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13 Jahre Haft nach Messerattacke am Holocaust-Mahnmal in Berlin

13 Jahre Haft nach Messerattacke am Holocaust-Mahnmal in Berlin

05.03.2026, 14:5805.03.2026, 14:58

Gut ein Jahr nach der Messerattacke auf einen spanischen Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin ist der Angreifer zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt worden.

Das Kammergericht der deutschen Hauptstadt wertete die Tat als radikal-islamistisch. Es sprach den 20-jährigen Syrer unter anderem des versuchten Mordes und der versuchten Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland schuldig.

Die Bundesanwaltschaft – Deutschlands oberste Anklagebehörde – hatte eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Wie von der Anklage gefordert, wandte das Gericht das allgemeine Strafrecht an. Der Verteidiger des Mannes hatte hingegen auf eine Jugendstrafe von sieben Jahren plädiert.

Der Syrer war laut Urteil am 21. Februar 2025 aus Leipzig nach Berlin gereist, um im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Angriff auf einen Menschen zu begehen. Gezielt habe er sich das Holocaust-Mahnmal unweit des Brandenburger Tors ausgesucht und sich dem IS über eine Messengerkommunikation als Mitglied angedient.

«Er ging davon aus, dort Menschen jüdischen Glaubens anzutreffen», sagte die Vorsitzende Richterin Doris Husch. Der Angreifer sei im Stelenfeld der Gedenkstätte von hinten an den Touristen aus Spanien herangetreten und habe diesem in Tötungsabsicht einen etwa 14 Zentimeter langen Schnitt an der Kehle versetzt. Danach habe er «Allahu Akbar» (etwa «Gott ist am grössten» auf Arabisch) gerufen und damit seine Gesinnung verdeutlicht.

Das inzwischen 31 Jahre alte Opfer überlebte nur knapp. «Man muss es als Wunder bezeichnen, dass er den Schnitt an der Kehle überlebte», sagte die Richterin. Der Spanier habe allerdings gravierende «seelische Narben» davongetragen. Bis heute ist der 31-Jährige nicht in der Lage, zu arbeiten, und in psychologischer Behandlung. Er war in dem Verfahren Nebenkläger.

Der Angeklagte hatte vor Gericht zugegeben, «einen Menschen gegriffen» und ihm einen grossen Schnitt versetzt zu haben. «Schon eine Sekunde nach der Tat bereute ich», erklärte er weiter. Die Fahrt nach Berlin sei auf Druck eines Chat-Partners erfolgt, mit dem er bei seinem Konsum von IS-Videos in Kontakt gekommen sei. Er bitte um Vergebung.

Der 20-Jährige, der 2023 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war und in einer Unterkunft in Leipzig wohnte, hatte sich etwa zweieinhalb Stunden nach der Tat am Mahnmal gestellt. Seit seiner Festnahme befindet er sich in Untersuchungshaft. (dab/sda/dpa)

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4 Kommentare
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Der Micha
05.03.2026 16:47registriert Februar 2021
«Schon eine Sekunde nach der Tat bereute ich»

Nein, eine Sekunde später rief er Allahu Akbar. Bereut hat er gar nichts. Und selbst wenn er Reue gezeigt hat, ist dies keine Ausrede für die Tat die er begannen hat.

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich das Opfer fühlen muss.
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