Hongkong
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Regenschirme als Symbol der Hongkong-Demonstrationen.  Bild: DAMIR SAGOLJ/REUTERS

Protest-Kunst in Hongkong

Mit Regenschirm-Origami gegen die Macht des Staates

28.10.14, 12:33 28.10.14, 13:40

Skulpturen, Collagen, Origami: Inmitten der Proteste in Hongkong ist eine riesige Freiluft-Galerie entstanden – leidenschaftliches Zeugnis der Revolte. Doch nun fürchten die Demokratie-Aktivisten die Zerstörung der Ausstellung bei einem möglichen Polizeieinsatz.

Damit Werke wie der Umbrella Man der Nachwelt erhalten bleiben, sind auf dem Protestgelände der südchinesischen Sonderverwaltungszone ständig Kunsthüter im Einsatz, um im Notfall Alarm zu schlagen.

Die Proteste der Anhänger der Demokratiebewegung lähmen seit einem Monat das Leben in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole. Die Demonstranten fordern freie Wahlen. Die Regierung in Peking will den Bürgern Hongkongs 2017 zwar erlauben, erstmals den Verwaltungschef der Stadt zu wählen, doch will sie vorab ihr genehme Kandidaten auswählen.

Kunst, die während Demonstrationen entstanden ist

Im Zuge der Proteste kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Die Aktivisten besetzten unter anderem etwa einen Kilometer langen Autobahnabschnitt gegenüber dem Regierungssitz.

Mittelpunkt der dort entstandenen Open-Air-Ausstellung ist die vier Meter hohe Holzskulptur Umbrella Man mit Regenschirm – Symbol der Protestbewegung in der ehemaligen britischen Kronkolonie: Denn mit Schirmen schützten sich die Demonstranten gegen Regen und tropische Hitze, Polizeischlagstöcke und Pfefferspray.

Der Umbrella Man ist mittlerweile berühmt. Bild: AFP

Zwischen bunten Zelten und Lebensmittelvorräten wird gezeichnet, geschnitten, geklebt, gebastelt und gemalt. Praktisch jede Wand, jeder Mittelstreifen und jede Säule wurde zur Ausstellungsfläche, überall sind Origami-Schirmchen zu sehen, von zwei Brücken flattern Transparente.

Rettungsteams für Kunstwerke

Anders als die etablierte Kunstszene Hongkongs, deren Werke oft Rekordsummen erzielen, sind diese politisch motivierten Werke frei zugänglich: «Jeder kann es sehen, jeder kann hingehen, jeder kann daran teilnehmen», sagt Meaghan McGurgan, Gründerin der Umbrella Movement Art Preservation Group (UMAP).

Doch die improvisierte Galerie ist bedroht: Erst neulich wurden in einem anderen Protestlager im Stadtteil Mong Kok bei Zusammenstössen mit der Polizei die meisten Werke zerstört.

Sollte die Polizei nun das Hauptlager stürmen, so wollen freiwillige Kunstwächter Alarm schlagen: «Ihr Job ist es, mich anzurufen, dann kann ich Rettungsteams mobilisieren», sagt McGurgan. Zahlreiche Künstler gaben bereits grünes Licht für die Entfernung ihrer Werke im Notfall.

Doch wohin damit? «Wir haben die Museen angerufen», sagt McGurgan. «Entweder meldeten sie sich nicht zurück oder sie lehnten ab, weil die Kunst politisch sei. Ich fand das echt traurig.» Ein Dutzend Galerien wollen die Werke nun bis auf Weiteres lagern, zum schnellen Abtransport im Falle eines Polizeieinsatzes stehen Lastwagen zur Verfügung.

Wiederaufbau vorgespurt

Beim «Umbrella Man» dürfte das relativ einfach sein, komplizierter wäre die Rettung der «Lennon Wall», einer Wand mit tausenden rosafarbenen und gelben Zettelchen voller Botschaften von Unterstützern und Kritikern. «Wir haben Fotos mit hoher Auflösung gemacht und sie in Sektionen gerastert», erklärt McGurgan.

«Wenn nötig, können wir es später wieder wie ein Puzzle zusammensetzen.» Sollte es für eine Rettungsaktion zu gefährlich werden, so wollten die UMAP-Helfer zumindest «die Zerstörung des Schönen» dokumentieren. Anhand von Filmen und Fotos könnten Werke eventuell reproduziert werden.

Eine andere Gruppe, die Umbrella Movement Visual Archive and Research Collective, dokumentiert die Veränderung des öffentlichen Raumes während der wochenlangen Proteste, etwa dessen Umfunktionierung zum Wohnen oder manipulierte Strassenschilder: «Hier haben wir praktisch alle Formen sozialen Lebens in anderer Form», sagte Sprecher Sampson Wong.

Dass die Protestkunst für künftige Generationen bewahrt werden muss, steht für den Künstler Kacey Wong ausser Zweifel. Hongkongs Zukunft sehe derzeit düster aus. Sollte es so bleiben, könnten Kinder in 25 Jahren wenigstens zurückschauen «auf eine Welt, die hochzivilisiert war und voller Hoffnung.» (feb/sda/afp)



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