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Die Pucks sind bereit für die Eishockey-WM 2021. Bild: www.imago-images.de

Steigende Fallzahlen, keine Fans und eine Eishockey-WM im Raumschiff

Am 21. Mai beginnt in Riga die seltsamste Eishockey-WM der Geschichte. Die Spieler begeben sich während des Turniers in ein Raumschiff und sind von der Erde abgekoppelt.

Publiziert: 13.05.21, 21:42 Aktualisiert: 14.05.21, 12:25

Dürfen Fans bei der WM in Riga (21. Mai bis 6. Juni) in die beiden Stadien? René Fasel ist als Präsident des internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) der oberste Schirmherr dieser Titelkämpfe. Seit Tagen versucht er, mit der lettischen Regierung diese Frage zu klären. «Eigentlich hätten wir am letzten Dienstag eine Antwort bekommen sollen», sagt Fasel. «Aber die Corona-Fallzahlen steigen in Lettland und die Regierung schiebt die Antwort hinaus. Wir gehen davon aus, dass wir in der ersten WM-Woche keine Fans in den Stadien haben werden.»

Die Lage sei schwierig, so Fasel. Das öffentliche Leben in Riga werde wegen steigender Fallzahlen stark eingeschränkt und dann wäre es knifflig, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, warum sie Freunde nicht besuchen dürfen, die Kneipen weitgehend zu sind, aber sich die Fans in den beiden WM-Stadien singend und jubelnd einfinden dürfen. Also zögern die Regierenden noch mit einer definitiven Antwort.

Rigas Einwohner stehen Mitte April an, um geimpft zu werden. Bild: www.imago-images.de

Ausländische Fans sind voraussichtlich während der ganzen Dauer der Wettkämpfe nicht zugelassen. Findige Reiseunternehmer wollten WM-Besucherinnen und -Besucher aus Finnland in einem Schiff im Hafen von Riga einquartieren und jeweils vom Schiff in die Stadien bringen. Was nicht bewilligt worden ist. Verständlich: Der Rettungsdienst hätte wohl rund um die Uhr von diesem «Narrenschiff» ins Wasser gestürzte Fans retten und ausnüchtern müssen.

Die Mannschaften reisen bereits bis spätestens am 16. Mai an und alle begeben sich vom Flughafen direkt für eine dreitägige Isolation in ihre Hotelzimmer. Die NHL-Profis direkt mit je einem Charterflug aus den USA und Kanada. Die Schweiz spielt die erste WM-Partie am 22. Mai gegen Tschechien.

Vor Turnierbeginn gibt es vier PCR-Tests. Ab Turnierstart werden während der Gruppenphase vier weitere PCR-Tests absolviert (jeden dritten Tag), eine zusätzliche Testrunde gibt es ab den Viertelfinals.

Kontakte ausserhalb der Bubble sind strengstens untersagt

Alle Mannschaftsmitglieder (bei den Schweizern 28 Spieler sowie 16 Coaches und Betreuer) befinden sich in einer Bubble – also sozusagen im «Raumschiff WM». Sie dürfen sich nur im Hotel und dort lediglich auf der «Team-Etage» und in ihrem Zimmer oder in der Eishalle in den für sie vorgesehenen Bereichen aufhalten.

Spielern und Betreuern ist es strengstens untersagt, sich während der WM mit Menschen ausserhalb des «Raumschiffes» zu treffen. Es gilt – ausser in Spiel und in Training – eine generelle Maskenpflicht. Das Schutz- und Testkonzept, das insgesamt 88 Vorschriften enthält, gilt auch für Personen, die bereits geimpft sind.

Der Transport zwischen Hotel und Eis- bzw. Trainingshalle ist nur im Shuttle-Bus erlaubt. Es ist also auch nicht möglich, diese Strecke individuell zu Fuss zu gehen, ein öffentliches Verkehrsmittel oder ein Taxi zu benützen.

Wenigstens ist der Komfort für die Spieler und ihre Betreuer so hoch wie nie: Zum ersten Mal wohnen alle in Einzelzimmern. Auch das gehört zum Schutzkonzept. Bisher waren die Spieler und Betreuer bei einer WM in Doppelzimmern untergebracht.

