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Ist nicht mehr: Abu Bakr al-Bagdadi. Bild: EPA

Wer ist eigentlich der neue Anführer des «Islamischen Staats»?

Vor einer Woche jagte ein Hund den meistgesuchten Mann der letzten fünf Jahre in den Tod: Abu Bakr al-Bagdadi. Nun wurde ein neuer «Kalif» des «Islamischen Staats» ausgerufen. Was weiss man über ihn?

Publiziert: 04.11.19, 21:47 Aktualisiert: 04.11.19, 23:02

Gerade mal drei Tage hat es gedauert, bis der sogenannte Islamische Staat in einer Audiobotschaft den Tod von Abu Bakr al-Bagdadi bestätigt und seinen Nachfolger bekannt gegeben hat.

Der neue «Kalif» nennt sich Abu Ibrahim al-Hashemi al-Qurashi. Was wissen wir über ihn? Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist nicht wirklich viel.

Der Name

Der Name Abu Ibrahim ist so wie der seines Vorgängers nur ein Kampfname, den er sich selbst gegeben hat. Die letzten zwei Namensbestandteile deuten darauf hin, dass er von sich behauptet, in direkter Linie von Prophet Muhammad abzustammen. Al-Hashemi war die Familie des Propheten, al-Qurashi bedeutet, dass er von dem Qureish-Stamm zugehörig sei. Insofern handelt es sich um typische Terror-Propaganda.

Die Nationalität

Mit guter Wahrscheinlichkeit ist er ein Iraker, da die meisten hohen Tiere der Terrormiliz ebenfalls Iraker sind. Ausserdem heisst es in der Audiobotschaft, in der der «Islamische Staat» die Nachfolge verkündete (in einer übersetzten Version hier), dass Abu Ibrahim gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gekämpft habe.

Früher oder später wird die wahre Identität wohl aufgedeckt. Und vielleicht weiss man es bereits: Trump hatte am ersten Oktober getweetet, dass man ganz genau wisse, wer Abu Ibrahim ist.

Wie wurde Abu Ibrahim ausgewählt?

In dem Statement wurde auch darauf hingewiesen, wie der neue «Kalif» ausgewählt wurde, oder was die Terrormiliz uns glauben lassen will.

Als ein fundamentalistischer Kult, dessen gesamtes Selbstbild darauf beruht, dass es eine theokratische Nation ist und von einem Kalifen geführt wird, muss der «Islamische Staat» die Vergangenheit sehr ernst nehmen. Man will eine Analogie zu den ersten Jahren des Islams schaffen um sich zu legitimieren.

