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Warum Xi das Militär säubert

epa11786926 Chinese President Xi Jinping, general secretary of the Communist Party of China Central Committee and chairman of the Central Military Commission, reviews troops of the Chinese People&#039 ...
Bild: keystone
Analyse

Warum Xi das Militär säubert

Der chinesische Präsident hat fast die gesamte Spitze seiner Armee eliminiert.
30.01.2026, 20:0530.01.2026, 20:05

General Zhang Youxia schien eigentlich unantastbar. Er ist, oder war, nicht nur ein langjähriger Freund von Präsident Xi Jinping. Die Väter der beiden waren Mitstreiter in Maos Kampf gegen die Nationalisten von Chiang Kai-shek. Xi machte Karriere in der Politik, Zhang in der Armee. Als einer der wenigen Generäle mit Kriegserfahrung – Zhang war 1979 im kurzen Krieg gegen Vietnam an der Front aktiv – war er respektiert und beliebt. «Er hatte eine Aura von Kompetenz um sich», erklärt denn auch Drew Thompson, ein ehemaliger hoher Mitarbeiter im Pentagon, gegenüber dem «Economist». «Die anderen Generäle der chinesischen Volksarmee (PLA) und ihre Stabsoffiziere sahen dies und respektierten ihn. Wenn er einen Raum betrat, standen sie schneller auf.»

FILE - Gen. Zhang Youxia, vice chairman of China's Central Military Commission attends the opening session of the National People's Congress (NPC) at the Great Hall of the People in Beijing, ...
Gefeuert: General Zhang YouxiaBild: keystone

Auch politisch gab es zumindest keine ersichtlichen Differenzen zwischen dem General und dem Präsidenten. Auch Zhang war ein Hardliner, der nicht nur seinerzeit das Massaker auf dem Tianamen Platz rechtfertigte, sondern auch die Wiedereingliederung von Taiwan ins chinesische Reich befürwortete.

Trotzdem hat Xi ihn zusammen mit Liu Zhenli, seinem wichtigsten Partner in der Central Military Commission (CMC), dem Führungsgremium der Armee, nun nicht nur entlassen, sondern auch der Korruption beschuldigt. Die beiden Generäle hätten der «politischen Ökologie immensen Schaden zugefügt», heisst es in einem offiziellen Communiqué.

Die Entlassung von Zhang und Liu ist der Höhepunkt einer Säuberungswelle, welche die chinesische Volksarmee erfasst hat. Bereits zuvor waren mehrere hohe Militärs entlassen worden. «Seit 1971 hat es keine vergleichbare Säuberung an der Spitze der chinesischen Streitkräfte gegeben», stellt der «Economist» fest. Dennis Wilder, ein ehemaliger CIA-Analyst und China-Kenner, fügt hinzu: «Es handelt sich um das erstaunlichste Ereignis seit den ersten Tagen von Xis Machtübernahme.»

Über die Gründe der Säuberung gibt es verschiedene Spekulationen. Eine davon lautet: Xi will die Unterwerfung von Taiwan beschleunigen. Zhang war ihm zu vorsichtig und die chinesische Volksarmee zu wenig effizient. Gemäss Angaben der amerikanischen Geheimdienste will der chinesische Präsident die abtrünnige Insel bis spätestens 2027 ins Reich zurückholen.

Gegen diese These spricht allerdings die Tatsache, dass mit der Entlassung ein Feldzug gegen Taiwan verzögert wird. «Die wiederholten Umbesetzungen und Massensäuberungen der Spitze der Volksarmee in den letzten zwei, drei Jahren haben das Risiko vermindert, dass die Kommunistische Partei Chinas einen grösseren Krieg vom Zaun bricht», erklärt Kou Chien-wen, Politologe an der National Chenghi University in Taipei, gegenüber der «New York Times».

epa12206543 An undated photo released by Xinhua on 30 June 2025 shows the formation with aircraft carrier Shandong (R) conducting replenishment-at-sea at an undisclosed location at sea. China's n ...
Chinesischer Flugzeugträger.Bild: keystone

Unbestritten ist, dass Xi seine Volksarmee kräftig aufrüstet. Bis 2035 will er drei neue Flugzeugträger bauen lassen und die Gesamtzahl auf neun erhöhen. Zum Vergleich, die Amerikaner verfügen über elf Flugzeugträger, drei von ihnen sollen im gleichen Zeitraum durch neue ersetzt werden. Konkret bedeutet dies, dass die Anzahl der chinesischen Flugzeugträger im Pazifik diejenige der Amerikaner übertreffen wird.

