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FILE - This July 16, 2013, file photo shows a sign at Facebook headquarters in Menlo Park, Calif. Facebook is trying to coax â??news desertsâ? into bloom with the expansion of a tool that provides people with local news and information, but says it still has a lot to learn. The social media giant said Thursday, Sept. 12, 2019, it is expanding its â??Today Inâ? service to 6,000 cities and towns across the U.S., up from 400 previously. (AP Photo/Ben Margot, File)
Facebook

Alles Daumen hoch bei Facebook? Nun, nicht immer, denn es werden Unmengen Fake News und verstörende Inhalte geteilt. Bild: AP

Der «Guardian» hat mit Facebook-Moderatoren gesprochen – ihre Aussagen sind erschreckend



Ende Juni hatte Facebook rund 1.6 Milliarden aktive User. Also Personen, die sich täglich ins Soziale Netzwerk einloggen. Diese laden gigantische Mengen an Daten hoch. An einem einzigen Tag werden etwa 350 Millionen Fotos auf die Plattform gestellt. Sie alle müssen einem gewissen Standard entsprechen und dürfen die Facebook-Regeln nicht verletzen.

Um dies zu überprüfen setzt das Unternehmen tausende Personen ein, welche sich durch den Content klicken. Sie müssen entscheiden, ob der Content okay ist, oder ob er gelöscht werden muss. Etwa dann, wenn Gewalt oder Pornographie zu sehen ist.

Nun hat die britische Zeitung The Guardian mit in Berlin ansässigen Moderatoren gesprochen, welche für das Unternehmen jahrelang Facebook-Beiträge überprüft haben. Es hat sich herausgestellt, dass der Job sie bis an ihre Grenzen und darüber hinaustreibt. Die Interviewten sprachen davon, dass einige wegen der Hassreden und Fake News weit ins rechte politische Spektrum gedriftet seien. Andere seien süchtig nach verstörenden Inhalten geworden.

Widerliche Sex-Chats und Fake News

Nebst Fotos und Videos müssen die Moderatoren auch verdächtige private Chats kontrollieren und das kann zuweilen ziemlich an die Nieren gehen. Eine Mitarbeiterin – alle wollten anonym bleiben – erzählt: «90 Prozent drehen sich um Sex. Wir haben reiche weisse Männer aus Europa, aus den USA, die an Kinder auf den Philippinen schreiben ...»

FILE - In this May 1, 2018, file photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg delivers the keynote speech at F8, Facebook's developer conference, in San Jose, Calif. Federal regulators are fining Facebook $5 billion for privacy violations and instituting new oversight and restrictions on its business. But they are only holding Zuckerberg personally responsible in a limited fashion. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez, File)
Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg hat ein Monster geschaffen, das nur schwer zu kontrollieren ist. Bild: AP

Weil es den Job als solches noch nicht lange gibt, sei das Ganze wie ein Experiment, sagt ein anderer Moderator. Zunächst wurde vom Unternehmen vorgegeben, dass 1000 Beiträge in einer achtstündigen Schicht kontrolliert werden müssen. 30 Sekunden Zeit pro Beitrag.

Für die Mitarbeiter eine kaum auszuhaltende Arbeitslast, wie ein Interviewter zu Protokoll gibt. «Ich denke, es ist eine Verletzung der Menschenrechte. Man kann niemanden bitten, schnell zu arbeiten, gut zu arbeiten und verstörende Inhalte zu sehen. Die Dinge, die wir gesehen haben, sind einfach nicht richtig.»

Mittlerweile ist das Volumen auf die Hälfte reduziert worden. Doch die Belastung bleibt hoch. Der Content setzt den Moderatoren zu:

«All diese Hassreden, mit denen wir jeden Tag zu tun haben, beeinflussen wahrscheinlich unsere politische Sichtweise. So kann ein normaler Mensch, ein liberaler Mensch, vielleicht auch ein progressiver Mensch, konservativer werden, sich mehr mit Themen wie Migration beschäftigen. Viele der Hassreden, die wir täglich erhalten, sind Fake News ... die darauf abzielen, sehr spezielle politische Ansichten zu teilen.»

Ein Moderator.

Trotz der grossen Herausforderung vor welcher die Moderatoren täglich stehen, werden sie schlecht bezahlt. «Eigentlich das Mindesteinkommen», sagen sie. Die psychologische Unterstützung ist offenbar ebenfalls ungenügend. Viele Mitarbeiter wüssten sich nur mit Medikamenten zu helfen.