Kaum Reporter vor Ort

Für die WM können 28 Mann gemeldet werden. Theoretisch sind Nachmeldungen – etwa für Spieler, die in der NHL frühzeitig aus den Playoffs ausscheiden – möglich. Aber diese Nachzügler müssten wie alle anderen zuerst drei Tage in Isolation und anschliessend drei Tage in Teamquarantäne und könnten erst am siebten Tag nach ihrer Ankunft eingesetzt werden.

Medienkontakte sind nur über Ton- und Bildermaschinen möglich. Sowohl nach den Spielen als auch nach Trainings oder an spielfreien Tagen werden sämtliche Interviews via Videokonferenz geführt. Einzige Ausnahme bilden die zahlenden Rechtehalter: Die Farbfernseh- und Radio-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich ebenfalls in einer Bubble («Medien-Raumschiff») befinden und in den Pausen und nach den Spielen kurze Flash-Interviews machen dürfen. Mit einem Mindestabstand von 2 Metern.

Wird es so nicht geben in Riga: Medientermin an der WM 2016 in Moskau. Bild: KEYSTONE

Bleibt noch die Frage, was passiert, wenn ein Spieler trotz aller Vorkehrungen positiv getestet wird. René Fasel ist zuversichtlich, dass dieser Fall nicht eintreten wird. «Wir hatten mit dem gleichen System soeben während der U18-WM keinen einzigen Fall.» Passiert es doch, werde der betreffende Spieler oder Betreuer isoliert. Die Mannschaft bliebe im Turnier.

Der Abstieg ist für diese WM ausgesetzt. 2022 gibt es dann wieder zwei Absteiger.

So schön sind Lettlands Hauptstadt Riga und ihre Umgebung

Der Pilsetas kanals trennt Rigas Altstadt von der Neustadt. Der Park lädt auch im verschneiten November zu einem Spaziergang ein. watson / Ralf Meile
In und vor ehemaligen Zeppelin-Hallen befindet sich der rege besuchte Zentralmarkt. watson / Ralf Meile
Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Nationalbibliothek. Auch ein Grund dafür, dass Riga Europas Kulturhauptstadt 2014 war. watson / Ralf Meile
Enten auf Futtersuche im kalten November. watson / Ralf Meile
Moderne Kunst: Eine Kunst-Installation mit Spiegeln in Rigas Altstadt. watson / Ralf Meile
Das Symbol für Lettlands Souveränität ist das 42 Meter hohe Freiheitsdenkmal. watson / Ralf Meile
An die Nationalfarben, das dunkle lettischrot und weiss, wird man überall in der Stadt erinnert, so wie bei dieser Strassenkreuzung beim Bahnhof. watson / Ralf Meile
Und das ist der Bahnhof respektive sein markanter Turm. watson / Ralf Meile
Lettlands Nationaloper darf als Prunkbau bezeichnet werden. watson / Ralf Meile
Im Pulverturm wurde einst – wen wundert's? – Schiesspulver gelagert. watson / Ralf Meile
Schon 1334 wurde das Schwarzhäupterhaus errichtet. Im 2. Weltkrieg wurde es zerstört, seit 1999 und einer Renovierung steht es wieder. watson / Ralf Meile
Pflicht für jeden Sport-Fan: Ein Besuch beim KHL-Team Dinamo Riga in der modernen Arena Riga.
Ostblock-Charme im ÖV: Rigas Bahnhof verbindet die Hauptstadt mit dem Rest des Landes. watson / Ralf Meile
So führt die Fahrt am 368,5 m hohen Fernsehturm vorbei, wenn man ans Meer will … watson / Ralf Meile
… zum Beispiel nach Sloka, einen Ortsteil der Stadt Jurmala, die bekannt ist für ihren Strand. watson / Ralf Meile
Mehr als 20 Kilometer lang ist der Sandstrand der «lettischen Riviera». Im Sommer werden rund 20 Grad gemessen – in der Luft, nicht im Wasser … watson / Ralf Meile
Als Ausflugsort bietet sich auch das mit dem Zug 75 Minuten entfernte Sigulda mit seiner Bob- und Rodelbahn an. watson / Ralf Meile
Vom Riesenrad aus hätte man einen schönen Ausblick aufs Tal – natürlich nur, sofern es in Betrieb und der Himmel nicht neblig-grau ist. watson / Ralf Meile

Langeweile war gestern – Vater baut seinen Kindern Bobbahn im Garten

Video: watson

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