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Office 365: Deutsche Informatiker warnen Schulen vor Microsoft

Unterrichtsraum mit Windows-Computern: Office 365 läuft auch auf anderen Plattformen, viele Daten landen in der Cloud.
Unterrichtsraum mit Windows-Computern: Office 365 läuft auch auf anderen Plattformen, viele Daten landen in der Cloud.bild: shutterstock

Darum warnen Informatiker eindringlich vor Office 365 an Schulen

Das populäre Microsoft-Softwarepakt bringt laut deutschen Pädagogen einen Rückschritt in allen Bereichen, ob beim Datenschutz, der Demokratieerziehung oder der digitalen Souveränität.
09.11.2020, 14:2609.11.2020, 14:26

In einem aktuellen Positionspapier beschweren sich deutsche Informatiklehrer über die mögliche Umstellung bei Schulen auf Microsoft 365 in Baden-Württemberg.

Die Gesellschaft für Informatik fürchtet, dass das an die Schweiz angrenzende Bundesland mit dem Office-Paket seine digitale Souveränität im Bildungssystem verliere. Laut den Fachleuten steht noch viel mehr auf dem Spiel, es wäre «ein Rückschritt in allen Bereichen»:

  • Datenschutz
  • Demokratieerziehung im digitalen Bereich
  • Digitale Souveränität
  • Methodik und Didaktik
  • Einheitlichkeit, Offenheit und Kollaboration
«Wir tragen als Lehrende eine grosse Verantwortung, weil unsere Entscheidungen von heute sich für Jahrzehnte und auf eine ganze Generation auswirken.»

Open-Source statt kommerziell, geschlossen

Ihnen liege sehr daran, dass die hervorragende Infrastruktur in Baden-Württembergs Schulen auf einer Open-Source-Basis erhalten bleibe, konstatieren die Informatiklehrer in dem am 2. November veröffentlichen Positionspapier.

Im Mittelpunkt einer digitalen Schule sollte immer ein wirklich auf Lernen ausgerichtetes Lernmanagementsystem stehen, so die Pädagogen. Mit der bereits eingesetzten Open-Source-Plattform Moodle stehe dies zur Verfügung – «inklusive offener Standards und Interoperabilität».

Warnung vor noch stärkerem Lock-in-Effekt

Wie heise.de schreibt, hatte sich zuvor der deutsche Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU) ähnlich geäussert. Dieser mache sich für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik stark und sei «klar gegen die Nutzung von Microsoft Office 365-Werkzeugen» an Schulen.

«Selbst eine speziell entwickelte datensparsamere Version des Büropakets, wie sie nun an Berufsschulen in Kooperation mit dem Landesdatenschutzbeauftragten getestet werden soll, sei ungeeignet: aufgrund von US-Überwachungsgesetzen garantiere auch der Einsatz europäischer Server keinen angemessenen Datenschutz, da die Herausgabepflicht bestehen bleibe.»
quelle: quelle: heise.de

Der schon in der Schulzeit beginnende Lock-in-Effekt impliziere «eine Stärkung des Microsoft-Monopols und einer schon jetzt gefährlichen technologischen Abhängigkeit Europas von einem amerikanischen Unternehmen».

Mit Linux und Open-Source-Software europäischen Ursprungs könne dieser Entwicklung begegnet werden.

Das Wein-Beispiel

Die Informatiklehrer schreiben:

«Man stelle sich vor, eine Schule in einer Weinregion böte in den grossen Pausen Weinverkostung an (‹Weintrinken ist doch gesellschaftlich etabliert und Erwachsene gehen ja auch vernünftig damit um›) – so etwas ist natürlich unvorstellbar. Von Microsoft-Produkten aber sind die meisten Lehrkräfte tatsächlich abhängig oder glauben, dass ihnen ein Umstieg sehr schwer fallen würde.

Jede Lehrkraft sollte sich fragen, ob bei diesem Thema der Bildungsauftrag – oder vor allem die eigene Bequemlichkeit eine Rolle spielen: ‹Ich benutze jetzt schon so lange Word, da will ich mich nicht mehr umgewöhnen›. Und nun sollen Schüler*innen unter unserer Anleitung genau denselben Weg gehen?»

EU-Datenschützer warnte schon im Sommer

Der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDSB) hatte bereits im Sommer vor der Verwendung von Microsoft-Produkten durch EU-Institutionen gewarnt. Er riet, die Verträge umzuwerfen und komplett neu zu verhandeln, da Microsoft ein «intransparenter Controller» sei, der die Kontrolle über die Art der Verarbeitung von Daten an sich gerissen habe.

Quellen

(dsc)

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