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Yonnihof

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Netzhetze

Online-Rassismus ist aktueller denn je. 



Yonnihof Yonni Meyer

Unterschiedlichste News-Plattformen stellen sich in der Letzte ja die Frage, ob sie ihre Kommentarspalten gänzlich schliessen sollen. Und ich bemerkte tatsächlich immer öfter, dass unter spannenden Artikeln die Kommentarfunktion gänzlich fehlt. 

Ich persönlich bin ehrlich gesagt recht hin- und hergerissen, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Gerade bei politischen Diskussionen bin ich besonders zwiegespalten. 

Einerseits bringt das Internet politisch betrachtet einen Vorteil, den man sonst fast nirgends findet: Durchmischung der Debattierenden. Unter einem Artikel auf einem Onlineportal oder unter einem Post auf Facebook können die unterschiedlichsten Leute mit unterschiedlichstem Hintergrund und unterschiedlichsten Ansichten miteinander diskutieren. Alt, jung, rechts, links, Mitte, Akademiker, Nicht-Akademiker, usw. So entstehen in meinen Augen richtige Debatten und es handelt sich nicht nur um ein, zwei Gleichgesinnte, die sich am Stammtisch (oder am Bioladentisch) gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich in ihren Ansichten bestärken, ohne dass sie einmal richtig hinterfragt wurden. Das Internet bietet diese Möglichkeit. 

Auf der anderen Seite ist da halt diese vermaledeite Anonymität auf Onlineforen, die den Menschen zum Teil jeglichen Zensor raubt und sie «im Namen der Meinungsfreiheit» Dinge sagen lässt, für die man sie, würden sie sie öffentlich kundtun, verhaften könnte. 

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Botschafterin für die diesjährige Kampagne der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus erfuhr ich, dass sich rassistische Äusserungen und Hetze stark ins Internet verlagert haben. Kein Wunder: Die Anonymität schützt. Man fragte mich in einem kleinen Interview, ob mich das nicht belaste, was ich selbstverständlich bejahte. Mir läuft es immer wieder kalt den Rücken hinunter, wenn ich lese, welch hetzerische Botschaften, gemischt mit Halbwahrheiten und falschen Statistiken, da verbreitet werden. 

Aber: So sieht man ihn wenigstens, den verfluchten Rassismus. 

So traurig und erschreckend das manchmal auch sein mag, geht man so wenigstens nicht davon aus, das Phänomen entwickle sich zurück, weil es an der Öffentlichkeit weniger sichtbar ist. Die Anonymität lockt die Rassisten ans Tageslicht und zeigt: Rassismus ist noch immer brandaktuell. Er ist jeden Tag klar sichtbar. 

Nun stellt sich die Frage: Was tun? 

Auf meiner eigenen öffentlichen Page auf Facebook handhabe ich es mit hetzerischen Botschaften meist so, dass ich erst einmal nachfrage, ob ich das (im rassistischen Sinne) richtig verstanden hätte. Wenn bejaht wird, wird die Person sofort gesperrt. Das ist jedoch nur das Vorrecht von jemandem, der/die eine Seite betreibt und dort die eigenen Regeln festlegen kann und ich bin da ziemlich strikt. 

Diese Möglichkeit hat aber nicht jede/r. Was macht man, wenn man im Alltag mit Rassismus konfrontiert ist? Von einem anonymen Gegenüber?

Soll man solche Menschen «wegignorieren»? Einfach wüten lassen wie ein «toibelendes» Kind und hoffen, dass es irgendwann aufhört? Oder soll man sich abmühen, es mit Vernunft oder Zurechtweisung versuchen, wie man es immer wieder in den Kommentarspalten sieht? 

Ich bin der festen und tiefen Überzeugung, dass es sich immer lohnt, sich im Zuge von Zivilcourage gegen solche Menschen und ihre Hetze zu stellen. Auch wenn man ausgelacht oder als Gutmensch bezeichnet wird. Nichts tun bringt nie etwas und «Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit», wie Kofi Annan einmal sagte. 

Und was immer hilft, ist Bildung. Zahlen nachlesen. Statistiken anschauen. Nicht alles glauben, was im Internet steht – weder in den Artikeln selber, noch in den zugehörigen Kommentarspalten. Der Hetze mit Fakten zu begegnen ist das wirksamste Mittel. Wissen ist Macht! 

Gäbe es ein Pauschalrezept gegen Onlinerassismus, es wäre wohl bereits implementiert. Alle Onlineforen zu schliessen ist in meinen Augen unsinnig, denn es würde zwar die öffentliche Hetze, die Verletzungen und Beleidigungen abstellen, jedoch den Rassismus als Ganzes nicht. 

Ich glaube eher, dass man bei sich selber anfangen sollte, sich vielleicht sogar selber mal fragen muss: «Gibt es Gruppen, die ich für mir unterlegen halte? Und wenn ja, warum?» Und dann aktiv werden, sich informieren, sich einlesen, sich einsetzen – sich hinstellen und laut und deutlich NEIN sagen.

Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit.

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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