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Facebook: So brutal leiden die Moderatoren, welche den Content überprüfen

FILE - This July 16, 2013, file photo shows a sign at Facebook headquarters in Menlo Park, Calif. Facebook is trying to coax â??news desertsâ? into bloom with the expansion of a tool that provides pe ...
Alles Daumen hoch bei Facebook? Nun, nicht immer, denn es werden Unmengen Fake News und verstörende Inhalte geteilt.Bild: AP

Der «Guardian» hat mit Facebook-Moderatoren gesprochen – ihre Aussagen sind erschreckend

17.09.2019, 20:3017.09.2019, 20:40

Ende Juni hatte Facebook rund 1.6 Milliarden aktive User. Also Personen, die sich täglich ins Soziale Netzwerk einloggen. Diese laden gigantische Mengen an Daten hoch. An einem einzigen Tag werden etwa 350 Millionen Fotos auf die Plattform gestellt. Sie alle müssen einem gewissen Standard entsprechen und dürfen die Facebook-Regeln nicht verletzen.

Um dies zu überprüfen setzt das Unternehmen tausende Personen ein, welche sich durch den Content klicken. Sie müssen entscheiden, ob der Content okay ist, oder ob er gelöscht werden muss. Etwa dann, wenn Gewalt oder Pornographie zu sehen ist.

Nun hat die britische Zeitung The Guardian mit in Berlin ansässigen Moderatoren gesprochen, welche für das Unternehmen jahrelang Facebook-Beiträge überprüft haben. Es hat sich herausgestellt, dass der Job sie bis an ihre Grenzen und darüber hinaustreibt. Die Interviewten sprachen davon, dass einige wegen der Hassreden und Fake News weit ins rechte politische Spektrum gedriftet seien. Andere seien süchtig nach verstörenden Inhalten geworden.

Widerliche Sex-Chats und Fake News

Nebst Fotos und Videos müssen die Moderatoren auch verdächtige private Chats kontrollieren und das kann zuweilen ziemlich an die Nieren gehen. Eine Mitarbeiterin – alle wollten anonym bleiben – erzählt: «90 Prozent drehen sich um Sex. Wir haben reiche weisse Männer aus Europa, aus den USA, die an Kinder auf den Philippinen schreiben ...»

FILE - In this May 1, 2018, file photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg delivers the keynote speech at F8, Facebook's developer conference, in San Jose, Calif. Federal regulators are fining Facebook ...
Mark Zuckerberg hat ein Monster geschaffen, das nur schwer zu kontrollieren ist. Bild: AP

Weil es den Job als solches noch nicht lange gibt, sei das Ganze wie ein Experiment, sagt ein anderer Moderator. Zunächst wurde vom Unternehmen vorgegeben, dass 1000 Beiträge in einer achtstündigen Schicht kontrolliert werden müssen. 30 Sekunden Zeit pro Beitrag.

Für die Mitarbeiter eine kaum auszuhaltende Arbeitslast, wie ein Interviewter zu Protokoll gibt. «Ich denke, es ist eine Verletzung der Menschenrechte. Man kann niemanden bitten, schnell zu arbeiten, gut zu arbeiten und verstörende Inhalte zu sehen. Die Dinge, die wir gesehen haben, sind einfach nicht richtig.»

Mittlerweile ist das Volumen auf die Hälfte reduziert worden. Doch die Belastung bleibt hoch. Der Content setzt den Moderatoren zu:

«All diese Hassreden, mit denen wir jeden Tag zu tun haben, beeinflussen wahrscheinlich unsere politische Sichtweise. So kann ein normaler Mensch, ein liberaler Mensch, vielleicht auch ein progressiver Mensch, konservativer werden, sich mehr mit Themen wie Migration beschäftigen. Viele der Hassreden, die wir täglich erhalten, sind Fake News ... die darauf abzielen, sehr spezielle politische Ansichten zu teilen.»
Ein Moderator.

Trotz der grossen Herausforderung vor welcher die Moderatoren täglich stehen, werden sie schlecht bezahlt. «Eigentlich das Mindesteinkommen», sagen sie. Die psychologische Unterstützung ist offenbar ebenfalls ungenügend. Viele Mitarbeiter wüssten sich nur mit Medikamenten zu helfen.

So reagiert Facebook

Die Probleme seien nicht unlösbar, so die Moderatoren, auch sei ihre Arbeit wichtig, doch es müssten unbedingt mehr Leute eingestellt werden, um die Belastung zu reduzieren.

Facebook selber sagt gegenüber dem Guardian:

Content-Moderatoren leisten wichtige Arbeit, um unsere Community sicher zu halten, und wir nehmen unsere Verantwortung wahr, ihr Wohlbefinden unglaublich ernst zu nehmen. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass sie die Unterstützung bieten, die die Menschen benötigen, einschliesslich Training, psychologischer Unterstützung und Technologie, um ihre Exposition gegenüber verstörenden Inhalten zu begrenzen.

Content-Moderation ist eine neue und herausfordernde Branche, daher lernen wir ständig dazu und sind bestrebt, die Art und Weise, wie sie verwaltet wird, zu verbessern. Wir nehmen alle Berichte, dass unsere hohen Standards nicht eingehalten werden ernst und arbeiten mit unseren Partnern zusammen, um diese Anliegen zu untersuchen
Facebook nimmt Stellung gegenüber dem Guardian.

(cma)

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