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In this image released by Metro-Goldwyn-Mayer Pictures/Columbia Pictures/EON Productions, Daniel Craig appears in a scene from the James Bond film,

Geheimagent im Netz: Der neue Bond-Film ist bereits «geleakt».
Bild: AP/Metro-Goldwyn-Mayer Pictures/Columbia Pictures/EON Productions

Hollywoods schlimmster Albtraum? Der Kampf gegen die Filmpiraten ist nicht zu gewinnen – doch nun gibts eine überraschende Wendung

Die «Release Group», die unter anderem den neuen Tarantino-Film «The Hateful Eight» frühzeitig veröffentlicht hat, bricht das Schweigen. Und zeigt angeblich ein Herz für die Filmemacher.



Don Quijote kämpfte gegen Windmühlen. Und ähnlich aussichtslos erscheint Hollywoods Online-Fight gegen die Filmpiraten.

Kaum schaffen es die Anwälte der Filmindustrie, eine (illegal) hochgeladene Filmkopie von einem Server zu verbannen, tauchen anderswo im Netz Hunderte neue Kopien auf.

Ein aktuelles abschreckendes Beispiel ist der neue Bond-Film «Spectre». Just zu Weihnachten wurde eine qualitativ hochwertige Kopie über das Filesharing-Protokoll Torrent verbreitet.

Die Quelle des urheberrechtlich geschützten Materials war erneut ein sogenannter DVD-Screener. Jeweils Ende Jahr verschicken die grossen Hollywood-Studios Filmkopien der Oscar-Anwärter per Post, damit sie die Juroren zuhause anschauen können.

Die «Screener Season» 2015 könnte als die bislang verheerendste in die Geschichte der US-Filmindustrie eingehen. Wobei dies nach den jüngsten Entwicklungen nicht mehr so sicher scheint. Dazu gleich mehr, doch zunächst gilt es die Vorgeschichte zu rekapitulieren.

Schaden Filmpiraten dem Erfolg an der Kinokasse?

40 «Releases» angekündigt, aber...

Vor ein paar Tagen kündigten Filmpiraten, die unter dem Szene-Pseudonym Hive-CM8 in Erscheinung treten, an, dass es in den kommenden Wochen sehr viele «Releases» geben werde. Angeblich waren den Unbekannten 40 DVDs in die Hände gefallen.

Mittlerweile haben Hive-CM8 bereits mehr als einen Viertel davon veröffentlicht. Die genaue Zahl ist schwer zu überprüfen, weil die Kopien zunächst in privaten Netzwerken herumgereicht werden, bevor sie über die populären Filesharing-Dienste leaken und ein grosses Publikum erreichen. Verfügbar sind bislang:

Bild

bild: imageshack

Die jüngste überraschende Wendung in dem Katz-und-Maus-Spiel gab es an diesem Mittwoch, dem 30. Dezember. Die Filmpiraten entschuldigen sich – mehr oder weniger öffentlich – bei Tarantino und anderen Betroffenen.  Die frühzeitige Veröffentlichung von «The Hateful Eight» vor der Kino-Premiere sei ein Fehler gewesen.

Dies berichtet das auf Filesharing-Nachrichten spezialisierte Newsportal Torrent Freak, das vor einigen Tagen mit exklusiven Informationen zu den vom FBI gejagten Filmpiraten aufwarten konnte.

Demnach handelt es sich bei Hive-CM8 um einen losen Zusammenschluss einer Handvoll Personen. Diese sollen nicht zum engen, verschworenen Kreis der Filmpiraten-Szene gehören. Das zeige sich auch daran, dass Hive-CM8 die erbeuteten Screener bereitwillig mit der breiten Masse der Internet-Nutzer teile.

Ironie der Geschichte: Die Entschuldigung kommt zeitgleich mit der jüngsten Screener-Veröffentlichung, «The Big Short» mit Christian Bale. Die Unbekannten schreiben laut Torrent Freak, dass sie den Film eine Woche zurückgehalten hätten, um der Herstellerfirma zu ermöglichen, das Produktions-Budget an den Kinokassen einzuspielen.

