Es ist Ende August. Die Temperaturen sind noch sommerlich. Und doch hat die Eishockey-Saison schon begonnen. Ihre eigene Aktiv-Karriere hat sie im Mai 2018 beendet. Nun treibt sie die nächsten Schritte neben dem Eis voran. Nicht nur als TV-Analystin.
Im Juli ernannte der Schweizer Eishockeyverband Schelling zur U18-Nationaltrainerin der Frauen. «Der Anruf kam ziemlich überraschend», erzählt die 30-Jährige. «Raeto Raffainer, damals noch Nati-Direktor, fragte mich geradeaus: ‹Warum hast du dich eigentlich nicht beworben auf die offene Stelle?›» Schelling dachte, der Verband würde wohl jemanden einstellen mit mehr Erfahrung.
Florence Schelling zeigt 2014 stolz ihre Olympia-Bronzemedaille.
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Doch Raffainer insistierte. Er sagt: «Irgendwann muss der erste Schritt als Chefin an der Bande folgen. Sie war schon als Spielerin eine Leaderin und konnte mit der grossen Verantwortung und dem Leistungsdruck umgehen. Ihre Persönlichkeit kombiniert mit ihrem Fachwissen haben mich überzeugt, dass sie eine erfolgreiche Trainerin sein kann.» Einige Tage nach dem ersten Telefonat ist der Deal besiegelt. Und Schelling, die massgeblichen Anteil an Olympia-Bronze 2014 hatte, ist voller Vorfreude auf ihr zweites Eishockey-Leben.
Skiunfall in Davos
Das Pensum als U18-Nationaltrainerin beträgt über das Jahr hinaus etwa 30 Prozent. Das passt. Denn noch ist Schelling erst auf dem Weg zurück ins Leben. Im Winter brach sie sich bei einem Skiunfall in Davos das Genick. Sie hatte Glück im Unglück. «Ich hätte sterben können oder querschnittgelähmt sein», blickt sie zurück. Bis sie wieder vollständig gesund ist, braucht es viel Geduld. «Die Tage sind manchmal schwierig, manchmal besser. Momentan gilt das Motto: ‹Try and fail›.»
Drei Monate lang musste sie eine Halskrause tragen. «Am Anfang habe ich fast nur geschlafen. Das Leben war lange eine riesige Herausforderung. Schon mit einer Treppe im Haus war ich überfordert.» Ohne die Hilfe ihrer Eltern wäre der Alltag nicht zu bewältigen gewesen.
Doch die Fortschritte kommen. Und Schelling gelingt es, weiter lebensfroh zu sein, positiv zu denken. «Der Unfall hatte auch viel Gutes. Ich war gezwungen, nur das Nötigste zu tun. Also habe ich alles aussortiert, was belastend ist. Ich mache nur noch Dinge, die mir guttun. Dieses Denken möchte ich auch in Zukunft behalten.»
Kurze Panik vor der Rede
Die ersten Herausforderungen mit ihren U18-Frauen hat Schelling erfolgreich hinter sich gebracht. Ihre Bilanz nach dem Vierländerturnier in Japan: «Grossartig! Es macht mega Spass. Auch wenn es viel zu tun gibt.»
Die Resultate – 1:4 gegen Deutschland, 1:5 gegen Japan und 2:1 gegen die Slowakei – waren zwar nicht eben berauschend. «Aber der Prozess innerhalb des Turniers gefiel mir.» Dann lacht Schelling. «Früher als Spielerin regte ich mich immer auf, wenn ein Trainer sagte: ‹Die Resultate in den Testspielen sind nicht wichtig.› Und wie denke ich jetzt? Genau gleich!» Das erste grosse Ziel ist die U18-WM zwischen Weihnachten und Neujahr.
Florence Schelling hat auch als Trainerin grosse Ziele.
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Überhaupt hat sich Schellings Blick verändert. «Als Spielerin musste ich einfach Leistung bringen, Punkt. Jetzt bin ich verantwortlich dafür, dass alle meine Spielerinnen performen. Das ist schon ein anderer Druck.» Nicht nur während des Spiels. Auch in den Tagen des Camps an sich. «Ich muss den ganzen Tag präsent sein, beurteile ständig jede Spielerin. Sei es auf dem Eis, aber auch daneben.»
Als grösste Herausforderung erlebte Schelling die Auftritte vor dem Team kurz vor Spielbeginn und in den Drittelpausen. «Am liebsten würde man da hundert Dinge erzählen, taktisch, über den Gegner, die eigenen Fehler, und so weiter.» Gleichzeitig ist klar: Die Aufmerksamkeit ist begrenzt. Also versuche sie maximal drei Dinge zu sagen. «Am Anfang machte ich mir wohl einige Gedanken zu viel, hatte fast ein bisschen Panik. Doch dann realisierte ich: Es redet automatisch drauflos.»
