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Xiaomi-CEO Lei Jun bei der Präsentation des Mi 9 Pro 5G im September: Der chinesische Konzern drängt auf den europäischen Markt. Bild: EPA

Wird Billig-Hersteller Xiaomi das neue Huawei? Heute folgt der nächste Streich

Seit einiger Zeit macht die chinesische Marke mit Geräten zu Spottpreisen und überzeugender Technik auf sich aufmerksam. Am Mittwoch stellt das Unternehmen seine neuen Produkte für den europäischen Markt vor.

Publiziert: 06.11.19, 07:08 Aktualisiert: 06.11.19, 12:37
Laura Stresing / t-online

Ein Artikel von

Smartphones und Gadgets von Xiaomi werden hierzulande immer beliebter. Kein Wunder: Der China-Konzern drängt mit einer radikalen Billig-Strategie nach Europa und kann es sich inzwischen leisten, Journalisten für eine Produktshow nach Madrid einzufliegen. Auch t-online.de ist der Einladung gefolgt. Die Reisekosten übernimmt Xiaomi. Dies beeinflusst unsere Berichterstattung nicht.

Am Mittwoch sollen in der spanischen Hauptstadt neue Smartphones und Wearables vorgestellt werden, möglicherweise auch ein Smart TV. Das Event kann man im Livestream verfolgen, wie Xiaomi auf Twitter ankündigte. Start ist um 11.30 Uhr.

Viele hiesige Fans und Journalisten werden sich das aufmerksam ansehen, jedenfalls mehr als früher. Denn obwohl man die Smartphones von Xiaomi in den Shops der deutschen Mobilfunkbetreiber und in Elektronikfachmärkten oft vergeblich sucht, haben die Geräte eine wachsende Fangemeinde.

Und in der Schweiz hat Xiaomi Anfang Oktober den ersten eigenen Laden eröffnet. Das Verkaufsgeschäft in Wallisellen ZH ist nach Paris der zweite Flagship-Store der Chinesen in Europa.

Auf Amazon zählen Xiaomi-Smartphones regelmässig zu den Bestsellern. Die ausgesprochen günstigen Fitnesstracker und smarten Heimgeräte der Chinesen werden auch im Einzelhandel oft an prominenter Stelle präsentiert. Zusammen mit den aufwändig inszenierten Produktshows ergibt sich so das Bild eines etablierten, durchaus konkurrenzfähigen Herstellers von Mobilgeräten, Heim- und Unterhaltungselektronik.

Apple, Samsung und Huawei geraten unter Preisdruck

Xiaomis Erfolgsrezept baut vor allem auf eine radikale Preisstrategie. Die Geräte werden nahezu zum Produktionspreis angeboten, die Gewinnmarge für den Hersteller ist minimal. Dadurch kosten die Smartphones weniger als die Hälfte oder sogar nur ein Drittel dessen, was Apple, Samsung und Huawei für ihre aktuellen Geräte verlangen – und das bei einer vergleichbaren Ausstattung.

Auch auf dem Event in Madrid ist die Ankündigung eines neuen Top-Smartphones zu erwarten. Aller Voraussicht nach handelt es sich dabei um eine auf den europäischen Markt angepasste Variante des eben in China vorgestellten Xiaomi CC9 mit einer 108 Megapixel Kamera mit fünf Objektiven. Bereits im Frühjahr hatte sich die Marke Nokia an einem solchen Gerät versucht . Es erwies sich als Flop.

In Europa soll das neue Xiaomi-Handy unter dem Namen Mi Note 10 vermarktet werden. In der Ausstattung dürfte es sich nahezu gleichen: Ähnlich wie das chinesische Vorbild dürfte das Mi Note 10 über einen 6.47 Zoll-OLED-Display, einen optischen In-Display-Fingerabdruckscanner und einen Akku mit 5'260 Milliamperestunden verfügen. Über die Preise ist noch nichts bekannt. Der Vorgänger kam für etwa 450 Euro nach Europa.

Daneben könnte Xiaomi auch ein Budget-Smartphone sowie eine Smartwatch vorstellen. Ob die in China vorgestellten QLED-Fernseher für den Schweizer Markt vorgesehen sind, ist unklar.

Wird Xiaomi das nächste Huawei?

Xiaomi rangiert derzeit auf Platz elf der wertvollsten chinesischen Konzerne. Wettbewerber Huawei hat seine Europa-Expansion früher vollzogen und belegt Platz 6. Das könnte sich bald ändern: Die US-Sanktionen gegen Huawei bremsen dem Erfolg der Android-Smartphones. Die neuen Huawei-Geräte müssen nämlich ohne Google-Dienste auskommen – auf dem europäischen Markt haben sie damit kaum eine Chance.

Xiaomi ist von den Handelsbeschränkungen bislang nicht betroffen. Das könnte der Marke helfen, sich als Huawei-Alternative zu positionieren und ihre gewonnenen Marktanteile weiter auszubauen.

Mit dem Erfolg wächst aber auch der Druck auf Xiaomi. Sowohl Verbraucherschutzorganisationen als auch Medien und Tester, Sicherheitsexperten und staatliche Behörden werden die Xiaomi-Produkte sorgsam unter die Lupe nehmen.

