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Kundgebung für den von IS-Anhängern in Algerien ermordeten Franzosen.
Kundgebung für den von IS-Anhängern in Algerien ermordeten Franzosen.Bild: AFP
«Winner-Image»

Al-Kaida-Überläufer machen den IS zur Dschihadisten-Supermacht 

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat der Al Kaida zahlreiche Bundesgenossen abgeworben. Damit wächst die Gefahr, dass noch mehr westliche Geiseln genommen und umgebracht werden.
25.09.2014, 06:4225.09.2014, 09:29

Nun auch die Philippinen: Muslimische Extremisten halten auf der fernöstlichen Inselgruppe zwei deutsche Segler fest. In einem Bekennerschreiben fordern sie nicht nur ein Lösegeld in Millionenhöhe, sondern auch ein Ende der deutschen Unterstützung für den Kampf der USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Andernfalls drohen sie mit der Enthauptung ihrer Geiseln.

Neu ist die Gruppe nicht, es handelt sich im Gegenteil um alte Bekannte: Die Terrororganisation Abu Sayyaf kämpft auf den Philippinen seit Jahren für einen Gottesstaat. Wiederholt entführte sie westliche Staatsbürger. 2009 befand sich ein Schweizer IKRK-Mitarbeiter drei Monate in der Gewalt von Abu Sayyaf. Nachdem die Gruppe lange mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbündet war, wechselte sie kürzlich das Lager und bekundete dem IS ihre Loyalität.

Das «Winner-Image» des IS

Die «Fahnenflucht» illustriert einen Trend in der muslimischen Welt. Die «Erfolge» des Islamischen Staats im Irak und in Syrien wirken nicht nur auf Muslime aus dem Westen elektrisierend. Auch in den islamischen Ländern bekennen sich immer mehr Gruppierungen zum IS, seit langem bestehende wie Abu Sayyaf ebenso wie bislang unbekannte, etwa die «Soldaten des Kalifats», die in Algerien einen 55-jährigen Franzosen entführt und laut einem am Mittwoch veröffentlichten Video getötet haben.

Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri hat Verbündete an den IS verloren.
Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri hat Verbündete an den IS verloren.Bild: REUTERS TV/REUTERS

«Verlierer» dieser Entwicklung ist das Terrornetzwerk Al Kaida, das lange die Oberhoheit über den internationalen Dschihad für sich beanspruchte. Nun aber laufen Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri die Bundesgenossen davon, angezogen vom «Winner-Image» des Islamischen Staats. Dieser hiess ursprünglich Al Kaida im Irak und war ein Ableger von Osama bin Ladens Netzwerk, doch unter dem «Kalifen» Abu Bakr al-Baghdadi kam es zum Bruch. Streitpunkt war nicht zuletzt die unsagbare Brutalität des IS, von der sich Al-Kaida-Chef Sawahiri distanziert hat.

Bringen sich Dschihadisten gegenseitig um?

Das US-Magazin «Foreign Policy» beschreibt ausführlich die Abspaltungen und «Überläufer» unter den Dschihadisten in der islamischen Welt, von Tunesien über den Sinai und Somalia bis Fernost. Der Islamische Staat sei «zur zweiten dschihadistischen Supermacht der Welt» geworden, und «möglicherweise zur dominierenden». Selbst von den pakistanischen Taliban, die eng mit Al Kaida verbunden sind, hat sich eine Gruppe unter dem Eindruck des IS-Vormarsches abgespalten, berichtete die «New York Times».

Der «Wettstreit» zwischen Al Kaida und IS um die Vorherrschaft könnte «die globale Dschihadisten-Bewegung ernsthaft schwächen», mutmasst «Foreign Policy». Die verschiedenen Gruppen könnten sich gegenseitig umbringen, statt die gemeinsamen Feinde anzugreifen. Im syrischen Bürgerkrieg ist dieses Szenario bereits Wirklichkeit geworden, dort haben sich der IS und die mit Al Kaida verbündete Al-Nusra-Front Gefechte geliefert.

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Mit den Luftangriffen auf den IS im Irak und in Syrien allerdings wächst die Gefahr, dass sich die Rivalen zusammenraufen. Die verschiedenen Gruppierungen könnten weitere westliche Geiseln nehmen, wie in Algerien und auf den Philippinen bereits geschehen. Der Kampf gegen den Terrorismus wird damit noch schwieriger und unübersichtlicher.

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