Schweizer Muslime wollen, dass ihre Religion öffentlich-rechtlich anerkannt wird. Was spricht dafür und was dagegen? Zwei Expertinnen beziehen Stellung.
Der Terroranschlag in Paris liess die Diskussion um den Islam und dessen Integration in die westliche Welt erneut aufflammen – auch in der Schweiz. Kurz nach dem Attentat forderte der Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, Farhad Afshar, zum wiederholten Mal eine öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam. Er glaubt, die Radikalisierung von Jugendlichen liesse sich damit bekämpfen.
Pro: Rifa'at Lenzin, Islamwissenschaftlerin Bild: zvg
In der «Schweiz am Sonntag» forderte Kirchenrechtler Martin Grichting am Wochenende genau das Gegenteil: Man sollte den Katholiken und Reformierten ihren Status wegnehmen und das ganze System «Landeskirche» abschaffen. Auf watson gibt's die Pro's & Con's.
Auf der Pro-Seite steht Rifa'at Lenzin. Sie sagt, es komme einer Diskriminierung gleich, den Islam nicht öffentlich-rechtlich anzuerkennen. Die 60-jährige Islamwissenschaftlerin und Publizistin erhielt 2010 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern für ihren Einsatz im Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen und für ihre Beiträge zur Genderfrage im Islam. Sie ist die Präsidentin der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft der Schweiz IRAS-COTIS und Mitglied der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR.
Contra: Reta Caspar, Geschäftsführerin der Schweizer Freidenker-Vereinigung. Bild: zvg
Auf der Contra-Seite steht Reta Caspar. Die islamischen Gemeinschaften seien ideologisch zu uneinheitlich für eine öffentlich-rechtliche Anerkennung und das System der Landeskirchen sei an sich hinfällig, sagt sie. Die 57-jährige Geografin und Juristin ist die Geschäftsführerin der Schweizer Freidenker-Vereinigung. Daneben bloggt sie für «news.ch».
Reta Caspar
Rifa'at Lenzin
Reta Caspar
Rifa'at Lenzin