  • Halten sie auch einer jahrelangen Nutzung stand?
  • Kann man der Technik aus China vertrauen?
  • Wie hält es Xiaomi mit dem Datenschutz ?

Noch konnte sich Xiaomi vor negativer Berichterstattung schützen. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn der Sprung aus der Nische gelingt. Gerade in Deutschland wird mit Kritik an Tech-Konzernen selten gespart. Wer auf einer Stufe mit Apple genannt werden will, muss darauf vorbereitet sein.

Verwendete Quellen:

Xiaomi kann weit mehr als nur Smartphones

Bisher galt der chinesische Elektronikhersteller Xiaomi als Kopiermaschine, die bei Apple, Google und Co. hemmungslos abkupfert. Beim ersten fast randlosen Smartphone Mi Mix zeigte die Firma Ende 2016, dass sie auch anders kann.
Das Mi Mix von 2016 besteht vorne fast nur aus dem Bildschirm. Durch zahlreiche technische Tricks und Design-Kniffe haben es Xiaomis Entwickler geschafft, einen grösseren Bildschirm einzubauen als üblich.
Zwar ist das Gehäuse in etwa so gross wie das eines iPhone 7 Plus, doch statt 5.5 Zoll wie beim Apple-Gerät weist das Display hier eine Diagonale von 6.4 Zoll auf.
Während die Handys von Xiaomi in der Schweiz eher schwer zu bekommen sind, ist der Konzern in China enorm erfolgreich. An der Hightech-Messe CES 2017 in Las Vegas zeigt die 2010 gegründete Firma, dass sie weit mehr als Smartphones im Angebot hat.
Ein MacBook? Ein Surface Book? Nein, das Mi Notebook Air. Das dünne Windows-Notebook von Xiaomi gibt es mit 12,5- und 13,3-Zoll-Display. Preis: Ab 750 Franken.
Ein Segway? Nope. Die Chinesen haben Segway 2015 gekauft und verkaufen nun den Ninebot mini. Der Stadtflitzer erreicht 16 km/h und hat mit einer Akkuladung eine Reichweite von 22 Kilometern. Ah ja, das Gadget lässt sich auch per App auf dem Handy fernsteuern.
Die Virtual-Reality-Brille Mi VR ist mit den neueren Xiaomi-Smartphones kompatibel. Das Handy wird in die Brille gesteckt und dient so als VR-Brille.
Die Mi Headphones sehen optisch sehr ansprechend aus. Was sie wirklich taugen, wissen wir leider nicht. Kostenpunkt: 129 US-Dollar.
Das Mi Band 2: Das Fitnessarmband misst wie üblich den Puls, kann auch als Schlaf-Tracker verwendet werden und kostet 22 Dollar.
Der Mi Bluetooth Speaker soll mit einer Akkuladung bis zu acht Stunden Musik spielen können und kostet 29 Dollar.
Die Mi Box ist eine auf Android basierende TV-Settop-Box, mit der sich Streaming-Dienste wie Netflix in UHD-Auflösung und mit HDR-Technologie nutzen lassen. Das Gerät beherrscht den aktuell schnellsten WLAN-Standard 802.11ac und kostet 69 Dollar.
Kinder sollen sich mit dem Mi Bunny Storyteller per Sprache unterhalten können. Dank künstlicher Intelligenz soll sich das Spielzeug an die Gewohnheiten und Vorlieben seiner Nutzer anpassen. Und es kann Hörbücher vorlesen. 10'000 Titel stehen zur Auswahl, alle auf chinesisch. Der Preis: 29 Dollar.
Passend zum Storyteller hat die Firma mit der Mi Bunny Watch Q auch ein smartes Armband für Kinder im Angebot. Eltern können ihre Sprösslinge damit per GPS lokalisieren und mit ihnen telefonieren. 43 Dollar kostet so ein Gerät.
Auch dem Drohnentrend hat sich das Unternehmen geöffnet. Die Mi Drone hat eine 4K-Kamera, bis zu zwei Kilometer Reichweite und eine Flugzeit von 27 Minuten. Der Preis: 433 Dollar.
Sogar Fahrräder wie das Mi QiCycle R1 hat Xiaomi im Angebot. Im Carbonrahmen steckt unter anderem ein GPS-Empfänger, der per App genutzt werden kann. Die Schaltung arbeitet elektronisch. Knapp 3000 Dollar werden für dieses Luxus-Bike fällig.
Das hast du sofort erkannt, dass es sich hier um einen Reiskocher handelt, oder? Bei Xiaomi kostet das Küchengerät 144 Dollar.
Auch eine elektronische Waage, die ihre Messdaten per Bluetooth ans Handy sendet, bietet Xiaomi an. Mit 14 Dollar sehr günstig.
Auf der CES stellt der chinesische Konzern unter anderem diese OLED-Fernseher als Neuheiten vor. Nur 4,9 Millimeter ist das knapp 2000 Dollar teure 65-Zoll-Modell dick, die Elektronik steckt in einer externen Soundbar.
Ein richtiges Lowcost-Produkt sind die USB-Ventilatoren von Xiaomi. Für drei Dollar gehen sie über den Tresen.

Wie spricht man das aus?

Video: watson / Lino Haltinner, Linda Beciri

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