Bezüglich ihrer Motivation geben sich die Filmpiraten als moderne Robin Hoods, die den armen Internet-Nutzern helfen wollen. Und sie kritisieren, dass die Oscar-Anwärter nicht überall im Kino zu sehen seien:

«So we wanted to share [these] movies with the people who are not rich enough or not able to watch all nominated movies in the cinema. Of course [these files] are not representing the movies how they can be enjoyed in the cinema.»

quelle: torrentfreak.com

Und an die Adresse von Quentin Tarantino gerichtet, heisst es:

We feel sorry for the trouble we caused by releasing that great movie before [it’s release date] had even begun. We never intended to hurt anyone by doing that, we didn’t know it would get that popular that quickly (...)

Blick ins Hallenstadion an der Schweizer Premiere des neuen James-Bond-Films

Bond-Premiere im Hallenstadion: Schaden Online-Kopien dem Erfolg an der Kinokasse?
Bild: KEYSTONE

«The Hateful Eight» sei ein exzellenter, spannender und unterhaltender Western, halten die Filmpiraten fest. Gleichzeitig wiederholen sie die auch durch Studien belegte Behauptung, dass die (illegale) Online-Veröffentlichung der kommerziellen Film-Verwertung nicht schade. Vielmehr profitiere die Industrie von der zusätzlichen Publizität.

Schliesslich kündigen die Filmpiraten an, dass sie keine weiteren der angeblich erbeuteten 40 Screener veröffentlichen werden.

«We won’t do another movie before its [theatrical release], and we definitely won’t go up to 40 as planned, we think we have done enough already.»

Soll das Herunterladen bzw. Anschauen von Filmkopien aus dubiosen Quellen bestraft werden?

«Auf der Strasse gekauft»

Derweil versucht Hollywood mit juristischen Mitteln gegen die Verbreitung vorzugehen. So wurden nach dem Auftauchen der ersten Filmkopien auf populären Filesharing-Plattformen Tausende sogenannte «Takedown Requests» verschickt. Der Suchmaschinen-Betreiber Google, Torrent-Verzeichnisseiten und andere Webseiten-Betreiber wurden aufgefordert, das illegal beschaffte Material, respektive die Online-Verknüpfungen («Links») darauf, umgehend zu entfernen.

Gleichzeitig werden die Verantwortlichen, die hinter den Releases stehen, mit strafrechtlichen Mitteln verfolgt. Die amerikanische Bundespolizei, das FBI, ermittelt auf Hochtouren und hat im aktuellen Fall angeblich den Ursprung der DVD-Screener von Hive-CM8 bis zu einer bestimmten Person zurückverfolgen können. Die besagte Person, ein Branchenvertreter, will aber davon gar nichts mitbekommen haben und behauptet, die DVDs seien nie bei ihr eingetroffen.

US-Rangliste der 2015 am häufigsten heruntergeladenen TV-Serien

Bild

screenshot: torrentfreak.com

Angesichts der nicht enden wollenden Leaks und der grossen Nachfrage dürfte es wenig helfen, dass Hollywood zuletzt im Kampf gegen die Online-Filmpiraterie gewichtige strafrechtliche Erfolge feiern konnte. In Grossbritannien wurden fünf Männer zu insgesamt 17 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Kopien verbreitet haben.

Es soll sich um die Hintermänner mehrerer berüchtigter «Release Groups» handeln, laut Torrent Freak im Alter zwischen 22 und 40 Jahren. Laut dem Verband der amerikanischen Piratenjäger, der Federation Against Copyright Theft (FACT), hätten die Verurteilten im Lauf der letzten Jahre über 2500 illegale Filmkopien im Internet veröffentlicht. Allein auf einer einzelnen Filesharing-Website habe es Millionen von Downloads gegeben.

Wie Torrent Freak weiter berichtet, wurden die Männer nicht dank ausgeklügelter Ermittlungen gefunden. Ihnen wurde vielmehr die eigene Nachlässigkeit zum Verhängnis. So konnten sie dank verräterischer Angaben in Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Filmkopien eruiert werden. Einer der Täter soll die Ermittler auf seine Spur gebracht haben, indem er in einem an sich anonym gehaltenen Schreiben stolz den exotischen Vornamen seiner Tochter erwähnte...

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