Gesellschaft & Politik
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Malaysia's acting Transport Minister Hishammuddin Hussein shows two maps with corridors of the last known possible location of the missing Malaysia Airlines MH370 plane as he addresses reporters at the Kuala Lumpur International Airport March 17, 2014.  REUTERS/Damir Sagolj  (MALAYSIA - Tags: DISASTER TRANSPORT TPX IMAGES OF THE DAY)

Der malaysische Transportminister Hishammuddin Hussein zeigt Karten mit den möglichen Flugrouten. Bild: X90027

Flugzeug spurlos verschwunden

Im Meer versunken? Irgendwo gelandet? Die vielen Rätsel um Flug MH370

Seit neun Tagen ist Flug MH370 der Malaysia Airlines spurlos verschwunden. Seither jagen sich wilde Gerüchte und widersprüchliche Informationen. Versuch einer Einordnung.



Ein Flugzeug verschwindet auf Nimmerwiedersehen – so etwas kommt häufiger vor als man denkt. Doch der Fall der verschollenen Boeing 777 der Malaysia Airlines ist in mancher Hinsicht einzigartig. Noch nie ist ein Jet dieser Grössenordnung mit 239 Personen an Bord verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Viele Fragen bleiben offen.

Was geschah nach dem Start?

Flug MH 370 startete am 8. März um 0.41 Uhr Ortszeit von Kuala Lumpur in Richtung Peking. Um 1.07 Uhr sandte das Aircraft Communications Adressing and Reporting System (ACARS) letztmals ein Signal. Das nächste wäre eine halbe Stunde später fällig gewesen, wurde jedoch nie registriert. Um 1.19 Uhr erfolgte der letzte Funkspruch an die Bodenkontrolle: «Alright, good night.» Die Ermittler gehen davon aus, dass er nicht vom Piloten Zaharie Ahmad Schah, sondern vom Kopiloten Fariq Abdul Hamid abgesetzt wurde.

Um 1.21 Uhr fiel das Transponder-Signal des Jets aus, danach bestand kein direkter Kontakt mehr. Um 1.30 Uhr wurde die Maschine letztmals von einem zivilen und um 2.40 Uhr von einem militärischen Radar erfasst. Da war sie bereits von der Nordost-Route abgewichen und Richtung Westen über der Strasse von Malakka unterwegs. Ein Satellit empfing noch bis 8.11 Uhr so genannte Ping-Signale. Die Ermittler glauben, dass die Boeing noch bis sieben Stunden in der Luft war, nachdem die Kommunikationssysteme deaktiviert worden waren.

Bild

Grafik: Wikimedia/Furfur

Wo könnte das Flugzeug sein?

Aufgrund der Satelliten-Signale schliessen die Ermittler auf zwei riesige mögliche Korridore. Der eine erstreckt sich über Laos und den Süden Chinas bis an die Grenzen von Kasachstan und Turkmenistan. Der andere läuft in südlicher Richtung von Indonesien in den Indischen Ozean hinein, wo es nur kleine Inseln gibt, die zu Australien gehören. 

Warum weiss man nichts genaueres?

Der Satellit registriert nur den Winkel des Ping-Signals, er kann den Ort nicht lokalisieren, von dem es gesendet wurde. «Malaysia Airlines soll ihre 777-Flotte noch nicht auf das neueste Inmarsat-System umgestellt haben, das eine exakte Positionsbestimmung über mehrere Satelliten ermöglicht», schreibt die Aviatik-Website aero.de. Deshalb sind zwei gegensätzliche Routen auf dem gleichen Radius denkbar (siehe Grafik). Man arbeite daran, die Informationen weiter zu verfeinern, heisst es aus Ermittlerkreisen.

Bild

Grafik: Wikimedia/Furfur

Ist das Flugzeug abgestürzt oder gelandet?

Bei einem Flug auf der Südroute ist ein Absturz ins Meer sehr wahrscheinlich. Der Indische Ozean ist dort teilweise mehr als 3000 Meter tief, was eine Ortung erschwert. In nördlicher Richtung könnte das Flugzeug theoretisch irgendwo gelandet sein. Doch in dieser von politischen Spannungen geprägten Region gibt es viele militärische Radaranlagen. 

Zwar könnte man die Maschine so tief steuern, dass sie unter dem Radarschirm «durchrutscht». Doch das bedingt enormes fliegerisches Können, und der Treibstoffverbrauch ist sehr hoch. Experten bezweifeln deshalb, dass die Boeing 777 unentdeckt geblieben wäre. Sie kann mit ihrer Grösse auch nicht auf jedem Rollfeld landen. Trotzdem verfolgen die Ermittler gemäss «Wall Street Journal» die Vermutung, dass das Flugzeug entführt wurde «mit der Absicht, es später für einen anderen Zweck zu verwenden». Zum Beispiel für einen Terroranschlag?

Warum haben die Passagiere nichts unternommen?

Es ist eines der grössten Rätsel um MH370: Warum haben die 227 Passagiere nicht eingegriffen, wenn das Flugzeug noch fast sieben Stunden in der Luft war, nachdem es den Kurs gewechselt hatte? Im Fall von United-Airlines-Flug 93 am 11. September 2001 hatten die Fluggäste die Entführer überwältigt und die Maschine über dem US-Bundesstaat Pennsylvania zum Absturz gebracht.