So reagiert Facebook

Die Probleme seien nicht unlösbar, so die Moderatoren, auch sei ihre Arbeit wichtig, doch es müssten unbedingt mehr Leute eingestellt werden, um die Belastung zu reduzieren.

Facebook selber sagt gegenüber dem Guardian:

Content-Moderatoren leisten wichtige Arbeit, um unsere Community sicher zu halten, und wir nehmen unsere Verantwortung wahr, ihr Wohlbefinden unglaublich ernst zu nehmen. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass sie die Unterstützung bieten, die die Menschen benötigen, einschliesslich Training, psychologischer Unterstützung und Technologie, um ihre Exposition gegenüber verstörenden Inhalten zu begrenzen.

Content-Moderation ist eine neue und herausfordernde Branche, daher lernen wir ständig dazu und sind bestrebt, die Art und Weise, wie sie verwaltet wird, zu verbessern. Wir nehmen alle Berichte, dass unsere hohen Standards nicht eingehalten werden ernst und arbeiten mit unseren Partnern zusammen, um diese Anliegen zu untersuchen

Facebook nimmt Stellung gegenüber dem Guardian.

(cma)

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49
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49Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thorium 19.09.2019 09:20
    Highlight Highlight Woher wissen wir eigentlich, dass KIs nicht schon längst im Hintergrund im Einsatz sind und durch diese Mitarbeiter lediglich trainiert werden? Ähnlich wie bei Siri. Irgendwie beunruhigend der Gedanke.
  • Kaspar Floigen 18.09.2019 11:23
    Highlight Highlight Die Lösung ist ganz einfach. Jeder Post ohne Bezug zu Katzen oder Hundewelpen wird gelöscht.
    • Thorium 19.09.2019 07:00
      Highlight Highlight Katzenvideos! Die braucht mehr Katzenvideos!
      Benutzer Bild
  • Gianini92 18.09.2019 02:09
    Highlight Highlight Bei 1000 Beiträgen/Schicht wären für 350 Mio. Bildern 350‘000 Angestellte nötig. 🤔
    • chraebu 18.09.2019 06:58
      Highlight Highlight Ein Algorithmus filtert vor
    • Schne 18.09.2019 08:20
      Highlight Highlight Die schauen sich nur diejenigen Inhalte an, welche die User oder der Algorythmus zur Prüfung melden.
    • RalpH_himself 18.09.2019 08:26
      Highlight Highlight Es werden nur beiträge kontrolliert, die von einem algorythmus oder einem benutzer als zu kontrollieren markiert wird. Outsourcing an die community.
  • DomKi 18.09.2019 01:05
    Highlight Highlight Und natürlich gegen "Weiße" schießen... hätte nicht gereicht Menschen aus Europa und den USA. Da werden reiche Arme schwarze weiße gelbe grüne durante sein.
    • Kiro Striked 18.09.2019 08:36
      Highlight Highlight Ja weisst du denn nicht, dass nur weisse Männer aus Europa und den USA schlimm sind? Lebst du unter einem Stein in den letzten Paar Jahren?
      Weisse Männer sind das SCHLIMMSTE was diesem Planeten passieren konnte! Die Third Wave Feminism bewegung hat das schliesslich einschlägig bewiesen.

      Los... hol dir einen Rosenkranz und ab zur selbstgeisselung wenn du weiss und männlich bist!

      Und wehe du schämst dich nicht für deine Hautfarbe!

