Wenn die Italiener Knox wollen, wird es eng für die Amerikanerin
Amanda Knox hat viele Anhänger in den USA, die felsenfest von ihrer Unschuld und der Unfähigkeit des italienischen Rechtssystems überzeugt sind. Daran ändert auch der erneute Schuldspruch in Florenz nichts.
Doch rechtlich gesehen wird ihr das wenig nützen: «So beliebt und attraktiv sie sein mag, sollte das Urteil bestätigt werden, wird sie ausgeliefert», prophezeit Alan Dershowitz, Rechtsprofessor an der Universität Harvard, gegenüber AFP.
Mittel, eine Auslieferung abzulehnen, gibt es eigentlich keine. «Ich bin kein Fan des italienischen Rechtssystems, aber es ist ein legitimes Rechtssystem und wir haben ein Auslieferungsabkommen mit Italien», so Dershowitz.
Eine Weigerung dürfte zudem Folgen auf andere Verfahren haben, denn kein Land beantragt so viele Auslieferungen wie die USA. «Wie sieht das aus, wenn wir Snowden zurückhaben möchten, aber eine verurteilte Mörderin nicht ausliefern?», fragte Dershowitz.
Viele Knox-Anhänger wenden ein, die 26-Jährige sei in Italien zweimal für dasselbe Verbrechen angeklagt worden. Dies stehe im Widerspruch zum US-Rechtssystem, wo «double jeopardy» ausgeschlossen sei. Folglich dürfe sie auch nicht ausgeliefert werden. Rechtsexperten äussern Zweifel an diesem Argument, da Knox' Freispruch nicht rechtskräftig war und somit «double jeopardy» nicht gegeben sei.
Amanda Knox im Interview mit ABC
Im Fall einer Weigerung könnte Italien auch Interpol einschalten und einen internationalen Haftbefehl gegen Knox ausstellen lassen. Dann wäre sie einzig in ihrer Heimat sicher. In einem anderen Land müsste sie mit einer Verhaftung rechnen.
Ungesühnter Seilbahnunfall von Cavalese
Christopher Jenks, ehemals Rechtsberater des US-Aussenministeriums, erinnert an die Fälle, in denen Amerikaner nicht an Italien ausgeliefert wurden: Der Kampfjetpilot, der 1998 in den italienischen Alpen das Tragseil einer Luftseilbahn durchschnitt und so 20 Menschen in den Tod schickte. Und die 26 CIA-Agenten und US-Regierungsvertreter, die für die Entführung eines ägyptischen Hasspredigers aus Mailand schuldig gesprochen wurden. «Ich könnte mir vorstellen, dass die Italiener langsam genug haben», sagte Jenkins gegenüber AP.
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