Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Playing cards for the traditional Swiss card game

Ass sticht Trumpf, Näll sticht Ass, Bauer sticht Näll: So packend kann Jassen sein! Bild: KEYSTONE

Der Enthüller

Der Enthüller

Jass-App wird eingestellt – Tausende Über-50-Jährige kehren ihren Smartphones den Rücken

Claudio Gagliardi
Claudio Gagliardi

Zürich (den). Claudia Stadelmann brauchte Jahre, um ihre Mutter von einem Smartphone zu überzeugen. «Ich habe ihr von WhatsApp, Fotoalbum und weiteren praktischen Programmen vorgeschwärmt. Alle Argumente stiessen jedoch auf taube Ohren», so die 27-jährige Physiotherapeutin. «Doch als meine Mutter von einer Kollegin erfuhr, dass es von der beliebten Jass-Sendung «Dsischtigs-Jass» eine App gebe, wollte sie sich nun doch plötzlich ein Smartphone zulegen. Meine Schwester und ich haben ihr dann alle wichtigen Programme eingerichtet und sogar ihre Musik digitalisiert», so Stadelmann. Fotos wurden hin und her geschickt, Termine digital eingetragen und durch die WhatsApp-Familien-Gruppe sei auch die tägliche Kommunikation viel einfacher geworden.

Doch vor ein paar Tagen merkte Stadelmann, dass ihre Mutter nicht mehr via WhatsApp erreichbar war. «Ich habe sie angerufen, da hat sie mir gesagt, sie sei wieder auf ihr altes Nokia umgestiegen.» Als Grund gab die Mutter an, die Jass-App funktioniere nicht mehr und sie sehe darum keinen Grund, sich weiter mit dem Smartphone abzumühen.

Tatsächlich hat der Entwickler der Jass-App, die Firma xxxFunGames, den Betrieb des Programms eingestellt. «Da im Spiel keine In-App-Käufe möglich sind, ist es für uns nicht mehr lukrativ, die App weiterzuführen», heisst es von der Firma. «Wir fokussieren uns nun auf die Entwicklung von lukrativen Spielen. Wir planen deshalb ein ähnliches Game wie Kim Kardashian: Hollywood. Ein Scheissgame, aber es bringt mächtig Kohle

BERLIN, GERMANY - MAY 28:  German Defense Minister Ursula von der Leyen reads from a smartphone upon her arrival at the weekly German government cabinet meeting on May 28, 2014 in Berlin, Germany. High on the morning's agenda were reforms to Germany's state senior care insurance.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Sie schreibt SMS mit dem rechten Zeigfinger und gehört wohl bald zu den «Digital Expats». Bild: Getty Images Europe

Die Generation der «Digital Expats»

Das mittelalterliche Personen ihren Smartphones den Rücken kehren, ist laut Medienforscher Jérôme Kurz kein Einzelfall. «Wenn wir die Nutzungsdaten analysieren, dann stellen wir fest, dass eine überwältigende Mehrheit der Über-50-Jährigen in der Schweiz ihr Smartphone tatsächlich nur zum Jassen gekauft hat. Mails lesen sie nach wie vor an ihrem Computer, sie führen weiterhin eine analoge Papieragenda und ihre Musik hören sie zuhause oder auf ihrem alten MP3-Player, den sie sich 1998 gekauft haben.»

In wissenschaftlichen Kreisen spricht man auch von den «Digital Expats», jener Generation, die sich für eine kurze Zeit mit den neuen digitalen Techniken auseinandergesetzt hat, sich nun aber frustriert von ihnen abwendet. «Sie fühlen sich in dieser schnellen, digitalen Welt überfordert, sind gegenüber jedem Update misstrauisch und leben in permanenter Angst, dass ihre Daten in falsche Hände geraten könnten», so Medienforscher Kurz. «Man erkennt zukünftige «Expats» daran, dass sie ihre Smartphones an ihrem Gürtel tragen, Nachrichten ausschliesslich mit dem rechten Zeigfinger schreiben und Morgens im Zug noch als einzige «20 Minuten» in Zeitungsform lesen. Früher oder später werden sie merken, dass sie dies alles auch ohne Smartphone machen können.»

Für Claudia Stadelmann hat der Smartphone-Verzicht ihrer Mutter auch etwas Gutes. «Neben Jassen hat meine Mutter sehr gerne SMS verschickt. Dies kann sie zwar auch mit ihrem Nokia, aber wenigstens kann sie dort nicht jeden Satz mit 6 ‹lustigen› Emojis ergänzen.»

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
Der Enthüller auf Facebook
Der Enthüller auf Twitter





Das könnte dich auch interessieren:

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Bella Thorne wird mit Nacktfotos erpresst

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Millionen Männer können aufatmen: Masturbation macht (vermutlich) doch nicht blind

Zürich (den). Generationen von (meist männlichen) Teenagern litten jeweils an Angstzuständen, sobald sie sich unter der Gürtellinie unsittlich berührten. Denn bisher ist die Forschung davon ausgegangen, dass Masturbation blind macht und im Extremfall auch einen krummen Rücken verursachen kann. «Diese Studien stammen aus dem Jahr 1745 vom österreichischen Arzt Johann Hölzel. Er kam anhand einer Untersuchung an vier blinden Knaben zum Schluss, dass nur ein ausgeprägtes …

Artikel lesen
Link zum Artikel