Militante islamistische Gruppen

«Islamischer Staat»: Die aus dem irakischen Ableger der Al Kaida hervorgegangene Miliz ist derzeit trotz territorialer Verluste die gefährlichste islamistische Terrorgruppe. AP/Militant website / Uncredited
Wilayat Sinai: Die 2011 unter dem Namen «Ansar Bait Al Makdis» gegründete Terrormiliz operiert auf der ägyptischen Halbinsel Sinai. Sie hat sich dem «IS» angeschlossen.
Dschabhat Fatah Al Scham (Al Nusra): Die syrische Miliz, die bis vor kurzem zum Netzwerk der Al Kaida gehörte, ist ideologisch eng mit dem «IS» verwandt, aber mit diesem verfeindet. AP/Nusra Front / Uncredited
Al Kaida: Das Terrornetzwerk wurde 1988 gegründet. Seine spektakulärsten Angriffe waren die Anschläge vom 11. September 2001. Al-Kaida-Chef Osama bin Laden wurde zehn Jahre später von US-Spezialeinheiten in Pakistan getötet. AP/AP / Mazhar Ali Khan
Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP): 2008 entstanden aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Al-Kaida-Ableger, kämpft die Terrrorgruppe vor allem gegen die schiitischen Huthis im Jemen. X00514 / REUTERS TV
Al Kaida im islamischen Maghreb (AQM): Die 1998 in Algerien gegründete Gruppe schloss sich 2006 der Al Kaida an. Seither hat die AQM ihre Operationen auf die Nachbarstaaten Algeriens ausgedehnt. Ibtimes.com
Ansar Dine: Die Terrormiliz, die 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis besetzte, soll Verbindungen zur Al Kaida haben. Bild: Kämpfer der Miliz zerstören Gräber auf einem Friedhof in Timbuktu.
Boko Haram: Die Terrorgruppe kontrolliert Teile Nigerias und kämpft für die Errichtung eines Gottesstaates. Die Miliz, deren Name («Bücher sind verboten») Programm ist, wendet sich gegen westliche Bildung und tötet Christen, aber auch Muslime, die sie nicht unterstützen. Bild: Von Boko Haram entführte Schulmädchen. AP/Militant Video / AP PHOTO
Al Shabaab: Die Miliz beherrscht weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Terrorgruppe, die sich 2012 formell der Al Kaida anschloss, verübt auch Anschläge in Nachbarländern, vor allem in Kenia. AP / Mohamed Sheikh Nor
Hamas: Die palästinensische Organisation wurde 1987 als Zweig der Muslimbruderschaft gegründet und verfolgt als Ziel die Beseitigung Israels mit terroristischen Mitteln und die Errichtung eines Gottesstaates in Palästina. Trotz ihrer sunnitschen Ausrichtung wurde die Hamas vom Iran finanziell und logistisch unterstützt. Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs hat sich das Verhältnis jedoch stark verschlechtert. X01833 / IBRAHEEM ABU MUSTAFA
Islamischer Dschihad: Die palästinensische Terrororganisation hat ihren Sitz in Damaskus und wurde Ende der 70er Jahre von ehemaligen Mitgliedern der Muslimbruderschaft im Gazastreifen gegründet. Die Miliz ist zwar sunnitisch, unterhält aber intensive Kontakte mit dem Iran. Bild: Weibliche Mitglieder des Islamischen Dschihads. EPA/EPA / MOHAMMED SABER
Die Hisbollah («Partei Gottes») ist eine schiitische Organisation, die vornehmlich im Süden des Libanons aktiv ist und vom Iran unterstützt wird. Seit ihrer Gründung bekämpft sie Israel. Im syrischen Bürgerkrieg kämpft sie auf Seiten des Assad-Regimes. aro1.com
Die Taliban sind eine radikalislamische Miliz, die auf einer extremen Form des Deobandismus beruht, einer puritanischen Strömung des Islams. 1996 eroberten sie Kabul und errichteten ein Schreckensregime. 2001 wurde das Taliban-Regime gestürzt, doch heute kontrollieren sie wieder grosse Gebiete in Afghanistan. Bild: Die Buddha-Statuen von Bamian wurden von den Taliban gesprengt. AP/AP / Rahmat Gul
Tehrek-e-Taliban: Der pakistanische Zweig der Taliban hat seine Basis in den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans. Die Miliz agiert jedoch unabhängig von den afghanischen Taliban, mit denen sie nicht alle Ziele teilt. Die Miliz verübt Anschläge auf Schiiten und Sufis in ganz Pakistan. EPA / STR
Laschkar-e Taiba: Die 1990 gegründete Miliz hat ihre Basis ebenfalls in Pakistan, agiert aber auch ausserhalb des Landes. Die Gruppe, die jahrelang von der pakistanischen Regierung unterstützt wurde, hat mehrere schwere Terroranschläge in Indien verübt. AP Mumbai Mirror / Sebastian D'souza
Jemaah Islamiyah: 1993 von Abdullah Sungkar und Abu Bakar Bashir (Bild) in Malaysia gegründet, hat sich die Terrorgruppe zum Ziel gesetzt, in Südostasien ein Kalifat zu errichten. Sie steht der Al Kaida nahe und ist bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. EPA/EPA / Bayu Nur
Abu Sayaf: Die Terrororganisation im Süden der Philippinen soll intensive Kontakte zur Al Kaida haben. Sie ist durch zahlreiche Entführungen und Anschläge in Erscheinung getreten. Abu Sayaf will Christen gewaltsam aus dem Süden der Philippinen vertreiben und dort einen Gottesstaat errichten. AP/AP

Im Statement heisst es etwa, dass Abu Ibrahim übereinstimmend mit der «Tradition (Sunnah) der Noblen Begleiter» ausgewählt wurde. Die «Noblen Begleiter» waren zeitgenössische Begleiter von Muhammad. Was bedeutet das genau?

