Christoph Blocher
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Portrait of Thomas Matter, Swiss entrepreneur and former CEO of swissfirst Bank Inc., pictured on January 21, 2009 in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Portrait von Thomas Matter, Schweizer Unternehmer und ehemaliger CEO der Swissfirst Bank, aufgenommen am 21. Januar 2009 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Thomas Matter am Firmensitz seiner Neuen Helvetischen Bank im Zürcher Seefeld.  Bild: KEYSTONE

Blocher-Nachrücker

Thomas Matter – der etwas nettere Superreiche

Der Meilemer Banker Thomas Matter rückt für Christoph Blocher in den Nationalrat nach und mit ihm ein Netzwerk von neoliberalen Unternehmern, die die FDP als Vertreterin der Wirtschaft aufgegeben haben. 

09.05.14, 15:47 15.07.14, 16:14

Thomas Matters prägende Kindheitserinnerung ist diejenige an eine schroffe Felswand, an die senkrecht abfallende Sissacher Fluh im Baselbiet. 

Oben gibt es eine schöne Beiz, wo am Wochenende die Ausflügler aus der Stadt die Aussicht geniessen. Unten liegt Sissach, ein schmuckloses Durchgangsdorf mit einem Bahnhof, einem Autobahnkreuz und einem schlechten Eishockey-Club. 

Von dort brach Matter in die USA auf, nachdem er das Gymnasium abgebrochen hatte, absolvierte die Highschool, kehrte zurück, wurde ein Bankgeselle und mit 21 Jahren der jüngste Händler der Schweiz mit Börsenlizenz. Was Matter anpackte, das gelang. Er verdiente viel Geld, gründete eine Familie und dann 1999 mit 28 seine erste Bank.

Der Welle der Empörung wehrlos ausgesetzt

Im Zuge der Swiss-First-Affäre warfen sein Geschäftspartner Ruben Hranov und die Medien Matter Insider-Transaktionen vor. Er habe Insiderwissen über eine bevorstehende Fusion seiner Swiss First Bank mit der Bellevue-Bank ausgenutzt, Pensionskassen um Riesensummen betrogen und deren Verwalter geschmiert. Matter musste all seine Anteile verkaufen, verlor ein Vermögen und seinen guten Ruf. Weil ihm die Beziehungen in die Medien (ausser zur Weltwoche, die er von den Basler Zeitung Medien an den Tessiner Financier Tito Tettamanti transferierte), die Politik und das Establishment fehlten, war er der Welle der Empörung wehrlos ausgesetzt. Erst Jahre später wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt, die rufschädigenden Artikel in den Zeitungen auf den Frontseiten widerrufen und Matter rehabilitiert.  

Dieser hatte seine Lektion gelernt: Wer im Haifisch-Becken der Hochfinanz überleben will, der braucht ein Netzwerk in Politik und Medien, muss nicht nur freundlich sein, sondern auch Freundlichkeit demonstrieren, darf sich vordergründig nicht nur für Geld interessieren, sondern muss die Menschen, die Öffentlichkeit gewinnen. Das tut er seither. 

Portrait von Thomas Matter, CEO der Swissfirst AG, aufgenommen am 1. April 2003 im Hauptsitz der Bank an der Bellariastrasse Zuerich. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) : FILM, Mittelformat]

Thomas Matter in einer Aufnahme von 2003 vor dem Hauptsitz seiner Swiss First Bank an der Zürcher Bellariastrasse.  Bild: KEYSTONE

Ein neues, freundlicheres Leben 

2010 zog «Tommy», wie ihn seine Freunde nennen, mit seiner zweiten Ehefrau Marion und der mittlerweile sechsjährigen Tochter in eine schöne Villa nach Meilen. Der heute 48-Jährige rettete zusammen mit Denner-Erbe Philippe Gaydoul den konkursiten EHC Kloten, investierte in den Privatsender 3+. Er gründete die Neue Helvetische Bank «als Bank für Schweizer Unternehmer» mit, trat in die SVP ein und übernahm bald das Amt des Säckelmeisters der Kantonalpartei. Er trat für die Nationalratswahlen 2011 an, tourte trotz eines geschätzten Vermögens von zwischen 100 und 200 Millionen mit einem alten VW-Bus Jahrgang 74 volksnah durch den Kanton und verpasste den Sitz nur knapp um zwei Plätze. 