Einfach drauflos – so könnte das auch heute Abend sein. Wenn ihr Fokus als Expertin zwischenzeitlich den Männern gilt.
Die Schiri-Zeichen im Eishockey
IIHF-Regel 184 I: Spieler im Torkreis – wenn ein angreifender Feldspieler eine Position im Torraum einnimmt, wird das Spiel unterbrochen und das folgende Anspiel erfolgt am nächstgelegenen Anspielpunkt in der neutralen Zone.
IIHF-Regel 170ff: Strafschuss / Penalty – in Situationen, in welchen sich ein Spieler des verteidigenden Teams regelwidriger Mittel bedient, um einem Gegenspieler eine angemessene Torchance zu nehmen und sich der Torhüter auf dem Eis befindet, hat der Schiedsrichter die Möglichkeit, dem Gegenspieler einen Penaltyschuss zuzusprechen.
IIHF-Regel 167: Beinstellen – ein Spieler, der einen Gegenspieler mit seinem Stock, Fuss oder Bein zu Fall bringt.
IIHF-Regel 166: Zu viele Spieler auf dem Eis – ein Team darf maximal einen Torhüter und fünf Feldspieler oder sechs Feldspieler auf dem Eis haben. Eine kleine Bankstrafe wird ausgesprochen, wenn ein Team einen oder mehrere Feldspieler mehr auf dem Eis hat als erlaubt.
IIHF-Regel 161: Stockstich – ein Spieler, der mit dem Ende seines Stockblatts einen Gegenspieler sticht oder zu stechen versucht, unabhängig davon ob er den Stock mit einer oder mit beiden Händen hält. Ein Kontakt mit dem Gegner ist nicht nötig, um eine Strafe zu verhängen.
IIHF-Regel 159: Stockschlag / Slashing – ein Spieler, der seinen Stock mit einer oder beiden Händen gegen irgendeinen Körperteil oder Ausrüstungsteil seines Gegenspielers schwingt. Ein Kontakt mit dem Gegenspieler ist nicht nötig, um eine Strafe zu verhängen.
IIHF-Regel 158: Übertriebene Härte / Roughing – ein Spieler, der einen Gegenspieler während des Spiels anrempelt oder schlägt.
IIHF-Regel 153: Check mit dem Knie – ein Spieler. der sein Knie ausstreckt, um einen Kontakt mit einem Gegenspieler herbeizuführen.
IIHF-Regel 150: Behinderung / Interference – ein Spieler, der einen Gegenspieler ohne Puck blockiert oder daran hindert, Schlittschuh zu laufen, einen Pass anzunehmen oder sich frei auf der Eisfläche zu bewegen. Das gleiche Schiedsrichterzeichen wird auch für die Regel 151: Behinderung am Torhüter eingesetzt.
IIHF-Regel 146: Haken – ein Spieler, der seinen Stock einsetzt, um einen Gegenspieler, mit oder ohne Puck, am Vorwärtskommen zu hindern.
IIHF-Regel 145: Halten des Stocks – ein Spieler, der mit einer oder beiden Händen den Stock des Gegenspielers festhält, um ihn daran zu hindern, Schlittschuh zu laufen, den Puck zu spielen oder am Spiel teilnehmen zu können sowie jedes Handeln, welches den Gebrauch des Stocks einschränkt.
IIHF-Regel 144: Halten – ein Spieler, der mit einer Hand oder mit beiden Händen, mit Armen oder Beinen oder auf andere Weise das Vorwärtskommen eines Gegenspielers behindert oder ihn davon abhält, frei Schlittschuh zu laufen.
IIHF-Regel 143: Hoher Stock – ein Spieler, der seinen Stock oder einen Teil davon über der Höhe seiner Schulter führt und einem Gegenspieler mit einem Teil davon einen Schlag versetzt.
IIHF-Regel 139: Check mit dem Ellbogen – ein Spieler, der seinen Ellbogen einsetzt, um einen Gegenspieler zu foulen.
IIHF-Regel 135 und 212: Spielverzögerung – Schiessen oder Werfen des Pucks aus dem Spielfeld bzw. eine Aktion des Torhüters mit der Absicht das Spiel zu verzögern, einen Unterbruch zu erzwingen oder die Fortsetzung des Spiels zu verhindern.
IIHF-Regel 127: Check mit dem Stock / Cross-Checking – ein Spieler, der mit beiden Händen am Stock einen Check gegen den Körper eines Gegenspielers ausführt, wobei sich kein Teil des Stockes auf dem Eis befindet.