Die chinesischen Schiffe werden auch technologisch auf dem höchsten Stand der Entwicklung sein. Zudem rüsten die Chinesen auch Sachen nuklearer Waffen kräftig auf. Bis 2030 werden sie über 1000 Atomsprengköpfe verfügen.

Armee und Partei seien in China traditionell Konkurrenten, die sich gegenseitig misstrauisch beäugen würden, lautet eine weitere Spekulation, und Zhang sei Xi zu mächtig und zu unabhängig geworden. Der General gilt als «harter Knochen», so Wilder, der Xi zwar respektierte, aber nicht vor ihm gekuscht habe. Zudem werde der Präsident mit dem Alter immer paranoider. «Es scheint klar zu sein, dass Xi zudem ob Zhangs zunehmender Macht besorgt war», schreibt Wilder in einem Gastkommentar in der «Financial Times».

Was bedeutet die Säuberung der Volksarmee für den Rest der Welt? Die gute Nachricht lautet: Ein Angriff auf Taiwan dürfte damit verschoben sein. Es wird eine Weile dauern, bis die Lücke gefüllt ist, welche die geschassten Generäle hinterlassen. Die schlechte hingegen lautet: Sollte es gelingen, die Volksarmee effizienter zu machen, wird ein solcher Angriff langfristig wahrscheinlicher.

Xi Jinping wird immer mächtiger

Besorgnis erregend ist auch die Tatsachen, dass die Machtfülle des Präsidenten nochmals grösser geworden ist. «Xi Jinping wird zunehmend eine isolierte Figur, er wird zu einem Kaiser, der im Inneren seines Palastes gefangen ist», stellt Lou Chien-wen fest.

Wie gefährlich ein paranoider und isolierter Herrscher sein kann, das beweist Wladimir Putin mit seinem Krieg gegen die Ukraine. Auch Donald Trump ist auf bestem Weg, zu einem «verrückten König» zu werden. So gesehen ist die Säuberung der chinesischen Volksarmee kein gutes Zeichen für die Welt.

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China feiert Militärparade mit Putin und Kim Jong-un
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China feiert Militärparade mit Putin und Kim Jong-un

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat die grosse Parade zum Ende der japanischen Besatzung vor 80 Jahren eröffnet.

quelle: keystone / mahesh kumar
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Video zeigt eindrücklich das Säbelrasseln zwischen China und Taiwan
Video: watson
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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Haarspalter
30.01.2026 21:13registriert Oktober 2020
Keiner der amtierenden Autokraten hat die seltene innere Stärke, nicht paranoid zu werden, oder die Grösse, zurückzutreten.

In aller Regel sind diese Männer ab einem bestimmten Punkt körperlich, intellektuell und psychisch überfordert, mit so viel Macht und Verantwortung umzugehen, zumal die Welt ja immer komplexer, und nicht einfacher, wird.

Der eigene „Schutzmechanismus“ besteht dann darin, seine vereinfachten Vorstellungen als Dogma anzunehmen, und jede andere Meinung zu negieren bzw. zu unterdrücken.

Schlussendlich ein Zeichen der Schwäche.
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deedee
30.01.2026 21:31registriert März 2015
Tauscht man Kompetenz gegen Loyalität, gewinnt man Gehorsam – und verliert im Ernstfall die Realität.
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wurzeli
30.01.2026 20:30registriert April 2020
"paranoid" - Offenbar geht Xi den Weg vieler Autokraten: An der Spitze wird die Luft immer dünner, der Freunde immer weniger und das Misstrauen immer grösser. Und Xi wird immer älter.
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Warum Xi das Militär säubert
Der chinesische Präsident hat fast die gesamte Spitze seiner Armee eliminiert.
General Zhang Youxia schien eigentlich unantastbar. Er ist, oder war, nicht nur ein langjähriger Freund von Präsident Xi Jinping. Die Väter der beiden waren Mitstreiter in Maos Kampf gegen die Nationalisten von Chiang Kai-shek. Xi machte Karriere in der Politik, Zhang in der Armee. Als einer der wenigen Generäle mit Kriegserfahrung – Zhang war 1979 im kurzen Krieg gegen Vietnam an der Front aktiv – war er respektiert und beliebt. «Er hatte eine Aura von Kompetenz um sich», erklärt denn auch Drew Thompson, ein ehemaliger hoher Mitarbeiter im Pentagon, gegenüber dem «Economist». «Die anderen Generäle der chinesischen Volksarmee (PLA) und ihre Stabsoffiziere sahen dies und respektierten ihn. Wenn er einen Raum betrat, standen sie schneller auf.»
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