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JD Vance, der ultimative Heuchler

Vice President JD Vance speaks during a Turning Point USA event at Akins Ford Arena at the Classic Center in Athens, Ga., Tuesday, April 14, 2026. (Chip Somodevilla/Pool via AP)
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Analyse

JD Vance, der ultimative Heuchler

Sein grenzenloser Opportunismus wird dem US-Vize zum Verhängnis.
17.04.2026, 17:3517.04.2026, 17:35

Im Vorfeld der Wahlen von 2024 lobte JD Vance Donald Trump in einem Gastkommentar im «Wall Street Journal» über den Klee. Bei ihm könne man sicher sein, dass er keine ewig dauernden Kriege anzetteln werde, so der Vize. Jetzt muss er genau aus einem solchen Krieg einen Ausweg finden. Der tiefgläubige Katholik Vance muss auch seinen Boss in dessen idiotischen Zwist mit dem Papst rechtfertigen. Da vergisst man beinahe, dass er einst Trump als kulturelles Heroin und Amerikas Hitler bezeichnete, bevor er dessen Speichellecker wurde.

Vom Hillbilly ins Weisse Haus

Anders als Trump ist Vance nicht mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend als Hillbilly, so nennt man die Mitglieder der verarmten Arbeiterklasse im Rostgürtel des Mittleren Westens. Seinen Aufstieg ins Establishment hat er in seinem viel gelobten Bestseller «Hillbilly's Elegy» geschildert.

Im kommenden Juni wird ein weiteres Buch von Vance erscheinen. Es trägt den Titel «Communion: Finding My Way Back to Faith» und erzählt, wie Vance 2019 zum katholischen Glauben gefunden hat. «Ich bin ein Christ, und weil ich ein Christ bin, bin ich auch überzeugt, dass seine Lehren wahr sind», erklärt Vance bereits im Vorfeld. «Ich habe nicht immer so gedacht, und ich will mit meiner Reise anderen helfen – Katholiken, Protestanten und anderen –, die eine Aussöhnung mit Gott suchen.»

Trump verlässt sich bekanntlich nur auf seinen Bauch und scheut Bücher wie der Teufel das Weihwasser. Nicht so Vance. Er gilt als der Intellektuelle im Weissen Haus, der belesen ist und dessen Sätze der Grammatik der englischen Sprache folgen. Er sieht sich denn auch als eine Art Vordenker der postliberalen Rechten, der die Republikaner dereinst anführen wird.

Beeinflusst wurde er dabei von Patrick Deneen, einem Professor an der Notre Dame University. Dieser ist der Autor von «Why Liberalism Failed», einem für die Ethnonationalisten sehr einflussreichen Buch. Darin verbindet er «einen harten sozialen Konservatismus und Republikanismus mit einem schrillen Antiliberalismus und Antielitismus», wie Laura Field in ihrem Buch «Furious Minds» ausführt.

Erika Kirk greets Vice President JD Vance during Turning Point USA's AmericaFest 2025, Sunday, Dec. 21, 2025, in Phoenix. (AP Photo/Jon Cherry)
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Setzt auf JD Vance: Erika Kirk.Bild: keystone

Vance hat nicht nur zu Gott und zum christlichen Nationalismus gefunden. Er will auch Trump im Weissen Haus beerben. Als Vize-Präsident ist er dazu in einer sehr guten Ausgangslage. An Ehrgeiz mangelt es ihm nicht, und er setzt sich denn auch regelmässig in Szene: Ob Marsch fürs Leben oder Münchner Sicherheitskonferenz, ob im Showdown mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office oder im Eis von Grönland, der Vize ist dabei. «Mr. Vance ist überall zu jeder Zeit – er benützt jede Gelegenheit, um die Amerikaner wissen zu lassen, wie zentral er für die Trump-Regierung ist», so die konservative Kolumnistin Kimberley Strassel im «Wall Street Journal».

Der Vize hat auch prominente Unterstützer, so etwa Erika Kirk, die Witwe des ermordeten Charlie Kirk, des Gründers von Turning Point, einer konservativen Bewegung, die grossen Anklang bei Jugendlichen findet oder zumindest gefunden hat.

Der übertriebene Ehrgeiz des Vize kommt jedoch nicht überall gut an. So nörgelt die MAGA-nahe Kolumnistin Strassel: «Seine Masche ist nie ganz Trump. Sie ist sehr typisch für Vance.» Auch der Präsident will eines mit Sicherheit nicht: einen gesalbten Nachfolger. Wie alle Diktatoren weiss auch Trump, dass dies seine Macht augenblicklich absacken liesse. Deshalb spielt er Vance regelmässig gegen seinen Aussenminister Marco Rubio aus. Dieser hofft ebenfalls, dereinst im Oval Office Platz zu nehmen.

U.S. Vice President JD Vance and Hungarian Prime Minister Viktor Orban, left, wave to the audience during a Day of Friendship event in Budapest, Hungary Tuesday, April 7, 2026. (Jonathan Ernst/Pool Ph ...
Peinlich: Der Auftritt von JD Vance mit Viktor Orban.Bild: keystone

Mehr noch: Trump erniedrigt seinen Vize geradezu. So hat er ihn nach Budapest geschickt, um Viktor Orban bei seinem Wahlkampf zu unterstützen, im Wissen, dass der ungarische Premierminister sehr schlechte Karten hatte. Der Auftritt des Vizes wurde denn auch zu einem Desaster, das an Peinlichkeit kaum zu überbieten war.

Auch als Chefverhandler mit den Iranern kann Vance nur verlieren. So spottete Trump im Vorfeld: «Sollten die Verhandlungen scheitern, werde ich Vance die Schuld geben. Sollten sie erfolgreich sein, werde ich sie als meine Leistung verkaufen.»

Gleichzeitig muss Vance geradezu eine mission impossible bewältigen; er muss zwischen Trump und Leo XIV. vermitteln. Dabei stellt er sich noch äusserst ungeschickt an. In einem Anflug von Hochmut will er, der gerade mal vor sieben Jahren zum Katholizismus konvertiert ist, dem Papst Nachhilfestunden in Theologie erteilen, und das erst noch in Sachen gerechter Krieg, einem Thema, in dem Leo XIV. mehr vergessen hat, als Vance je wissen wird.

JD Vance Meme

An einer Konferenz von Turning Point führte Vance selbstherrlich aus: «So wie es für mich als Vizepräsident der Vereinigten Staaten wichtig ist, meine Worte in Sachen Politik sorgfältig zu wählen, so denke ich, dass es für den Papst sehr wichtig ist, wenn er sich zu theologischen Fragen äussert. (…) Das ist sicherlich etwas, das ich von Priestern erwarte, seien sie katholisch oder protestantisch.»

Das war selbst für die spärlich anwesenden Teilnehmer der konservativen Konferenz zu viel. Vance wurde gnadenlos ausgebuht und mit Zwischenrufen eingedeckt.

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quelle: keystone / julia demaree nikhinson
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