IIHF-Regel 125: Check gegen das Knie / Clipping – Clipping ist eine Aktion, in welcher ein Spieler seinen Körper eigens zu dem Zweck nach unten senkt, so einen Check gegen das Knie des Gegenspielers anzubringen.
IIHF Regel 124: Check gegen den Kopf oder Nackenbereich – ein Spieler, der mit irgendeinem Teil seines Körpers oder seiner Ausrüstung einen Check gegen den Kopf oder Nacken eines Gegenspielers ausführt.
IIHF-Regel 123: Check von hinten – ein Spieler, der einen Check gegen einen Gegenspieler ausführt, der sich in einer wehrlosen Position befindet, sich des Checks nicht bewusst ist und nicht in der Lage ist, sich vor so einem Check zu schützen oder zu verteidigen. Der Kontakt erfolgt dabei auf der Rückseite des Körpers.
IIHF-Regel 122: Unerlaubter Körperangriff – ein Spieler, der in Richtung eines Gegenspielers läuft und ihn mit unnötiger Wucht checkt oder in ihn hineinrennt oder gegen ihn springt.
IIHF-Regel 121: Stockend-Stoss / Butt-Ending – Ein Spieler, der die obere Hand am Stock nach unten Richtung Stockblatt schiebt und damit einen gefährlichen Vorsprung kreiert und diesen Teil des Stockes in den Körper des Gegenspielers stösst.
IIHF-Regel 119: Check gegen die Bande / Boarding – ein Spieler, der einen Gegenspieler mit dem Körper oder dem Ellenbogen checkt, ihn angreift oder ihm so das Bein stellt, dass dieser dadurch heftig gegen die Bande geworfen wird.
IIHF-Regel 114: Angezeigte Strafe – hat das Team, das die Strafe verursacht, keine Puckkontrolle, hebt der Schiedsrichter seinen Arm, um damit anzuzeigen, dass eine Strafe ausgesprochen wird, dabei unterbricht er das Spiel zunächst nicht.
IIHF-Regel 110: Matchstrafe – eine Matchstrafe zieht den sofortigen Spielausschluss eines Spielers oder eines Teamoffiziellen nach sich. Ein Mitspieler, der vom Coach über den Kapitän benannt wird, muss die fünfminütige Strafzeit verbüssen. Ein Ersatz des Spielers auf dem Eis ist solange nicht erlaubt, bis die fünf Minuten abgelaufen sind.
IIHF-Regel 107 und 109: Disziplinarstrafe und Spieldauerdisziplinarstrafe – eine Disziplinarstrafe bedeutet zehn Minuten der Spielzeit, allerdings ist ein sofortiger Ersatz der Spieleranzahl auf dem Eis erlaubt. Eine Spieldauerdisziplinarstrafe erfordert, dass sich der bestrafte Spieler oder Teamoffizielle unmittelbar in die Kabine begeben muss. Der Spieler kann sofort auf dem Eis ersetzt werden.
IIHF-Regel 92: Spielerwechsel.
IIHF-Regel 94: Puck im Tor.
IIHF-Regel 74: Handpass – einem Feldspieler ist es nicht erlaubt, den Puck mit der Hand zu fangen und mit ihm zu skaten, entweder, um einen Check zu vermeiden oder den Puckbesitz zu behaupten.
IIHF-Regel 61: Time-out – jedem Team ist ein 30-Sekunden-Time-out im Spiel erlaubt (in der regulären 60-minütigen Spielzeit einschliesslich Verlängerung).
Auswinken / Wash-out – Eine ausstreckende Seitwärtsbewegung beider Arme, Handflächen nach unten. Der Schiedsrichter benutzt dieses Zeichen, um «kein Tor», «kein Handpass», oder «kein hoher Stock» zu signalisieren. Der Linienrichter benutzt dieses Zeichen um «kein unerlaubter Befreiungsschuss / Icing» und in bestimmten Situationen «kein Offside» zu signalisieren.
IIHF-Regel 65: Icing – Der hintere Linienrichter signalisiert ein mögliches Icing mit ausgestrecktem Arm über Kopfhöhe. Der Arm wird in dieser Position gehalten bis der vordere Linienrichter das Icing abpfeift oder annulliert. Wird auf Icing entschieden, kreuzt der hintere Linienrichter zuerst die Arme vor der Brust und zeigt danach auf den entsprechenden Anspielpunkt.
IIHF-Regel 78: Abseits / Offside.
IIHF-Regel 82: Angezeigtes Abseits.
IIHF-Regel 169: Regelwidriger Check (Frauen) – im Fraueneishockey ist es einer Spielerin nicht erlaubt, eine Gegenspielerin mit dem Körper zu checken.
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