Wenn ein Sitz in der grossen Kammer frei wurde, zeigte er sich geduldig. Er gratulierte Gregor Rutz, als dieser für den gefallenen Bruno Zuppiger nachrückte und machte dem Gemüsebauern Ernst Schibli Mut, für den zurückgetretenen Bankenfachmann Hans Kaufmann nachzurücken, obwohl die Partei es lieber gesehen hätte, wenn Schibli zu Gunsten von Matter verzichtet hätte. 

Generationenwechsel eingeläutet

Nun vollzieht sich mit dem Nachrücken Matters auch ein weiterer Schritt im sogenannten Generationenwechsel der SVP. Auf diesen drängten neoliberal-wirtschaftsnahe Kreise schon lange, scheiterten aber immer wieder am Sitzfleisch der alten Garde um Schreiner Toni Bortoluzzi, Sekundarlehrer Hans Fehr, Historiker Christoph Mörgeli und zuletzt auch wieder am Selbstbewusstsein von Gemüsebauer Schibli. Mit Matter zieht nun die «Galionsfigur der neuen Wirtschaftselite», wie ihn der Tages-Anzeiger bezeichnete, endlich auch ins Parlament ein. 

Galionsfigur deshalb, weil er nebst seinen eigenen Ressourcen auch breite Kreise einflussreicher Industrie- und Wirtschaftsführer wie in seinem «Club zum Rennweg» oder der «IG Schweizer Unternehmer gegen wirtschaftsfeindliche Initiativen» aktivieren kann. Diese haben sich von der FDP wegen ihrer schwindenden politischen Macht schon lange losgesagt.

Matter gibt 2006 in Zürich seinen Rücktritt als Geschäftsführer seiner Swiss First Bank bekannt.  Bild: KEYSTONE

Gegen EU, Weissgeld, Widmer-Schlumpf

In der Politik erhoffen sich seine einflussreichen Freunde aus der Wirtschaft viel von Matter, der hinter den VW-Hockey-Philantrophen-Kulissen geblieben ist, was er schon immer war: Ein Händler mit einer neoliberalen Haltung, der die Schweiz als Wirtschaftsstandort sieht, dessen Vorzüge im Dienste der Industrie und der Hochfinanz erhalten wenn nicht sogar ausgebaut werden müssen. 

Er kämpfte gegen die Steuerinitiative der SP, half die Krankenkasseninitiative zu bodigen und spaltete zusammen mit Konrad Hummler die SVP, um die Front gegen die Personenfreizügigkeit zu brechen. Die EU ist Matter ebenso ein Horror wie Eveline Widmer-Schlumpf, die Weissgeldstrategie oder die Finanzmarktaufsicht. 

Darin unterscheidet er sich wenig von Christoph Blocher, seinem Vorgänger im Nationalrat. Und wie dieser kennt Matter die Auf- und Abstiege des Lebens, hat oben und unten gesehen. 

Nicht nur an der Sissacher Fluh.   



Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Normaluser 09.05.2014 20:15
    Highlight 100 oder auch 200 Millionen Franken zu "verdienen", ob das nur mit "nett sein" gelingt?
    6 3 Melden
  • teab 09.05.2014 18:51
    Highlight Ich hoffe, dass Herr Matter sich die Mühe nimmt und nicht nur anwesend ist, wenn er nicht anderswo ein rioesen Geschäft machen kann. Herzliche Gratulation zum nachrutschen.
    0 4 Melden

Die Nebelpetarden des Trios Blocher, Köppel, Somm – und was sie verbergen sollen

Holocaust-Vergleiche, Parlaments-Flegeleien und Verstösse gegen die journalistische Ethik sollen verschleiern, was die neue Rechte wirklich will: Einen Neoliberalismus ohne Wenn und Aber. Das Problem: Die Linke und die politisch Korrekten spielen brav ihren Part.

Christoph Blocher vergleicht die SVP mit den Juden – die Schweiz ist in Aufruhr: Wochenlang empören sich jüdische Verbände und linke Parteien, derweil Historiker des Langen und Breiten die Absurdität dieses Vergleiches beweisen.

Roger Köppel fährt im Nationalrat Bundesrätin Simonetta Sommaruga unflätig an den Karren – auf allen Onlineportalen schnellen Klickzahlen in die Höhe, derweil die Trolls die Kommentarspalten füllen.

Markus Somm empfiehlt den Unternehmen, kritische Journalisten mit …

Artikel lesen