Eine Möglichkeit wäre, dass die Passagiere und die Kabinencrew nicht bemerkten, dass etwas schief ging, schreibt der «Guardian». Sie könnten auch bedroht oder bewusstlos geworden sein, etwa durch Sauerstoffmangel. Der «Guardian» hält es für möglich, dass die 777 stundenlang im Autopiloten unterwegs war. Doch das bleibt hoch spekulativ.

Wer ist verantwortlich für das Verschwinden?

Die Ermittler glauben, dass die Kommunikationssysteme «mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich» abgestellt wurden. Deswegen wird offiziell wegen Sabotage, Entführung und Terrorismus ermittelt. Es gibt jedoch weder ein glaubwürdiges Bekennerschreiben noch ein mögliches Motiv.

Der oder die Täter müssen sich mit der Technologie an Bord eines Flugzeugs ausgekannt haben, deshalb werden Crew und Passagiere entsprechend überprüft. Unter den Fluggästen war ein 29-jähriger Luftfahrtsingenieur, der für die Execujet Aviation Group mit Hauptsitz Zürich gearbeitet hat. Falls jedoch einer oder mehrere Passagiere versucht hätten, das Flugzeug zu kapern, hätte die Cockpit-Crew vermutlich einen Notruf abgesetzt.

Tribut für Zaharie Ahmad Shah. Video: YouTube/FarinaRacer

Deshalb konzentrieren sich die Ermittlungen auf die beiden Piloten. Der 52-jährige Kapitän Zaharie Ahmad Shah besass einen Flugsimulator, der von seiner Flugleidenschaft zeugte. Er war Anhänger des malaysischen Oppositionsführers Anwar Ibrahim, der am Vortag des Flugs MH370 in einem höchst umstrittenen Verfahren wegen des Vorwurfs der Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Berichte, der Pilot sei deswegen ausser sich gewesen, wurden jedoch von einem Parteifreund zurückgewiesen.

Fariq Abdul Hamid, Copilot der Malaysia Airline

Kopilot Fariq Abdul Hamid nahm unerlaubt Frauen ins Cockpit.  Bild: Channel Nine

Der 27-jährige Kopilot Fariq Abdul Hamid ist der Sohn eines einflussreichen Beamten. Er wird als «folgsam und fromm» beschrieben, allerdings nahm er es mit den Vorschriften nicht immer so genau. Einmal lud er zwei Frauen unerlaubt ins Cockpit ein. Hamid soll den letzten Funkspruch abgesetzt haben. 

Doch für ihn wie für Schah gilt: Ein überzeugendes Motiv ist nicht erkennbar. Auch ein gemeinsames Vorgehen bei der Kaperung der Maschine ist unwahrscheinlich. Laut Malaysia Airlines haben sie nicht verlangt, zusammen auf Flug 370 eingeteilt zu werden.

Suche könnte Jahre dauern

Das Schicksal von MH370 ist eines der grossen Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Weitere Fragen stellen sich, etwa warum die Handys der Passagiere nicht geortet werden können, obwohl einzelne noch Tage nach dem Verschwinden ein Freizeichen sendeten? Sogar über eine «Cyber-Entführung» wird spekuliert. Die technischen Möglichkeiten sollen vorhanden sein. Aber lässt sich ein Grossraumflugzeug sieben Stunden mit «Fernsteuerung» in der Luft halten, ohne dass jemand an Bord eingreifen kann? 

Fragen über Fragen, die Antworten aber fehlen. Und vielleicht wird es sie nie geben, falls die 777 tatsächlich in den Tiefen des Indischen Ozeans versunken ist. Aviatik-Experten gehen davon aus, dass es Jahre dauern könnte, bis man das Flugzeug findet – wenn überhaupt.

Alle Hintergründe, neueste Details zur Suche und den offenen Fragen gibt es hier >>

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Trendynails 18.03.2014 12:23
    Highlight Highlight Langoliers, verschollen im zeitloch.
  • Kevin Kosch 17.03.2014 21:19
    Highlight Highlight es könnte änlich sein wie bei heliosarlins
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.03.2014 18:39
    Highlight Highlight Hat nicht vor ein paar Tagen ein Experte gegenuber Watson gesagt, dass Satellitenkommunikation hunderte millionen Dollar kosten wuerde? Und jetzt ploetzlich ist das ja schon im Flieger drin....
  • gazi 17.03.2014 17:54
    Highlight Highlight lächerlich
    • mauchmark 17.03.2014 18:25
      Highlight Highlight Eine Antwort die noch mehr Fragen offen lässt, als das Schicksal von Flug MH370...

Millionen-Gewinn im Flüchtlings-Business: Asylfirma ORS legt erstmals Zahlen offen

Jahrelang hat sich die Flüchtlingsbetreuungsfirma ORS gegen Transparenz gewehrt. Jetzt gibt sie erstmals Geschäftszahlen preis.

Wie viel Geld die ORS Service AG verdient, beschäftigt seit Jahren Medien, das Parlament, den Bundesrat: Die Firma betreibt primär für die öffentliche Hand über 100 Asylunterkünfte mit fast 90'000 Schlafplätzen. Obwohl das Geld zu grossen Teilen vom Staat stammt, veröffentlichte ORS nie Gewinnzahlen. Die Firma gehört einer Beteiligungsgesellschaft in London. Die Schlagzeilen waren entsprechend: Von «verstecktem Profit auf dem Buckel von Flüchtlingen» oder «Profiteuren des Elends» war die Rede.

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