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«The Last of Us Part One»: Warum auch alte Fans getrost zugreifen können

«TLOU – Part One» spielt optisch nun in derselben Liga wie «Part Two».
«TLOU – Part One» spielt optisch nun in derselben Liga wie «Part Two».bild: screenshot
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«The Last of Us Part One»: Warum auch alte Fans getrost zugreifen können

21.09.2022, 19:2422.09.2022, 15:41

Natürlich mussten sie es tun.

Nächstes Jahr erscheint auf HBO die Serie «The Last of Us». Millionen Menschen werden die Hauptfiguren Joel und Ellie auf ihrer Reise durch die postapokalyptischen USA begleiten. Einige Zuschauer werden wissen, dass dem TV-Event ein Videospiel aus dem Jahr 2013 als Vorlage dient – einige aber auch nicht. Und diese werden, sobald sie es erfahren, das Spiel spielen wollen.

Diesen Leuten kann man schlecht ein Game aus dem Jahr 2014 servieren. Damals wurde das Spiel «remastered». Also: Man könnte schon. Aber eine aufpolierte, neue Version (zum Vollpreis) bringt natürlich mehr Einnahmen.

Vielleicht auch deshalb peppte Hersteller Naughty Dog das Spiel noch einmal auf, versah es mit dem Titel «The Last of Us – Part One» und verkauft es nun im neuen Kleid für den stolzen Preis von 80 Franken im Playstation Shop (andere Anbieter sind etwas günstiger).

Ist das Geldmacherei? Vermutlich schon. Ist das sympathisch? Darüber lässt sich streiten. Aber darum geht es am Ende nicht. Es geht am Ende nur darum, ob «TLOU Part One» auch im Jahr 2022 ein gutes Game ist. Für Neulinge, aber auch für alte Fans.

Damals eines der besten Spiele des Jahrzehnts

Als die erste Version 2013 erschien, setzte das Spiel in diversen Disziplinen neue Massstäbe. Nie zuvor sah ein Action-Adventure so gut aus, nie zuvor wurden in einem Action-Adventure die Charaktere so feinfühlig und nuanciert porträtiert, mit Widersprüchen und Menschlichkeit versehen. Nie zuvor litt ein Spieler mit den Protagonisten derart mit.

Zu Recht galt «The Last of Us» damals als eines der besten je produzierten Videospiele.

Und heute?

Naughty Dog verkauft die neue Version als «Remake» mit «Tonnen von Änderungen». Wirklich auffallend sind aber nur der neue optische Anstrich, die dramatischere Ausleuchtung, die ein My flüssigere Steuerung und die etwas verbesserte KI.

Sporadisch fällt auf, dass früher unbewegliche Objekte interagieren: Bücherregale beispielsweise entleeren sich wunderschön, wenn eine Granate daneben hochgeht. Solche Wow-Momente sind aber selten. Während meines Durchmarsches (ca. 13 Stunden Spielzeit) sind mir ungefähr fünf davon in Erinnerung geblieben. Mehr nicht. Joels und Ellies Welt ist noch immer frustrierend undynamisch. Auch beim Leveldesign bleibt alles beim Alten. Nicht ein verlassenes Haus, das man in der Neuversion zusätzlich erkunden könnte. Noch immer reichen ein paar lose Bretter und hüfthohe Benzinkanister, um unseren Helden den Weg unüberwindbar zu versperren. Es ist lachhaft. In diesen Bereichen kann das Spiel sein eigentliches Alter nicht überschminken. Zeitgemäss ist das nicht mehr – und muss zurecht kritisiert werden.

Und trotzdem würde ich das Spiel (fast) jedem empfehlen. Sowohl Neulingen als auch alten «TLOU»-Hasen.

Weshalb?

Jeder TLOU-Fan weiss genau, wo wir uns hier befinden
Jeder TLOU-Fan weiss genau, wo wir uns hier befindenbild: screenshot

Weil Naughty Dog die Schwächen hat Schwächen sein lassen. «The Last of Us» war noch nie ein verspieltes Spiel. Es war schon immer linear und starr, phasenweise gar monoton. Davon ist man nicht abgewichen. Wer sich bereits 2013 darüber enervierte, wird es 2022 erst recht tun.

Nein, Naughty Dog hat sich nicht darauf konzentriert, die Schwächen auszubügeln, Naughty Dog hat sich darauf konzentriert, die Stärken dieses Spiels noch deutlicher herauszuschälen. Und die Hauptstärke dieses Games ist und bleibt die dichte Atmosphäre. Dank der verbesserten Grafik und den noch realistischeren Lichteffekten wirkt die beklemmende Grundstimmung in diesem Action-Drama noch einen Schuss intensiver. Die Charaktere von Ellie und Joel entfalten sich dank verbesserter Mimik noch etwas glaubwürdiger, noch etwas realistischer. Die Geschichte wird noch erbarmungsloser eingeimpft. Auch wenn die Möglichkeiten beschränkt sind: Man bewegt sich einfach furchtbar gerne durch diese kaputte Welt. Da ist sie wieder: Diese paradoxe Sehnsucht, ein Teil dieser abgründigen Welt zu sein.

In dieser Hinsicht ist «TLOU – Part One» unerreicht – sofern man empfänglich ist für derlei Einflüsse.

Wie ein schwerer Mantel hängt sich die Atmosphäre um den Spieler: Irgendwie wärmend, aber in gleichem Masse auch einengend und bedrückend. So viel Leid, so viel Tod. Im Gegensatz zu anderen Spielen wirkt die pausenlose Morderei nicht gewaltverherrlichend. Sie ist das allerletzte Mittel zum Zweck: Überleben, koste es, was es wolle.

Mit der optischen Auffrischung spielt die Grafik nun in derselben Liga wie die Musik von Gustavo Santaolalla. Bei den älteren Versionen war diese fast zu gut. Nun stimmt die Balance. Auch in der Part-One-Version wird die akustische Untermalung nur sehr dezent eingesetzt. Es braucht schon jede Menge Chuzpe, so stimmige Musik nur punktuell einzusetzen. Doch genau so entfaltet sie ihre grösste Wirkung.

«TLOU – Part One» schafft es, dem in Sachen Spielintensität bereits herausragenden Vorgänger noch einmal den Rang abzulaufen. Dreimal habe ich damals die 2014er-Version durchgespielt. Ich hätte nicht erwartet, dass mich «Part One» noch einmal derart umhaut. Erneut sass ich am Ende minutenlang fassungslos da, mit offenem Mund, aufgewühlt.

Nichts für Zartbesaitete: «The Last of Us – Part One»
Nichts für Zartbesaitete: «The Last of Us – Part One»bild: screenshot

Wer sich also einer zermürbenden, brutalen, emotionsgeladenen Reise durch eine schrecklich schöne apokalyptische Welt aussetzen will, der kann getrost (erneut) zugreifen. Ob jetzt gleich zum vollen Preis oder später mit Ermässigung – das Spiel hat jetzt schon neun Jahre auf dem Buckel. Die paar Monate spielen auch keine Rolle mehr.

Wer aber Mühe hat, sich derlei Gefühlsmühlen hinzugeben, sich strikten erzählerischen Leitlinien zu unterwerfen, wer möglichst grosse Karten erforschen und dabei unzählige Möglichkeiten ausprobieren will, wird, wie schon 2013 und 2014, enttäuscht werden.

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