      Hoffe das war "Ironisch" genug geschrieben.
  • circumspectat animo 17.09.2019 22:29
    Highlight Highlight Facebook macht Millionen aber ist es sich nicht Wert diesen Mitarbeitern welche einen extrem wichtigen Dienst erweisen ein menschenwürdiges Arbeiten zu ermöglichen.
  • Pümpernüssler 17.09.2019 22:05
    Highlight Highlight so geil 🤣
    Benutzer Bild
  • ConcernedCitizen 17.09.2019 21:35
    Highlight Highlight Richtig aufräumen wollen sie dann auch nicht. Wäre doof wenn plötzlich 30% der User gelöscht werden, da sie entweder fake sind oder widerliches Zeugs posten. Der Aktienkurs würde sofort einbrechen.
  • Vic Vega 17.09.2019 21:08
    Highlight Highlight Ich finde es völlig verständlich und gerechtfertigt das diese Arbeit schlecht bezahlt ist, Facebook hat nunmal nicht die finanziellen Mittel um solche eher unwichtigen Arbeiten gerecht zu entlöhnen. Das Geld muss doch echt in rentablere Bereiche investiert werden🙄🙈
    • Ueli der Knecht 17.09.2019 21:29
    • Pakart 17.09.2019 21:51
      Highlight Highlight ...hat nicht die finanziellen Mittel?!
    • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 17.09.2019 23:08
      Highlight Highlight @Pakart: Ironie, kennsch? Wobei es schon fast Zynismus ist...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Klaus07 17.09.2019 20:59
    Highlight Highlight Ich frage mich, warum man den Grossteil der Content nicht mittels KI aussortieren kann und nur die, nicht eindeutig erkennbaren Fälle, durch geschulte Mitarbeiter bearbeitet werden. Zudem müssten die abscheulichsten Einträge wie Kinderpornographie, Gewalt, Todesdrohungen etc. direkt in den jeweiligen Ländern und je nach Rechtslage, direkt an die Staatsanwaltschaft übergeben werden.
    • dirirev 17.09.2019 21:20
      Highlight Highlight Weil die KI wohl noch nicht soweit fortgeschritten ist, um dies zuverlässig zu erkennen, was zur systematischen Zensur von massenhaft legitimen Inhalten führt ohne das Problem wirklich zu lösen. Im Prinzip ist dies ja der in der EU breit diskutierte Uploadfilter.
    • Ueli der Knecht 17.09.2019 21:24
      Highlight Highlight Ich wundere mich, wie naiv man bereit ist, der KI Kontrolle und Einfluss über wichtige Bereiche wie zB. der Meinungsfreiheit zu überlassen.

      Da ist es nur kleiner Schritt, der KI auch Entscheide zu überlassen wie zB. wer angestellt wird, und wer gefeuert, wer regieren, wer Auto fahren, Zug reisen oder fliegen darf, wer überhaupt in unserer gated Community leben darf, und wer besser gehen soll und ausgegrenzt wird... und so weiter....

      Die Staatsanwaltschaften und die Gerichte kann man dann auch gleich mit KI ersetzen, bzw. zumindest mit KI-selektierten Amtsträgern besetzen.
    • Filzstift 17.09.2019 21:36
      Highlight Highlight Klar, Ueli, vergiss aber nicht dass Facebook ein Privatunternehmen ist und solange gesetzliche Vorgaben eingehalten werden, das tun kann wie es möchte. Somit auch KI. Und wenn dadurch zu viel blockiert wird, dann werden einige sicher ärgern, aber eben, es gibt kein Recht, ein Unternehmen dazu zu zwingen, Kommentare veröffentlichen zu müssen (Watson muss das auch nicht).

      Abgesehen davon gibt es viele solche KI bereits (wenn auch primitiver, z.B. mittels Wörter-Blacklist, Bildfilter usw.).
    Weitere Antworten anzeigen
  • Coffeetime 17.09.2019 20:57
    Highlight Highlight Also das wäre ein Feld, bei dem man die AI sicher einsetzen könnte?
    • Ueli der Knecht 17.09.2019 21:16
      Highlight Highlight AI die bestimmt, was gesagt werden darf, und was nicht; eine AI, die zensuriert und den Umfang der Meinungsfreiheit bestimmt?

      Bitte, nein danke!
    • So en Ueli 17.09.2019 21:44
      Highlight Highlight Ich bin auch ein Ueli und ich bin für AI bei der Content Sichtung und Kontrolle
    • Ueli der Knecht 17.09.2019 22:11
      Highlight Highlight Vermutlich wird man von der KI benachteiligt, wenn man Ueli heisst....

      Bei der KI-Sichtung von Bewerbungsunterlagen werden zB. Frauen benachteiligt.
      https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-KI-zur-Bewerbungspruefung-benachteiligte-Frauen-4189356.html
    Weitere Antworten anzeigen
  • c-bra 17.09.2019 20:41
    Highlight Highlight also ich nutze Facebook ja sowieso und überhaupt nicht, deshalb bin ich der Meinung, dass mein Leben mega viel geiler ist als eures.

    Gruss Hansel
    • Alpaka 8 17.09.2019 20:58
      Highlight Highlight You made my day! :-D
    • Nasi 17.09.2019 21:05
      Highlight Highlight 10/10! 😂
    • Brett-vorm-Kopf 17.09.2019 21:20
      Highlight Highlight 12/10! 👍
    Weitere Antworten anzeigen
  • Da Fü 17.09.2019 20:33
    Highlight Highlight Erschreckend. Dennoch wird hier bald irgend ein Hansel kommentieren dass er ja sowieso und überhaubt kein facebook nutzt und sein leben deshalb mega viel geiler ist als meins und deins.
    • Ueli der Knecht 18.09.2019 22:40
      Highlight Highlight Mit deinem profetischen Talent solltest du dich beim Mike Shiva melden. ;)

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