  • Der historisch erste Kalif nach dem Tod Muhammads im Jahr 632 war Abu Bakr (darum hiess der Terrorfürst ebenfalls so). Er wurde von den «Noblen Begleiter» nach dem Tod Muhammad gewählt.
  • Der zweite Kalif Omar wurde noch zu Lebzeiten Abu Bakrs von ihm auserkoren.
  • Omar löste die Nachfolgerfrage mittels Schaffung eines Komitees, das nach Omars Tod den nächsten Kalif bestimmen sollte. Die Wahl fiel auf Othman.
  • Der vierte Kalif, Ali, kam in einem verschlungenen Prozess an die Macht, bei dem sich Anhänger an seine Seite drängten.

Long story short: Es gab im frühen Islam keine einheitliche Methode um einen Kalifen zu bestimmen. Im Statement vom 31. Oktober 2019 heisst es, dass bei der Nachfolge durch Abu Ibrahim alle vier Methoden zum Einsatz kamen.

Bestimmt hat wahrscheinlich also der Schura-Rat der Terrormiliz – das heisst, das oberste Führungsgremium – «nach Beratung mit ihren Brüdern und im Einvernehmen des Testaments [von Abu Bakr al-Bagdadi],» wie es im Statement heisst. (jaw)

Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Von der Türkei unterstützte syrische Milizionäre auf ihrem Weg nach Tal Abyad, Syrien. AP / Lefteris Pitarakis
EPA / SEDAT SUNA
Türkische Luftangriffe in Syrien haben zahlreiche Menschen getötet und verletzt. EPA / STRINGER
Die syrische Armee macht sich bereit. AP
Türkische Soldaten entladen gepanzerte Fahrzeuge nahe der syrischen grenze in Akcakale, Türkei. EPA / STR
Bombardierte Gebiete in Syrien, aufgenommen von der Türkei aus, nahe Akcakale. AP / Lefteris Pitarakis
Türkische Soldaten auf einem Schützenpanzer in Akcakale. EPA / STR
AP / Lefteris Pitarakis
Gepanzerte Fahrzeuge in der Südost-Türkei, an der Grenze zu Syrien. AP / Lefteris Pitarakis
Einsatzzentrale der türkischen Armee in Ankara. EPA / MURAT CETINMUHURDAR/TURKISH PRES
Syrer fliehen vor der Offensive in Ras al-Ain, Syrien. AP / Baderkhan Ahmad
Die Türkei hat ihren Militäreinsatz im Nordosten Syriens begonnen - gemeinsam mit pro-türkischen Rebellen gegen das Assad-Regime in Damaskus. Das teilte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch mit. Der Einsatz zielt gegen die kurdische YPG-Miliz. AP
Türkische Kampfjets beschossen am Mittwoch die Grenzstadt Ras al-Ain, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und der türkische Sender CNN Türk übereinstimmend berichteten. AP / Lefteris Pitarakis
Er solle die «terroristische Bedrohung» an der türkischen Grenze beseitigen und Frieden schaffen. Zudem solle bei dem gemeinsamen Einsatz mit der Syrischen Nationalarmee (im Bild) eine «Sicherheitszone» geschaffen werden, um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu erleichtern, schrieb Erdogan. EPA / STR
Die sogenannte Syrische Nationalarmee ist der neue Name eines Zusammenschlusses von syrischen Rebellengruppen, die an der Seite der türkischen Streitkräfte kämpfen. Die Schaffung der «Sicherheitszone» war im August mit den USA vereinbart worden. EPA / STR
Die türkische Armee sammelte sich seit Anfang Woche an der türkisch/syrischen Grenze. AP / Lefteris Pitarakis
Die syrischen Kurden hatten eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet. Angesichts der zunehmenden Drohungen der Türkei und ihrer syrischen «Söldner» seien alle aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesen «kritischen historischen Momenten» Widerstand zu leisten. EPA / STRINGER
Am Montag gab das Weisse Haus bekannt, dass die USA der Türkei nicht im Weg stehen werde. EPA / US ARMY/STAFF SGT. ANDREW GOEDL

Trump will den Krieg in Afghanistan verschärfen

Video: watson / Lya Saxer

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